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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Nachtrab - Nachtvögel
und Warzen von roter und gelber Farbe und nähren
sich von den Blättern der Obstbäume, Schlehen,
Buchen u.s.w. Das große oder Wiener N. (8a-
wrnia. p^i-i Ilb.) ist der größte deutsche Schmetter-
ling, das Weibchen spannt 150, das Männchen
110 mm; er erreicht in der Wiener Gegend seine
Nordgrenze. Das mittlere N. (saturnia 8piui
^lb.) ist auch südeuropäisch, während das kleineN.
^Äturnia carpini ^?b., s. umstehende Figur) fast in
ganz Deutschland vorkommt.
Nachtrab, s. Arrieregarde.
Nachtrabe, s. Nachtreiher.
Nachtragsarbeiten, im Forstwesen Arbeiten
zur Erhaltung und Fortbildung des Einrichtungs-
werkes. Sie zerfallen in die sog. Vermessungs-
nach träge und in die Führung eines Ernte -
oder Wirtschaftsbuches. Erstere haben es zu
thun mit den Veränderungen des ursprünglich vor-
handenen Thatbestandes, die durch Ankäufe, Ver-
käufe, Wegebau, Schlagführung u. s. w. eintreten,
und mit Berichtigung im Verlaufe der Zeit ent-
stehender Mängel. Das Erntebuch hat die Auf-
gabe, eine Übersicht der dem Walde überhaupt
und den einzelnen Beständen im besondern ent-
nommenen Nutzungen zu gewähren, ferner einen
Vergleich des Hiebssatzes mit der Gesamtnutzung
und Vergleiche der einzelnen geschätzten Material-
crträge mit den wirklichen Erträgen zu geben.
Nachtragsverteilungen, im Konkursverfah-
ren die Verteilungen, welche nach dem Vollzuge der
Schlußverteilung (s. Verteilungsverfahren) vorzu-
nehmen sind. Nach der Deutschen Konkursordnung
(Z. 153) hat der Verwalter nach Anordnung des
Konkursgerichts auf Grund des Schlußverzeichnisses
eine solche nachträgliche Verteilung vorzunehmen,
wenn Beträge, welche von der Masse zurückbehalten
wurden, für dieselbe frei werden, oder Beträge, welche
aus der Masse bezahlt sind, zu derselben zurückfließen.
Dasselbe gilt, wenn nach der Schlußverteilung oder
der Aufhebung des Verfahrens zur Konkursmasse
gehörige Vermögensstücke ermittelt werden. Nach
der Österr. Konkursordnung (§. 190) hat eine nach-
trägliche Verteilung stattzufinden, wenn erst nach
Beendigung des Konkurses ein zur Konkursmasse
gehöriges Vermögen zum Vorschein kommt.
Nachtreiher, Nachtrabe oder Focke (K^cti-
corax Fri86U3 ^.) wird ein 60 cm langer, 108 cm
klafternder Reiher genannt, der plumpere, gedrun-
genere Formen als seine Verwandten hat, oben grün-
schwarz, unten weiß gefärbt, mit drei langen weißen
Federn am Hinterkopf. Er findet sich in allen Sumpf-
gegenden Europas, von Holland bis zum Kaspischen
Meer, brütet auch in China, Indien, auf den Sunda-
Inseln und in Nord- und Südamerika. In Europa
ist er ein Zugvogel, der ausgezeichnet im Rohr zu
klettern versteht, ein nächtliches Leben führt, wobei
er seine krächzende Stimme vernehmen läßt, der er
seinen deutschen Namen und die abergläubische
Scheu, mit der er vielfach betrachtet wird, verdankt.
Man sieht ihn häufig in der Gefangenschaft, in der
er sich leicht fortpflanzt. Das Brutgeschäft der N.
dauert drei Wochen.
Nachtriegel, s. Schloß.
Nachtrupp, s. Arrieregarde.
Nachtschatten, Pflanze, s. NsspsriZ und 8o>
Nachtschicht, s. Nachtarbeit. "num.
Nachtschulen, soviel wie Abendschulen (s. o.).
Nachtschwalben (^aprimul^iäas), eine aus
^7 Gattungen und gegen 100 Arten bestehende, fast
kosmopolitisch verbreitete Familie der Langhänder
(s. d.), ausgezeichnet durch einen sehr kurzen, dreiecki-
gen Schnabel, eine kammartig ausgeschnittene Kralle
der Mittelzehe, einen breiten, flachen Kopf und wei-
ches, lockeres, meist braunes und graues, eulenartig
gezeichnetes Gefieder. Es sind nächtliche, von In-
sekten lebende Vögel, von denen einzelne Arten im
männlichen Geschlecht durch sonderbar verlängerte
Federn des Schwanzes, wie die Leiernacht-
schwalbe ((^primulFug m6Za1urii8 ^'Menst.,
s. Tafel: Langhänder, Fig. 7), oder der Flügel,
wie die Flaggenn achtschwalbe (^Hpi-imuiFU8
3p6icei >3c?., Fig. 1), ausgezeichnet sind. N. finden
sich ziemlich auf der ganzen Erde, mit Ausnahme
des hohen Nordens, in Europa ist die europäische
Nachtschwalbe oder der Ziegenmelker (s. d.,
(^pi-imulFU8 6ui-0pa0n3 ^., Fig. 5) nicht selten;
eine zweite, etwas größere Art, mit rostrotem Hals-
band (OaprimniFUZ ruücoUig ^emm.), findet sich in
Spanien. Nahe mit den N. verwandt ist der Gua-
charo (s. d., 8t6lU0i'ni3 ckrip6N8i8 Nemb., Fig. 3).
die Scene nicht von der Sonne oder dem Tages-
licht, sondern vom Mond oder einem künstlichen
Licht beleuchtet erscheint. Mit Absichtlichkeit sind
dergleichen Gegenstände meist nur von solchen Ma-
lern und Malerschulen behandelt worden, welche im
Kolorit und in der Beleuchtung, zumal im Hell-
dunkel, sich auszeichnen. So hat der Schöpfer des
Helldunkels, Correggio, auch das berühmteste Nacht-
stück geschaffen: Die Heilige Nacht (s. Tafel: Ita-
lienische Kunst VII, Fig. 9), auf dem das Licht
vom Heiligenschein des Kindes ausgeht. Namentlich
haben die Holländer sehr Bedeutendes geleistet, z.B.
Rubens, Nembrandt, Honthorst, der davon den Bei-
namen 6a1i6 notti erhielt, Neefs, van der Neer und
besonders Godfr. Schalcken, in dessen Gemälden oft
die verschiedensten Lichter samt, Reflexen und Hell-
dunkel sich kreuzen. Unter den Franzosen ist M. Va-
lentin in Bezug auf N., unter den Italienern die
Schule von Neapel zu nennen. In neuerer Zeit
haben auch deutsche Maler, wie Douzette, H. Eschke,
die beiden Achenbach u. a., die N. gepflegt und zwar
im landschaftlichen Gebiete.
NachtstUhl, soviel wie Zimmerllosett (s. Abort).
Nachtviole, Pflanze, s. ll68p6ii8.
Nachtvögel, fast in allen Ordnungen der Vögel
vorkommende Typen, welche, im Gegensatz zu der
qroßen Mehrzahl, auf die Nacht zur Entfaltung
ihres aktiven Lebens angewiesen sind. Gewöhnlich
unterscheiden sie sich, wie alle Nachttiere, durch ganz
besondere Entwicklung der Sinnesorgane: große
runde Augen, deren Pupillen sehr weit geöffnet und
dadurch fähig gemacht werden können, möglichst viele
Lichtstrahlen aufzunehmen, außerordentlich feines
Gehör, oft noch durch besondere Gruppierung der
Federn um die Ohröffnung unterstützt, weiches auf-
gebauschtes Gefieder, das einen unhörbar leisen
Flug gestattet, meist weit gespaltenen Nachen.
Typisch sind die Nachtraubvögel oder Eulen (s. d.).
Die nächtlichen Insektenfresser gruppieren sich haupt-
sächlich in der Familie der Nachtschwalben (s. d.)
oder Ziegenmelker. In Südamerika sind tiefe Fel-
senhöhlen von dem Guacharo (s.d.) bewohnt, einem
nächtlichen körnerfressenden Langhänder. Die Klet-
tervögel haben den Neuseeland bewohnenden Nacht-
papagei (s. d.), die Stelzengänger die Rohrdommeln
und Nachtreiher (s. d.), die Läufer den Kiwi als
Repräsentanten dieser Lebensweise. Manche N.