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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Näherrecht - Nähmaschine
stellung leichter Weißnähereien, Strohhüten und
Schuhwaren; zu den letztern die Doppelstepp-
nah t für Näharbeiten von großer Haltbarkeit, sowie
die meist als Ziernaht verwendete Zweifaden-
kettennaht (Grover-Baker-Naht).
Die Festigung der nicht mit Webkante versehe-
nen Stoffränder zur Verhinderung des Ausfaserns
derselben geschieht sowohl in der Hand- als Maschi-
nennäherei entweder durch Umnähen mit über-
wendlichen, Feston- oder Knopflochstichen oder durch
die Bildung eines Saums, d. i. eines einfachen
oder doppelten Umschlags der Stoffkante, der durch
eine am Nande entlang geführte Naht befestigt
wird. Man unterscheidet den durchbrochenen,
englischen oder Hohlsaum, zur Verzierung von
Hemden, Beinkleidern, Nachthauben u. s. w. be-
nutzt; den Steppsaum, der besonders an Bett-
tüchern, Kissenüberzügen und an einzelnen Teilen
von Herren- und Frauenhemden Anwendung findet;
den Roll- oder Wirbelsaum zum Anreihen von
Falten in Überzügen, Vorhängen, Tapezierarbeiten
u. s. w. - Vgl. Hillardt, Handarbeitskunde, Ab-
teil. 3: Das N. (5. Aufl., Wien 1895).
Näherrecht, s. Retrakt.
Naheweine, die im Gebiete der Nahe (s. d.) er-
zeugten Weine, die, den Pfälzer Weinen verwandt,
weich und voll sind und ungefähr den Rang der ge-
ringern Saarweine einnehmen. Die Kultur der Rebe
wird besonders im untern Nahethale sehr sorgfältig
betrieben, weshalb die um Kreuznach und weiter ab-
wärts produzierten Gewächse gleich Rheinwein ge-
sucht sind und in den Handel kommen, während
andere auch wohl als Moselweine in die Welt gehen.
Sie dienen auch dazu, im Verschnitt mit den kleinern
Rheingauweinen den letztern Körper zu verleihen.
Die Naheweinberge erstrecken sich über ungefähr
2400 w Areal mit etwa 66000 Iii Jahresertrag.
Der Rebsatz ist Riesling mit Elbling, ferner Tra-
miner, Ruländer und Österreicher. Die vorzüglich-
sten Gewächse sind: Kreuznach (Schloß Kautzenberg,
Belz, Kalenberg, Vrückes), Münster am Stein,
Monzingen, Sarmsheim, Winzenheim, Laubenheim
(nicht mit dem rheinhess. Weinorte zu verwechseln),
Weiler und Norheim.
Nahije (arab.), türk. kleinster Verwaltungs-
bezirk, s. Ejälet; in Montenegro (s. d.) Kreis, unter
einem Wojwoden.
Nahl, Tiergattung, soviel wie Narwal (s. d.).
Nähmaschine, mechan. Vorrichtung zur Her-
stellung von Nähten in den verschiedensten Tertil-
stoffen, sowie in Leder und andern Materialien.
Das erste Patent auf eine derartige, konstruktiv noch
höchst unvollkommene Maschine wurde 1790 dem
Engländer Thomas Samt erteilt; das zweite nah-
men 1804 die Engländer Thomas Stone und James
Henderson auf eine Maschine, mittels deren man
die überwendliche Naht herstellen konnte. Eine
einigermaßen brauchbare N., die aber gleichfalls
noch auf dem Princip der Handnäherei beruhte,
führte 1814 Joseph Madersperger in Wien aus; in
einer spätern Konstruktion (um 1839) ging derselbe
zur Anwendung zweier Nadeln mit an der Spitze
befindlichem Öhr über und erzielte durch Ver-
schlingung mehrerer Fäden eine Aufeinanderfolge
gerader Nähte, wie sie z. B. beim Abnähen der sog.
Doppelstoffe vorkommt. Die erste N., die in grö-
ßerer Anzahl angewendet wurde, war die von
Barthölemy Thimonnier 1829 erfundene, die mit-
tels einer Hakennadel und eines fortlaufenden Fa-
dens den einfachen Ketten st i ch herstellte. Un-
abhängig von den genannten Erfindern konstruierte
1834 Walter Hunt in Neuyork die erste Maschine
für den doppelten Steppstich, der jetzt von den
N. fast ausschließlich hergestellt wird, indem er eine
Nadel mit an der Spitze befindlichem Öhr für den
Oberfaden und eine dem Weberschiffchen äbnliche
Vorrichtung für den Nnterfaden anwendete. Diese
Konstruktion, welche die Grundlage der heutigen
Schiffchenmaschinen bildet, blieb lange Feit
fast unbekannt, weil der Erfinder aus Mangel an
Selbstvertrauen unterließ, sie der Öffentlichkeit zu
übergeben. Als der eigentliche Schöpfer der N.
gilt daher gewöhnlich Elias Howe aus Spencer
(Massachusetts), der sich 1846 eine der Konstruktion
von Hunt in allen Haupttcilen ähnliche Maschine
patentieren ließ und dem seinen zahlreichen Kon-
kurrenten gegenüber das Eigentumsrecht an dieser
Erfindung gerichtlich zuerkannt wurde. Der eifrigste
seiner Konkurrenten und zugleich derjenige, der sich
das größte Verdienst um die allgemeine Einfüh-
rung der N. erwarb, war I. M. Singer, der unter
dem Schutz eines ihm 1851 auf Verbesserung der
Schiffchennähmaschine erteilten Patents nach seiner
Übersiedelung von Boston nach Neuyork in letzterer
Stadt eine große Nähmaschinenfabrik gründete,
die sich später unter der Firma "Singer Ätannfac-
turing Company" in so rascher Weise ausdehnte,
daß sie bereits 1874 nicht weniger als 241679 N.
zum Verkauf brachte. 1852 nahm Allen B. Wilson,
der in Gemeinschaft mit dem Kaufmann Wheeler
in Bridgeport eine gleichfalls später weltberühmt
gewordene Fabrik anlegte, ein Patent auf eine N.,
in der er statt des Schiffchens mit beweglicher Spule
einen rotierenden Haken, Greifer genannt, mit
ruhender Spule anwendete. In demselben Jahre
ließ sich Grover, der mit Baker in Boston eine Fabrik
errichtete, eine Maschine patentieren, die mit Weg-
lassung des Schiffchens, durch eine eigentümliche
Vorrichtung zur Einführung des sog. Vindefadens,
einen neuen Stich, den doppelten Kettenstich,
erzeugte; auch die Kettenstichmaschine von I.
C. A. Gibbs (System Willcor <k Gibbs), die durch
ihre Wohlfeilheit fchnell Eingang fand, wurde um
diese Zeit patentiert. Außerdem kamen für einige
andere Stiche N. zur Anwendung, die jedoch meist
zu kompliziert oder zu wenig vorteilhaft waren. So
wurde schon 1841 den Engländern Newton und
Archbold eine Maschine zur Herstellung von Zier-
nähten auf Handschuhen, 1844 >em Engländer Bost-
wick eine solche zur Erzeugung d s Vorderstichs pa-
tentiert, welch letztere hauptsächlich 'um Zusammen-
heften ganzer Zeugstücke für Färbers und Druckerei
bestimmt war. Gegenwärtig beträgt die Zahl der
auf N. erteilten Patente mehrere Tausende. Die
gebräuchlichsten Systeme sind Singer, Wheeler &
Wilson, Willcox ck Gibbs, Grover & Baker, von
denen das erste namentlich für das Haus, das
zweite für die gewerbliche Weißnäherei und das dritte
für TricotagenVerwendung findet; das vierte eignet
sich sehr für Ziernähte; die überwendliche Naht wird
namentlich für die Herstellung von Säcken benutzt.
Neben diesen stehen noch eine Anzahl Specialmaschi-
nen in Verwendung, z. V. in der Schuhfabrika-
tion die N. von Gros in Reutlingen, Blake in
Neuyork, McKay u. a.; in der Strohhutnäherei die
N. von Vosworth, von Willcor & Gibbs u. s. w.
Die amerik. Nähmaschinenproduktion wird zur
Zeit im Jahre auf 1500000 Stück geschätzt. Hiervon