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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Nanteuil - Nantua
fanteriedivision, der 41. Infanteriebrigade und der
11. Kavalleriebrigade, ferner einesSuffraganbischoss
der Erzdiöcese Tours, und hat (1891) 106591, als
Gemeinde 122 750 E. (4732 weniger als 1886), in
Garnison das 65. Infanterieregiment, das 3. Dra-
gonerregiment, die 11. Traineskadron und die
11. Gendarmerielegion. N., eine belebte Stadt, hat
fünf faubere Vorstädte, die südlichste an der Mün-
dung der Sevre, 4 Bahnhöfe, 20 Brücken, 13 Kir-
chen, darunter die im 6. Jahrh, gegründete, 1484
umgebaute, erst vor kurzem fertig gestellte Dom-
tirche St. Pierre mit reichen Portalen, zwei Türmen
und prächtigem Innern sowie dem Grabmal Her-
zogs Franz II. von Bretagne und seiner Ge-
mahlin Margarete von Foix, einem Meisterwerke
(1507) der Renaissance, und dem des Generals
Lamoriciere von Dubois (1879; Detail s. Tafel:
Französische Kunst IV, Fig. 10); die Kirche
St. Nicolas, 1843-54 im Stil des 13. Jahrh, er-
baut, mit dem Grabmal des Bischofs Fournier; die
Kirche Ste. Croir, 1685 umgebaut und jetzt restau-
riert; die prot. Kirche u. a. Sonst sind zu bemerken
das die Loire beherrschende Residenzschloß der ehe-
maligen Herzöge von Bretagne (1466 umgebaut),
die schöne Präfektur (1763), das Stadthaus (1808),
der prachtvolle Iustizpalast, die mit Säulenfacade
und Statuen geschmückte Börse (1891 restauriert
und vergrößert), das Theater, das naturwissen-
schaftliche Museum mit der ^eole ä68 8ci6nc63
am Münzplatz, die seit 1830 als Bildergalerie
dienende Leinwandhalle (der Bau eines neuen
Museums war 1896 fast vollendet), das Post- und
Telegraphengebäude (1884), große massive Maga-
zine für Kolonialwaren (168 8Hloi-F68) und große
neue Kasernen im Osten. Auch hat N. schöne Pro-
menaden (Cours Cambronne mit der Vronzestatue
des Generals Cambronne seit 1848, Cours St.
Pierre und St. Andrö), viele Quais, Boulevards,
dotan. Garten und Les Champs de Manoeuvre, zu-
gleich Rennbahn. Am Quai de la Fosse liegt die
Maison des Tourelles, wo das Edikt von N. unter-
zeichnet wurde. - N. hat ein Priesterseminar, großes
und kleines Lyceum, höhere Töchter-, Gewerbe- und
Zeichenschule, eine hydrogr. Schule mit Sternwarte,
ein Konservatorium der Musik, ein Taubstummen-
institut, Handels- und Schisfahrtsschulen und eine
Menge gewerblicher und fachwissenschaftlicher Schu-
len; sodann eineBibliothek(90000Vände,500Hand-
schriften, 10000 Kupferstiche), Museen für Kunst
(1000 Gemälde, 300 Skulpturen), Altertümer, Natu-
ralien u. a.; gelehrte Gesellschaften (Akademische Ge-
sellschaft für N.und Niederloire) und gemeinnützige,
zwei große Hospitater, eine Irrenanstalt, kleinere
Krankenhäuser und verschiedene Wohlthätigkeits-
anstalten. - N. ist als Industrie- und Handeisstadt
zurückgegangen. Es giebt mehrere Kesselschmieden,
Eisen- und Kupfergiehereien, Maschinenfabriken,
Seifensiedereien, Lohgerbereien, Dampfmühlen,
Brauereien, Fabriken für Leder, Papier, Kattun,
Tuch und andere Wollstoffe. Von den Zuckerrafsine-
rien arbeiten nur noch zwei; wichtig sind für Cham-
pagnerfabrikation die Raffinerien für Kandiszucker.
Die Fabrikation von Konserven ist bedeutend; nur
der Handel mit Ölsardinen hat mit Schwierigkeiten
zu kämpfen, da die Sardine unregelmäßig und nicht
immer in genügender Menge erscheint. N. ist Entre-
pöt für Salz und für Weine des Departements und
hat ein Lager von Lebensmitteln für die Marine, be-
sonders auch für die Häfen Brest, Lorient, Rochefort,
doch ist seine große Seefischerei eingegangen und nur
noch Küstenfischerei im Betriebe. Als Handelshafen
ist N. der sechste Frankreichs, da die Schiffahrt auf
der Loire zwifchen Pellerin und Paimboeuf viele
Hindernisse zu überwinden hat und St. Nazaire
viel günstiger liegt. Zur Abbilfe wurde der 14 km
lange Loirekanal gebaut, durch den N. auch größern
Schiffen zugänglich gemacht wurde, außerdem führt
ein 360 kni langer Kanal von N. nach Brest. Der
Vorhafen Paimboeuf versandet auch und schadet
N. wenig. Der am Nordarm der Loire gelegene
Hafen kann 200 Schiffe fassen und ist durch große
Bauten sehr verbessert und verschönert, und der
Verkehr durch Schienenwege entlang der Quais
erleichtert. 1895 betrug die Einfuhr 1247 610 t,
besonders Zucker aus den franz. Kolonien (31919),
Getreide (39 758), Holz (89 242), Hanf (2787), Holz-
masse (10 466), Wein (14618), Kohlen, besonders aus
England (826 581), Eisenerz (54019), Schmiedeeisen,
Gußeisen und Stahl (14319), Kalksuperphosphate
(22180), Phosphate (18669 t). Die Ausfuhr betrug
197356 t, besonders Eier, Geflügel und Wildbret
(5018), Butter (738), Fische (gesalzene, geräucherte
und konservierte, 3944), Getreide und Mehl (22591),
Kartoffeln (5678), Früchte (frische 1121, getrocknete
1312), Zucker (roh 3581, raffiniert 1105, Kandis
129), Reis (1869), Wein (4710), Branntwein (3753),
Kohlen (64179), Blei und Zink (11447), Metall-
waren (4389 t) u. s. w. 1895 liefen in N. ein 395
beladene Schiffe mit 180157 t (darunter französische
217 mit 84 996 t), aus 270 mit 73 991 t. Die Häfen
der Loire hatten jedoch (ohne die innere Küstenschiff-
fahrt) einen Gesamteingang von 1121 Schiffen mit
745429 t, und im Aus gang wurden verzeichnet 545
Schisse mit 237 381 t Ladung. Von N. findet ein regel-
mäßiger Dampferverkehr mit Bordeaux, Havre und
Hamburg statt, dagegen geht der direktePaketbootver-
band mit Spanien, Martinique, Cuba und Mexiko
von St. Nazaire aus. - N., im Altertum Hauptstadt
der Namneter, hieß lüonäivicuuni oder?orw8 Rain-
N6wm, später Namneta, war die Residenz der
Grafen und Herzöge von Bretagne und erhielt von
Herzog Franz II. eine Universität, die bis zur sranz.
Revolution bestand. Heinrich IV. gab hier das
Edikt von Nantes (s. Hugenotten). - Vgl.
Mellier, N88^i 8ur i'IiiZtoirs ä6 1a viliß et äu comtö
ä6 N. (Nantes 1872).
Nanteuil (spr. nangtöj), Robert, franz. Kupfer-
stecher, geb. 1630 in Reims, bildete sich in Paris
unter A. Bosse und brachte den sog. malerischen
Stich zur höchsten Blüte. Große Meisterschaft er-
reichte N. im Stiche von Bildnissen. Von Lud-
wig XIV., den er einige zwanzigmal in den ver-
schiedensten Altersstufen zeichnete und stach, wurde
er zum königl. Zeichner und Kupferstecher in Paris
ernannt, wo er 1678 starb. - Vgl. Loriquet,
Nod6rt N. (2. Aufl., Par. 1885). ^gonkin.
Nanticoke (spr. -kohk), Indianerstamm, s. Al-
Nan-tschang, Hauptstadt von Kiang-si (s. d.).
Nantua (spr. nangtüä). 1) Arrondissemeut im
franz. Depart. Ain, hat auf 933,13 ykm (1891)
48191 E. in 6 Kantonen und 74 Gemeinden. -
2) Hauptstadt desfelben, an dem etwa 3 km langen
gleichnamigen See, an der Nebenlinie Bourg-Belle-
garde der Paris-Lyon-Mittelmeerbahn, in emer der
wildesten Schluchten des Iuragebirges, hat (1891)
2528, als Gemeinde 2973 E., ein Collöge, Zellen-
gefüngnis; Tuchfabrikation und Gewinnung von
^ithographiesteinen.