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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Napoleon I.
Besoldung der Geistlichkeit übernahm. Auch ward 1801 eine Kommission niedergesetzt, um einen neuen Civilcodex auszuarbeiten. (S. Code Napoléon.) Im ganzen erhielt das öffentliche Leben Frankreichs immer mehr ein monarchisches Gepräge, wie denn auch der Orden der Ehrenlegion gestiftet wurde. Im Mai 1802 ließ sich N. durch den Senat seine Amtsgewalt auf weitere zehn Jahre verlängern. Am 2. Aug. 1802 wurde er nach allgemeiner Abstimmung zum lebenslänglichen Konsul ernannt.
Der Friede mit England dauerte kaum ein Jahr. Die brit. Regierung beschwerte sich über die Einmischung N.s in die Verhältnisse Italiens, der Schweiz und Hollands und weigerte sich, Malta herauszugeben, wie es der Friedensvertrag verlangte. Nach einem erbitterten Notenwechsel erfolgte die engl. Kriegserklärung (18. Mai 1803), worauf N. das Kurfürstentum Hannover besetzte und am Kanal ein Heer und eine Flotte zum Zweck einer Landung in England sammelte. Zugleich entwarf er die Grundzüge des Kontinentalsystems (s. d.), indem er 20. Juni 1803 die Einfuhr der brit. Waren untersagte. Das Londoner Kabinett dagegen suchte Bundesgenossen auf dem Kontinent zu gewinnen und unterstützte insgeheim die Umtriebe und Verschwörungen der franz. Flüchtlinge. Unmittelbar nach Entdeckung des Komplotts vom Febr. 1804, das von Cadoudal (s. d.) unter Mitwissenschaft Pichegrus und Moreaus angezettelt worden war und durch den Argwohn N.s gegen bourbonische Urheberschaft die Hinrichtung des Prinzen von Enghien (s. d.) im Gefolge hatte, that N. den entscheidenden Schritt zur Wiederherstellung der erblichen Monarchie. Durch einen 18. Mai 1804 zu St. Cloud überreichten Senatsbeschluß wurde er zur Befestigung des Staates und zur Sicherheit seiner eigenen Person zum erblichen Kaiser erklärt mit dem Titel: Napoleon I. von Gottes Gnaden und durch die Konstitutionen der Republik Kaiser der Franzosen. Bei einer allgemeinen Abstimmung sanktionierte eine Majorität von 3572329 Stimmen diese neue Ordnung der Dinge. Am 2. Dez. fand die Krönung in der Notre-Dame-Kirche zu Paris mit großer Pracht statt. Papst Pius VII., der zu dieser Feier geladen war, salbte den Kaiser und die Kaiserin Josephine; dann setzte N. sich selbst und seiner Gemahlin die Krone auf. Der neue Thron umgab sich mit einem glänzenden Hofstaat durch Schaffung von Großwürdenträgern und Marschällen. Auch ward bald ein neuer Erbadel (Herzöge, Grafen, Barone, Ritter) errichtet, der auf Majorate basiert werden sollte; doch blieb die Gleichheit vor dem Gesetz bestehen. Die republikanischen Einrichtungen und Erinnerungen wurden vollends beseitigt und die Rechte der großen Staatskörperschaften (Senat, Legislative und das nach einigen Jahren ganz beseitigte Tribunat) aufs äußerste beschränkt, so daß nur ein hohler Scheinkonstitutionalismus übrigblieb. Auch die Italische Republik wurde in ein Königreich Italien (17. März 1805) umgewandelt.
Inzwischen war die dritte Koalition abgeschlossen worden, in der Absicht, Frankreich wieder auf die Grenzen von 1792 zu beschränken. Infolgedessen gab N. die Pläne gegen England, die vielleicht, soweit es sich um eine Landung handelte, nie ganz ernst gemeint gewesen waren, auf, um dessen Bundesgenossen Osterreich und Rußland anzugreifen. Vom 24. bis 26. Sept. 1805 ging er mit der Hauptarmee über den Rhein, worauf Bayern, Württemberg und Baden sich mit ihm verbündeten. Ein zahlreiches österr. Heer unter Mack wurde durch geschickte Operationen umzingelt und kapitulierte 17. Okt. bei Ulm; 13. Nov. besetzte N. Wien. (S. Französisch-Österreichischer Krieg von 1805.) Die Dreikaiserschlacht bei Austerlitz (s. d.) 2. Dez. entschied den Krieg vollends zu Gunsten N.s. Das russ. Heer kehrte alsbald heim und gab damit die Sache der Koalition auf; Preußen verstand sich zu dem demütigenden Vertrag von Schönbrunn 15. Dez.; Österreich verlor im Frieden von Preßburg (s. d.), 26. Dez., den letzten Rest seiner ital. Besitzungen sowie Tirol und Vorderösterreich. An demselben Tage erklärte N. zu Schönbrunn die Dynastie von Neapel wegen ihrer zweideutigen Haltung während des Krieges für abgesetzt, und binnen wenig Wochen war die ganze ital. Halbinsel von den Franzosen occupiert; nur auf den Inseln Sicilien und Sardinien behaupteten sich die Könige von Neapel und von Piemont unter dem Schutz der engl. Flotte. Am 27. Jan. 1806 kehrte N. nach Paris zurück und suchte nun seine vorherrschende Machtstellung in Mitteleuropa durch Begründung eines föderativen Imperiums dauernd zu befestigen. Zunächst begann er seine Familie mit neuen Thronen auszustatten und deutsche Fürsten durch Verwandtschaftsbande an sich zu fesseln. Sein Bruder Joseph Bonaparte (s. d.) wurde König von Neapel, sein Bruder Ludwig Bonaparte (s. d.) König von Holland, sein Stiefsohn Eugen Vicekönig von Italien, sein Schwager Joachim Murat (s. d.) Großherzog von Berg; seine Schwestern erhielten ital. Fürstentümer, Elise (s. Bacciocchi) Lucca und Piombino, Pauline (s. Borghese) Guastalla. Ein kaiserl. Familienstatut vom 30. März erklärte den franz. Kaiser zum Familienhaupt und nötigte sämtlichen Gliedern mit ihren Herrschaften das strengste Vasallentum auf. Am 12. Juli folgte die Unterzeichnung der Rheinbundsakte (s. Rheinbund), worauf sich 6. Aug.das Deutsche Reich auflöste.
Die Friedensunterhandlungen, die um diese Zeit in Paris mit Rußland und England geführt wurden, blieben erfolglos, und bald darauf kam es auch zum Bruch mit Preußen, das, von N. vielfach gedemütigt, zuletzt die Räumung Deutschlands von franz. Truppen forderte. N. reiste 25. Sept. 1806 von Paris nach Bamberg, wo er feine Armee konzentrierte und dann nach Thüringen vorrückte. In der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt (s. d.) wurde 14. Okt. die preuß. Hauptmacht vollständig geschlagen. N. zog 27. Okt. triumphierend in Berlin ein, die Dynastien von Braunschweig und Kurhessen wurden verjagt, gegen England (21. Nov.) das Dekret der Kontinentalsperre erlassen; dagegen ward Kursachsen in den Rheinbund aufgenommen und erhielt den Königstitel. Inzwischen hatte eine starke russ. Heeresmacht sich mit den Preußen vereinigt. Als aber N. bei Friedland 14. Juni 1807 siegte und am 16. Königsberg besetzte, wurden Unterhandlungen eröffnet, die zum Abschluß der Verträge von Tilsit 7. und 9. Juli führten. Preußen verlor die Hälfte feiner Provinzen, während mit Rußland ! ein Bündnis geschlossen und diesem Staat sogar noch eine Gebietsvergrößerung zu teil wurde. (S. Französisch-Preußisch-Russischer Krieg von 1806 und 1807.) Aus den eroberten Landen westlich von der Elbe bildete N. das Königreich Westfalen, das er seinem jüngsten Bruder, Jérôme Bonaparte (s. d.), verlieh; die preuß.-poln. Provinzen aber fielen unter