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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Nationalliberale Correspondenz - Nationaltheater
neue Verfassung beraten und beschlossen hatte.
(S.Frankreich, Geschichte.)
Nationalliberale Correspondenz, das Cen-
tralorgan (seit 1874) der nationalliberalen Partei,
erscheint täglich einmal zu Berlin in autogr. Druck,
herausgegeben vom Reichstagsabgeordneten Fried-
rich Böttcher und unter Redaktion von Friedrich
Weber und wird ausschließlich an Zeitungsredaktio-
nen zum Wiederabdruck ihrer Artikel versandt.
Nationalliberale Partei, polit. Partei, die
sich 1866 von der deutschen Fortschrittspartei (s.d.)
im preuß. Abgeordnetenhause abzweigte. Sie ging
von einer Erklärung aus, die 15 Mitglieder der ^
Fortschrittspartei und 9 des linken Centrums im
Sept. 1866 zu Gunsten der deutschen Politik der
preuß. Regierung veröffentlichten. Am 17. Nov. !
1866 konstituierte sich darauf eine "Fraktion der
nationalen Partei" von 19 Mitgliedern, darunter
von Hennia, Twesten, Lasker, Kammacher u. a. Der
Name N. P. tauchte zuerst in Hannover vor den
Reichstagswahlen vom 12. Febr. 1867 auf. Un-
mittelbar nach Eröffnung des Reichstags bildete
sich dann eine nationalliberale Fraktion in der
Stärke von 79 Mitgliedern, die zumal nach 1870
eine ausschlaggebende Bedeutung gewann und 1874
bis zu 155 Mitgliedern anstieg. Ihr Grundprincip
war in den Worten ihres Programms vom Juni
1867 enthalten: "Es wäre ein verderblicher Irrtum
zu glauben, daß das Volk, seine Fürsprecher und
Vertreter nur die Interessen der Freiheit zu wahren
brauchen, die Einheit dagegen auch ohne uns durch
die Regierung auf dem Wege der Kabinettspolitik
werde aufgerichtet werden." Auch in andern deut-
schen Ländern bildeten sich um dieselbe Zeit äbnliche
Parteien. Vorzugsweise waren es die gemäßigten
oder Altliberalen, die ehemaligen sog. Gothaer (s. d.),
die der neuen Partei beitraten; doch gingen auch viele
sog. Demokraten zu ihr über. Der schutzzöllnerischen
Wendung der Bismarckschen Wirtschaftspolitik 1879
trat die Mehrheit der N. P. entgegen und veran-
laßte dadurch eine unter der Führung der Abgeord-
neten von Schauß und Volk stehende Gruppe von
18 Mitgliedern zum Austritt aus der Fraktion.
Am 30. Aug. 1880 folgte sodann der linke Flügel
der Partei unter Rickert, Bamberger u. a., um sich
als Liberale Vereinigung (auch Secessionisten ge-
nannt) selbständig zu organisieren. Die volle Kon-
sequenz des Austritts der freihändlerifchen Elemente
wurde aber erst infolge der Verschmelzung der Se-
cessionisten mit der Fortschrittspartei zu der deutsch-
freisinnigen Partei gezogen durch die von süddeut-
schen Führern der N. P. ausgehende Heidelberger
Erklärung vom 23. März 1884, in der unter anderm
die Berechtigung agrarischer Zölle und die Notwen-
digkeit einer höhern Besteuerung des mobilen Ka-
pitals (Börsensteuer) anerkannt wurde. Der Berliner
Parteitag vom 18. Mai 1884 stellte die gesamte N. P.
auf den Boden der Heidelberger Erklärung. Das
Kartell (s. d.) der regierungsfreundlichen Parteien
für die Neichstagswahlen vom 21. Febr. 1887 kam
vor allem der N. P., die in dem 1884 gewählten
Reichstage nur 51 Mandate besessen hatte, zu gute;
sie gewann 99 Sitze, sank aber nach den Reichstags-
wahlen vom 20. Febr. 1890 auf 42 zurück, worauf
sie nach den Wahlen vom 15. Juni 1893 wieder auf
52 stieg. Im preuß. Abgeordnetenhause gewann
sie 1888 87 Mandate (gegen 72 im 1.1885), 1893
90 Mandate. - Vgl. Die N. P. 1867-92. Zum
Gedächtnis ihres 25jährigen Bestehens (LpZ. 1892).
Natio nalliga. Irische (Iri8k National I.6HFU6),
polit. Verbindung, die an Stelle der aufgelösten
Landliga (s. d.) 17. Okt. 1882 von Parnell, Davitt
u. a. auf der irischen Nationalkonferenz in Dublin
gegründet wurde und den Zweck hatte, die Ein-
1'etzung eines irischen Parlaments, lokale Selbstver-
waltung, Reform der Gesetze über die Pachtverhält-
nisse und die Schaffung bäuerlichen Eigentums in
Irland zu betreiben. Als sie ihre Zwecke durch un-
gesetzliche Mittel, Boycotten und Gewaltthätigkeiten,
durchzusetzen suchte und 1886 die Pächter auffor-
derte, streitige Pachtgelder nicht an die Gutsherren
oder deren Vertreter, sondern an die Kasse der N.
abzuliefern, wurde sie Aug. 1887 von der Regierung
für eine gefährliche Verbindung erklärt. Da die
Führer der N. in ihren Aufreizungen fortfuhren, so
sah sich die Regierung genötigt, gegen diese (O'Brien
und Sullivan) einzuschreiten und die Auflöfung von
gegen 200 Zweigvereinen, namentlich in der Graf-
schaft Cläre, anzuordnen. Da die irischen Führer
bestrebt sind, um die Sympathien der engt. Bevöl-
kerung für Home-Rule zu gewinnen, alle Gewalt-
thätigkeiten in Irland zu unterdrücken, so ist von
einer Wiederbelebung der N. vorläufig nicht die Rede.
Nationallitteratur, s. Litteratur und Littera-
turgeschichte; der Ausdruck N. ist durch Wachler in
Umlauf gekommen. Fisches Museum.
Nationalmufeum, germanisches, s. Germa-
Nationalökonomie, soviel wie Volkswirt-
schaftslehre (s. d.). Der Ausdruck wurde in Deutsch-
land namentlich durch das Werk des Grafen Soden
("Die N.", 9 Bde., Lpz., Aarau, Nürnb. 1805-24)
eingebürgert, kommt bei ausländischen Schriftstellern
jedoch schon früher vor (Ortes, " Dsii'Economia
nationale", 1774).
Nationalpark, s. Uellowstone-Nationalpark.
National Range (spr. näschönell rehndsch),
Gebirge, s. Sawatch Range.
Nationalrat, in der Schweiz (s. d.) die eine Ab-
teilung der Bundesversammlung, auch Titel eines
Mitgliedes dieser Abteilung.
Nationalfynoden, s. Konzil.
Nationaltänze, s. Tanzkunst.
Nationaltheater, eine Schaubühne, welche die
Aufgabe hat, vorzugsweise einheimische Stücke von
wesentlich nationalem Charakter zur Aufführung
zu bringen und ebendadurch auch die nationale Aus-
bildung der dramat. Dichtkunst zu fördern. Für
Frankreicb kann als N. das liieatrs lran^g.i8 gelten.
Radrid besitzt das Isati-c" espaiwi für klassisches
Repertoire; für Portugal f. Almeida-Garrett. In
Deutschland wurde ein N. 1767 unter Lessings Mit-
wirkung von 12 Hamburger Bürgern begründet,
scheiterte aber schon 1769. Einen zweiten Versuch
machte Joseph II. in Wien mit dem Theater an der
Burg 1776, das aber nach des Kaisers Tode nur
den Namen, nicht das nationale Streben beibehielt.
(S. Vurgtheater.) 1779 errichtete Karl Theodor von
der Pfalz in Mannheim ein Kof- und National-
theater, das Dalberg leitete und Iffland geistig be-
lebte ; hier sind Schillers Erstlinge vor das Publikum
getreten. Auch das königl. Theater in Berlin (am
Gendarmenmarkt) führte seit 5. Dez. 1786 unter der
Leitung des Geheimrats von Beyer, der Professoren
I.I. Engel und Ramler, des Regisseurs Döbbelin
und dann Ifflands (1796 - 1814) den Namen N.
Das N. am Wcinbergsweg in Berlin (1870-83)
war ein Volkstheater für klassische Stücke. Ein
magyarisches N. (eröffnet 22. Aug. 1837) befindet
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