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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Naukrarīen; Naukrătis; Naukȳdes; Naum.; Naumăchie; Naumann

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Naukrarien - Naumann (Joh. Gottlieb)

nahe im Westen der Stadt gelegenen Johannisberg, auf dem die Reste einer angeblich 724 von Winfried erbauten Kirche stehen. Napoleon Ⅰ. verlieh N. als Dotation an Davout. Später blieb es als Exklave mit drei weitern Ortschaften in der Provinz Oberhessen beim Kurstaat und wurde durch den Berliner Vertrag vom 3. Sept. 1866 von Preußen an Hessen-Darmstadt abgetreten. – Vgl. O. Weiß, Zur Gründung und Entwicklung des Solbades N. (Bad Nauheim 1875); ders., Solbad N. (Friedberg 1878); Bode, Bad N. (2. Aufl., Wiesb. 1889); O. Weiß und Grödel, Bad N. (6. Aufl.,Friedberg 1893); R. Müller, Bad N. bei Frankfurt a. M. (ebd. 1896).

Naukrarīen (grch.) hießen die 48 Landesbezirke, in die, wahrscheinlich seit der Mitte des 7. Jahrh. v. Chr., Attika zerfiel; jede der alten vier Geschlechtsphylen teilte sich in drei Trittyen, jede Trittys in zwei N. Jede Naukrarie stellte ein Schiff und war im übrigen zugleich Militär- und Steuerdistrikt. Die Prytanen oder Vorsteher dieser N., die Naukraren, bildeten einen Verwaltungsausschuß und führten vielleicht den Heerbann ihrer Bezirke. Solon behielt die N. in seiner Verfassung bei. Kleisthenes erhöhte bei der Einrichtung der 10 Phylen die Zahl der N. auf 50; aber er ersetzte die N. in ihrer administrativen Bedeutung durch die Demen.

Naukrătis, ägypt. Stadt, die unter dem ersten Psammetich Ende des 7. Jahrh. v. Chr. von siegreich zur See eindringenden Milesiern gegründet sein soll. Später wurde sie von dem griechenfreundlichen König Amasis den sich ansiedelnden oder nach Ägypten Handel treibenden Griechen ganz überlassen und blühte schnell auf. N. blieb bis in späte Zeiten ein wichtiger Handelsplatz, der besonders durch Fabrikation von Töpferwaren hervorragte. Die Schutthügel der Stadt wurden 1884 im westl. Delta halbwegs zwischen Alexandria und Kairo, beim Dörfchen Nebireh (in der Nahe von Tell el-Barud) durch den Engländer Flinders Petrie aufgefunden. – Vgl. Petrie und Gardner, Naukratis Ⅰ (Lond. 1886).

Naukȳdes, griech. Bildhauer aus Argos, Bruder des Polyklet, schuf unter anderm eine Statue der Hebe, welche neben der berühmten Hera des Polyklet stand, und eine Erzstatue der Dichterin Erinna.

Naum., hinter lat. Tiernamen Abkürzung für Joh. Friedr. Naumann (s. d.).

Naumăchie (grch.), Seeschlacht, dann die theatralische Darstellung einer Seeschlacht und davon der Ort der Darstellung. Zuerst ließ Julius Cäsar 46 v. Chr. in Rom eine N. aufführen und dafür ein Bassin auf dem Marsfeld graben. Eine andere, die noch unter Titus bestand, legte Augustus jenseit der Tiber in Cäsars Gärten an; eine dritte ließ in derselben Gegend Domitian bauen. Auch wurden öfter die festen Amphitheater (das Kolosseum, s. d., u. a.) so eingerichtet, daß man die Arena unter Wasser setzen und für N. benutzen konnte. Die größte N. gab Claudius 32 n. Chr. auf dem Fuciner See, 19000 Mann fochten hier gegeneinander. – Vgl. Friedländer, Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms, Tl. 2 (6. Aufl., Lpz. 1889).

Naumann, Emil, Komponist und Musikhistoriker, Sohn von Mor. Ernst Adolf N., geb. 8. Sept. 1827 zu Berlin, gest. 23. Juni 1888 zu Dresden, Schüler Mendelssohns, war von 1856 ab auf kurze Zeit Hofkirchenmusikdirektor in Berlin und bekleidete seit 1873 die Stelle des Geschichtslehrers am Konservatorium zu Dresden. N. hat auf allen Gebieten der Tonkunst fleißig komponiert, ohne mit seinen Werken Fuß fassen zu können. Ebenso fruchtbar war er als musikalischer Schriftsteller. Er veröffentlichte u. a.: «Die Tonkunst in der Kulturgeschichte» (Bd. 1, Berl. 1869‒70), «Deutsche Tondichter von Seb. Bach bis auf die Gegenwart» (6. Ausg., ebd. 1896), «Ital. Tondichter von Palestrina bis auf die Gegenwart» (2. Ausg., ebd. 1883), «Zukunftsmusik und die Musik der Zukunft» (ebd. 1877), «Darstellung eines bisher unbekannt gebliebenen Stilgesetzes im Aufbau des klassischen Fugenthemas» (ebd. 1878), «Der moderne musikalische Zopf» (ebd. 1880), «Illustrierte Musikgeschichte» (Stuttg. 1880‒85; in mehrere Sprachen übersetzt).

Naumann, Joh. Friedr., Ornitholog, geb. 14. Febr. 1780 zu Ziebigk bei Cöthen, Sohn des ebenfalls als Ornitholog bekannten Landwirts Johann Andreas N. (geb. 13. April 1747, gest. 15. Mai 1826), wurde Professor und Inspektor des Ornithologischen Museums des Herzogs von Anhalt-Cöthen und starb 15. Aug. 1857 zu Ziebigk. Die Menge der von seinem Vater und ihm gesammelten Beobachtungen verleiht dem Hauptwerk beider: «Naturgeschichte der Vögel Deutschlands» (12 Bde., Lpz. 1820‒44; Bd. 13, fortgesetzt von Blasius, Baldamus und Sturm, 1846‒60; Neubearbeitung von Hennicke, Gera 1896 fg.), zu dem er die große Anzahl vortrefflicher Platten selbst gestochen hat, vielen Wert. Mit Buhle gab er «Die Eier der Vögel Deutschlands und der benachbarten Länder» (5 Hefte, Halle 1819‒28) heraus. Auch zu seiner «Taxidermie» (ebd. 1815; 2. Aufl. 1848) stach er die Kupfer selbst. Ihm zu Ehren nannte die Deutsche Ornithologische Gesellschaft ihr Organ «Naumannia» (seit 1851). 1880 wurde ihm in Cöthen ein Denkmal errichtet.

Naumann, Joh. Gottlieb oder Amadeus, Kirchen- und Opernkomponist, geb. 17. April 1741 zu Blasewitz bei Dresden. In seinem 16. Jahre nahm ihn der reiche schwed. Musiker Weeström als Diener mit sich nach Hamburg und 1758 nach Italien. Sein Herr benutzte in Padua den Unterricht Tartinis, unter dem sich auch N. drei Jahre bildete. Nach siebenjährigem Aufenthalte in Italien berief ihn die Kurfürstin-Mutter, Marie Antonie, nach Dresden, wo er 1765 kurfürstl. Kirchenkomponist, bald darauf Kammerkomponist und, nachdem er noch zweimal Italien besucht hatte, 1774 Kapellmeister, endlich 1786 Oberkapellmeister wurde. Friedrich d. Gr. und der König von Dänemark suchten um diese Zeit N. in ihre Dienste zu ziehen. 1780 wurde er auf kurze Zeit nach Stockholm berufen zur Reorganisation der dortigen Musik und Oper; hier führte er «Cora» (1780) auf und danach «Gustav Wasa» (1780), seine beiden bedeutendsten Opern. Er starb 23. Okt. 1801. N. ist nach Hasse und Graun der letzte bedeutende Vertreter jener deutschen Musiker des 18. Jahrh., die ganz und gar in ital. Schule aufgingen. Den persönlichen Zug seiner Musik bildet eine überall durchklingende Weichheit der Empfindung, ähnlich wie bei Spohr. Unter seinen übrigen 23 Opern sind «Amphion» (1776) und «Orpheus» (1785) die vorzüglichsten. Von N.s zahlreichen Kirchenkompositionen (darunter 12 Oratorien, gegen 30 Messen) wurden nur wenige Psalmen und Kantaten gedruckt. Unter ihnen war das «Vaterunser» (nach Klopstock) die verbreitetste. Einzelne Chöre von ihm haben sich bis an die Gegenwart heran erhalten; am längsten gesungen wurde der Pilgerchor («Zagt nicht auf dunklen Wegen») aus der «Santa Elena». N.