Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Naumann; Naumburg

208

Naumann (Karl Friedr.) - Naumburg

besaß auch große Fertigkeit auf der Glasharmonika, für die er sechs Sonaten komponierte. – Vgl. A. G. Meißner, Bruchstücke zu Johann Gottlieb N.s Biographie (2 Bde., Prag 1803‒8). Aus Beiträgen seiner Verehrer wurde an seinem 100jährigen Geburtstage in Blasewitz unter dem Namen Naumann-Stiftung ein Schulhaus gegründet.

Naumann, Karl Friedr., Krystallograph, Mineralog und Geognost, der älteste Sohn des vorigen, geb. 30. Mai 1797 zu Dresden, studierte an der Bergakademie in Freiberg, in Leipzig und Jena und machte 1821‒22 eine wissenschaftliche Reise nach Norwegen, als deren Frucht die «Beiträge zur Kenntnis Norwegens» (2 Bde., Lpz. 1824) erschienen. 1823 habilitierte er sich in Jena, 1824 in Leipzig, wurde 1826 Professor der Krystallographie und Disciplinarinspektor an der Bergakademie in Freiberg, erhielt 1835 die Professur der Geognosie daselbst und den Auftrag zur Bearbeitung der geognost.Karte von Sachsen. 1842 kam N. als Professor der Mineralogie und Geognosie an die Universität Leipzig, wo er bis 1871 wirkte. Er wurde 1866 zum Geh. Bergrat ernannt und starb 26. Nov. 1873 in Dresden. N. hat namentlich eine Reihe trefflicher und weit verbreiteter Hand- und Lehrbücher für die von ihm vertretenen Disciplinen veröffentlicht. Hierhin gehören, außer verschiedenen krystallographischen Lehrbüchern, besonders die «Elemente der Mineralogie» (Lpz. 1846; 12. Aufl., von F. Zirkel bearbeitet, 1885) und vor allem das unübertroffene «Lehrbuch der Geognosie» (2 Bde., ebd. 1849‒54; 2. [nicht ganz beendigte] Aufl., 3 Bde., ebd. 1858‒72). Zu der von ihm mit Cotta bearbeiteten «Geognost. Specialkarte des Königreichs Sachsen» (12 Blatt, Dresd. 1834‒43) verfaßte N. die «Erläuterungen» (Heft 1‒5, ebd. 1836‒45; 2. Aufl., Heft 1‒4, 1845). Später veröffentlichte er eine «Geognost. Beschreibung des Kohlenbassins von Flöha in Sachsen» (Lpz. 1865), die «Geognost. Karte des erzgebirgischen Bassins» (2 Sektionen, ebd. 1866) und die «Geognost. Karte der Umgegend von Hainichen im Königreich Sachsen» (ebd. 1871).

Naumann, Mor. Ernst Adolf, Arzt, Bruder des vorigen, geb. 7. Okt. 1798 zu Dresden, studierte 1816‒20 in Leipzig Medizin, habilitierte sich 1824 als Privatdocent daselbst, wurde 1825 außerord. Professor in Berlin, 1828 ord. Professor in Bonn. 1851 wurde er Direktor des gesamten Klinischen Instituts und bald darauf Geh. Medizinalrat. Er legte 1864 die Leitung der Klinik nieder und starb 19. Okt. 1871 in Bonn. Seine Hauptwerke sind das «Handbuch der mediz. Klinik» (Bd. 1‒8, Berl. 1829‒39; 2. Aufl., Bd. 1, ebd. 1847), die «Pathogenie» (mit 3 Fortsetzungen, ebd. 1840‒44), die «Allgemeine Pathologie und Therapie» (Bd. 1, ebd. 1851) und die «Ergebnisse und Studien aus der mediz. Klinik zu Bonn» (2 Bde., Lpz. 1858‒60).

Naumburg. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Merseburg, hat 162,33 qkm und 1890: 33214,1895: 35069 (16641 männl., 18428 weibl.) E., 2 Städte, 40 Landgemeinden und 6 Gutsbezirke. – 2) N. an der Saale, Kreisstadt im Kreis N., nahe der Einmündung der Unstrut in die Saale, an der Linie Halle-Bebra und der Nebenlinie N.-Artern (55,5 km) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes, eines Oberlandesgerichts (Landgerichte Dessau, Erfurt, Halberstadt, Halle a. d. S., Magdeburg, N., Nordhausen, Stendal), eines Landgerichts mit 15 Amtsgerichten (Cölleda, Eckartsberga, Freyburg a. d. U., Heldrungen, Hohenmölsen, Lützen, Mücheln, N., Nebra, Osterfeld, Querfurt, Teuchern, Weißenfels, Wiehe, Zeitz), Domkapitels, Bezirkskommandos und einer Reichsbanknebenstelle, hatte 1890: 19793, 1895: 21202 (9884 männl., 11318 weibl.) E., darunter 558 Katholiken und 31 Israeliten, in Garnison das 2. Bataillon des Füsilierregiments Nr. 36, Postamt erster Klasse, Telegraph, Dampfstraßenbahn zwischen Bahnhof und Stadt, einen Dom, vier andere evang. Kirchen, eine kath. Kirche, ein Domgymnasium, 1290 in Urkunden nachweisbar, Realprogymnasium und Realschule, höhere Mädchenschule; Wasserleitung, Kanalisation, Schlachthof, Gasbeleuchtung; Fabrikation von Wollwaren, Kämmen, Leder, Seife und Bürsten, Kunsttischlerei, Glas- und Porzellanmalerei, bedeutenden Weinbau und -Handel sowie eine von Kaiser Maximilian 1514 privilegierte, jetzt unbedeutende Messe. Sehenswert sind die Domkirche in spätroman. und frühgot. Stil, mit vier Türmen und Denkmälern altdeutscher Kunst an Statuen, Schnitz- und Gußwerken, Gemälden u. dgl., und das alte Schloß am Markte, erbaut für Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz, der 1653‒63 hier residierte. Der Dom ist 1883 restauriert und einer der Türme umgebaut, ein dem letztern gleicher vierter Turm 1894 durch ein Geschenk des Kaisers Wilhelm ⁢Ⅱ. neu errichtet worden. Die Errichtung einer Kadettenanstalt ist geplant. Das jährliche Kinderfest, das Hussiten- oder Kirschfest, soll seine Entstehung dem Angriff der Hussiten auf die Stadt unter Prokop (28. Juli 1432) verdanken. Durch die Fürbitte der Kinder sei Prokop erweicht worden, habe die Belagerung aufgehoben und die Kinder mit Kirschen bewirtet. Es ist jedoch nachgewiesen, daß die Hussiten nicht bis vor N. gekommen sind, wohl aber später böhm. Hilfstruppen im sächs. Bruderkriege.

In der Gegend von N. lag einst die Stadt Jena, deren Stelle jetzt das Dorf Großjena einnimmt, der Stammsitz Eckards Ⅰ., Markgrafen von Meißen und Thüringen (982‒1002), der die nach ihm benannte Eckardsburg bei Eckartsberga (s. d.) und auf der Stelle, wo jetzt das Oberlandesgerichtsgebäude in N. steht, die Neuenburg erbaute, im Gegensatze zu der über dem nahen Dorf Altenburg (Almerich) einst befindlichen Altenburg. In der Nähe dieser Neuenburg gründete Markgraf Eckard eine den Aposteln Petrus und Paulus geweihte Stiftskirche und ein dem heil. Georg zugeeignetes Benediktinerkloster. Unter Eckards Söhnen war N. so bedeutend, daß es 1028 Stadtrecht erhielt und der Bischofssitz von Zeitz dahin verlegt wurde. Nach dem Tode des letzten kath. Bischofs, Julius Pflug, 1564, kam die Verwaltung des Stifts an Kursachsen, welches stets die Schutzgerechtigkeit über dasselbe behauptet hatte. Es wurde 1656 einer Seitenlinie des sächs. Hauses, Sachsen-Zeitz, zugeteilt, nach deren Absterben es 1718 wieder an Kursachsen kam. Das Stift wurde 1815 mit an Preußen abgetreten. – Vgl. Lepsius, Die Sage von den Hussiten vor N. (Zeitz 1811); N. an der Saale, sein Dom und andere altertümliche Bauwerke (in Puttrichs «Denkmale der Baukunst des Mittelalters in Sachsen», Abteil. 2, Bd. 1, mit Tert von Lepsius, Lpz. 1841‒43); Mitzschke, Naumburger Inschriften (Naumb. 1877‒81); Braun, Naumburger Annalen vom J. 799 bis 1613, hg. von

^[Abb. Wappen von Naumburg]