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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Nautik - Nava del Rey
von astron. Ephemeriden, die im Auftrag der engl.
Admiralität immer drei Jahre im voraus berechuet
werden. Unter anderm enthalten dieselben bequeme
und ausführliche Ephemeriden von Sonne und AKond,
die wichtigsten Monddistanzen, alle vorkommenden
Versinsterungen der Iupitermonde und Bedeckungen
heller Fixsterne durch den Mond. Die Herausgabe
besorgt ein besonderes Recheninstitut. Ahnlich dem
englischen N. ^. wird auch von der amerik. und span.
Negierung ein ^l. ^. herausgegeben.
Nautik (grch.), auch Navigation, Schiff-
fahrtskunde oder Steuermannskunst ge-
nannt, die Wissenschaft, die den Ort eines Schiffs auf
See, das Besteck (s. d.), zu bestimmen und den kürze-
sten Weg zu finden lehrt. Wenn sich die hierzu nöti-
gen Berechnungen auf Beobachtungen vonHimmels-
korpern stützen, spricht man von der astronomi-
sch enN.im Gegensatz zur terrestrischenN., der die
Ausnutzung aller übrigen Beobachtungen zufällt.
Die astronomische N. giebt die genauesten Orts-
bestimmungen zur See; ihre Hilfsmittel sind haupt-
sächlich: Sextant, Chronometer und Azimutkompaß.
Die Werkzeuge der terrestrischen N. sind: Kompaß,
Log,Lot,Peilfcheibe und Seekarten. NautischeTa-
feln und nautische Jahrbücher (Ephemeriden-
tafeln) werden bei allen Rechnungen der N. benutzt.
Die Prüfungen zum Seekadett und Seeoffizier sowie
zum Schiffer und Steuermann setzen bestimmte Kennt-
nisse in der N. voraus. Als Hilfswissenschaften der N.
dienen Zweige der Mathematik, Astronomie, Physik
(von diesen besonders Mechanik und Optik), Geo-
graphie, Hydrographie und maritime Meteorologie.
- Vgl. E.P.Dubois, Ooui-3 äs navi^tion (2. Aufl.,
Par.1869)-,Weyer,VorlesungenübernautischeAstro-
nomie (Kiel 1871); Ligowski, Erklärungen und For-
meln der nautischen Astronomie (ebd. 1872); ders.,
Sammlung nautischer Taseln (ebd. 1873); Villarceau
und de Magnac, ^ouveiie naviZation NZtrononii^uo
(Par. 1878); Lecky, "WrinkisZ in practical naviZa-
tion (6. Aufl., Lond. 1881); Albrecht und Vierow,
Lehrbuch der Navigation (Berl. 1886); Breusing,
Eteuermannskunst(5. Aufl., Brem. 1890); Hand-
buch der Navigation, hg. vom Hydrographischen Amt
(3. Aufl., Verl. 1891); Meuß, Leitfaden für den
Unterricht in der Navigation (ebd. 1894).
Nautiker (grch.), des Seewesens Kundiger;
nautisch, aufs Seewesen bezüglich.
Nautillden, eine Unterordnung der beschälten
Kopffüßer (s. d.), die in der Urwelt Tausende von
Arten zählte und in der alten Silurzeit ihre Haupt-
entfaltung und den merkwürdigsten Formenreich-
tum erlangt hat, besonders mit den Familien der
Orthoceratiden (s. d.) oder Geradhörner, Lituiten
(s. d.), posthornförmigen Cyrtoceratiden u. a. Alle
sind ausgezeichnet durch Kammerung dos nicht mebr
bewohnt gewesenen ältern Teils der Schalen, die
von einer regulierenden Kalkröhre, dem Sip h o, wie
beim lebenden Nautilus, durchsetzt sind.
Nautilus, Perl- oder Schiffsboot Muti-
Wz), die einzige lebende Gattung der vierkiemigen
Kopffüßer (s. d.), bei welcher das mit zahlreichen,
zurückziehbaren, kurzen, fadenförmigen Armen aus-
gestattete Tier in eine vielkammerige, spiralig ge-
wundene Kalkschale (s. Tafel: Körperbedeckung
der Tiere I, Fig. 34, Längsdurchschnitt) ein-
geschlossen ist, deren Scheidewände in der Mitte
durch eine Röhre durchbohrt und am Rande eben,
ungeteilt und ohne Zähne sind. Das Tier bewohnt
nur die letzte vorderste Kammer des Gehäuses, die
übrigen sind leer und dienen als Schwimmblase.
Ein durch die Röhre der Kammern (sipko) hin-
durchgeheuder sehniger Strang verbindet das Tier
mit der innersten oder Anfangskammer. Höchst auf-
fällig sind die Augen gebaut als hohle Blasen mit
einer feinen äußern Öffnung, durch welche das See-
wasfer frei bis zur Netzhaut eindringt. Diese Gat-
tung erregt das Interesse um so mehr, als sie das
einzige auf die Gegenwart lebend übergegangene
Glied einer großen Familie darstellt (s. Nautiliden).
Man erhält zwei Arten von Gehäusen aus den süd-
asiat. Meeren: den gewöhnlichen N. oder das ge-
meine Perlboot (^l. p0inin1w3 ^.), mit großem,
ungenabeltem, milchweißem und rotbraun gebän-
dertem Gehäuse, das bis zu 30 cm im Durchmesser
getroffen wird, und den genabelten N. oder das
genabelte Schiffsboot (^. um.diiicHtu.3 I^am.),
an dessen genabeltem Gehäufe die letzte Windung
die frühern nicht verbirgt. Diese letztere Art gehört
mit noch zwei andern zu den Seltenheiten und wird
daher sehr geschätzt; die erste Art dagegen ist häusig,
besonders an den Molukken. Sein Gehäuse hat die
drei Schalenschichten der Weichtiere (s. d.) und wird
nach Entfernung der äußern bis zur Perlmutter-
schicht gern zu Ziergeräten oder Trinkgefäßen (Nau-
tilusbecher, Nautilusschale) in Verbindung
mit edlen Metallen künstlerisch verarbeitet. - über
den Papiernautilus s. Argonaute. stlmt.
Nautische Abteilung, s. Hydrographisches
Nautische Datumgrenze, s. Datumdifferenz.
Nautische Instrumente, die zur Ausübung der
Nautik (s. d.) dienenden Instrumente. Es sind dies
hauptsächlich: Sextant, Chronometer, Kompaß, Log,
Lot, Peilscheibe, Fernrohr, Doppel- oder Nachtglas
(Perspektiv), Barometer, Thermometer, Deviations-
magnetometer und verschiedene andere, speciellern
Zwecken dienende Instrumente. (Hierzu Tafel: Nau-
tische Instrumente und Sturmsignale. Zur
Erklärung s. die Artikel: Chronometer, Kompaß,
Log, Semaphor, Sextant, Sturmsignale, Wind-
rose.) - Vgl. Handbuch der N. I., hg. vom Hydro-
graphischen Amt (2. Aufl., Verl. 1890).
Nautische Meile, Seemeile, s. Meile.
Nautischer Verein, Deutscher, eine Ver-
einigung von 11 nautischen Vereinen, 7 Schiffer-
vereinen, 10 Handelskörperschaften und Reederei-
vereinigungen, zerfällt in Bezirksvereine mit zu-
sammen (1894) 1500 Mitgliedern. Sämtliche Be-
zirksvereine stehen wieder unter einem gemeinsamen
Vorsitzenden (Geh. Kommerzienrat Sartori in Kiel),
der alljährlich, gewöhnlich Ende Februar, einen
Vereinstag nach Berlin beruft, wo wichtige, vorher
in den Vezirksvereinen beratene Schiffahrtsangele-
genheiten zur Sprache kommen. Die Reichsregierung
läßt höhere Regierungsbeamte an den Verhand-
lungen teilnehmen. Der Verein wurde 1869 von
F. Ballehr in Blumenthal bei Bremen und W. von
Freeden in Hamburg gegründet.
Nauvoo (spr. nahwüh), Stadt im nordamerik.
Staate Illinois, wurde 1840 von den Mormonen
gegründet, aber 1846, als die Stadt bereits 15 000 E.
hatte, verlassen und hat jetzt nur wenige Einwohner.
(S. auch Cabet.)^
Nava del Rey, Bezirksstadt der span. Provinz
Valladolid, Station der Linie Medina del Campo-
Zamora, 42 km südwestlich von Valladolid, in
trockner, aber in regenreichen Jahren fruchtbarer
Hochebene, wo Getreide und Hülsenfrüchte gebaut
werden, hat (1887) 6025 E.; roman. Pfarrkirche.