Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

215
Neapel (Stadt)
Hülsenfrüchte, Sämereien, Obst- und Garten-
gewächse; daneben bestehen Seiden- und Viehzucht.
Die Industrie erstreckt sich auf Geschütz-, Glocken-,
Eisen-und Gelbgießerei, Maschinenball (26 Fabri-
ken), Puddel- und Walzwerk, Herstellung von schwe-
rem Kriegsmaterial, Kesseln, Torpedos, Kraftmaschi-
nen, Schiffsmotoren, Eisenkonstruktionen, Eiscn-
bahnmaterial, Draht, Nägeln, Beleuchtungs- und
Wasserleitungseinrichtungen, eisernen Möbeln, Prä-
cisionsinstrumenten, Chemikalien (70 Fabriken),
Weinstein, Schokolade und Konfekt, Handschuhen,
Echuhwaren, Tapeten, Bronzen, Marmorskulpturen,
Gold- und Silberwaren, Spielkarten, Spielwaren,
Knöpfen, Musikinstrumenten und Darmsaiten, fer-
ner von Lava- und Korallenarbeiten. Bedeutend ist
ferner die Eeidenindustrie, die Woll- und Baum-
wollspinnerei und -Weberei, Posamentenindustrie,
Spitzen-, Schleier- und Weihwarenfabrikation,
Branntweinbrennerei, Sohlledergerberei, Mühlen-,
Wein- und Holzindustrie. 1891 waren 35 gewerb-
liche Aktiengesellschaften mit 121 Mill. Lire Kapital
vorhanden; die für industrielle Zwecke ausgenützten
Wasserkräfte entsprachen 1483 Pferdestärken; ferner
waren 308 Dampfkessel mit 8753, 35 Gas- und
Petroleummotoren mit 446 Pferdestärken in Thätig-
keit. Die Zahl der Arbeiter in Großbetrieben wurde
auf 50000 geschätzt. Der Handel blüht besonders
in der Hauptstadt und in Castellammare.
2) N., ital. N2P0I1, das alte Neapolis, Haupt-
stadt der Provinz N., früher
Haupt- und Residenzstadt des
Königreichs beider Sicilien, liegt
40"51'nördl. Br. und 14° 16'
östl.L. vonGreenwich, am Golf
von N., den im N. das Vor-
gebirge Miseno, im NW. und W.
die Inseln Procida und Ischia,
im SO. und S. das Vorgebirge
Campanella und die Insel Capri
umschließen, am Fuße mehrerer Hügel und steigt
vom Meere aus amphitheatralisch an. Seine Lage
und Umgebung, die nur mit der von Konstantinopel,
Lissabon oder Nio dc Janeiro verglichen werden
kann, gehört zu den schönsten der Erde und hat Ver-
anlassung zu dem Sprichwort "Vsäi Kapoli 6 poi
moi-i" ("Sieh N. und stirb") gegeben. Die Stadt
setzt sich nach O. in einer Reihe von Landhäusern,
die zwischen Weinpflanzungen, Pinien- und Oran-
genhainen liegen, Städten und Ortschaften (San
Giovanni, Portici, Resina, Torre del Greco, Torre
dell' Annunziata u. a.) fast bis nach Castellammare,
südlich vom Vesuv, fort. Das Klima von N. ist
günstig, doch sind die Unterschiede in der Tempera-
tur und Feuchtigkeit an einem und demselben Tage
ost sehr bedeutend. Die mittlere Temperatur des
Winters beträgt 10° (^., das Minimum im Januar
zuweilen -3°,' die des Juni bis August 22 - 25",
die höchste Wärme 36°0. (Hierzu ein Stadtplan
mit Verzeichnis der Straßen u. s. w. sowie Karte:
Neapel und Umgebung.)
Bevölkerung. N., die volkreichste Stadt Ita-
liens, hat (1881) 463161, mit Einschluß der Vororte
494314, nach Berechnung vom 31.Dez. 1894:539 395
und 706434 E. In Garnison liegen das 1., 2., 75.
und 76. Infanterie-,das 13. Kavallerie-, das 24. Feld-
artillerieregiment und 2 Compagnien Berfaglieri.
Anlage, Straßen. Die Ausdehnung der
Stadt von der Straße Mergellina im W. bis zu
den Kafernen am Sebeto im O. beträgt 7 - 8 km,
die Breite von Capodimonte bis zum Castello del-
l'Ovo etwa 5 km. Durch eine Linie von Capodi-
monte über Saut' Elmo nach Pizzofalcone, die in
den schmalen Felsen mit dem Castello dell'Ovo
ausläust, wird die Stadt in zwei ungleiche Teile
geteilt. Von dieser Linie östlich bis zum Sebeto
liegt der älteste und größte Teil der Stadt, der
Hauptsitz des Handels, von Norden nach Süden
durchschnitten von der langen Hauptstraße, dem To-
ledo (jetzt Via Noma). Die engen Straßen und Gassen
dieses Stadtteils sind sehr dicht bewohnt und durch
die hohen Häuser mit ihren vorspringenden Balkö-
nen oft finster. Infolge der Verheerungen der Cho-
lera 1884 (bis 1000 Erkrankungen und 5 - 600
Todesfälle täglich) sind die ungesunden Stadtteile
niedergelegt und durch großenteils noch in der Aus-
führung begriffene Strahendurchbrüche ersetzt wor-
den; ferner sind neben einer ausgedehnten Kanali-
sation zahlreiche Stadtteile außerhalb der Altstadt,
namentlich im O. und ferner im W. auf der Höhe
angelegt worden, welche 3^ Mill. hm Flächen-
raum einnehmen und Wohnungen für 100000 Men-
schen bieten; die Kosten dieser Sanierungsarbeiten
(200 Mill. Lire) werden von der Gemeinde und
dem Staat gemeinschaftlich getragen. Der kleinere
weftl. Stadtteil erstreckt sich westlich vom Pizzofal-
cone am Meere, am Abhang des Berges und auf der
Höhe (Vomero) westlich vom Castcllo Sant' Elmo
hin. Von den Straßen (gti'lläa, via. und Lklita, d. i.
eine ansteigende Straße), die meist mit Lava ge-
pflastert, aber ungenügend mit Trottoir und zum
Teil mit Stufen versehen und unfahrbar sind,
sind die bedeutendsten die Etrada del Duomo
und weiter nach O. der Corso Garibaldi, beide
münden im S. in die Strada Nuova della Marina;
vom Nordcnde der Via Noma führt die Strada Eal-
vator Rosa zur Höhe von Sant' Elmo hinauf, von
ihr zweigt sich der 1875 vollendete Corso Vittorio
Emanucle ab, welcher in Windungen und zum Teil
auf Viadukten um die Höhe Sant' Elmo herumgeführt
ist, daun am Abhang weiter läuft und allmählich
sich fenkend über den Platz von Piedigrotta auf die
Mergellina mündet, mit vorzüglichen Aussichten
auf die Stadt, Golf und Vefuv; an demfelben lie-
gen zahlreiche Hotels; seine westl. Fortsetzung, die
1885 vollendete Via Tasso, steigt langsam zur Höhe
des mit zahlreichen Villen besetzten Posilipo hinauf;
nach NO. führt die Strada Foria. An der längs
des Meers sich nach W. erstreckenden Riviera di
Chiaja wohnt und bewegt sich, besonders des
Abends, die vornehmere Welt. Diese Straße ent-
hält stattliche Gebäude, vor denen sich die Villa
Nazionale (früher Reale) hinzieht, eine 1780 an-
gelegte, seitdem mehrfach erweiterte Parkanlage,
die von dem Meere durch den breiten Quai Via
Caracciolo getrennt ist; die Fortsetzung der Chiaja
bildet die Strada di Mergellina und weiter nach
SW. die Strada Nuova di Posilipo, welche 1812
unter König Murat begonnen und 1823 vollendet
wurde. Die Ostseite des Pizzofalcone bildet die
Strada Santa Lucia.
Plätze, Denkmäler. Unter den öffentlichen
Plätzen (pia22k, wi'Fo) sind die schönsten der Largo
della Vittoria, die Piazza Umberto, del Plebiscito
mit großartigem Springbrunnen, San Ferdinande,
die Hauptstation der Pferdebahnen und Omnibusse,
dcl Municipio mit dem Denkmal Emanuels II., de'
Martin mit der Colonna de' Martin, einem 1864
errichteten Denkmal für die in den Revolutionen