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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Nesseltiere; Nesseltuch; Nesselzellen; Nessenthal; Nessing; Neßler; Neßlers Reagens; Neßmühl; Nessos; Nest

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Nesseltiere - Nest

(Quaddeln, pomphi) sind nicht wassergefüllte Blasen, sondern bloß eine Erhebung des durch Ausschwitzungen (Ödem) geschwellten Maschengewebes der Lederhaut, daher sie auch ohne alle Spuren wieder verschwinden. Bisweilen sind sie mit roten Knötchen (den geschwollenen Hautbälgen) besetzt (Nesselfriesel). Die N. bricht unter heftigem Jucken und Brennen aus, bleibt längere oder kürzere Zeit stehen und ist entweder von Fieberbewegungen, dem Nesselfieber (Febris urticata), begleitet oder verläuft fieberlos. In ersterm Falle ist meist der Ausschlag von größerer Ausbreitung, wobei sich zuweilen etwas Abschilferung zeigt, in letzterm ist er weniger ausgebreitet, verschwindet manchmal ganz und kehrt nach kurzer Zeit zurück, oder wandert von einer Stelle zur andern. Die Krankheit ist nicht ansteckend, steht oft mit leichten Verdauungsstörungen in Verbindung und erscheint nicht selten bei manchen Personen nach dem Genuß von Muscheln, Krebsen, Schnecken, manchen Fischen, Pilzen, Erdbeeren, Käse u. s. w. infolge einer Idiosynkrasie (s. d.), nach äußern Reizen (Berührung der Haut mit Brennesseln, den Haaren mancher Raupen u. s. w.) und überhaupt bei Personen, deren Haut sehr reizbar ist. Die Krankheit ist ungefährlich, wird aber manchmal durch häufige Rückfälle lästig. Gegen das Hautjucken werden kalte Douchen und Umschläge, sowie Waschungen mit sehr verdünnten Säuren und verdünntem Citronensaft empfohlen; vorhandene Verdauungsstörungen müssen angemessen behandelt werden.

Nesseltiere (Cnidaria), die umfangreichste Ordnung der Cölenteraten (s. d.), ausgezeichnet durch Giftdrüsen, die mit einem vorschleuderbaren Faden (s. Nesselorgane) in Verbindung stehen und den beiden andern Ordnungen der Cölenteraten, den Schwämmen (s. d.) und Rippenquallen (s. d.), fehlen.

Nesseltuch, s. Nesselfaser.

Nesselzellen, s. Nesselorgane.

Nessenthal, s. Gadmenthal.

Nessing, ein in Holland fabrizierter Schnupftabak.

Neßler, Julius, Agrikulturchemiker, geb. 6. Juni 1827 in Kehl, errichtete 1859 mit Staatsunterstützung die agrikulturchem. Versuchsstation Karlsruhe, die später zu einer Staatsanstalt wurde. Er schrieb: "Der Tabak, seine Bestandteile und seine Behandlung" (Mannh. 1867), "Der Wein, seine Bestandteile und seine Behandlung" (2. Aufl., Chemn. 1866), "Bericht über die großherzogl. Versuchsstation" (Karlsr. 1870), "Die Bereitung, Pflege und Untersuchung des Weins" (6. Aufl., Stuttg. 1894), "Naturwissenschaftlicher Leitfaden für Landwirte und Gärtner" (3. Aufl., Berl. 1896).

Neßler, Victor, Komponist, geb. 28. Jan. 1841 zu Baldenheim bei Schlettstadt, studierte in Straßburg Theologie, wandte sich aber dann in Leipzig der Musik zu. Er wurde 1871 Musikdirektor am dortigen Stadttheater, 1880 Direktor des Leipziger Sängerbundes; 1884 siedelte er nach Straßburg über, wo er 28. Mai 1890 starb. N. hat eine große Anzahl von Opern und Operetten geschrieben; 1864 wurde die erste, "Fleurette", in Straßburg aufgeführt, 1890 die letzte, "Die Rose von Straßburg", in München. Weit bekannt und beliebt wurde er durch den "Rattenfänger von Hameln" (1879) und den "Trompeter von Säkkingen" (1884). Sehr beliebt sind auch mehrere von N.s Männerchören und Liedern. 1895 wurde ihm in Straßburg ein Denkmal (von Marzolff) errichtet.

Neßlers Reagens, eine Lösung von Quecksilberjodid (s. d.) in Jodkalium und Kalilauge; es dient zur Erkennung von Ammoniakverbindungen, mit denen es einen rotbraunen Niederschlag bildet.

Neßmühl, ungar. Ort, s. Neszmély.

Nessos, ein Kentaur, s. Herakles.

Nest, künstliche Wohnstätten, welche Tiere zum Unterbringen und zur Aufzucht ihrer Nachkommenschaft herrichten und welche bei gesellschaftlich lebenden (Bienen, Wespen, Ameisen) zugleich dem ganzen Volke als Aufenthaltsort dienen. Auch einsam lebende Wespen bauen N. mit oft großer Kunstfertigkeit; desgleichen verfertigen viele Spinnen für ihre Eier N., und diese leiten, da sie aus von der Mutter produzierten Substanzen bestehen, zu den Eiercocons (s. Cocon) hinüber. Eine Anzahl Mistkäfer machen aus Dung Kugeln, welche sie mit ihren Eiern besetzen (Skarabäen). Unter den Wirbeltieren bauen eine Anzahl Fische (z. B. der Stichling), einige tropische Laubfrösche, eine Anzahl Nagetiere (Zwergmaus, Eichhörnchen u. a. m.), besonders aber die Vögel N. Manche Vögel legen ihre Eier einfach auf den Boden (Seevögel), scharren höchstens eine Vertiefung aus, in welche sie einige spärliche Hälmchen zusammentragen. Manche bauen aber auf dem Boden wirkliche N., welche sie bisweilen mit einem Teile des eigenen Gefieders auspolstern (Eiderenten). Andere benutzen vorhandene Erdlöcher (Prairiekäuze u. a.) oder graben selbst (Eisvögel, Bienenfresser, Uferschwalben u. s. w.) enge, am Ende sich erweiternde Gänge zum Unterbringen ihrer Brut. Nicht wenige suchen sich zu diesem Behufe Baumlöcher aus (Wendehals, manche Meisen), deren Zugänge sie unter Umständen mit Lehm künstlich verengen (Spechtmeise) oder, wenn das Weibchen brütet, bis auf eine enge Futteröffnung gänzlich vermauern (Nashornvögel). Die meisten Spechtarten verfertigen sich solche Baumlöcher selbst, während in Indien einige Arten derselben Familie ihre N. in den hängenden Bauten gewisser Baumameisen anlegen. Die meisten Vögel indessen schleppen allerlei Material zusammen, aus welchem sie in sehr verschiedener Weise und in mannigfacher Abstufung der Kunstfertigkeit ihre N. bauen. Die Talegallahühner scharren große Haufen verwesenden Laubes zusammen, in welche eine Anzahl Weibchen ihre Eier gemeinsam ablegen, und wo dieselben durch die sich entwickelnde Hitze der feuchten, modernden Pflanzenstoffe ausgebrütet werden (s. Brüten). Andere, wie die meisten Raubvögel, Tauben, einige Sumpfvögel (Reiher, Störche u. a. m.), fügen auf wenig kunstvolle Weise Reisig zusammen zu fast flachen N. ohne Rand, aber mit um so größerm Durchmesser. Die meisten Angehörigen des Rabengeschlechts und viele Singvögel machen ihre Bauten aus locker geflochtenem, ziemlich grobem Material (Binsen, Reisig, trockne Pflanzenstengel allerlei Art) korbähnlich mit einer centralen Vertiefung. Die meisten Singvögel verwenden hierzu feineres Material, füttern das Bauwerk mit Federn und andern weichen Dingen aus und überkleiden es äußerlich oft auf das zierlichste mit Flechten und Moos. Manche Formen (Pirol, Beutelmeise, Beutelstaar, Webervögel) flechten höchst kunstreiche, meist nicht aufliegende, sondern an die Spitzen von Zweigen gehängte N. Gewisse Arten sind sehr kapriziös in der Wahl der Substanzen, welche sie zum Bauen verwenden; so benutzen manche Kolibris bloß die Samenwolle ganz bestimmter Pflanzen, welche sie auf das ge-^[folgende Seite]