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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Neujerseythee - Neumann (Franz Ernst)
N. wurde um 1620 zuerst von den Holländern
lolonisiert und 1664 von den Engländern erobert.
Der Herzog von Jork, der spätere Jakob II., dcr
einen Freibrief für N. besaß, übertrug diesen 1664
auf Sir George Carteret und Lord John Berkeley;
ihren Namen erhielt die Kolonie von der Insel Jer-
sey, die Carteret als Gouverneur gegen Cromwell
verteidigt hatte. 1674 wurde ein Teil und 1686 ein
zweiter Teil von N. an eine Gesellschaft von Quä-
kern unter William Penn verkauft. Streitigkeiten
Zwischen den Eigentümern veranlaßten die Regie-
rung 1702, N. für eine Kronkolonie Zu erklären. An
dem Unabhängigkeitskriege gegen England nahm
N. thätigen Anteil, 2. Juli 1776 gab es sich eine
Verfassung und 1787 nahm es die Verfassung der
Vereinigten Staaten an. 1844 wurde eine neue
Konstitution erlassen, zu der 1875 mehrere Amende-
ments kamen. 1893 wurden Gesetze zum Schutz der
Austernbänke erlassen. - Vgl. I. O. Raum, liiätoi^
ot' N6n 561-86? (2 Bde., Philad. 1880).
Neujerseythee, s. (^aiiotliuZ.
Neu-Ierusalemsgemeinde, s. Harmoniten.
Neukaledonien, s. Neucaledonien.
Neukalen, Stadt im wend. Kreis des Groß-
herzogtums Mecklenburg-Schwerin, am Peenebach,
Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Güstrow), hatte
1890: 2418,1895: 2477 E., Post und Telegraph.
Neukalifornien, s. Kalifornien.
Neukarthago (^artka^onova), s. Cartagena.
Neukirchen. 1> Stadt im Kreis Solingen des
preuß. Reg.-Bez. Düsseldorf, unweit der Wupper,
hatte 1890: 2142 E., darunter 203 Katholiken, 1895:
2203 E., Postagentur, Fernsprechverbindung; Holz-
schraubenfabriken, Schalenschneiderei, Plüschweberei
(Hausindustrie)undObstbau. - 2) N. bei Ziegen-
hain, Stadt im Kreis Ziegenhain des preuß. Neg.-
Bez. Cassel, an der Grenf, Sitz eines Amtsgerichts
(Landgericht Marburg), hatte 1890: 1504, 1895:
1464meist evang. E., darunter 114 Israeliten, Post,
Telegraph; Spitzentloppelei. - 3) N. bei Chem-
nitz, Dorf in der Amtshauptmannschaft Chemnitz
der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, nahe der
Würschnitz, an der Nebenlinie Chemnitz-Stollberg-
Zwönitz derSüchs. Staatsbahnen, hatte 1890:4566
E., darunter 37 Katholiken, 1895: 4476 E., Post,
Telegraph, Rittergut; Strumpfwirkerei, Färberei
und Ziegeleien. - 4) N. beim heiligen Blut,
Marktstecken im Bezirksamt Kötzting des bayr.
Reg.-Bez. Niederbayern, am Freibach im Bayrischen
Walde, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Strau-
bing), hatte 1890:1493,1895: 1538 kath. E., Post-
expedition, Telegraph, zwei Kirchen, darunter die
Wallfahrtskirche "zum heiligen Blut", das angeblich
1450 aus einem von einem Hussiten zerspaltenen
hölzernen Marienbild quoll, ein Franziskanerkloster;
Rosenkranzfabrikation, Flachsbau, Viehhandel.
Neukirchener Missionsanstalt, s. Mission.
Neukirchliche, Sekte, s. Nazarener.
Neukölln am Wasser, Stadtteil von Berlin
Neukreuzer, Münze, s. Kreuzer. ^(s. d.).
Neukuhren, Dorf im Kreis Fischhausen des
preuß. Reg.-Bez. Königsberg, an der Nordküste von
Samland, hatte 1890: 350, 1895: 250 E., Post,
Telegraph, zahlreiche Villen und ist als Seebad
sehr besucht.
Neukuxe, s. Gewerkschaft.
Neu-Ladoga, russ. Stadt, s. Nowaja Ladoga.
Neulauenburg, bis 1885 Duke-of-York-
Inseln, Inselgruppe im Bismarck-Archipel (s. d.),
Brockhauö' Konversations-Lexikon. 14. Aufl.. XII.
8 kleine flache Inseln von etwa 70 hkm Fläche, in-
mitten des St. Georgkanals zwischen Neupommern
und Neumecklenburg, mit guten Häfen (Hunter-,
Makada-, Mioko-Hafen). Die Hauptinseln sind:
N., Makada, Schweine-Insel, Mioko, Kabakon,
Kerawara und Utuan. (S. auch Neuguinea-Com-
pagnie und die Nebenkarte zur Karte: Kaiser-
Wilhelms-Land u. s. w.)
Neuleon, Staat in Mexiko, s. Nuevo-Leon.
Neulerchenfeld, s. Lerchenseld.
Neu-Lissa, Stadt in Böhmen, s. Lissa.
Neulot, s. Lot (Gewicht).
Neu-Luisendorf, Kolonie bei Calcar (s. d.).
Neuma (grch.), in der Musik zunächst Bezeichnung
für die Notenzeichen, in denen die liturgischen Ge-
sänge des Mittelalters niedergeschrieben wurden.
Die Neumen sind Figuren aus Strichen, Bogen und
Häkchen gebildet, denen wahrscheinlich in ihren ersten
Formen das griech. Accentsystem zu Grunde lag, für
den fog. Accent zur Not ausreichend. Da sie bestimmte
Töne und Tonhöhen nicht angaben, sondern nur das
Auf- und Absteigen und den Unterschied von großen
und kleinen Intervallen im allgemeinen erkennen
ließen, genügten sie schon bald nach ihrer Einführung
(im 9. Jahrh.) nicht mehr und riefen immer mehr Ver-
besserungsversuche hervor, die den ersten wichtigen
Abschluß in dem Liniensystem Guidos von Arezzo
fanden. Doch sind auch in den Zeiten, in denen man
viel bessere Mittel hatte, Töne klar zu notieren, in
Neumen geschriebene Antiphonien in Gebrauch ge-
blieben, und noch jetzt sind sie in der griech. Kirche in
Gebrauch. Vgl. dieSchriftenvonLambillotte,Cousse-
maker, A. Schubiger, H. Niemann, I. Pothier und
besonders Fleischer (Neumenstudien, Tl. 1, Lpz.
1895). - Ferner hießen Neumen die Melismen, die
im Accentgesang an den Satzabschlüssen verwendet
wurden. Ihr häufiger Beiname bei den Kirchen-
vätern ist "IndiluL. Sie nahmen bald eine über das
Nächstliegende Bedürfnis hinausgehende Ausdeh-
nung an, fo daß dieKirchenbehörden gegen das Neu-
menwefen einschritten. Man verbot sie ganz oder
verfügte, daß ihnen Texte untergelegt würden; das
Halleluja wurde so ein beliebter Neumentext.
Neumagen, Flecken im Kreis Vernkastel des
preuß. Reg.-Bez. Trier, rechts an der Mosel, Sitz
eines Amtsgerichts (Landgericht Trier), hatte 1890:
1508,1895:1555 E., darunter 20 Evangelische und
56 Israeliten, Post, Telegraph; Weinbau und
Schisfahrt. - N. ist das röm. NoviomaFug (Mvo-
maFuiu); die hier 1884-85 gefundenen röm. Alter-
tümer befinden sich im Provinzialmuseum zu Trier.
Neumann, Christiane Luise Amalie, Schau-
spielerin, vermählte Becker (s. d.).
Neumann, Franz Ernst, Physiker und Minera-
log, geb. 11. Sept. 1798 zu Ioachimsthal bei Berlin,
trat 1815 als freiwilliger Jäger ins Kolberger Re-
giment, wurde in der Schlacht bei Ligny 16. Juni
schwer verwundet, studierte 1817-20 zu Jena und
Berlin, ging 1826 als Privatdocent nach Königs-
berg und wurde daselbst 1828 außerord., 1829 ord.
Professor der Physik und Mineralogie. Er starb
23. Mai 1895 in Königsberg. N. war der erste,
der die mathem. Physik in Deutschland lehrte; durch
seine grundlegenden Untersuchungen über die op-
tischen Verhältnisse der Krystalle hat er auch die
moderne Entwicklung der Mineralogie erheblich ge-
fördert. Seine wissenschaftlichen Arbeiten sind in
den "Abhandlungen') der Berliner Akademie und in
Poggendorffs "Annalen der Physik und Chemie" ent-
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