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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Neurapophyse - Neurode
außerordentlich verschieden und hängt im wesent-
lichen von der Ursache ab. Die Behandlung hat
zunächst die Ursache auszufinden und diese zu be-
seitigen. Von großer Wichtigkeit ist körperliche und
geistige Ruhe; von Medikamenten kommen Chinin,
Äntipyrin, Salicylsäure, Brom, Jod und Arsen in
Frage. Eins der wirksamsten Heilmittel bietet jedoch
der elektrische Strom (galvanisch und faradisch), dessen
zweckmäßige Applikation ost in wenigen Sitzungen
von dem besten Erfolge gekrönt ist. (S. Elektro-
therapie.) Bei schweren Fällen verwendet man außer
den genannten Mitteln starke Hautreize (Sinapis-
men, Spanische Fliegen, p0int68 ä6 teu) und Nar-
kotika; sind auch diese wirkungslos, so ist die opera-
tive Behandlung (Neurotomie, besser Neurektomie,
s. Nervendehnung) angezeigt.
Neurapophyse (grch.), s. Apophyse.
Ileura.8tlisnia. osrodraiis, diejenige Form
der ererbten oder erworbenen Nervenschwäche, die
vorzugsweise das Gehirn und die Gehirnnerven be-
füllt. (S. Nervenschwäche.)
Neurasthenie (grch.), Nervenschwäche ls. d.).
Neu-Rauftnitz, czech. Kousinov nov^, Stadt im
Gerichtsbezirk Austerlitz der österr. Vezirkshaupt-
mannschaft Wischau in Mähren, an der Linie Brunn-
Prerau der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn (Station
Raußnitz-Slawikowitz), hat (1890) 1639 meist kath.
czeck. E. (587 Israeliten, welche eine besondere Ge-
meinde bilden) und Schafwollindustrie.
^ Neu-Reisch, auch Neu-Reusch, czech. ^ovä
Ri86, Stadt im Gerichtsbezirk Teltsch der österr.
Bezirkshauptmannschaft Datschitz, hat (1890) 1161
czech. E., eine große Prämonstratenserabtei mit einer
schönen Stiftskirche, einer bedeutenden Bibliotbek
und Gemäldesammlung.
Neurektomie (grch.), die Ausschneidung eines
Nervenstücks bei hartnäckigen Neuralgien.
Neureudnitz, Stadttett von Leipzig (s. d.).
Neureuther, Eugen Napoleon, Zeichner und
Maler, geb. 15. Jan. 1806 in München, besuchte
die dortige Akademie. Cornelius verwendete ihn
zur dekorativen Ausstattung der Säle in der Glypto-
thek und veranlaßte ihn zu seinen "Randzeichnungen
zu Goethes Balladen und Romanzen" (5 Hefte,
Münch. 1829-40). Dies brachte ihn in Beziehung
zu Goethe, der großen Anteil an N.s Schöpfungen
nahm und bis zu seinem Tode mit dem Künstler in
Briefverkehr blieb. N. widmete sich dann vollständig
dem Illustrationswesen, welches er zuerst auf die
Stoffe der heimischen Poesie, Sage und Volksweise
auszudehnen begann; zahlreich sind seine hierher
gehörigen Werke, darunter die Randzeichnungen:
"Schnaderhüpfeln", die zu den deutschen Klassikern
(6 Hefte), Herders "Cid", das große Blatt: Dorn-
röschen (1835, auf Stahl radiert), Beckers "Rhein-
Ued", Blätter zu Goethes "Liedern", zu Kobells
"Vayr. Gedichten", das mit Iul. von Schnorr
herausgegebene "Nibelungenlied". In all diesen
Werken berührt er sich vielfach mit Ludwig Richter,
dessen Intimität und Gefühlswärme er teilt, den er
in kompositionellen Bestrebungen oft überragt,
dessen ungezwungene Natürlichkeit er aber nicht er-
reicht. Mit Kaulbach schmückte er im Königsbau
den Salon der Königin mit enkaustischen Gemälden
aus Wielands "Oberon". 1848 erfolgte N.s Er-
nennung zum Leiter der königl. Porzellanfabrik zu
Nymphenburg, welche Stellung er bis 1856 bei-
behielt. Später wandte sich N. der Ölmalerei zu,
worin ihm wieder die Dichtungen deutscher Sagen,
besonders Wielands, Uhlands u. s. w., die Stoffe
lieferten. Die Öltechnik war jedoch seiner Kunst
nicht förderlich. Viele dieser Werke kamen nach
München in die Schacksche Galerie. Im neuen Poly-
technikum in München schmückte N. die Decken des
Treppenhauses und die Acht-Flachkuppel mit Bil-
dern in Saraffitotechnik. 1868 erhielt N. an der
königl. Kunstgewerbeschule eine Professur, die er 1877
niederlegte. Er starb 23. März 1882 in München.
Neureuther, Gottfr., Architekt, Bruder des
vorigen, geb. 21. Jan. 1811 zu Mannheim, begann
1840 seine Thätigkeit als Vaubeamtcr in Nürn-
berg; 1857 wurde er Professor des Polytechnikums
in München und starb daselbst 12. April 1887. Er
errichtete eine Reihe schöner Vabnhofbauten, so zu
Würzburg, zu Aschaffenburg, Schweinfurt, große
Verwaltungsgebäude dieser Art in Ludwigshafen
u. a., auch Landhäuser und Villen; seine bedeutend-
sten Leistungen aber sind das Polytechnikum in
München (1866-70) und die Kunstakademie daselbst
(1873-85). N. war der hervorragendste unter jenen
Münchener Baukünstlern, welche der mittelalter-
lichen Richtung durch die Rückkehr zur ital. Hoch-
renaissance ein Ende bereitet haben.
Neuridm, eine mit Cadaverin (s. d.) isomere,
zu den Leichenalkaloiden (s. d.) gehörige organische
Base von der Zusammensetzung (^H^^, die bei
der Fäulnis von Fischen, Fleisch, Kuhkäse und Leim
entsteht. N. ist eine gelatinöse, widrig riechende, in
Wasser leicht lösliche, in Äther und Alkohol unlös-
liche, ungiftige Substanz.
Neuries, Papiermaß, s. Papier und Ries.
Neurilemma (grch.), die Vindegewebsscheide
der Nervenfasern <s. Nerven).
Neurm, Trimethylvinylammoniumhy-
drat, eine organische Vase von der Zusammen-
setzung 0.^1.^0 ^ <0H,)3 - N(0H: (N2)011. Sie
ist dem Cholin sehr ähnlich, bisher nur in Lösung
oder in Form ihrer Salze bekannt. Sie ist aus dem
Cholin und wie dieses aus der Gehirnsubstanz dar-
stellbar und entsteht neben Neuridin bei der Fäul-
nis von Fleisch. Das N. besitzt zum Unterschied
von Cholin (s. d.) sehr giftige Eigenschaften.
Neuriß, s. Neubruch.
Neuritis (grch.), die Nervenentzündung (s. 0.).
Neurode. 1) Kreis im preuh. Reg.-Vez. Bres-
lau, hat 317 ^m und 1890: 49 728, 1895: 49 064
(23406 männl., 25658 weibl.) E., 2 Städte, 36 Land-
gemeinden und 30 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im
Kreis N., 4km von der böhm. Grenze, an derWalditz,
am Fuße des Eulengebirges, an der Linie Glatz-
Dittersbach der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Land-
ratsamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Glatz),
Kataster- und Steueramtes, ist nach dem Brande von
1884 zum Teil neu aufgebaut, hatte 1890: 6854,
1895: 7079 E., darunter 609 Evangelische und 20
Israeliten, Postamt erster 5Aasse, Telegraph, drei
kath. Kirchen, darunter die neue Pfarrkirche St. Niko-
laus, evang.Kircke (1867), Lorettokapelle, Rathaus,
1893 umgebaut, Schloß im Rokokostil, im 14. Jahrh,
als Feste erwähnt, neues Amtsgericht, höhere Kna-
ben- und Mädchenschule, Waisen-, Krankenhaus,
Hospital, Schlachthof, Kanalisation, Sparkasse, Vor-
schuhverein; mechan. Weberei und Färberei, Spin-
nerei, Handweberei, chromolithogr. Anstalten, Stein-
kohlenbergbau, Thongruben, bedeutenden Hausier-
handel mit Decken, Teppichen, Tuchschuhen und
Bändern. Die früher sehr bedeutende Tuchfabri-
kation ist zurückgegangen. - Vgl. Klambt, Urkund-