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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Neuseeländischer Flachs - Neusiedler See
weitgehende Befugnisse überlassen sind, stehen 7
Minister zur Seite. Das Wahlrecht (auch für Frauen)
zur Repräsentantenkammer (74 Mitglieder, darunter
4 Maori) ist an bestimmte Bedingungen geknüpft.
Der Rat (I.68i8iativ6 ^ouncii) zählt 46 Mitglieder
(zum Teil lebenslänglich). 1895 betrugen die Ein-
nahmen 93935080, die Ausgaben 90334600 M.
Die öffentliche Schuld belief sich 31. März 1895 auf
792 700640 M. Die Einnahmen der Lokalverwal-
tung betrugen (1894) 37125620, die Ausgaben
31782480, die Schulden 132296480 M.
Grwerbszweige. Etwa zwei Drittel des Bodens
sind anbaufähig. 1893 waren 9,7 Mill. Acres
Ackerland, 10 Mill. Wald. Die Farmen bedeckten
32 Mill. Acres; dazu kommt noch das Weideland im
Besitz der Krone. 68 600 Personen sind in der Land-
wirtschaft thätig. Auf 4101870 Kk ertragsfähige
Ländereien wurden 1895: 3613000 Bushel'Weizen,
10221000 Bushel Haser, 1001000 Vushel Gerste
und 78489 t Heu geerntet. Sehr bedeutend ist die Ge-
winnung von Butter und Käse. Pferde wurden 1891:
211040 Stück, Rindvieh 831831, Schafe 18,22?
(1894:20,230) Mill., Schweine 308 812 und Geflügel
1,7 Mill. Stück gezählt. Besonders die Schafzucht
gewinnt an Bedeutung. Die Industrie entwickelt!
sich rasch und beschäftigte 29 880 Menschen; Fleisch-
tonservierung und Verfrachtung, Holzsägerei, Müh-
lenbetrieb, Eisenbearbcitung und Brauerei sind die
wichtigsten Zweige. Der Bergbau förderte 1893:
226811 Unzen Gold, 63076 Unzen Silber, 331 t
Antimonerz, 319 t Manganerz und 691548 t Kohle.
Von Kaurikopal wurden 8317 t im Werte von
10215500 M. gefammelt. Es bestehen hohe Ein- ^
suhrzölle befonders auf Wein, Spirituofen und
Tabak. Die Einfuli'r wertete 1894: 135 760400,
die Ausfuhr 184620940 M. Haupteinfuhrartikel
waren Kleider und Stoffe, Eisen- und Stahlwaren,
Maschinen, Zucker, Papierwaren, Spiritus, Wem
und Vier, Thee, Früchte, Tabak und Cigarren, Ol,
Kohlen u. s. w.; Hauptaussuhrartikel: Wolle (96,5
Mill. M.), gefrorenes Fleifch, Gold, Kaurikopal,
Butter und Käse, Häute und Leder. An Verkehrs-
mitteln waren 31. März 1895: 3489 km Eifenbahnen
in Betrieb, darunter 282 km Privatbahnen. Die
2614 Post- und Telegraphenanstalten beförderten
1894: 53168336 Briefe, 2 546 713 Postkarten,
13906399 Pakete, 19 271590 Zeitungen und
397488 Geldsendungen sowie 2046839 Depeschen,
darunter 1816296 private. Auch Telephonanlagen
sind verbreitet. In allen Städten bestehen Tram -
oder Kabelbahnen. Die Flotte zählte (1894) 475
Fahrzeuge (179 Dampfer) mit 73482 (38808) t.
1894 liefen in den Häfen von N. ein 609 Schiffe
mit 631100 t, aus 614 Schisse mit 631250 t. Es
giebt 6 Banken mit 1,5 Mill. Pfd. St. Kapital.
Geschichte. N. wurde 13. Dez. 1642 von Tas-
man entdeckt. Die genauere Kenntnis verdankt man
Cook, der es 1769-70 umfegelte, auch 1773 und
1777 besuchte. Samuel Marsden landete 1814 als
erster christl. Missionar; seitdem wurden die Ein-
geborenen allmählich zum Christentum übergeführt.
Den letzten grausamen Bruderkrieg (1820-27) ver-
anlaßte der Häuptling Hongi. Nachdem einige An-
siedelungen an der Inselbai entstanden waren und
die ^e^v ^eklanli ^880ciation 1839 Wellington an
der Cookstraße errichtet hatte, wurde 1840 N. für
eine selbständige Kolonie der brit. Krone erklärt.
Streitigkeiten, verfehlte Verwaltungsmaßregeln,
Krieg hielten die Entwicklung der Kolonie zurück,
bis der Gouverneur Sir George Grey (1847-53)
einen glänzenden Aufschwung herbeiführte, der 1860
-66 durch Maori-Aufstände zeitweilig unterbrochen
wurde. Die wissenschaftliche Erforschung ging von
Dieffenbach (1843), Hochstetter und dem Landes-
geologen Haast (gest. 1887) aus.
Litteratur, von Hochstetter, Neuseeland (Stuttg.
1863); Kennedy, Nen Aealanä (2. Aufl., Lond.
1874); Meinicke, Die Inseln des Stillen Oceans,
Bd. 1: Melanesien und N. (Lpz. 1875); Gudgeon,
Xen Z^ianä ONcial llanädook 1893 (Wellington
1892); Shortland, Nkori reii^ion and m^tnolo^v
(Lond. 1882); Rusden, lliätory ok ^6^v ^sklanä
(3 Bde., ebd. 1883); Annie Vutler, WMP363 ot
Naori I.anä (ebd. 1886); I. Vradshaw, Ne>v Zea-
lanä ol w-äll^ (ebd. 1888); Gisborne, 1k6 coloi^
ol New 2oawiä (ebd. 1891); Chapman, IIw
nkwrai >vonä6i'8 ol ^6^ Aealanä (Auckland);
Wilson, In tns I.anäoklui (Lond. 1894); Nen2ea-
Illnä Olücial ^eardoolc 1895 (Wellington 1895).
Neuseeländischer Flachs, s. rkormium.
Neuseeländischer Spinat, s. ^tr^onia.
Neusellerhausen, Stadtteil von Leipzig (s. d.).
Neuses, Dorf bei Coburg (s. d.). lls. d.).
Neusibirien, eine der Neusibirischen Inseln
Neusibirische Inseln, Inselgruppe im Nörd-
lichen Eismeer, zum Bezirk Werchojansk des rusf.
Gebietes Iakutsk in Ostsibirien gehörig, nördlich
zwischen den Mündungen der Iana und Indigirka
sowie zwischen dem 73. und 76." nördl. Br. gelegen,
bestehen, neben kleinern Eilanden, aus den Haupt-
inseln: Neusibirien (2315,5) im O., Faddeiew-(Fade-
jew-) oder Thaddäusinsel (2578,0) in der Ätitte,
Kotelnyj- oder Kesselinsel (10813,9) im W. und den
Ljachowschen Inseln (Vlishnij ^Nahe^l und Malyj
Kleine Inseln 3907,2 und 808,0 ^m) im SW.,
dem Kap Swjatoj Noß gegenüber; zusammen etwa
25000 hkm. Sie sind felsig, baumlos, unbewohnt
und werden nur besucht wegen der Jagd auf See-
tiere und wegen der großen Menge von Knochen
und Zähnen urweltlicher Tiere (Mammut, Rhinoce-
ros, Büffel u. s. w.), die sich dort finden. - Die Lja-
chowschen Inseln wurden 1770-73 von dem russ.
Kaufmann Ljachow entdeckt, der von dort Elefanten-
zähne (Ljachowsches Elfenbein) brachte. Weitere
Entdeckungen und Forschungen machten Sannikow
(1805-11), Hedenström (1809-11), Anjou und
Iljin (1822), A. Bunge (Sohn) und Baron E. Toll
(1885-87).
Neusiedler See, ungar. ^erto-LavI. (d. h.
Sumpf), imWestenUngarns zwischen den Komitaten
Ödenburg und Wieselburg, 115 m ü. d. M., bedeckt
330 hkm, mit seiner südöstl. Fortsetzung, dem Hansäg
(s.d.), fast das Doppelte. Er bildet eine große Mulde,
die mittels des Hansäg mit dem Raabfluß und der
Donau in Verbindung steht. Zahlreiche Bäche fließen
ihm zu;'er ist sehr reich an Fischen und wildem Ge-
flügel. Von 1741 bis 1775 nahm er an Ausbreitung
und Tiefe zu. Seit 1855 fing er an abzunehmen,
bis er 1865 ganz austrocknete; allein schon 1869 be-
gann sich das Wasser zu vermehren, und 1876 war
der See in seiner vorigen Größe wieder vorhanden.
Beim Austrocknen des Sees fand man Stein- und
Thongeräte, die auf Pfahlbauten schließen lassen.
Die Römer nannten ihn Peiso oder Pelso. Am
Nordufer liegt die Groß-Gemeinde Neufiedl am
See (2899 deutsche E.). - Vgl. Moser, Der ab-
getrocknete Boden des N. (im "Jahrbuch der geolog.
Weichsanstalt", Wien 1866).