Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

313
Nicaraguakanal
20000 Schülern, daneben zwei höhere Schulen und
eine Universität, über die geplante Kanalverbin-
dung s. Nicaraguakanal. Dampfer verkehren auf
den Binnenseen.
Geschickte. N. wurde bald nach der Entdeckung
durch Gil Gonzalez Davila eine Intendantur des
span. Generalkapitanats Guatemala, riß sich 1821
von Spanien los und trat 1823 dem Bunde der
Vereinigten Staaten von Centralamerika (s. d.) bei,
der aber bereits 1839 aufgelöst wurde. Seit 1840
ist die Geschichte N.s eine fortgesetzte Reihe von
Bürgerkriegen. Während N. nut Costa - Nica um
den Besitz des Hafens von San Juan del Norte oder
Greytown stritt, erhob England 1841 unter dem
Vorwand, daß die östl. Spitze des Staates ein Teil
des Königreichs der Mosquitoküste (s. d.) sei, An-
sprüche auf den wegen des Kanalprojekts wichtigen
Punkt. Indessen vermochte auch diese Frage nicht
den Frieden im Innern herzustellen. So löste
denn bis 1854 ein Prätendent den andern ab,
und kaum ein Amtstermin des Präsidenten lief
mit der verfassungsmäßigen Periode ab. 1855
wandte sich der durch seine Gegner in Bedräng-
nis geratene Präsident Castellon nach San Fran-
cisco an den Abenteurer William Walker (s. d.), der
13. Juni 1855 mit 62 Genossen zu Realejo landete
und sogleich die Stadt N. einnahm. Durch weitere
Zuzüge verstärkt, überfiel Walker seine Gegner,
schlug sie an der Mirzinbai und nahm Granada ein.
Zum Präsidenten wurde Patricio Rivas ernannt,
während Walker der Regent des Landes blieb. Er
wollte ein centralamerik. Reich mit Sklaverei grün-
den und verletzte die Engländer durch Ansprüche
auf die Mosquitoküste, die Nordamerikaner durch
seine übergriffe. Endlich vereinigten sich die central-
amerik. Staaten im März 1856 zum Kriege gegen N.
Von den Verbündeten immer weiter zurückgedrängt,
ohne Hilfsmittel, wurde er mit seinen letzten 240
Anhängern in der Stadt N. eingeschlossen, erhielt
aber freien Abzug auf einem amerik. Kriegsschiff.
Zum Präsidenten wurde ein Mischling, Tomas Mar-
tinez, erwählt. Spätere Invasionsversuche Walkers
endigten mit seiner standrechtlichen Erschießung
(15. Sept. 1860). Es erfolgte 1863 zum zweiten-
mal die Wahl Martinez' zum Präsidenten. Auf ihn
folgte 1867 Guzman, 1871 V. Cuadra, 1875 P.
Camorra, 1883 Dr. Adan Cardenas, 1887 Oberst
E. Carazo, 1889 I)r. R. Sacaza. 1860 war die!
Frage der Grenzregulierung der Mosquitoküste ge- !
regelt worden, über die spätern mißlungenen Ver- ^
suche eine Föderativrepublik zu begründen s. Central-
amerika. Streitigkeiten mit Costa-Rica wurden
1888 durch den Schiedsspruch des Präsidenten der
Vereinigten Staaten beigelegt. Im April 1893
brach ein Aufstand aus, der mit dem Sturz des
Präsidenten Sacaza endete und einen langdauern-
den Kampf um die Präsidentschaft zur Folge hatte.
Dazu kam noch seit Oktober ein Krieg mit Hon-
duras, das seinen Einfluß in diesem innern Streit
geltend zu machen suchte. Alle diese Kämpfe fanden
im Jan. 1894 mit dem Siege und der Anerkennung
des neu gewählten Präsidenten, Generals Santos
Zelaya, ihren Abschluß. Um einigen neuen Steuer-
gesetzen auch in dem Mosquitoterritorium Geltung
zu verschaffen, sandte N. im Febr. 1594Truppen dort-
hin, setzte den Mosquitokönig ab und annektierte
das Territorium trotz der Intervention Englands
und der Vereinigten Staaten, welche schließlich die
Annexion zwar anerkannten, aber wegen Verletzung
ihrer Unterthanen Genugthuung forderten. Wäh-
rend N. diese den Vereinigten Staaten ohne weiteres
leistete, weigerte es sich, die Schadenersatzansprüche
Englands anzuerkennen, und England mußte ficb
diese Anerkennung im April 1895 erst durch eine
Flottendemonstration sowie durch eine Besetzung
des Hafens Corinto erzwingen.
Litteratur. Squier, Mca.i'HAua, (2 Bde., Neu-
york 1852 u. ö.); Le'vy, Notas ^o^ücas ? eco-
nomicaL sodre 1a i'6Z)ud1ica äk N. (Par. 1873);
Wetham,,^.ci'038 Osntrai America (Lond. 1877);
Pector, ^tuäe econoinicinL 8ur 13, Nepudiiguo
äs N. (Neuchätel 1893).
Nicaraguakanal, der Schiffahrtskanal, der in
Konkurrenz mit dem Panamatanal (f. 0.) dem See-
verkehr zwischen dem Atlantischen und Großen Ocean
den Umweg durch die Magalhäesstraße ersparen
soll. Während des Baues der Panama-Eisenbahn
wurde unter Vanderbilt eine Atlantic and Pacific
Ship Canal Company gegründet, die eine Per-
sonenbeförderung über die Landenge von Nica-
ragua einrichtete und durch den Ingenieuroberst
O. W. Childs eine Trace für die Kanalverbindung
vom Großen Ocean nach dem Nicaraguasee aus-
arbeiten ließ. Durch Bull wurden 1872-73 wei-
tere Untersuchungen vorgenommen, und 1880 or-
ganisierte der frühere Unionspräsidcnt Grant eine
Gesellschaft zum Bau des N., die sich jedoch auf-
lösen mußte. Als mit der baldigen Vollendung des
Panamakanals gerechnet werden mußte, bildete
sich eine neue Gesellschaft, die Maritime Canal
Company of Nicaragua, die nach mannigfachen
Weiterungen einen Vertrag mit Nicaragua und
mit Costa-Rica abschloß, der im Febr. 1889perfekt
wurde. Nun wurden die Vorarbeiten begonnen.
Der N. soll von dem, übrigens erst zu schaffenden
Hafen von Greytown aus im Thal des Deseado im
Niveau des Atlantischen Oceans bleiben und dann
mittels der Schleusen 1, 2 und 3 in 15,05, 16,96
und 20,i8 Km Entfernung von Greytown auf
-> 9,45, -> 18,59 und -> 32.32 steigen. Der Deseado
und der Iuanillo, ein Mündungsarm des San
Juan, würden durchschnitten und ihre Hochwafser
durch Ableitung unschädlich gemacht werden, wäh-
rend der obere Lauf des Defeado zur Speifung der
Gallongen zwischen Schleuse 3 und 1 benutzt wer-
den soll. Westlich von Schleuse 3 liegt die Wasser-
scheide, die in 4,69 kin Länge zu durchbrechen ist
und eine mittlere Höhe von 66,21 ni über dem
Atlantischen Ocean hat, während ihre höchste Er-
bebung bis -I- 123,i4 reicht. Auf 50,47 km soll der
Kanal den San Juan erreichen, der unterhalb durch