Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

318
Nicolai (Otto) - Nicolsches Prisma
Bürger gegenüber, das Volkslied lächerlich machen.
Gegen Goethe und dessen "Werther" schrieb er
"Freuden des jungen Werthers. Leiden und Freuden
Werther des Mannes. Voran und zuletzt ein Ge-
spräch" (Berl. 1775). Schillers und Goethes Au- !
griffe in den "Fenien" (1797) riefen sofort eine breit-
spurige Gegenschrift N.s hervor. Auch gegeu Ha-
mann, Herder, Garve, Lavater, vor allen aber
gegen Kant und Fichte war sein Groll gerichtet. Er
starb 8. Jan. 1811 in Berlin. - Vgl. N.s Selbst-
biographie, hg. von Löwe (in den "Bildnissen
jetzt lebender Berliner Gelehrten", 1806), und N.s
Schrift "über meine gelehrte Bildung" (Berl. 1799);
Göckingk, N.s Lebeu und litterar. Nachlaß (ebd.
1820); Lessmgs Jugendfreunde, hg. von Minor (in
Kürschners "Deutscher Nationallitteratur"); Herders
VriefwechselmitN. (Berl. 1887). (E. auch Nicolaische !
Buchhandlung.)
Nicolai, Otto, Komponist, geb. 9. Juni 1810 zu
Königsberg i. Pr., erhielt seine musikalische Bildung
unter Bernhard Kleins Leitung in Berlin, ging
1833 als Organist der preuß. Gesandtschaft und
königl. Stipendiat nach Rom. Er studierte hier
unter Vaini gründlich die alten ital. Meister der
Kirchenmusik, wandte sich aber daneben der Opern-
komposition zu. Seine Erfolge auf diesem Gebiete
verschafften ihm die Kapellmeisterstelle am Kärntner
Thor in Wien. Nachdem er sich 1838 nach Rom zu-
rückbegeben und mit "Nnrico II" (1839), "II ^6m-
plai-io" (1840) und andern Opern Auffehen erregt
hatte, folgte er 1842 einem zweiten Rufe nach Wien.
Durch Gründung der Konzerte der Philharmoniker
schuf er sich in dieser Zeit seiner Amtsthätigkeit ein
bleibendes Verdienst. 1847 ging N. als Hofkapell-
meister nach Berlin, wo kurz vor seinem Tode die
ursprünglich für Wien komponierten "Lustigen Wei-
ber von Windsor", die seine Hauptoper und eins der
besten neuern deutschen Bühnenwerke sind, znr Auf-
führung kamen. Er starb 11. Mai 1849 in Berlin.
N. hat auch kirchliche Kompositionen für den Ber-
liner Domchor fowie eine Reihe von Liedern und
Pianofortefachen gefchrieben. - Vgl. Förster, O. N.
(in "Westermanns Deutschen Monatsheften", 1892);
N.s Tagebücher, hg. von Schröder (Lpz. 1893).
Nicolai, Philipp, luth. Theolog und geistlicher
Liederdichter, geb. 10. Aug. 1556 zu Mengering-
hausen im Waldeckschen, wurde 1583 in Herdecke,
1588 in Alt-Wildungen, 1596 in Unna Pfarrer und
starb 26. Okt. 1608 als Hauptpastor zu St. Katha-
rinen in Hamburg. Seine berühmtesten Lieder sind:
"Wie schön leuchtet der Morgenstern" und "Wachet
auf, ruft uus die Stimme". N.s theol. Schriften
gegen die Reformierten gehören zu den berüchtigsten
Produkten damaliger Polemik. - Vgl. Curtze, N.s
Leben und Lieder (Halle 1859). ftille.
Nicolaie (spr. -läh), franz. Dramatiker, s. Clair-
Nicolaifche Buchhandlung in Berlin, gc
gründet1713 von Christoph Gottlob Nicolai,
kam nach dessen Tode (1752) an seinen auch als
Schriftsteller bekannten Sohn Christoph Fried-
rich Nicolai (s. d.), der das Geschäft zu einem
der angesehensten Berlins machte. Nach des letztern
Tode (1811) ging es über an dessen Schwiegersohn
Hofrat Daniel Friedr. Parthey (1745 - 1821),
1821 an des letztern Sohn, den Archäologen Dr.
Gustav Parthey (s.d.). Dieser verkaufte 1858 das
Sortiment, das sich unter der Firma "Nicolaische
Buckhandlung (Borstell & Reimarus)" im Besitz
von Fritz Borstell (geb. 27. Mai 1334, Besitzer
seit 1863, gest. 2. Febr. 1896) und Hans Reima-
rus (geb. 2. April 1843, Mitbesitzer seit 1872) be-
findet und einen Lefezirkel hervorragender Erschei-
nungen der deutschen, engl. und franz. Littera-
tur, mit gegen 5000 Lesern in Deutschland, unter-
hält. Die "Nicolaische Verlagsbuchhandlung" ging
über: 1866 an August Eff ert (geb. 7. Sept. 1801
in Stettin, gest. 13. Juni 1870) und L. Lindtner
(geb. 20. Juli 1813 iu Berlin, gest. 20. Nov. 1891),
1872 an Efferts Schwiegersohn, Rudolf Stricker
(geb. 1. Febr. 1829 in Hebron-Damnitz in Pom-
mern, gest. 5. Okt. 1890) und ist seit 1890 im Besitz
von des letztern Erben. Der Verlag umfaßt die
"Allgemeine Deutfche Bibliothek" (208 Bde., 1765
-1806), die sämtlichen Werke von Iustus Möser
und Theodor Körner, das "Archiv für Naturgeschichte"
(1835 fg.), naturwissenschaftliche, technische, histor.,
kunsthistor. Werke, in neuerer Zeit besonders Schul-
bücher und Vorlagen für Kunstindustrie und Heral-
dik, von Autoren wie Berendt, Vopp, Erichson,
Hildebrandt, Kämmerling, W. von Kaulbach, Franz
Kern, Kreyßig, Lepsius, Michelet, W. von Raumer,
Titz, Troschel u. a. - Vgl. Friedel, Zur Geschichte
der N. B. (Berl. 1891).
Nicolaithal, s. Visp.
Nicolas, Saint, Städte, s. Samt Nicolas.
Nicolay, Ludw. Heinr., Freiherr von, Dichter,
geb. 27. Dez. 1737 zu Strahdurg, studierte daselbst
die Rechte, wurde 1761 Privatfekretär des russ. Ge-
sandten in Wien, 1769 Erzieher, 1770 Kabinetts-
sekretär des Großfürsten Paul von Rußland, 1782
geadelt, 1796 kaiserl. Staatsrat, 1798 Direktor der
Akademie der Wissenschaften und 1801 Geheimrat
und Mitglied des Kabinetts. Nach Kaiser Pauls
Tode zog er sich auf sein Gnt Monrepos bei Wiborg
in Finland zurück, wo er 28. Nov. 1820 starb. Am
höchsten stehen seine Fabeln und seine kleinen, nach
Wielands Muster verfaßten Poet. Erzählungen.
An seine "Vermischten Gedichte und prosaischen
Schriften" (8 Bde., Verl. 1792-1810) schließen
sich seine wertlosen "Theatralischen Werke" an
(2 Bde., Königsb. 1811). - Vgl. von Gerschau,
Aus dem Leben des Freiherrn von N. (Hamb. 1834).
Nicölo, veraltetes Musikinstrument, s. Schalmei.
Nicolo de Malte, Komponist, s. Isouard.
Nicolsches Prisma oder kurzweg Nicol
(nach dem Erfinder, dem engl. Physiker Nicol be-
nannt), zwei Doppelspatprismen
(s. beistehende Figur ascl) und
ä^d c), deren polierte Trennungs-
flächen dc mit Canadabalsam
aneinander gekittet sind. Wenn
nun ein Lichtstrahl mn auf die
rhombische Fläche ^6 fällt, so zer-
legt er sich vermöge der Doppel-
brechung (s. d.) im Kalkspat in zwei
entgegengesetzt polarisierte (s. Po-
larisation) Strahlen, und zwar
in einen gewöhnlich oder ordent-
lich und in einen ungewöhnlich
oder außerordentlich gebrochenen
Strahl, wobei der Brechungs-
exponent des ersten 1,06 ist, jener
des zweiten Zwischen 1,48 und 1,00
veränderlich erscheint. Da nun
der Brechungsexponent des Ca-
nadabalsams (1,54) lleiner als jener (1,"6) des
ordentlichen Strahls ist, so wirkt die Valsamschicht
auf den ordentlichen Strahl wie ein schwächer