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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Niederländische Komödianten; Niederländische Kunst

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Niederländische Komödianten - Niederländische Kunst

Für neu hinzutretende Bahnstrecken wird der von der Gesellschaft zu entrichtende Pachtzins besonders vereinbart, derselbe darf jedoch nicht unter 1000 Fl. pro Kilometer betragen. Der Überschuß über 4 Proz. des Jahresgewinns wird zwischen Staat und Gesellschaft zu gleichen Teilen geteilt, bis der Anteil der Gesellschaft 6½ Proz. ihres Kapitals beträgt. Von einem hiernach noch verbleibenden Überschuß fallen vier Fünftel an den Staat und ein Fünftel an die Gesellschaft. Sollte letztere dagegen infolge von Kriegsereignissen weniger als 4 Proz. Reingewinn erzielen, so wird der daran fehlende Betrag vom Staate zugezahlt. In dem mit der Holländischen Eisenbahngesellschaft ebenfalls 21. Juni 1890 vereinbarten Vertrag sind ähnliche Bestimmungen getroffen; der jährliche Pachtzins für die bereits im Betriebe gewesenen Staatsbahnstrecken beträgt 550000 Fl. Außer der Gesellschaft für den Betrieb der Staatsbahnen und der Holländischen Eisenbahngesellschaft besteht noch eine größere Anzahl von Gesellschaften, wie Übersicht A auf S. 337 ergiebt; Übersicht B ergiebt die Betriebsverhältnisse der vier größern Gesellschaften im J. 1894.

Auf sämtlichen N. E. (einschließlich der auf fremden Gebieten liegenden Strecken 1894 im Durchschnitt = 3689 km lang) waren an Betriebsmitteln (Anfang 1895) vorhanden: 1039 Lokomotiven einschließlich Tenderlokomotiven, 2543 Personenwagen, 6897 bedeckte und 12590 offene Lastwagen. Zur Beförderung gelangten (1894) 33215190 Personen, 34628 t Gepäck, 13468223 t Güter und 602838 t Dienstgut, außerdem Tiere, Equipagen u. s. w. Die Einnahmen betrugen aus dem Personenverkehr 18886884 Fl., aus dem Gepäckverkehr 416647 Fl. und aus dem Güterverkehr 19597384 Fl.

Außerdem waren (Ende 1894) 51 Trambahnunternehmungen mit 1092 km vorhanden, darunter 24 Dampftramlinien (475 km), 20 Pferdebahnen (201 km) und 7 Unternehmungen (416 km) mit Pferde-und Lokomotivbetrieb. Doppelgleisig waren 107 km. – Vgl. Claus, Die Neuordnung des Eisenbahnwesens im Königreich der Niederlande (im «Archiv für Eisenbahnwesen», Berl. 1892, 1896).

Niederländische Komödianten, s. Englische Komödianten.

Niederländische Kunst, diejenige Kunst, welche sich in den Niederlanden (Belgien und Holland) selbständig neben der deutschen und franz. Kunst entwickelte. (Hierzu die Tafeln: Niederländische Kunst Ⅰ‒Ⅶ. – Taf. Ⅰ‒Ⅱ: Baukunst. Taf. Ⅲ‒Ⅳ: Bildnerei. Taf. Ⅴ‒Ⅶ: Malerei.)

I. Baukunst. Aus der Zeit der Karolinger ist von Baudenkmälern, außer den spärlichen Resten in den Anlagen des Valkhofs bei Nimwegen, fast nichts mehr vorhanden und selbst die Epoche des roman. Stils ist nur durch einzelne Teile von Gebäuden, wie das Mittel- und Kreuzschiff der Kathedrale in Tournai, vertreten. Im 13. Jahrh. verbreitete sich von Frankreich aus der got. Stil nach den Niederlanden, erlitt aber hier manche Umbildungen. Es entstanden Gebäude, welche die Gedrungenheit und Massigkeit des vorgot. Stils beibehielten, aber mit durchgängiger Anwendung des Spitzbogens; so die Nikolauskirche in Gent, der Dom in Utrecht, die Liebfrauenkirche in Tongern, die Nikolaikirche in Kampen und die Kirche in Dordrecht. Während in Frankreich und Deutschland die Höhe des Mittelschiffs das Dreifache der Breite erreicht und selbst übersteigt, geht sie in den Niederlanden oft nicht weit über das Doppelte. Vielschiffige Kirchen sind hier besonders häufig; die Peterskirche in Leiden, die Liebfrauenkirchen in Amsterdam und Brügge, die Kathedrale in Herzogenbusch haben fünf, die Kathedralen von Brüssel und Antwerpen sogar sieben Schiffe. Das Äußere der damals erbauten Kirchen macht in seiner Gesamtwirkung den Eindruck des Nüchternen und Schwerfälligen. Die einzigen Prachtthüren, die schon im 13. Jahrh. mit Statuen verziert wurden, sind das Seitenportal der Servatiuskirche in Maastricht (s. Taf. Ⅲ, Fig. 1), die Portale der Liebfrauenkirche in Dinant und der Kollegiatkirche in Huy, und nur der Chor der Kathedrale in Tournai (um 1260 begonnen) zeigt den got. Stil in voller Schönheit. Von der Einfachheit des Äußern sticht die Pracht des weit und geräumig gestalteten Innern auffallend ab. Die Peterskirche in Leiden (1315 erbaut) gilt als die schönste Kirche Hollands im reichen got. Stil, der in der 1341‒1409 erbauten Wallfahrtskirche Notre-Dame zu Hall bei Brüssel den Höhepunkt zierlicher und prächtiger Durchbildung erreicht. In derselben Zeit entstanden eine Reihe mächtiger Kathedralen: St. Rombaut in Mecheln (1312 vollendet), Notre-Dame in Antwerpen (seit 1352), der größte got. Dom in den Niederlanden, von malerisch wirkungsvoller Innenperspektive (s. Taf. Ⅰ, Fig. 1), die Peterskirche in Löwen (1452‒97), Ste. Waudru zu Mons (seit 1450). Endlich erhielten auch die Dome Ste. Gudule zu Brüssel, St. Martin zu Ypern und St. Jean zu Herzogenbusch, deren Inneres vorher in sehr ernstem Stil durchgeführt war, jetzt eine glänzende Ausstattung. Eine besonders durch ihr reich verziertes Innere hervorragende Kirche spätgot. Stils ist die Jakobskirche zu Lüttich (s. Taf. Ⅰ, Fig. 2), die ihre jetzige Gestalt 1513‒38 erhielt. ^[Spaltenwechsel]

Die mit dem Wohlstand und Gemeingeist gesteigerte Baulust bewirkte dann in den großen Stadtgemeinden auch eine reiche Ausbildung der für allgemeine Zwecke und auf allgemeine Kosten errichteten städtischen Baudenkmale. Stattliche Burgtürme (s. Bergfried) sind noch in Gent, Nieuport, Aelst und an andern Orten vorhanden; mit denselben verband man häufig die für die Ordnung und Bequemlichkeit des gewerb- und handeltreibenden Gemeinwesens dienenden «Hallen», die im 14. Jahrh. in großartiger Weise, aber ohne besondern Schmuck aufgeführt wurden. Hervorragende Beispiele solcher Verbindung von Kaufhaus und Wachtturm sind die 1304 vollendete Tuchhalle zu Ypern (s. Taf. Ⅰ, Fig. 3) und die Hallen zu Brügge (Ende des 14. Jahrh.). Alleinstehende Hallen aus derselben Zeit finden sich in Löwen, Mecheln, Gent und Antwerpen. Aufs glänzendste offenbart sich jedoch die Vorliebe für bürgerliche Prachtbauten zur Zeit der Gotik in den Stadt- oder Rathäusern (Hôtels de ville). Hierher gehören: das 1377 gegründete Stadthaus in Brügge, das im Anfang des 15. Jahrh. begonnene Rathaus zu Brüssel (s. Tafel: Rathäuser Ⅰ, Fig. 5), eins der größten und schönsten seiner Art in den Niederlanden; das 1447‒63 erbaute Rathaus zu Löwen (s. Tafel: Niederländische Kunst Ⅱ, Fig. 3), ein Muster des prächtigen spätgot. Stils; ferner die Rathäuser zu Gent (Nordfaçade 1518‒33), Middelburg und Oudenaarde. Das schöne Rathaus in Leiden wurde 1596 vollendet. Seit dem 16. Jahrh. begann in den Niederlanden die Renaissance Boden zu