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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Niederländische Kunst

tungen der Historienmalerei gab es noch eine dritte, die sich an die Weise der ital. Naturalisten anschloß und namentlich durch Gerard van Honthorst vertreten war. Endlich sind noch einige Niederländer aus späterer Zeit anzuführen, welche die histor. Malerei wiederum in idealerm Stile behandeln, indem sie der Poussinschen Kunstweise folgen: Gérard de Lairesse und Adriaen van der Werff.

Im 17. Jahrh. erlangten zugleich auch die bisher weniger geübten Fächer der Malerei eine selbständige Behandlung und eine höhere Bedeutung gegenüber der Historienmalerei. Das Porträt wurde zuerst ein eigenes Fach für eine Anzahl holländ. Künstler, unter welchen sich Michiel Mierevelt, Paulus Moreelse, Frans Hals (s. Taf. Ⅵ, Fig. 1), Thomas de Keyser und Bartholomäus van der Helst besonders hervorthaten. In Belgien war neben van Dyck (s. Taf. V, Fig. 4) Gonzales Coques der vorzüglichste Meister in diesem Fache. Ebenso erreichte die Genremalerei, nachdem von den frühern belg. Malern sich bereits die beiden Brueghel, der Bauernbrueghel und der Höllenbrueghel, der ältere Teniers u. a. mit Vorliebe der Darstellung des niedern Volkslebens zugewandt hatten, um die Mitte des 17. Jahrh. ihre höchste und vielseitigste Ausbildung. Bald sondern sich die Meister dieser Gattung deutlich in zwei Hauptgruppen. Die einen wählen gern Gegenstände aus dem Leben der niedern Volksklassen; zu dieser Gruppe gehören: David Teniers der Jüngere (s.Taf.Ⅵ, Fig. 3), Pieter van Laer, die beiden van Ostade, Adriaen Brouwer, Jan Steen (s. Taf. Ⅵ, Fig. 5), A. van de Velde (s. Taf. Ⅵ, Fig. 6), sodann diejenigen Künstler, welche das Soldatenleben für ihre Darstellungen wählen, wie Jan le Ducq, Palamedesz, Philips Wouwerman, Frans van der Meulen und Jan van Huchtenburgh. Andere Meister schildern am liebsten Vergnügungen und Unterhaltungen der mittlern, wohlhabendern Stände; die hervorragendsten Schöpfer dieser sog. Konversationsstücke sind: Gerard Dou, Terborch (s. Taf. Ⅵ, Fig. 2), Metsu, Frans van Mieris der Ältere, Netscher, Pieter de Hooch, der delftsche van der Meer (s. Taf. Ⅵ, Fig. 4), Godfried Schalcken, Eglon van der Neer, Slingelandt. Wie schon bei einigen ältern niederländ. Künstlern, z. B. bei Joachim Patinir und Herri de Bles, die landschaftlichen Bestandteile der Bilder oft weit anziehender sind als die manirierten histor. Darstellungen, so gewann vollends im Anfang des 17. Jahrh. die Landschaft bei Jan Brueghel (dem sog. Sammetbrueghel), bei Savery, Vinck-Boons u. a. mehr und mehr eine abgeschlossene Bedeutung. Sie erscheint freilich bei den genannten Künstlern noch in einer Fülle von Einzelheiten, mit kindlicher Lust am Bunten und Mannigfaltigen, ohne Rücksicht auf die Harmonie des Ganzen, wird aber bald durch Rubens’ Leistungen in diesem Fache zu gesetzmäßig beschränkter Naturnachahmung und malerischer Gesamtwirkung angeleitet und in diesem Sinne von Frans Wouters, Jan Wildens, Lukas van Uden und Josse de Momper geübt. Wie Rubens in Brabant, so gab Rembrandt in Holland den Anstoß zu einer kraft- und wirkungsvollen Behandlung der Landschaft; Philipp Koninck und Aert van der Neer, der berühmte Maler von Mondscheinlandschaften, folgten dieser Weise. Eine große Zahl der Holland, und brabant. Künstler schloß sich aber den durch franz. Meister in Italien aufgekommenen Richtungen an. Millet, Jan Glauber, Frans van Bloemen (genannt Orizzonte) u. a. erscheinen als Nachahmer des landschaftlichen Stils der beiden Poussin, während Swanevelt, Jan Both, Pynacker, Jan Lingelbach, Willem de Heusch, Frederik de Moucheron, Saftleven, Jan Hackaert, Cornelis Huysmans Anhalt oder Vorbild in Claude Lorrain suchen. Daneben erblühte die idyllische Malerei, welche die Staffage der Tiere und Menschen zum Mittelpunkt der Landschaft machte; hierher gehören Jan Miel, Jan Baptist Weenix, Nikolaas Berghem, Karel Dujardin und Jan Asselyn.

Die Künstler der genannten beiden Richtungen nahmen den Gegenstand ihrer Bilder vorzugsweise aus Italien, andere Meister beschränkten sich auf die schlichtern Erscheinungen ihres Vaterlandes. In dieser Richtung bewegte sich Philips Wouwerman (s. d.). Eine weitere Anzahl von Malern bevorzugte das Tierstück; so A. van de Velde, Jan van der Meer und Jak. van der Does, zwei berühmte Schafmaler, und der größte Meister dieser Gattung, Paulus Potter (s. Taf. Ⅵ, Fig. 7). Die jagdbaren Tiere fanden vorzügliche Darsteller an Rubens, Frans Snyders, Jan Fyt, David de Koninck. Das getötete Wild und Geflügel, als Jagdbeute kunstreich zusammengestellt, wurde von Jan Weenix mit außerordentlicher Meisterschaft gemalt, wogegen Melchior Hondecoeter das lebende Federvieh der holländ. Hühnerhöfe im vollen Schmuck seines farbigen Gefieders darstellte. Den Baumschlag wie die Luft- und Lichtbildungen der heimischen oder höhern nordischen Gegenden wurden von den großen holländ. Landschaftsmalern Jan van Goyen, Wynants, Waterloo, Jakob van Ruisdael (s. Taf. Ⅵ, Fig. 8), Hobbema, Allart van Everdingen in den Kreis ihrer Darstellung gezogen. Auch die Marinemalerei jener Zeit hat treffliche Vertreter in Willem van de Velde, Simon de Vlieger, neben denen L. Backhuysen, Jan Parcelles, Wigernus Vitringa, Abraham Storck, Jan van de Capelle eine ehrenvolle Stelle einnehmen. Ebenso gestaltete sich die Darstellung von Dorf- und Stadtpartien, von Häusergruppen an Kanälen oder merkwürdigen Gebäuden an öffentlichen Plätzen als Architekturmalerei zu einer eigenen Gattung; in solchen Architekturstücken übertraf van der Heyden alle seine Nebenbuhler. Andere malten vorzugsweise das Innere von Kirchen, Palästen oder Wohnzimmern; dahin gehören namentlich die beiden Neeffs, die beiden Steenwyck, Fredeman de Vries, A. de Lorme, Emanuel de Witte. Treffliche Stillleben lieferten Jan Davidsz de Heem, Willem Kalff, Willem van Aelst u. a., während als Maler von prächtigen Blumen- und Fruchtstücken besonders Jan Davidsz de Heem und seine Schüler, Cornelis de Heem, Abraham Mignon, Maria van Oosterwyck, Ruhm erlangten.

Die niederländ. Malerei des 18. Jahrh. ist im allgemeinen eine Fortsetzung von der des vorhergehenden goldenen Zeitalters. Die Historienmaler, wie Konstantin Netscher, Nikolaas Verkolje, Philipp van Dyck, Willem van Mieris, malten in der kalten akademischen Weise des Lairesse und van der Werff, zudem mit geringerer technischer Meisterschaft, fort. Andreas Lens in Antwerpen verfolgte späterhin eine ähnliche mäßigende und reformierende Richtung wie Vien in Frankreich und Mengs in Deutschland. Die Maler der andern Gattungen verlegten sich insgesamt auf die Nachahmung ihrer Vorgänger, aber mit wenig Erfolg. Nikolaas Koedyck und Jakob van Stry waren ausnahmsweise glückliche Nachbildner de Hoochs und Cuyps. Eine gewisse Eigen- ^[folgende Seite]