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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ni fallor; Niewenhoven; Niflheim; Niftelgerade; Nigella; Niger

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Niewenhoven – Niger

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Nièvre'

giebt es 1 Lyceum und 2 Colleges. – Vgl. Soultrait, Dictionnaire topographique du département de la N. (Par. 1865); Jullien, La N. à travers le passé (Nevers 1886).

Niewenhoven, belg. Stadt, s. Ninove.

Ni fallor (lat.), wenn ich nicht irre.

Niflheim (d.h. Nebelwelt), in der nordischen Mythologie der nördl. Teil von Ginnungagap (s. d.), entgegengesetzt dem südl. Muspellheim, der Feuerwelt. Mitten in N. quillt der tosende Hvergelmir, aus dem 12 Ströme, die Elivagar (s. d.), entspringen. Später ist N. die Totenwelt, dichterisch Niflhel.

Niftelgerade, s. Gerade.

Nigella L., Schwarzkümmel, Pflanzengattung aus der Familie der Ranunkulaceen (s. d.) mit 10 Arten in Mitteleuropa und in den Mediterranländern. Es sind krautartige Pflanzen mit fiederförmig fein zerteilten Blättern und einzeln stehenden endständigen Blüten mit großem fünfblätterigem, bumenkronenähnlich gefärbtem Kelch und einer aus kleinen hohlen, tütenförmigen und zweilippigen Organen zusammengesetzten Blumenkrone. Zu dieser Gattung gehören der gemeine Schwarzkümmel (N. sativa L.) und die Braut in Haaren, Gretel im Busch, Jungfer im Grün oder Kapuzinerkraut (N. damascena L.). Erstgenannte Pflanze, in Südeuropa und dem Orient heimisch, bildet bis 60 cm hohe Stengel mit doppelt fiederschnittigen Blättern und hüllenlosen Blüten, deren Kelchblätter weißlichblau und grün geädert sind. Ihre dreikantigen, querrunzeligen Samen, die scharf schmecken und gewürzhaft riechen, waren früher als Semina Nigellae offizinell. Die zweitgenannte Art, aus denselben Gegenden stammend, durch zartern Bau, hellblaue Kelchblätter und eine zierliche Blatthülle um die Blüte von der vorhergehenden verschieden, ist eine der beliebtesten Zierpflanzen der Gärten. Die Samen entwickeln beim Reiben zwischen den Händen erdbeerartigen Geruch und finden in der Fruchtätherfabrikation Verwendung. 100 kg kosten im Großhandel (1896) 70 M.

Niger, nach dem Nil und Kongo der größte Strom Afrikas, im Oberlauf Dscholiba (Joliba) und Eghirreu, im Unterlauf Kowarra, auch Quorra genannt, entspringt bei dem Dorfe Tembi Kundu unter 9° 5' 20" nördl. Br. und 10° 50' westl. L. von Greenwich, 850 m ü.d.M. Der N. nimmt bei Sigiri (340 m) den Tankisso auf, wird bei Bammako für Dampfer schiffbar und tritt bei Njamina in die weiten Ebenen von Segu Sikoro und Massina; bei Diafarabe teilt er sich in zwei Arme und umschließt die 200 km lange Insel Burgu; nach der Vereinigung in dem Debosee teilt er sich wieder in den Diako und Majo Balleo, und erreicht bei Kabara, dem Hafenplatz von Timbuktu, nahezu den nördlichsten Punkt seiner südnördl. Richtung. Am Rande der Sahara sich hinziehend, wird seine Schiffbarkeit durch die Stromschnellen von Tosaje unterbrochen; bei Burrum wendet er sich scharf nach SSO. und tritt zum erstenmal nach den Sumpfgegenden von Massina und der steinigen Wüste von Timbuktu in ein von tropischer Vegetation erfülltes Hügelgelände, welches den Strom verengt und mit gefährlichen Klippen durchsetzt. Von größeren Seitenflüssen münden in den Mittellauf des N. von O. der Gülbi-n-Sokoto bei Gomba, der Kaduna bei Murega und der Binue (s. d.) bei Lokodscha. Mit dem letztern vereinigt, strömt der N. in direkt südl. Richtung nach dem Meerbusen ↔ von Guinea und ergießt sich in denselben mit zahlreichen Armen, von welchen der Sombrero, Braß, Nun und der Forcado die wasserreichsten sind. Einer der südöstlichsten Arme ist der Bonny. Das also gebildete Delta umfaßt 25000 qkm; es erhebt sich kaum über den Meeresspiegel und ist ein von Mangrovewaldungen bedeckter Sumpf. Eine bequeme Einfahrt ist nur möglich bei Akassa an der Mündung des Nun; außerdem eine durch Barren und Untiefen erschwerte auf dem Forcado. Der direkte Abstand von den Quellen des N. bis zur Mündung beträgt 1810 km, die ganze Länge aber mit allen Windungen etwa 4160 km und das gesamte Stromgebiet über 2 1/2 Mill. qkm. Die Schiffbarkeit des N. ist, abgesehen von den Stromschnellen, abhängig vom Steigen und Fallen des Flusses. Der Oberlauf bis Timbuktu steigt von Juli bis Anfang Januar und ist schiffbar von Bammako bis Timbuktu; der Mittellauf steigt und ist schiffbar von Rabba bis Lokodscha von Juni bis Oktober; der Unterlauf von Lokodscha bis Akassa erhält durch den einmündenden Binue die hauptsächlichste Anschwellung von Juni bis Ende September und durch die ankommenden Wassermassen des Oberlaufs eine zweite, aber schwächere von Januar bis Anfang April. Für Dampfer von geringem Tiefgang ist demnach der N. von Akassa bis Lokodscha in allen Monaten des Jahres mit mehr oder weniger Beschwerlichkeit befahrbar. (S. Karte: Guinea.)

Der Name N. stammt aus dem Altertum; er bezog sich aber nicht auf den jetzt so benannten Strom, sondern, wie Duveyrier und Saint-Martin nachgewiesen, auf den Wadi Igharghar in der nördl. Sahara. Die arab. Geographen des Mittelalters glaubten, daß der N. mit dem Nil in Verbindung stehe. W. G. Browne in seinen «Travels in Africa» (1799) war einer der ersten, welcher diese Meinung ernstlich bekämpfte. Bis 1796 hatte noch kein Europäer den N. gesehen. Mungo Park (s. d.) war der erste, welcher in dem genannten Jahre Segu-Sikoro am Oberlauf erreichte. Er wurde 1805 von neuem zur Erforschung des N. ausgesendet. Er verfolgte vier Monate lang dessen Lauf von Bammako abwärts bis in die Gegend von Bussana., wo er ermordet wurde. Über die Natur und Richtung des Unterlaufs wußte man noch nichts; man vermutete, daß er in den Busen von Guinea münde. Durch die Reise Clappertons und Denhams 1825 und vollends durch Clappertons zweite Reise 1827 wurde diese Meinung bestätigt, und die brit. Regierung sendete um 1830 Richard Lander (s. d.), den Begleiter Clappertons, zu näherer Erforschung des N. ab. Lander und sein Bruder gingen zu Lande nach Bussang, schritten von dort den Strom hinab und erreichten nach einer Fahrt von etwa 900 km das Meer. Von der Beninbucht drang Lander 1832 mit zwei Dampfschiffen in den N. ein; dasselbe geschah gleichzeitig durch Laird und Oldfield, von denen der letztere 750 km weit, bis Rabba, gelangte. Baikie erforschte im Verein mit engl. Seeoffizieren 1857–64 den untern N. aufwärts bis Rabba genauer, indem er dabei auch Missions- und Handelsstationen anlegte. Den mittlern Lauf des N. von Timbuktu bis Say bereiste 1854 Barth. Den N. zwischen der Binuemündung und Rabba hat Rohlfs 1867 befahren. War auch Laing schon 1832 dem Quellgebiet des N. nahe auf die Spur gekommen, den eigentlichen Ursprung hat erst Brouet 1895 entdeckt. Das Verdienst, den Nigerlauf zwischen Bammako

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 365.