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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Nikolaus; Nikolaus I.

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Nikolaus (Fürst von Montenegro) - Nikolaus (Kaiser von Rußland)

schaften und gewandter Politiker, aber prachtliebend und Begünstiger des Nepotismus, erreichte es, daß Rudolf von Habsburg allen kaiserl. Rechten über den Kirchenstaat entsagte; ferner zwang er Karl von Anjou, auf die Reichsstatthalterschaft in Toscana und auf den Titel eines röm. Senators zu verzichten. - Vgl. Wertsch, Die Beziehungen Rudolfs von Habsburg zur röm. Kurie bis zum Tode N.s III. (Bochum 1880).

N. IV. (1288-92), früher Hieronymus von Ascoli, Kardinal und Bischof von Präneste, ein gelehrter Mann und eifriger Förderer des Franziskanerordens, dessen General er war, sandte Missionare nach China und zu den Tataren, bemühte sich aber umsonst, einen Kreuzzug zu stände zu bringen. - Vgl. Langlois, Les registres de Nicolas IVe (Heft 1-7, Par. 1886-92).

N., vorher Pietro Rainaluci oder Peter von Corbière, Minorit, wurde 1328 von Ludwig dem Bayern als Gegenpapst Johanns XXII. eingesetzt, mußte sich 1330 unterwerfen, starb im Gefängnis und wird in der Reihe der Päpste nicht gezählt.

N. V. (1447-55), vorher Thomas Parentucelli, Sohn eines Arztes in Sarzana, feingebildet und weitgereist, unter Cosimo de' Medici Vorstand der ersten öffentlichen Bibliothek in Florenz, dann Kardinalbischof von Bologna, zog als Freund der Wissenschaften namentlich viele Griechen in seine Staaten, erweiterte die Vatikanische Bibliothek und verschönerte die Stadt Rom. Er löste das Baseler Konzil 1449 auf und schloß mit Friedrich III. das sog. Aschaffenburger, eigentlich Wiener Konkordat (17. Febr. 1448) ab. 1450 feierte er das Jubeljahr und krönte 1452 Friedrich III. zum röm. Kaiser; um einen Kreuzzug gegen die Türken bemühte er sich aber vergeblich. - Vgl. Sforza, Papst N. V. Heimat, Familie und Jugend (deutsch Innsbr. 1887).

Nikolaus, Fürst von Montenegro, s. Nikola I.

Nikolaus I., russ. Nikolai Páwlowitsch, Kaiser von Rußland (1825-55), der dritte Sohn des Kaisers Paul I. aus dessen zweiter Ehe mit Maria Feodorowna (Sophia Dorothea von Württemberg), wurde 6. Juli (25. Juni) 1790 im Schlosse Gatschina bei Petersburg geboren und mit seinem jüngern Bruder Michael (geb. 1798) durch den Grafen Lamsdorf erzogen. Während der Regierung des ältesten Bruders Alexander blieb er den Staatsgeschäften gänzlich fern. Er vermählte sich 13. Juli 1817 mit Charlotte (geb. 13. Juli 1798, gest. 1. Nov. 1860), der ältesten Tochter des Königs Friedrich Wilhelm III. von Preußen, welche beim übertritt zur griech. Religion den Namen Alexandra Feodorowna erhielt. Als Alexander I. 1. Dez. 1825 starb, fiel N. infolge des Verzichtes des ältern Bruders, des Großfürsten Konstantin (s. d.), der Thron von Rußland zu. Eine Militärverschwörung (s. Dekabristen), die mit dem Thronwechsel ausbrach, aber mit großer Strenge unterdrückt wurde, verbunden mit Anzeichen einer innern Zerrüttung, die das milde, schwankende Regiment Alexanders zurückließ, übte auf die Regierungspolitik und den persönlichen Charakter des neuen Herrschers einen bedeutenden Einfluß. N. suchte fortan durch strenge Disciplin die absolute Herrscherautorität herzustellen. Die erste Regierungsthätigkeit N. war die Untersuchung der zahllosen Mißbrauche in der Staatsverwaltung; daran schloß sich seit 1827 die Systematisierung des russ. Gesetzbuchs, die 1846 vollendet wurde. Wiewohl N. als Beschützer der Bauern gegen den Adel galt, ließ er doch, seinem

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System gemäß, die Leibeigenschaft fortbestehen, unterdrückte Bauernaufstände mit furchtbarer Strenge, suchte aber die Stellung der Hörigen durch Erlasse zu regeln und zu erleichtern. Die äußere Politik N.' war in den ersten Jahren seiner Regierung vorzugsweise auf Asien gerichtet. Der Krieg mit Persien führte zu dem Rußlands Ländergebiet bedeutend erweiternden Frieden von Turkmantschai (28. Febr. 1828), während der siegreiche Kampf gegen die Türkei ihm im Frieden zu Adrianopel (Sept. 1829) nebst Länder- und Geldentschädigung den freien Verkehr auf der Donau, im Schwarzen und Mittelländischen Meere brachte. Bald darauf begannen im europ. Westen die polit. Bewegungen von 1830, welche die nationale Erhebung des Königreichs Polen im Gefolge hatten. N. hob die poln. Verfassung von 1815 auf und verwandelte Polen in eine russ. Provinz.

Von nun an führte N. im ganzen Umfang seines Reichs den strengsten Absolutismus durch. Die Einschränkung der wissenschaftlichen Thätigkeit auf das rein praktische Bedürfnis, die Herabdrückung des Unterrichts und der Bildung zur Abrichtung für den öffentlichen Dienst, die Fesselung der einheimischen, die strenge Überwachung der fremden Presse waren die Folgen dieses polit. Systems. Es begann ferner die Russifizierung der übrigen Nationalitäten und die systematische Bekehrung der Protestanten und Katholiken zur orthodoxen Kirche. 1840 mußte auch die griech.-unierte Kirche ihre Vereinigung mit der orthodoxen eingehen. Nach außen hin ward die Bezwingung der freien Bergvölker im Kaukasus nach der poln. Revolution mit gesteigerter Energie, wenn auch ohne vollständigen Erfolg betrieben. (S. Kaukasische Kriege.) Bei aller diplomat. Klugheit, die N. in den auswärtigen Verhältnissen beobachtete, erfuhr in den orient. Wirren von 1840 sein Übergewicht in Bezug auf die Türkei eine Schmälerung, da das Schicksal des Osmanischen Reichs durch Vertrag der Mächte unter die Obhut Europas gestellt wurde. In den polit. Stürmen von 1848 und 1849 bewahrte N. eine zuwartende Haltung. Durch die Intervention in Ungarn hoffte er die österr. Politik mehr als je an sein Interesse zu fesseln, gewann Dänemark durch sein Auftreten gegen die Bestrebungen Deutschlands bezüglich der Elbherzogtümer, trat in dem preuß.-österr. Zerwürfnis bei den zwei Zusammenkünften in Warschau 1850 als Schiedsrichter auf und sprach im Sinne Österreichs für Niederwerfung jeder Art von "Revolution". 1853 glaubte er den Zeitpunkt gekommen, mit seinen längst vorbereiteten und zur religiösen Angelegenheit des russ. Volks erhobenen Plänen gegen die Türkei hervorzutreten. Napoleon III. vereitelte dieselben und brachte eine Koalition gegen N. zu stände, der sich sogar Österreich nicht ganz entzog, während Preußen besonders auf Bismarcks Rat sich fernhielt. (S. Orientkrieg.) Mitten im Kriege, der darüber ausbrach und eine für Rußland verhängnisvolle Wendung nahm, starb N. 2. März (18. Febr.) 1855 zu Petersburg. Ein Reiterstandbild N.' (von Clodt, 1859) steht auf dem Marienplatz in Petersburg (s. Tafel: Russische Kunst I, Fig. 5). Seinen Namen führt das brandend. Kürassierregiment Nr. 6.

Auf dem Throne folgte ihm sein ältester Sohn Alexander II. (s. d.); außerdem hinterließ er noch drei Söhne: Konstantin (s. d.), Nikolaus (s. o.) und Michael (s. d.), und drei Töchter: Maria, geb. 18. (6.) Aug. 1819, vermählt mit dem Herzog von Leuchtenberg, nach dessen Tode in morganatischer Ehe mit