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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Nikolaus II.; Nikolaus von Basel; Nikolaus von Cusa; Nikolaus von Lyra

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Nikolaus (Kaiser von Rußland) - Nikolsburg

dem Grafen Stroganow, gest. 21. (9.) Febr. 1876; Olga, Königin von Württemberg, geb. 11. Sept. (30. Aug.) 1822, gest. 30. Okt. 1892; Alexandra, geb. 24. (12.) Juni 1825, gest. 10. Aug. (29. Juli) 1844, kurz nach ihrer Verheiratung mit dem Prinzen Friedrich von Hessen-Cassel. - Vgl. von Korff, Die Thronbesteigung des Kaisers N. I. von Rußland im J. 1825 (deutsche Ausg., 3. Aufl., Berl. 1858); Schnitzler, Histoire intime de la Russie (2 Bde., Par. 1847); Lacroix, Histoire de la vie et du règne de Nicolas Ier (Bd. 1-8, ebd. 1864-75; 2. Ausg., Bd. 1-5, 1869-71); Tatischtschew, Die auswärtige Politik Kaiser N.' I. (russisch, Petersb. 1887); ders., Die innere Politik des Kaisers N. I. in der Epoche des Krimkrieges (russisch, ebd. 1887); Aus dem Leben Theodor von Bernhardis, Tl. 2 (Lpz. 1894).

Nikolaus II., russ. Nikolaj Alexándrowitsch, Kaiser von Rußland, geb. 18. (6.) Mai 1868 in Petersburg als Sohn des damaligen Thronfolgers und spätern Kaisers Alexander III. Seine Erziehung wurde von General Danilowitsch geleitet. 1890 unternahm er in Begleitung des Prinzen Georg von Griechenland eine Orientreise nach Griechenland, Ägypten, Indien, Java, Siam, China, Japan. Hier wurde er 23. (11.) April 1891 bei einer Durchfahrt durch Otsu (unweit Kioto) von einem japan. Polizisten meuchlings mit dem Säbel am Kopfe verwundet. N. kehrte darauf durch Sibirien nach Rußland zurück, wobei er in Wladiwostok den Bau der Ussuri-Eisenbahn eröffnete. Am 10. Febr. 1893 übernahm N. den Vorsitz des Komitees für die Sibirische Eisenbahn. Nach dem Tode seines Vaters 1. Nov. 1894 bestieg er den Thron. Am 26. (14.) Nov. vermählte er sich mit der Prinzessin Alix (als Kaiserin Alexandra Feodorowna) von Hessen (geb. 6. Juni 1872 in Darmstadt als vierte Tochter des Prinzen Ludwig von Hessen, des spätern Großherzogs Ludwig IV.). Dieser Ehe entsproß eine Tochter Olga, geb. 15. (3.) Nov. 1895. Am 26. Mai 1896 vollzog sich unter Entfaltung größten Glanzes die Krönung des Monarchenpaares in Moskau, doch wurde das Fest in der furchtbarsten Weise durch einen Unglücksfall getrübt, indem bei einem Volksfest auf dem Chodynkafelde 30. Mai 3-4000 Menschen erdrückt und niedergetreten wurden. Wenn auch die russ. Politik unter N. im allgemeinen die unter Alexander III. eingeschlagene Richtung weiter verfolgte und die Verbindung mit Frankreich aufrecht erhielt, so wurde doch ein milderes Verfahren gegen die fremden Nationalitäten und Konfessionen eingeschlagen und auch ein besseres Verhältnis zu Österreich und Deutschland angebahnt, wozu die Besuche an beiden Kaiserhöfen, die 1896 stattfanden, und denen sich Reisen nach Dänemark, England und Frankreich anschlossen, wesentlich beitrugen. - Vgl. Fürst Uchtomskij, Orientreise des Großfürsten-Thronfolgers N. Alexandrowitsch von Rußland 1890-91 (russisch, Tl. 1-4, Lpz. 1893-95; deutsch, Bd. 1, ebd. 1894; französisch, Bd. 1, Par. 1893; englisch, Bd. 1, Lond. 1896); Notovitsch, L'empereur Nicolas II et la politique russe (Par. 1895).

Nikolaus, russ. Nikolaj Nikolájewitsch, Großfürst von Rußland, geb. 8. Aug. (27. Juli) 1831 als dritter Sohn des Kaisers Nikolaus I., trat jung in den Militärdienst, nahm am Krimkriege teil und wurde später Oberkommandant der Garden. Im Russisch-Türkischen Kriege von 1877 bis 1878 führte er den Oberbefehl der Donauarmee und wurde nach Abschluß des Friedens zu San Stefano zum

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Generallieutenant ernannt. Sein Ansehen wurde schwer erschüttert durch seine Verbindung mit betrügerischen Armeelieferanten während des Krieges, (über das Verhalten des Großfürsten im Türkenkriege vgl. Lose Blätter aus dem Geheimarchiv der russ. Regierung, Lpz. 1882.) Eine Verteidigung seines Verhaltens (1880 in Paris in der "Nouvelle Revue" erschienen) zog ihm den Verlust aller militär. Ämter zu. Wegen seiner Verschwendung wurde er 1882 unter Vormundschaft gestellt und auf ein Monatsgeld von 7000 Rubel beschränkt. N. starb 25. (13.) April 1891 zu Alupka in der Krim. Er war seit 6. Febr. (25. Jan.) 1856 mit der Prinzessin Alexandra von Oldenburg vermählt. Aus dieser Ehe entstammen: Nikolaus, geb. 18. (6.) Nov. 1856, der 1877-78 am Russisch-Türkischen Kriege als Ordonnanzoffizier seines Vaters teilnahm und jetzt Generallieutenant und Generalinspecteur der Kavallerie ist, morganatisch vermählt mit einer Witwe Burinin; Peter, geb. 22. (10.) Jan. 1864, seit 7. Aug. (26. Juli) 1883 vermählt mit Miliza, Prinzessin von Montenegro, Rittmeister im Gardeulanenregiment.

Nikolaus von Basel, s. Gottesfreunde.

Nikolaus von Cusa, s. Cusanus.

Nikolaus von Lyra, Theolog, geb. zu Lyra in der Normandie, wurde 1291 Franziskanermönch zu Berneuil, vollendete seine Studien zu Paris, wurde 1325 Ordensprovinzial von Burgund und starb als Lehrer der Theologie 23. Okt. 1340 zu Paris. Von seinen Schriften ist die bedeutendste die Auslegung der Heiligen Schrift: "Postillae perpetuae in Vetus et Novum Testamentum" (5 Bde., Rom 1471-72), die ihm den Ehrentitel eines "Doctor planus et utilis" eintrug. Im Gegensatz zu den meisten mittelalterlichen Kommentatoren nimmt N. hauptsächlich die Gesetze der Sprache zur Richtschnur der Auslegung. Luther ist durch ihn sehr gefördert worden, daher das Wort: "Si Lyra non lyrasset, Lutherus non saltasset" (lateinisch, "Hätt' Lyra nicht auf der Leier gespielt, hätt' Luther nicht die Lust zum Tanzen gefühlt").

Nikolsburg. 1) Bezirkshauptmannschaft und Gerichtsbezirk in Mähren, hat 396,08 qkm und (1890) 38148 (18350 männl., 19798 weibl.) meist deutsche E., 29 Gemeinden und 29 Ortschaften. -

2) N., czech. Mikulov, Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft sowie des Bezirksgerichts, am Fuße der Polauer Berge und an der Linie Lundenburg-Zellerndorf der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn, hat (1890) 8210 E., darunter 1323 Israeliten, die eine eigene Gemeinde bilden, ein Kollegiatkapitel, Piaristenkollegium, zwei Synagogen, Staats-Obergymnasium, Bürgerschule, Spital, Waisenhaus, Armenanstalt; starken Weinbau und beträchtlichen Handel mit Kalksteinen und gebranntem Kalk. Mitten in der Stadt auf einem Felsen das fürstl. Dietrichsteinsche Schloß mit einer Bibliothek (20000 Bände), einem Naturalienkabinett und einem ungeheuren Faß. Andere Gebäude sind die got. Kollegiatkirche und die 1784 abgebrannte, 1840 wiederhergestellte fürstl. Gruftkirche mit Prachtportal. Unmittelbar bei der Stadt ist der Heilige Berg mit 16 Passionskapellen und der Sebastianskirche in byzant. Stil. N. war seit 1575 im Besitze der Fürsten Dietrichstein. Zu N. wurde 1622 der Friede zwischen Kaiser Ferdinand II. und Bethlen Gabor, 26. Juli 1866 zwischen Preußen und Österreich der Waffenstillstand und Präliminarfriede, 28. Juli 1866 der Waffenstillstand zwischen Preußen und Bayern abgeschlossen.