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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Nisi - Nissen
fabrikcn, 5 Brauereien, Schiffswerften, Hafen für
die Oka und die mittlere Wolga; bedeutender Handel
mit Salz (jährlich 5 Mill. Nubel Umsatz), Getreide,
mittelasiat. Baumwolle, Thee, Metallen und Fischen.
Weltbekannt ist N.N. durch seineMesse (russ^ar-
mai-ka), die sog. Makarjewmesse (s. Makarjew 4), die
offiziell 27. (15.) Juli beginnt und nicht vor Mitte
September endigt. Der Meßplatz ist bebaut mit
60 steinernen Blocken (3000 Läden), die durch einen
Boulevard von 1^ Kni Länge in zwei Gruppen ge-
teilt und wegen Feuersgefahr mit einem Kanal um-
geben sind. Avischen Boulevard und Oka-Ufer ist der
großartige Meßpalast (1890 in russ. Stil erbaut).
Neben jenern sog. innern Meßplatz findet sich noch
ein äußerer Meßplatz ebenfalls mit steinernen Bau-
ten (4000 Lüden) und zwei hölzernen Passagen für
den Kleinhandel, überall ist elektrische Beleuchtung.
Nach Menge und Preis des Absatzes nehmen die
Moskauer Webstoffe die erste Stelle ein, dann folgen
Metalle und Metallwaren, Rauchwaren, Leder,
Galanteriewaren. Die Umsätze der Messe betrugen
1854: 58^,1862: 100^, 1876:169,1884: 206'/,
Mill. Rubel. Seitdem ist ein Stillstand bemerkbar.
So betrugen die Umsätze der 1.1891-95:168.2,
145,3, 165,0, 166,7 und 165,3 Mill. Rubel. Im
I.1891 kamen (in 1000 Rubeln) auf russ. Waren
137 025, auf europ. Waren 6928 (davon allein auf
Farben, Droguen und Apothekerwaren 4630), auf
chines. Thee 14672, auf bucharische, chiwes. und
Taschkenter Waren 6656, auf persische 2424, auf kau-
kasische 429. Die Zahl der Meßbesucher beträgt 200
-300 000. - N. N. wurde 1221 von dem Großfürsten
Iurji Wsewolodowitsch als Grenzfestung gegründet,
wurde dann Hauptstadt des Teilfürstentums Susdal
und 1390 mit dem Groftfürstcntum Moskau vereinigt.
1896 wurde in N. N. eine große russ. Industrieaus-
stellung veranstaltet. ^(s. Messenien).
Nist, volkstümlicher Name des heutigen Messene
Nisib oder Nesbi, Flecken im türk. Wilajet
Haleb in Syrien, mit 2000 E., wurde denkwürdig
durch die Schlacht am 24. Juni 1839, in welcher
die Ägypter unter Ibrahim Pascha (s. 0.) das türk.
Heer unter Hafis Pascha völlig besiegten.
Nisibis, in den Keilinschriften Nasibina oder
Nasibna, bei den Syrern und Arabern Nisib in,
eine der ältesten Städte Mesopotamiens am Flusse
Mygdonius (syr. Mygdan, jetzt Hirmäs), in der nach
diesem benannten Landschaft Mygdonia, von Se-
leucus I. Nicator das mygdonische Antiochia
genannt. Es wurde den Syrern von den Parthern
entrissen, 149 v. Chr. den Armeniern überlassen
und 68 v. Chr. in dem Feldzuge des Lucullus gegen
Tigranes von den Römern erobert. Nach der Nie-
derlage des Crassus (53 v. Chr.) kam es wieder an
die Parther, wurde unter Trajan (116 n. Chr.) durch
Lucius den Römern Unterthan, aber schon im darauf-
folgenden Jahre von Hadrian wieder aufgegeben.
Von seiner zweiten Einnahme durch die Römer un-
ter Lucius Verus (165) an bis ins 4. Jahrh, yalt
N. für ein Hauptbollwerk des Römischen Reichs
und des Christentums gegen die Perser. Dreimal
(338,348,350) vergeblich von den Persern belagert,
wurde die Stadt endlich von Iovian in einem
schimpflichen Frieden (363) definitiv an die Perser
abgetreten und erhob sich erst unter den Arabern
wieder zu ihrer alten Bedeutung. Seit den Zügen
Tamerlans sank sie zu einem elenden Flecken herab.
Nisida (offiziell Nisita, im Altertum Nefis),
Insel von 2 km Umfang, in der ital. Provinz
Neapel, am Ostende des Golfs von Pozzuoli, vor
dem Kap Coroglio, dem südwestlichsten Ausläufer
des Posilipo, ein erloschener Krater (Tuff), zählt
(1881) 1282 E. und erzeugt vorzügliches Obst (Feigen)
und Gemüse (Spargel). Im schmalen Meeresarm
auf einem durch einen Damm mit N. verbundenen
Felsen ein als Quarantänestation dienendes Lazarett;
auf dem Gipfel der Insel ein Bagno.
Nismes (spr. nihm), s. Nimes.
Nifos, der Sohn des Königs Pandion von
Athen und der Pylia, König von Megara, Vater
der Skylla, hatte eine purpurne Haarlocke, an der
seines Reiches Schicksal hing. Als Minos auf sei-
nem Zuge gegen Athen auch Megara belagerte,
verliebte sich die Skylla in ihn, raubte ihrem 35ater
die Haarlocke und gab sie Minos, worauf dieser
Megara eroberte, aber die Verräterin zur Strafe
an das Hinterteil seines Schiffs binden ließ. Wäh-
rend sie hier ihr in einen Seeadler verwandelter
Vater sah und auf sie herabstieß, ward sie zu einem
Meervogel, Keiris (Ciris), d. h. einem Reiher.
Nissa, Stadt in Serbien, s. Nisch.
Nisse, die Eier der Läuse (s. d.).
Niffel, Franz, Dramatiker, geb. 14. März 1831
zu Wien, gest. 20. Juli 1893 in Gleichenberg, schrieb
eine große Anzahl von Dramen, von denen zuerst
"Ein Wohlthäter') 1856 im Wiener Vurgtheater
nachhaltigen Erfolg hatte. Ebenda erschienen das
histor. Schauspiel "Heinrich der Löwe" (1858) und
die Tragödie "Perseus von Macedonien" (1862).
1855-60 entstanden auch die Trauerspiele "Dido"
(Wien 1863) und die "Iakobiten", 1863 das Volks-
drama "Die Zauberin am Stein" (ebd. 1864;
2. Aufl. 1887), erst seit 1882 mehrfach aufgeführt.
Ungedruckt sind die Geschichtsdramen "Der Königs-
richter" (1869) und "Rudolf von Erlach" (1874).
Das Trauerspiel "Agnes von Meran" (Wien 1877)
wurde 1878 durch den Schillerpreis ausgezeichnet.
N.s "Ausgewählten dramat. Werke" erschienen in
Stuttgart 1892, 2. Folge 1894, 3. Folge 1896, seine
Selbstbiographie u. 0. T. "Mein Leben" ebd. 1894.
Nissel, Karl, Schriftsteller, geb. 25. Nov. 1817
zu Neumarkt in Schlesien, lebt in Liegnitz. Er lenkte
die Aufmerksamkeit auf sich durch Gedichte, die bren-
nenden Zeitfragen Ausdruck gaben, und trat darauf
als Bühnendichter an die Öffentlichkeit. Zuerst er-
schien, mit Beifall aufgeführt, "Des Meisters Lohn",
Schauspiel (1859), dann das Trauerspiel "Die
Söhne des Kaisers" (1860). Das Trauerspiel "Ul-
rich von Hütten" (Lpz. 1861) wurde nach mehrfacher
Darstellung durch den Vorwurf antireligiöser Ten-
denz von den Bühnen vertrieben und erschien erst
wieder zur Lutherfeier 1883 zu Liegnitz. Es folgten
die Lustspiele "Hohenzoller und Piast" (1873) und
"Dame Luzifer" (1874), die bühnenwirksamen
Trauerspiele "Die Florentiner" (1875), "Riego"
(1876) und "Um die deutsche Krone" (1889), das
Schauspiel "Um hohen Preis" (1887) und das
histor. Drama "Am Roggenhause". Zwei Vändchen
Lyrik gab N. u. d. T. "Aus Zeit und Leben" (1880)
und "Am Wegesrande" (1894) heraus, andere in
verschiedenen Zeitschriften, wie auch viele Novellen
und kleinere histor. Arbeiten.
Nissen, Heinr., Historiker, geb. 3. April 1839
zu Hadersleben, studierte in Kiel und Berlin Phi-
lologie und Geschichte, habilitierte sich 1867 nach
fünfjährigen Studienreisen an der Universität
Bonn, wurde 1869 Professor der alten Geschichte
in Marburg, 1877 in Göttingen, 1878 in Straß-