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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Nordpolexpeditionen
!küp Bavrow und Boothialand erforschten und auf'
nahmen, bis John Rae 1846-47 bis zum Boothia-
gols vordrang und damit die Entdeckung der amerik.
Polarküste vollendete.
Eine Erpedition, welche namentlich durch ihr tra-
gisches Ende von weittragender Bedeutung werden
sollte, wurde 1845 unter Sir John Franklin ls. d.)
und Francis Richard Crozier mit den erprobten
Schiffen Erebus und Terror ausgesandt. Zur Ret-
tung und später zur Aufklärung seines Schicksals
machten die Engländer und Amerikaner die gewal-
tigsten Anstrengungen. Als man bis Ende 1847
keinerlei Nachrichten erhielt, sandte England drei
Erpeditionen aus: Moore und Kellett nach der Be-
ringstraße, Richardson und Rae, der schon im Auf-
trag der Hudsonbaigesellschaft die Gegend zwischen
Repulsebai und Voothiagolf bereist hatte, über Land
von der Mackenziemündung aus, James Roß und
Bird mit der Entreprise und dem Investigator nach
der Varrowstrahe. Alle Expeditionen waren resul-
tatlos. Da setzte 1850 die engl. Regierung wiederum
20000 und Lady Franklin 3000 Pfd. St. für die
Rettung der überlebenden aus; darauf hin gingen
Collinson und MacClure nach der Beringstraße,
Penny und Stewart nach dem Wellingtonkanal, de
Haven und Grifsin auf Kosten des Amerikaners
Grinnell nach der Varrowstraße, ebendahin segelte
auch John Roß mit Phillips, aber alles war ver-
geblich; nur Penny fand den Ort, an welchem
Franklin 1845-46 überwintert hatte, jedoch keiner-
lei Aufschluß über den weitern Verbleib der Erpe-
dition, obgleich die ganze Gegend auf das peinlichste
nach Dokumenten oder dergleichen durchsucht wurde.
1851 kehrten mehrere Schiffe zurück, während Rae
zu Land und Kennedy zu Schiffe zum Suchen aus-
gesandt wurden. 1852 gingen von England aus
Belcher und Osborn nach dem Wellingtonkanal,
Kellett und MacClintock nach der Melville-Insel,
Pullen zur Veechey-^nsel, Inglefield nach dem
EnvWund. Bezüglich ^ranklins wurden keine Resul-
tate erzielt, wohl aber traf Kellett, der von Osten her
die Dealy-Insel an der Südküste von Melville-Insel
erreicht und dort überwintert hatte, 1853 MacClure,
der von der Beringstraße aus nach Banksland ge-
langt und seit 1851 im Mercyhafen eingefroren
war, und konstatierte so das Vorhandensein der jahr-
hundertelang gesuchten Nordwestdurchfahrt; freilicb
erwies sie sich als keineswegs für die Schiffahrt
brauchbar und zeigte nur die Nutzlosigkeit aller wei-
tern Versuche. Die Reihe der Franklin-Expeditionen
war aber damit noch nicht beendet; nach Aussen-
dung mehrerer kundiger Seefahrer und Durchfor-
schung des Archipels gelang es zuerst Rae, welcher
im Auftrag der Hudsonbaicompagnie Vermessun-
gen vornahm, von Eskimos Nachrichten über die
Vermißten nach Europa zu bringen. Infolgedessen
wurden Anderson und Stewart nach dem Großen
Iischflusse gesandt; diese beiden fanden nun, daß
wirklich ein Teil von Franklins Leuten bis dahin
gelangt, aber dem Zunger und der Kälte erlegen
sei. Zwei Jahre darauf rüsteten nun Lady Franklin
und einige ihrer Freunde den kleinen Dampfer For
mit MacClintock als Führer aus. Vom Eise bis
1858 in der Baffinbai zurückgehalten, kam er 1859
auf Schlittenreisen nach King-Williams-Land und
konnte nun so an der Unglücksstätte selbst die ein-
zelnen Forschungen vornehmen. Die von Kane (s. d.)
geführte Expedition nach dem Smithsund drang
1855 bis 80° nördl. Br. vor, fand aber keine Spur
Franklins. Völlig aufgeklärt wurde das Schicksal
durch die Schwatkasche Landreise 1880-81.
Dritte Periode. Von 1868 beginnt eine neue
Epoche, und zwar dienen die N. fast ausschließlich
rein wissenschaftlichen Zwecken. Die Amerikaner
sandten 1860 Kapitän Hayes nach dem Smithsund.
Nachdem er an der Ostküste überwintert hatte, er-
reichte er bei Kap Lieber 81" 35^ und kehrte 1861 nach
Boston zurück. Denselben Weg schlug auch 10 Jahre
später die unter Hall (s. d.) stehende Expedition ein.
Auch Deutschland trat jetzt in die Polarforschung
ein. Nach dem 1865 mißlungenen Versuch konnte
1868 Koldewey (s. d.) auf Petermanns Anregung mit
der kleinen Segeljacht Grönland auf eine Rekognos-
cierungsfahrt in die Gewässer zwischen Spitzbergen
und der Ostküste von Grönland ausgesandt werden.
Durch Sammlungen kam bis 1869 i'o viel Geld zu-
sammen, daß ein eigener kleiner Dampfer Germania
und ein zweites starkes Schiff, die Hansa, unter
Führung Koldeweys und Hegemanns ausgerüstet
werden konnten. Die Expedition hatte den Auftrag,
die Physik, und naturgeschichtlichen Verhältnisse des
Meers zwischen Grönland und Spitzbergen zu er-
forschen, wenn irgend möglich die Ostküste von
Grönland zu erreichen, dort zu überwintern und
später dieselbe nach Norden zu verfolgen. Die Ger-
mania erfüllte ihre Aufgabe, die Hansa wurde schon
im September vom Eise besetzt und zerdrückt. Die
Mannschaft machte den ganzen Winter hindurch mit
ihrem Führer eine Fahrt auf einer Eisscholle vom
71. bis zum 61." und gelangte endlich in ihren
Booten nach Frederikshaab, von wo sie mit einem
dän. Schiffe zurückkehrte. Diese Expedition erweiterte
die Kenntnis der Ostküste von Grönland und des
angrenzenden Meers ganz bedeutend. Durch die
Munificenz des Grafen Wilczek wurde bald eine
neue Polarfahrt ausgesandt. Nach einer gelungenen
Rekognoscierungsfahrt in das Nowaja-Semlja-
Meer ging 1872 der Dampfer Tegetthoff unter
Weyprecht mit Lieutenant Payer und einer aus-
erlesenen Besatzung ab, um zwischen Nowaja
Semlja und Spitzbergen nach dem Pol vorzu-
dringen. In der Nähe der erstern wurde derselbe
aber vom Eise besetzt und trieb nach Norden, bis
der Archipel von Franz-Joseph-Land die Fahrt
hemmte. Während Payer auf Schlittenreisen das
Land erforschte, machte Weyprecht an Bord Meteo-
rolog, und Physik. Beobachtungen. 1874 kehrten die
Mitglieder der Expedition, nachdem sie das Schiff
hatten verlassen müssen, in ihren Booten zurück und
wurden von russ. Schiffern gerettet.
Vorzüglich ausgerüstet war die engl. Expedition
unter Nares und Stephenson. Dieselbe segelte 1875
durch den Smithsund nach dem Kennedykanal. Auf
Schlittenreisen wurde ein Teil der Westküste Grön-
lands erforscht und bis 83° 20', dem nördlichsten
bis dahin erreichten Punkte, vorgedrungen. Die
Expedition kehrte 1876 nach Engtand zurück, mit
der festen Überzeugung, daß auf diesem Wege die
Erreichung des Pols unmöglich sei.
Eine wesentlicheBedeutung für die gesamte Polar-
forschung erlangte die Expedition unter Nordenskiöld
is. d.) auf der Vega (1878-79), der das Problem der
Nordöstlichen Durchfahrt endgültig löste, der Wissen-
schaft reichen Gewinn schaffte, aber bewies, daß die
Passage für Schiffahrt und Handel wertlos sei.
Besorgnisse über den Verbleib Nordenskiölds hat-
ten den russ. Handelsherrn Sibiriakow veranlaßt,
einen Dampfer zur Aufsuchung der Vega auszu-