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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Nordpolexpeditionen
senden, der aber bei Iesso Schiffbruch litt. Auch der
Besitzer des "Ken ^oi-1< Ilergiä", Gordon Bennett,
hatte den Dampfer Ieannette unter De Long (s. d.)
nach der Beringstrahe ausgesandt. Bis 1881 blieb
jede Nachricht über die Ieannette aus, obgleich zur
Aufklärung ihres Schicksals mehrere Expeditionen
ausaesandt wurden. Endlich erhielt man Herbst 1881
die Kunde von dem Untergänge des Schiffs. Wie
sich nach Rückkehr der überlebenden herausstellte,
war die Ieannette 13. Juni 1881 gesunken. Nach
einem Marsche auf dem Eise gingen die Mitglieder
12. Sept. in ihren drei Booten in See, um das
Lenadelta zu erreichen. Die Besatzung des einen
Bootes fand bei den Tungusen Sibiriens Auf-
nahme, während die der andern bis auf zwei dem
Hunger und den Strapazen erlagen. Die vollstän-
digsten Aufklärungen über das Schicksal der Be-
satzung brachte der mit dem Dampfer Rodgers von
den Vereinigten Staaten zur Aufsuchung der Ben-
nettschen Expedition ausgesandte Korrespondent des
Ms^ ^ork lleralä", W. Gilder. Durch ihn wurde
auch das Tagebuch De Longs veröffentlicht. Im
Anschluß an die Vega-Expedition wurde auch das
Karische Meer 1880 und 1881 mit wechselndem
Glücke befahren und die Verbindung zwischen den
nördlichsten Küstenländern der Alten Welt mehrfach
durch Dampferfahrten herzustellen versucht.
Vierte Periode. In ein neues Stadium traten
die N., als Weyprecht auf der Naturforscherversamm-
lung in Graz mit der Ansicht hervortrat, daß nur durch
ein Vorgehen zahlreicher Stationen in den arktischen
Gegenden Aussicht auf Erfolg vorhanden sei. Es
sollten mindestens auf die Dauer eines Jahres von
jenen Stationen zuverlässige Meteorolog, und Physik.
Beobachtungen angestellt werden und die Resultate
als Grundlage weiterer Forschungen benutzt wer-
den. 1875 ernannte der Deutsche Bundesrat eine
Kommission zur Prüsung der Vorschläge, die eine
Polarforschung auf systematischer Grundlage befür-
wortete. Eine von Neumayer und Weyprecht ge-
machte Vorlage wurde auf dem zweiten internatio-
nalen Meteorologenkongreß in Rom 1879 erörtert.
Der Kongreß beantragte die Berufung einer "Inter-
nationalen Polarkommission", welche im Okt. 1879
imter Neumayers Vorsitz in Hamburg, im Aug.
1880 in Bern und im Aug. 1881 unter Wilds Vor-
sitz in Petersburg tagte und die Errichtung einer
Anzahl Cirkmnpolarstationen für stündliche magne-
tische und Meteorolog. Beobachtungen auf die Dauer
eines Jahres (1882-83) beschloß'.
Bis zum Herbst 1881 konnten jedoch erst fünf
Stationen als völlig gesichert gelten. Mehrsache
Petitionen und eine vom Reichstag unterstützte Re-
solution veranlaßte das Reichsamt zur Ausstellung
eines Betrags von 300000 M. zu Zwecken der Po-
larforschuna^ Eine "Deutsche Polarkommission" traf
nähere Bestimmungen. Schließlich beteiligten sich
alle europ. Staaten außer Spanien und Italien,
außerdem rüsteten die Vereinigten Staaten noch
zwei Stationen aus, nämlich die von Lieutenant
Grcely an der Lady-Franklin-Bai im Smithsund,
und eine auf Varrowspitzc unter Lieutenant Ray,
deren Dauer sogar auf zwei bis drei Jahre nor-
miert worden war. Die Stationen waren folgende:
Barrowspitze und Lady-Franklin-Bai durch die Ver-
einigten Staaten, Godthaab durch Dänemark, Jan
Mayen durch Österreich, Spitzbergen durch Schwe-
den, Altenfjord durch Norwegen, Dicksonhafen durch
Holland, Lenamündung und Nowaja Semlja durch
Rußland, Kinguafjord und Südgeorgien durch
Deutschland, Fort Rae (am Großen Sklavensee)
durch England und Canada, Sodankylä und Kul-
tala durch Finland,Kap Hoorn in der Antarktis
durch Frankreich. Alle Expeditionen erreichten glück-
lich ihren Bestimmungsort oder in der Nähe gelegene
günstige Pnnkte, bis auf die holländische, welche im
Karischen Meere überwintern mußte. Vom August
bis Ende 1883 waren dieselben bis auf drei wieder
in der Heimat angelangt, ausständig blieben nur
die Expedition unter Lieutenant Greely, von welcher
erst Ende 1884 die Nachricht kam, daß 7 der ur-
sprünglich aus 25 Mann bestehenden Expedition in
der Nähe von Kap Sabine im Smithsund aufge-
funden worden seien, und die Mitglieder der Sta-
tionen an der Lenamündung und zu Sodankylä,
deren Veobachtungstermin noch bis zum Sommer
1884 verlängert worden war. Zwar wurde die
Kenntnis der geogr. Verhältnisse durch die Stativ-.
nen wenig gefördert, da die Thätigkeit der Mitglie-
der durch die vorgeschriebenen Beobachtungen in
Anspruch genommen wurde; um so wertvoller waren
die wissenschaftlichen Resultate, welche von den de-
teiligten Regierungen veröffentlicht wurden. Nur
von zwei Stationen sind speciell geogr. Forschungen
angestellt worden: von der deutschen Station am
Kinguafjord aus erforschte Dr. Boas 1883-84 den
Süden von Vaffinland und die umgebenden Meere
und sammelte wertvolles Material über die centra-
len Eskimo. Von der amerik. Station unter Greely
an der Lady-Franklin-Bai aus unternahm Lieutenant
Lockwood eine Expedition zur Erforschung der Nord-
küste Grönlands und erreichte dabei Lockwood-Is-
land unter 83° 24' nördl. Br. und 40" 4lV westl. L.,
den nördlichsten bis jetzt erreichten Punkt, während
Greely westwärts vordrang und den Greelyfjord an
der Westküste von Grinnell-Land erreichte. Mit der
Rückkehr dieser Expedition Ende 1884 erreichten die
internationalen Polarexpeditionen ihren Abschluß,
und größere Unternehmungen sind für die nächsten
Jahre nicht mehr zu verzeichnen. Man beschränkte
sich vielmehr darauf, das durch die Polarstationen
gesammelte Material zu verarbeiten und durch klei-
nere Expeditionen unsere Kenntnis der Polargegen-
den zu erweitern. So setzte man dänischerseits die
systematische Erforschung Grönlands durch jährliche
Expeditionen fort und erlaugte Kenntnis des größten
Teils der bewohnten Küste. Interessante Aufschlüsse
über die Südostküste lieferten die Untersuchungen
von Hammer und Holm. Der Versuch Norden-
skiölds, Grönland in etwa 68,5° nördl. Br. zu durch-
kreuzen, lieferte 1883 zuerst genauere Nachrichten
über das Innere, und zwar wurde seiner Annahme
entgegen erwiesen, daß es völlig vergletschert ist.
Die erfolgreichste und neben der Vega-Expedition
Nordenskiölds bedeutendste Expedition des Jahr-
zehnts unternahm der Norweger Nansen (s. d.), der
1888 Grönland von Osten nach Westen auf Schnec-
schuben durchquerte und die völlige Vergletscherung
der Insel bestätigte.
Island wurde in der neuesten Zeit mehrmals von
Reisenden besucht, namentlich ist es der dän. Geolog
Thorwald Thoroddsen, der die Karte desselben ver-
vollständigt hat. Im arktischen Nordamerika ist die
Forschung seit der Rückkehr der Greely-Expedition
fast ganz zum Stillstand gekommen; nur Alaska
und der Oberlaus des Iukon sind durch Schwatka,
Seton Karr u. a. erforscht worden, während ver-
schiedene Monographien (von Elliot, Petroff) sich