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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Northumberlandstraße; Northumbrĭen

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Northumberlandstraße - Northumbrien

stets in die schott. Kriege verwickelt. Ein Henry Percy focht mit gegen Wallace, er erhielt nach Robert Bruces Niederlage 1307 dessen Stammgut Carrik, 1346 schlug er König David Bruce bei Nevilles Croß. Wohl der bedeutendste Mann des Geschlechts war Henry Percy, der 1377 bei Richards Ⅱ. Antritt Zum Grafen von N. erhoben wurde. Obgleich er mit John von Gaunt (s. Lancaster) in Unfrieden gelebt hatte, unterstützte er 1399 doch dessen Sohn Heinrich bei dem Sturz Richards Ⅱ. Er wurde reich belohnt, mißtraute aber dem neuen König, und über einem Streit wegen schott. Gefangener kam es zum Bruch und zum Abfall des Grafen, der sich mit Schotten und Walisern verband. Ihm zur Seite stand sein Sohn Henry Percy, «der Heißsporn» (Hotspur) genannt. Dieser befehligte die Aufständischen in der Schlacht bei Shrewsbury (21. Juli 1403), in der er geschlagen und getötet wurde. Der alte Graf unterwarf sich, erhielt auch die ihm genommenen Güter und seine Freiheit bald wieder. Dennoch ließ er sich 1405 in eine neue Verschwörung ein, mußte aber nach deren Niederwerfung nach Schottland fliehen und machte von dort noch einen Versuch gegen Heinrichs Königtum, fiel aber im Gefecht bei Bramham Moor (19. Febr. 1408). Sein Enkel Henry, Sohn des Heißsporns, zweiter Graf von N., erhielt von Heinrich Ⅴ. Ämter und Titel zurück und fiel als Anhänger Heinrichs Ⅵ. 1455 bei St. Albans; sein Sohn Henry, dritter Graf von N., kämpfte ebenfalls für die Lancaster und fiel 1461 bei Towton.

Nachdem der siegreiche York, Eduard Ⅳ., den Titel vorübergehend auf den Bruder des Grafen Warwick, John Neville, Lord Montagu, übertragen hatte, erhielt ihn der rechtmäßige Erbe Henry Percy, vierter Graf von N., zurück, der Eduard Ⅳ. wie Richard Ⅲ. diente, dann aber 1485 zu Heinrich Ⅶ. übertrat. Er wurde 1489 bei einem Aufstand gegen den König, den er beilegen wollte, erschlagen. Henry Percy, fünfter Graf von N. (1489‒1527), nahm teil an Heinrichs Ⅷ. Krieg gegen Frankreich 1513; sein Sohn Henry Percy, sechster Graf von N., hatte 1523 ein von Heinrich Ⅷ. hintertriebenes Liebesverhältnis mit Anna Boleyn, er starb kinderlos, und da sein Bruder Thomas Percy an dem großen Aufstand der «Pilgerfahrt der Gnade» 1536 teilgenommen hatte, hingerichtet und geächtet worden war, so erlosch zunächst der Titel der Grafen von N. in der Familie der Percy.

Der nächste Träger wurde John Dudley, geb. etwa 1502. Er wurde von Heinrich Ⅷ. zum Viscount Lisle erhoben und vielfach im Staatsdienst verwendet. Er kämpfte gegen Frankreich und Schottland, war zeitweise Statthalter an der schott. Grenze und in Boulogne und wurde von Heinrich Ⅷ. zu einem der 16 Testamentsvollstrecker und Regenten für den jungen Eduard Ⅵ. ernannt. Vom Protektor Somerset zum Grafen Warwick erhoben, wurde er dessen gefährlichster Rival und stürzte ihn 1549. Er selbst legte sich die Würde eines Herzogs von N. zu. Wider Erwarten blieb er den prot. Bestrebungen seines Vorgängers treu. Somersets unglückliche auswärtige Unternehmungen beendete er; neuen Anfeindungen desselben begegnete er mit dessen Verhaftung und Hinrichtung (1552). Sein Hauptbestreben bei Eduards schwächlicher Gesundheit war, sich seine fast absolute Gewalt dauernd zu sichern; deshalb bewog er den König, eine neue Thronfolgeordnung zu unterzeichnen, die Heinrichs Ⅷ. Töchter Maria und Elisabeth beseitigte und die Nachfolge auf die Nachkommen von Heinrichs jüngerer Schwester Maria übertrug. Mit der Trägerin dieses Rechtes, Jane Grey (s. d.), hatte N. seinen Sohn Guildford Dudley vermählt und sofort nach Eduards Ⅵ. Tod (1553) ließ er sie zur Königin ausrufen. Aber die rechtmäßige Erbin Maria Ⅰ. trat ihm entschlossen entgegen, er wurde gefangen genommen und hingerichtet (22. Aug. 1553). Dasselbe Schicksal hatten später Jane Grey und ihr Gemahl. Ein anderer Sohn von ihm war der Günstling Elisabeths, Graf Leicester (s. d.).

Der Titel wurde von Maria an die Familie Percy zurückgegeben. Der Sohn des hingerichteten Thomas Percy, der Neffe also des sechsten Grafen von N., Thomas Percy, wurde 1557 zum siebenten Grafen von N. erhoben; aber auch er endete unter Elisabeth als kath. Verschwörer auf dem Schafott (22. Aug. 1572). Algernon Percy, zehnter Graf von N., war ein erprobter Flottenführer unter Karl Ⅰ. Er trat im Bürgerkrieg auf die Seite des Parlaments, arbeitete hernach aber eifrig mit an einer Aussöhnung mit dem König. Mit Joscelin Percy, elftem Grafen von N., erlosch der Mannsstamm der Percy (21. Mai 1670). Karl Ⅱ. verlieh die Würde 1674 an seinen natürlichen Sohn von der Herzogin von Cleveland, George Fitzroy; jedoch starb dieser ohne Nachkommen 1716.

Das einzige überlebende Kind des elften Grafen von N., Lady Elisabeth Percy, war mit Edward Seymour, Herzog von Somerset (s. d.), vermählt; ihr Sohn Algernon Seymour erhielt 1722 den Titel eines Lord Percy und zu seinem herzogl. Titel von Somerset 1749 den eines Grafen von N. Er starb ohne Söhne zu hinterlassen 1750. Seinen Titel erhielt sein Schwiegersohn, Sir Hugh Smithson, der 1766 zum Herzog von N. erhoben wurde und 1786 starb. Sein Sohn Hugh Percy, zweiter Herzog von N. (1742‒1817), zeichnete sich als General im amerik. Kriege aus, und dessen zweiter Sohn Algernon Percy, vierter Herzog von N., geb. 1792, stieg bis 1862 in der Flotte zum Admiral auf, war unter Derby 1852 erster Lord der Admiralität und starb 1865. – Ihm folgte sein Vetter George Percy (gest. 1867), bis dahin Graf von Beverley, und diesem dessen Sohn, der heutige Träger des Namens, Algernon Percy, sechster Herzog von N., geb. 29. Mai 1810. Er saß 1852‒60 im Unterhaus und bekleidete seitdem verschiedene Ämter. Zuletzt war er unter Beaconsfield Siegelbewahrer und trat mit diesem 1880 zurück.

Northumberlandstraße, Meerenge zwischen der Prinz-Eduard-Insel und dem Festland von Britisch-Nordamerika.

Northumbrĭen, das nördlichste der drei größern angelsächs. Königreiche, entstand nach langen Kämpfen durch die Vereinigung zweier anglischer Reiche, Deira und Bernicia, durch den König des letztern, Ethelric (588). Unter König Edwin (607‒633) breitete sich seine Macht über Mercia und Wessex aus, und in Edwins Zeit fällt auch die Christianisierung von N. Nach Edwins Tod zerfiel die Macht des Reichs, und seit 670 bildete der Humber die dauernde Machtgrenze N.s. Während im folgenden Jahrhundert Mercia mit Wessex um die Führung im südl. Britannien stritt, blühten in N., wo Beda damals lebte, die gelehrten Studien. Bald brach eine Zeit der Anarchie herein, die das Reich dem König Egbert von Wessex 829 unterwarf.