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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Notenbanken
und im Wege des gewöhnlichen gesandtschaftlichen
Verkehrs, anch unter Umständen durch eine außer-
ordentliche Votschaft überreicht werden; oder sie
gehen bloß an den Gesandten der Negierung, welche
sie erläßt, mit der Weisung, der Negierung, bei
welcher er beglaubigt ist, davon mündliche Mit-
teilung zu machen und eine abschriftliche Kenntnis-
nahme M gestatten. Bei Vorgängen von allgemei-
nerer Wichtigkeit erläßt wohl auch eine Negierung
gleichlautende oder sog. Cirkularnoten an ihre
Gesandten bei fremden Höfen, um diesen und durch
sie den andern Negierungen ihre Ansichten und Ent-
schließungen kundzugeben. Wenn sich mehrere Ka-
binette zu einer gemeinsamen oder gleichlautenden
Note an eine Negierung vereinigen, wird dieselbe
Kollektivnote oder identische Note genannt.
Notenbanken, Zettelbanken, auch Emis-
sionsbanken, Bankunternehmungen, welche die
Befugnis zur Ausgabe von Noten (Bankzettel)
baden (f. Banken, Banknoten). Ursprünglich hatte
die Banknote den Charakter eines übertragbaren
Depositenscheins. Solche Zettel, die volle Bardeckung
besaßen, gab z. V. schon die Amsterdamer Girobank
aus. Man fand jedoch bald, daß unter gewöhnlichen
Verhältnissen zur Einlösung der zurückkommenden
Noten die Bardeckung eines gewissen Bruchteils von
dem gesamten Notenumlauf genüge. So entstanden
die metallisch unvollständig gedeckten Noten, wie sie
5. V. seit der Mitte des 17. Jahrb. von den Londoner
Goldschmieden, den Privatbankiers, und seit 1661
von der Schwedischen Bank ausgegeben wurden.
Für den nicht metallisch gedeckten Teil des Noten-
betrags muß aber die Bank ein volles Deckungs-
mittel in sichern, leicht umsetzbaren Werten besitzen,
am besten in Wechseln und Lombardforderungen
mit kurzer, höchstens dreimonatiger Verfallzeit. Die
Notenausgabe erfolgt regelmäßig in der Weife, daß
die Bank nicht mit barem Gelde, sondern mit ihren
Noten Wechsel diskontiert und Lombardvorschüsse
gewährt, und zwar in solchem Umfange, als es das
Kreditbedürfnis des Publikums einerfeits und die
Nücksicht auf die in Neserve gehaltenen Barvorräte
andererseits angemessen erscheinen lassen. Treten
kritische Zeiten ein und werden ungewöhnlich viel
Noten zur Einlöfung vorgelegt, fo muß die Bank
ihre Diskontierungen und Vorschüsse beschränken,
indem sie die zurückströmenden Summen in Noten
oder Bar nur teilweise wieder ausgiebt und dadurch
das Verhältnis der Bardeckung zur Notenausgabe
günstiger gestaltet. Das natürliche Mittel zu diesem
Zwecke ist die Erhöhung des Diskonts (s. d.). übri-
gens ist bei der Beurteilung der Lage der Bank und
der etwa gebotenen Vorsichtsmaßregeln nicht nur
Rücksicht auf die Notenausgabe zu nehmen, sondern
auch auf die Gesamtsumme der stets fälligen Verbind-
lichkeiten, also auch auf die Depositenschuld. Deposi-
ten- und Notenbanken dürfen mit Rückficht auf ihre
stets fälligen Verbindlichkeiten keinen beträchtlichen
Teil ihrer Mittel auf längere Zeit festlegen. Daraus
folgt, daß sie weder dem Staate größere Darlehen
auf längere oder unbestimmte Zeit, noch Privaten
langfristigen hypothekarischen Kredit gewähren dür-
fen, es fei denn, daß sie über die zur vollständigen
De"iung ihrer stets fälligen Verbindlichkeiten erfor-
derlichen Mittel hinaus noch überschüssiges Kapital
zur Verfügung haben. Die großen Centralbanken
haben sich freilich den Kreditforderungen der Staaten
in gefahrvollen Zeiten nicht entziehen können; die
Folge dieser Festlegung ihres Kapitals war aber
regelmäßig die Einstellung der Einlösung der Noten
und die thatsächliche Umwandlung derselben in Pa-
piergeld. - Einige größere N., z. B. dieOsterreichisch-
Ungarische Bank, haben besondere Hypothekenabtei-
lungen. Zweckmäßiger aber ist es, wenn das Hypo-
thekengefchäftbesondernAnstaltenvorbehaltenbleibt.
Der Umstand, daß die N. durch die Ausgabe von
Noten das öffentliche Vertrauen in hohem Maße
beanspruchen und daß eine Mißwirtschaft derselben
auf die Geldverhältnisse des Landes und auf seine
wirtschaftliche Lage überhaupt ungünstigen Ein-
fluß üben kann, hat fast in allen Ländern zur gesetz-
lichen Regelung des Zettelbankwesens Veranlassung
gegeben (Vankpolitik). Die staatlichen Vorkeh-
rungen zur Ordnung und Überwachung des Noten-
wesens sind aber in den einzelnen Ländern in sehr
verschiedener Art getroffen worden, gleichwie auch
in der Wissenschaft sehr abweichende Ansichten über
die Grundsätze der Bankpolitik geäußert wurden.
Die scheinbar einfachste Lösung der Frage ist die
Beschränkung des Rechts der Notenausgabe auf
eine reine Staatsbank. Dieses System ist, abgesehen
von einigen kantonalen Staatsbanken der Schweiz
und der Bulgarischen Nationalbank, bisher nur
durch die Russische Reichsbank (s. Reichsbank,
Russische) verwirklicht, deren Noten aber unein-
löslich, also reines Papiergeld sind. Manche empfeh-
len dasselbe aber auch für Länder mit geordneten
Geldverhältnissen, indem sie glauben, daß durch die
Verstaatlichung der Notenausgabe am besten allen
Mißbrauchen vorgebeugt werden könne, während
zugleich der Gewinn aus den ungedeckten Noten dem
Staate zufalle, der schon als Inhaber des Münz-
regals das größte Anrecht darauf besitze. Doch ist
andererseits nicht zu leugnen, daß eine solche Staats-
bank in kritischen Zeiten den Übergang zur Papier-
geldwirtfchaft bedenklich erleichtert. Diesem Ein-
wand ist ein anderes System weniger ausgesetzt,
nach dem zwar ebenfalls zur Notenausgabe nur
eine einzige Bank ausschließlich berechtigt ist, welche
aber aus privaten Mitteln als Aktiengesellschaft
begründet ist und nur infolge ihres großen Einflusses
und ihrer Vorrechte der staatlichen Leitung oder
Beaufsichtigung unterstellt wird. Für dieses heut-
zutage weit verbreitete Systemdcr Centralb anken
bieten Beispiele: Frankreich in der Lanquo äo
1?i'Hnc6 (s. d.), Österreich-Ungarn in der Österreichisch-
Ungarischen Bank (s. 0.), Holland in der Nieder-
ländischen Bank (s. d.), Belgien in der Belgischen
Nationalbank, Dänemark in der Dänischen Natio-
nalbank, Norwegen in der Norwegischen Bank, Spa-
nien in der Bank von Spanien, Portugal in der
Bank von Portugal, die Türkei in der Kaiserlichen
Ottomanischen Bank, ebenso Rumänien und Serbien
in ihren Nationalbanken. Man wendet gegen diese
Verleihung von Vorrechten an eine Privatbank
hauptsächlich ein, daß dadurch den Aktionären ein
unverdienter Vorteil zugewandt werde. Dieser übel-
stand ist indes leicht zu heben, wenn man der Bank
angemessene Verpflichtungen zum Vorteil des Ge-
meinwohls auferlegt und dem Staate, wie es jetzt
häusig geschieht, einen bestimmten Anteil am Gewinn
vorbehält. - In andern Ländern finden sich neben
einer großen Centralbank noch andere gesetzlich aner-
kannte N. von geringerer Bedeutung, deren Anzahl
und Wirksamkeit ebenfalls durch Gefetz festgestellt
ist, so daß also zur Gründung einer neuen nicht etwa
bloß eine Konzession der Regierung, sondern ein
besonderes Gesetz erforderlich ist. Dies ist die seit