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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Notre-Dame des Ermites - Nottingham

Notre-Dame des Ermites (spr. nottr dam däsärmiht), Benediktinerstift, s. Einsiedeln.

Notre-Dame des Vertus (spr. nottr dam dä wertüh), Dorf, s. Aubervilliers.

Notreife, s. Getreide.

Notsignale, s. Signal.

Notstand. Nach §. 54 des Reichsstrafgesetzbuchs ist eine strafbare Handlung nicht vorhanden, wenn die Handlung außer dem Falle der Notwehr (s. d.) in einem unverschuldeten, auf andere Weise nicht zu beseitigenden N. zur Rettung aus einer gegenwärtigen Gefahr für Leib oder Leben (nicht auch Freiheit oder Vermögen) des Thäters oder eines Angehörigen begangen worden ist. – Das Österr. Strafgesetzbuch (§. 2g) rechnet diejenige Handlung oder Unterlassung nicht als Verbrechen zu, welche durch unwiderstehlichen Zwang erfolgte. Ebenso begründet die zur Abwehr einer durch Tiere oder leblose Gegenstände drohenden Gefahr erforderliche Beschädigung oder Zerstörung fremder Sachen keine privatrechtliche Entschädigungspflicht. Das Bürgerl. Gesetzbuch für das Deutsche Reich §. 228 bestimmt: Derjenige handelt nicht widerrechtlich, welcher eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, um eine durch sie drohende Gefahr von sich oder einem andern abzuwenden, wenn die Beschädigung oder Zerstörung zur Abwendung der Gefahr erforderlich ist und der Schaden nicht außer Verhältnis zu der Gefahr steht. Hat der Handelnde die Gefahr verschuldet, so ist er zum Schadenersatz verpflichtet. Vgl. Auch Sächs. Bürgerl. Gesetzb. §§. 182‒183 und Preuß. Allg. Landr. Ⅰ, 9, §. 155 – Vgl. Janka, Der strafrechtliche N. (Erlangen 1878); Stammler, Darstellung der strafrechtlichen Bedeutung des N. (ebd. 1878); von Tuhr, Der N. im Civilrecht (Heidelb. 1888).

Notstandsverordnungen, soviel wie Notverordnungen (s. d. und Verordnung).

Nottaufe, die Taufhandlung, die an Neugeborenen oder nach den Grundsätzen der kath. Kirche sogar an Halbgeborenen, für deren Leben zu fürchten ist, in Abwesenheit eines Geistlichen durch die Hebamme oder irgend eine andere Person unter Anwendung der Taufformel vollzogen wird. Nur wenn der Taufakt mangelhaft vollzogen ist, muß derselbe, wenn das Leben des Kindes erhalten wird, wiederholt werden; sonst ist nur eine nachträgliche Einsegnung des Täuflings durch den Geistlichen erforderlich. Die N. in diesem Sinne war der alten Kirche unbekannt. Sie entwickelte sich unter dem Einfluß der früher aufgekommenen Vorstellungen von der sündentilgenden Kraft der Taufe aus der sog. Krankentaufe (lat. baptismus clinicorum), wurde dann infolge der seit Augustinus ausgebildeten Vorstellung von der Verdammnis ungetauft verstorbener Kinder allgemein verbreitet und blieb auch in der griech. und röm.-kath. Kirche herrschende Praxis. Luther erklärte sich für die Beibehaltung der N., stellte aber das Schicksal der ungetauft verstorbenen Christenkinder der göttlichen Gnade anheim. Zwingli und Calvin verwarfen sie und sprachen sich für die Seligkeit der vor der Taufe gestorbenen Christenkinder aus. Diese Ansicht wurde später auch bei den Lutheranern herrschend; doch wird die N. noch jetzt vollzogen.

Notte, Zufluß der Dahme (s. d.).

Nottebohm, Gust., Musikgelehrter, geb. 12. Nov. 1817 zu Lüdenscheid in Westfalen, gest. 30. Okt. 1882 in Graz, Schüler von Dehn und Mendelssohn, lebte meist in Wien. N.s Hauptverdienste liegen auf dem litterar. Gebiete. Die Beethovenforschung namentlich verdankt ihm die Einführung einer neuen Methode musikalischer Stilkritik. Von seinen wichtigen Beethovenarbeiten sind zu nennen: «Beethoveniana» (Lpz.1872), «Ein Skizzenbuch von Beethoven aus dem J. 1803» (ebd. 1880), «Zweite Beethoveniana» (hg. von E. Mandyczewski, ebd. 1887) u. a. Auch «Mozartiana» (Lpz. 1880) hat N. veröffentlicht.

Nottingham (spr.-tĭngämm), abgekürzt Notts. 1) Grafschaft im mittlern England, zwischen York, Lincoln, Leicester und Derby, hat 2135 qkm und (1891) 445599 E., d. i. 209 auf 1 qkm und eine Zunahme von 13 Proz. gegen 1881. Sie ist eine der reichsten Landschaften Englands, mit mildem Klima, zum Ackerbau geeignet wie zur Viehzucht. Waldungen und Anhöhen wechseln mit weiten Thälern und Ebenen ab, und zahlreiche Flüsse, unter denen der Trent der einzige größere, bewässern das Land, das auch vom Grand-Trunk-Kanal durchschnitten wird. Getreide-, Garten- und Hülsenfrüchte, Hopfen, Flachs und Vieh werden auf 42 Proz. des Bodens reichlich erzeugt, so daß man bedeutend davon ausführt. Die Wiesen bedecken 37 Proz. Auch liefert der Boden, außer etwas Blei und Galmei, Alabaster, Gips und Steinkohlen (1892: 7,40 Mill. t). In der Industrie ist besonders die Spitzen- und die Strumpfwarenfabrikation von Bedeutung, außerdem Seidenfabrikation, Baumwollspinnerei, Schuhmacherei, Brauerei und Mälzerei. Die Grafschaft schickt vier Abgeordnete in das Parlament. – 2) Hauptstadt der Grafschaft N., Municipal-County- und Parlamentsborough (drei Abgeordnete), am schiffbaren Leen nahe dem Trent, sowie am Grand-Trunk-Kanal, wichtiger Eisenbahnknotenpunkt (Midland- und Great-Northern-Railway), Sitz eines kath. Bischofs und eines deutschen Vicekonsuls, hat (1891) 211984 E. gegen 186575 im J. 1881 (Zunahme 13,6 Proz.). Es kamen auf 1000 E. 1892‒93: 32,1 Geburten und 17,2 Todesfälle. Für 1893 wurden 220550 E. berechnet. N. ist amphitheatralisch an einem steilen Sandsteinhügel hinaufgebaut, hat unregelmäßige, enge Straßen, einen großen Marktplatz (2,5 ha), ein Arboretum (Park von 7,3 ha), ferner einen Park des Herzogs von Newcastle, zahlreiche Kirchen und Kapellen aller Sekten, darunter die Marienkirche (15. Jahrh.), röm.-kath. Kathedrale in got. Stile, ferner eine Börse auf dem Marktplatze, Grafschaftshalle, das Rathaus, Kornbörse, ein Union-Workhouse, öffentliche Bäder, Krankenhäuser, eine Irren- und eine Blindenanstalt, sowie mehrere Versorgungshäuser. Auch besteht eine Lateinschule (High School, 513), University College (1880) mit 18 Docenten, 430 Studenten und 1329 Abendschülern, Laboratorium und Museum, ein Seminar für Baptisten, Unitarier-Freischule, ein Handwerkerinstitut, eine Fortbildungsanstalt für die arbeitende Klasse (People's College), wissenschaftliche Gesellschaften und verschiedene Bibliotheken. Das ursprünglich 1130 erbaute Schloß wurde zweimal zerstört und ist jetzt im Renaissancestil neu gebaut. Es enthält ein Museum. Die wichtigsten Zeitungen sind: «N. Daily Express», «N. Guardian» und «N. Evening News». Begünstigt durch die benachbarten Kohlenlager, ist N. der Sitz einer bedeutenden Fabrikindustrie, der

^[Abb. Wappen von Nottingham]