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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Novellen - Novizen
Unter den Slawen ragt neuerdings Turgenjesj als
Novellist hervor. Das klassische Land der N. ist,
zumal im 19. Jahrh., Deutschland-, hier ist sie durch
Goethe, H. von Kleist, L. Tieck, Achim von Arnim,
E. T. A. Hoffmann, Eichendorsf, Hauff, Mörike,
Storm, Fontane, Paul Heyse, Wilh. Raabe, M. von
Ebner-Eschenbach, Konr. Ferd. Meyer, Hans Hoff-
mann und vor allem durch Gottfried Keller zur
höchsten Vollendung ausgebildet worden. Eine treff-
liche Auswahl der italienischen, spanischen, fran-
zösischen, englischen und deutschen N. enthalten
Cd. von Bülows "Novellenbuch" (4 Bde., Lpz. 1834
-36), A.Kellers "Ital. Novellenschatz" (6 Bde.,
ebd. 1851), sowie der von Paul Heyse und H. Kurz
herausgegebene " Novellenschatz des Auslandes"
(14 Bde., Münch. 1872-74) und "Amerik. Novel-
listen" (Bd. 1-7, Lpz. 1875-77); deutsche N.
sind gesammelt in P. Heyses und H. Kurz' "Deut-
schem Novellenschatz" (24 Bde., Münch. 1871-76)
und in P. Heyses und L. Laistners "Neuem deutschen
Novellenschatz" <24 Bde., ebd. 1884-87).
Novellen (lat. noveiia^, "neue ^Gesetze^"), gesetz-
liche Abänderungen einzelner Bestimmungen eines
Gesetzbuchs oder eines eine ganze Materie betreffen-
den Gesetzes. So bezeichnet man die Abänderungen
des Strafgesetzbuchs vom 15. Mai 1871 und vom
26. Febr. 1876, sowie der Gewerbeordnung vom
1. Juli 1883 als N., ebenso die unter dem Namen der
Nürnberger N. bekannten Zusätze zur Wechselord-
nung (s. d.). Iustinianische N. sind die Special-
gesetze, welche Iustinianus I. nach dem Abschluß
seines großen, aus den Institutionen (s. d.), den
Pandekten (s. d.) und dem Ooäsx der kaiserl. Konsti-
tutionen (s.^orpuZ^nriL) bestehenden Gesetzgebungs-
werkes erließ. Wichtig davon sind namentlich die-
jenigen, welche das Erbrecht umgestalteten. Sie
sind in mehrern Sammlungen überliefert, einer
griechischen von 168 N. und einer lateinischen von
134 N. Die Glossatoren kannten nur diese, das sog.
^.utk6nticum (s. Authentiken) oder die Vulgata.
Davon haben sie 97 glossiert, und diese sind allein
in Deutschland recipiert. Die ersten Ausgaben ent-
hielten nur das ^ntlisnticum, spätere Ausgaben
des Ooi-Mg ^uri3 schlössen sich an die Sammlung
von 168 N. an, von denen zugleich eine lat. Über-
setzung wiedergegeben wurde. Neueste Ausgabe
des ^.utkeuticum von Heimbach (2 Tle., Lpz. 1846
-51), der N. von Scholl im "OorpuL Mrig civiliä",
Bd. 3 (Berl. 1880-91; unvollendet) und vonZacha-
riä von Lingenthal (Lpz. 1881 u. 1884).
Xovoiiino, II, s. ösuto N0V6116 antic1i6.
Novellist, Novellenschreiber, s. Novelle.
November (vom lat. novem, d. i. neun, weil
der N. der neunte Monat des altröm. Kalen-
ders war), im Deutschen Windmonat, der elfte
Monat des Jahres, der dritte des Meteorolog.
Herbstes; er hat 30 Tage. Während der ersten zwei
Drittel des N. steht die Sonne im Skorpion, wäh-
rend des letzten im Schützen. Lostage (s. d.) sind:
Allerheiligen (1.), St. Hubert (3.), St. Martin (11.),
Sta. Katharina (25.) und St. Andreas (30.).
Novemberfchwarm, s. Sternschnuppen.
Novena, Saumpfad, s. Nufenenpaß.
Novene (ital.), neuntägige Andacht, eine bei
den Katholiken im 19. Jahrh, beliebt gewordene
Sitte, bestimmte Andachtsübungen zu einem be-
stimmten Zwecke an neun aufeinander folgenden
Tagen zu wiederholen (in Anlehnung an die neun
Tage zwifchen Christi Himmelfahrt und Pfingsten).
Noverre (spr. -währ), Jean Georges, der Re-
formator des Balletts, geb. 29. März 1727 zu Paris,
bildete sich im Tanze unter Duprti aus und erntete
schon Okt. 1743 bei seinem Auftreten in Fontaine-
bleau den größten Beifall. Fünf Jahre später ging
er nach Berlin, wo er Friedrichs d. Gr. Gunst ge-
wann, wurde dann Ballettmeister an der Komischen
Oper in Paris und ging 1755 nach London. Ende
der fünfziger Jahre wandte er sich nach Stuttgart,
verließ Württemberg 1764 und übernahm 1770 die
Stelle eines Ballettmeisters in Wien, später in
Mailand, Neapel und Lissabon. 1776-80 gehörte
er der Pariser ^caäemis rovai6 äo imiZiyus an.
Er starb 19. Nov. 1810 zu St. Germain-en-Laye.
N. reformierte das Kostüm des Balletts, verbannte
die Maske, die früher das Gesicht fast gänzlich be-
deckte, und gab zuerst den Pantomimen malerisches
Leben und so viel Naturwahrheit, wie diese Kunst
zuläßt. Er schrieb "I^ttres 8ur Ik äanZs et 8ur los
da1i6t8" (Lyon 1760; deutsch Bremen 1769; neue
Ausgabe als "I^6ttr63 8ur 163 art8 imitat6ur8 6u
FLnerai 6t 8ur 1a äan36 6n particuliOi-", 2 Bde.,
Par. 1807). Die Zahl der von N. verfaßten selb-
ständigen Ballette, außer denen er solche zu Opern
von Gluck und Piccini schrieb, ist sehr groß. Seine
Schüler waren Gardel, Gollet und Vestris.
Novi (N. Ligure), Hauptstadt des Kreises N.
(83698 E.) der ital. Provinz Alessandria, an den
Linien Alessandria-Genua und Pavia-Tortona-N.
(61 Km), sowie der Dampftrambahn N.-Ovada, Sitz
der Infanteriebrigade "Noma", hat ein festes Berg-
schloß und (1881) 13783 E., in Garnison das 80.
Infanterieregiment, 12 Kirchen, alle aus der Barock-
zeit; Seidenzucht, Seidenspinnerei, bedeutenden
Handel und vier große Märkte. Bei N. siegten
15. Aug. 1799 Österreicher und Russen unter Suwo-
row über die Franzosen unter Ioubert und Moreau.
Novibazar, s. Novipazar.
Noviodünum, kelt. Städtenamen, von der Lage
aus einem Hügel (äun): N. Aduorum, das jetzige
Nevers; N. Helvetiörum, jetzt Nyon; N. Sues-
sionum, jetzt Soissons, u. s. w.
Noviomägus, kelt. Städtenamen von der Lage
in der Ebene (mllFii): N.Bat av örum,Nimwegen;
N.Lexoviorum,Lisieux; N. Nemetum,Speyer;
N. Trevirorum, Neumagen. S. auch Noyon.
Novipazar, Novi b az ar (spr. -sahr), türk. ^eni-
daöär, türk. Sandschak des Wilajets Kosovo, der süd-
liche, zwischen Montenegro und Serbien liegende Teil
Bosniens, der zufolge der 21. April 1879 zwischen der
Pforte und Österreich abgeschlossenenKonvention zum
Teil von letzterm besetzt wurde, ohne förmlich abge-
treten zu sein. Es umfaßt 9955 ykm mit 168000 E.,
meist Mohammedaner und Slawen. Die Stadt N.
liegt an der Naska, einem Nebenfluß des Ibar, zählt
etwa 12000 E., größtenteils mohammed. Slawen,hat
eine Citadelle, gerade Gassen, aber niedrige Häuser,
und ist strategisch wichtig, da es die Verbindung
zwischen Bosnien und der Türkei beherrscht und die
Verbindung Serbiens mit Montenegro hindert. Der
westl. Teil ist das Gebiet des Lim (s. d.). Die Land-
schaft um N. hieß im Mittelalter Rassia oder Rascia.
Nascia mit Zeta war das Stammland des nach-
maligen Serbenreichs. In der Nähe die alte Et.
Peter- und Paul-Kirche, die Metropolitankirche des
Bistums Rascia. ,
Novitäten, s. Nova. !
Novius, röm. Dichter von Atellanen (s. d.).
Novizen, s. Noviziat.
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