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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Noviziat - Nowawes
Noviziat (neulat.), die gewöhnlich ein, bisweilen
auch zwei Jahre dauernde, oft beschwerliche Prü-
fungszeit der Novizen, d. h. derjenigen, die in
einen Mönchsorden treten wollen. Die Oberaufsicht
führt ein Novizenmeister, der Ordensgeistlicher
ist. Außer den Ordensübungen haben die Novizen
zugleich die niedrigsten Hausarbeiten für das Kloster
zu verrichten. Für Fehltritte werden sie in vielen
Orden und Klöstern mit Kasteiungen und zum Teil
mit harten Buftübungen bestraft; dagegen steht es
ihnen nicht nur nach Ablauf des N., sondern auch
während desselben frei, wieder zurückzutreten. Nach
überstandenem N. erfolgt unter Ablegung der Or-
densgelübde der feierliche Eintritt in den Orden,
das Profehthun. Als kanonisches Alter zum N.
wurde von Gregor d. Gr. das 18. Jahr bestimmt.
Novo-Petxopölis, deutsche Kolonie im brasil.
Staate Rio Grande do Sul, 70 km nördlich von
Porto-Alegre, 1858 gegründet, zählt 12000 E.,
meist Pommern und Sachsen, hat eine prot. Kirche
und Ausfuhr von Getreide, Bohnen und Tabak.
Xovnni (lat., "neues"), etwas noch nicht Da-
gewesenes (was der herrschenden Regel zuwiderläuft).
Nowack, Wilhelm, prot. Theolog, geb. 3. März
1850 zu Berlin, studierte daselbst, habilitierte sich
1875 für alttestamentliche Theologie und wurde
1876 Pfarrverweser an St. Gertrud in Berlin,
1877 Pfarrer am Waisenhaus zu Rummelsburg,
1880 außerord. Professor in Berlin, 1881 ord. Pro-
fessor in Straßburg, 1887 Universitätsprediger
daselbst. N. ist ein Vertreter der histor.-kritischen
Richtung. Unter seinen Schriften sind zu nennen:
"Die Bedeutung des Hieronymus für die alttesta-
mentliche Textkritik" (Gott. 1875), "Die assyr.-
babylon. Keilinschriften und das Alte Testament"
(Berl. 1878), "Der Prophet Hosea erklärt" (ebd.
1880), die 2. Aufl. von Bertheaus und Hitzigs Kom-
mentar zu den Sprüchen und zum Prediger Salomos
(in dem "Kurzgefaßten exegetischen Handbuch zum
Alten Testament", Lpz. 1883), "Die Psalmen, über-
setzt und ausgelegt" (2 Bde., Gotha 1888; Neu-
bearbeitung und 3. Austage von Hupfelds "Psal-
menkommentar"), "Die socialen Probleme in Israel
und deren Bedeutung für die religiösen Probleme
dieses Volks" (Straßb. 1892), "Hebr. Archäologie"
(2 Bde., Freiburg und Lpz. 1894). Seit 1892 giebt
N.in Verbindung mit andern den "Handkommentar
zum Alten Testament" (Göttingen) heraus.
Nöwaja Alexandrija, auch Nowoalexan-
drija. 1) Kreis im nordwestl. Teil des russ.-poln.
Gouvernements Lublin, in der Ecke zwischen der
Weichsel und dem Unterlauf des Wieprz, hat
1697,8 hkm, 115210 E., Ackerbau, Gerbereien,
Mühlen, Eisenhütten, Zucker-, Papier- und 7 Tuch-
fabriken. - 2) N. A., bis 1846 Pulawy genannt,
Kreisort im Kreis N. A., rechts an der Weichsel und
an der Linie Kowel-Mlawa der Weichselbahn, hat
(1893) 10912 E., 1 kath., 1 russ. Kirche, 1 Synagoge,
10 israelit. Bethäuser, schönes Schloß mit Park,
1 land- und forstwirtschaftliches Institut (errichtet
1862) und 1 Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen.
Bei Pulawy fochten die Polen 1809 mit den Öster-
reichern, 26. Febr. und 2. März 1831 mit den Russen.
NöwajaLadoga. 1) Kreis im nordöstl. Teil des
russ. Gouvernements Petersburg, südöstlich am La-
dogasee, hat 15873,6 hkm, davon 7166,3 qkin Seen,
87 915 E.; Waldindustrie, Schiffahrt und Fisch"ei.-
2) N. L. oderNeu-Ladoga, Kreisstadt im Kreis
N. L., an der Mündung des Wolchow in den Ladoga-
see und am Ladogakanal, hat (1893) 4340 E., Post,
Telegraph, 4 Kirchen, 1 Stadtbank, lebhaften Handel.
Nöwaja Semlja (d. i. Neuland), Doppelinsel
im Nördlichen Eismeer, zwischen dem Barentssee
und dem Karischen Meere, zum Kreise Mesen des
russ. Gouvernements Archangelsk gehörig, umfaßt
91070 ykm, wovon auf die nördl. Insel 50115, auf
die südliche 40955 ykm entfallen. Die beiden Inseln
werden durch die Meerenge Matotschkin-Scharr qe-
schieden. Als zugehörig zu den Inseln werden ve-
trachtet die Insel Meshduscharr (321 qkm) und zahl-
reiche kleinere Inseln. Durch die Waigatsch- oder
Karische Straße ist N. S. von der Insel Waigatsch
getrennt. Die nordöstl. Spitze, die fast ganz unbe-
kannt ist, erstreckt sich bis 77° nördl. Br. und 68°
30' östl. L. von Greenwich. Die Länge der Insel be-
trägt 1120-1200 km, die Breite 95-130 kiu.
Das stark zerklüftete Ufer besteht aus engen, tiefen
Buchten. Nördlich von Matotschtin-Scharr finden
sich zahlreiche Gletscher, die hier bis zum Meeres-
niveau herabsteigen. Die Schneelinie bel Matotschkin-
Scharr beginnt mit 600 m. Das Innere der Insel
ist wenig bekannt. Der Gebirgsrücken, der, wie es
scheint, parallel ihren Ufern läuft, ist eine Fortsetzung
des Kontinentalaebirges Paj-choj und der Insel
Waigatsch. Die Berge erheben sich bei Matotschkin-
Scharr bis auf 1200 m. Die mittlere Jahrestem-
peratur schwankt zwischen -8,45° und -9,45° 0.
Die rein arktische, an dem Saum der Gebirge an-
gesiedelte Flora von Kräutern und wenigen Halb-
sträuchern zählt gegen 200 Arten, außer Moosen und
Flechten. Ziemlich reich ist die Insel an Tieren; sie
enthält Eisbären, Wölfe und Eisfüchse (Oani3 la^o-
pu8 ^.), Hermeline, das Renntier, Lemminge und im
Sommer eine große Anzahl von Schwimmvögeln,
darunter die Trottellumme (Hi-ia troils ^,.) in unge-
heuren Mengen, Eistaucher, Möven und als Brut-
gäste Schwäne und Gänse; von Raubvögeln die Eule
(^ctea. 111V6H 6)-"?/) und den Falken. Insekten
kommen etwa ein Dutzend vor, 3-4 sind parasitisch,
der Rest besteht aus Fliegen, Mücken und einigen
Küfern. Das Meeristreich an Walfischen, Seekälbern,
Seehasen, Walrossen, Robben und Delphinen. N. S.
wird nur im Sommer von Jägern und Fischern be-
sucht. 1877 wurde mit Hilfe der russ. Negierung eine
Samojedenansiedelung Karmakul an der Westküste
der Südinsel angelegt, die (1887) 17 Familien
zählte. Eine zweite, Nossilowsk, wurde 1888 am
Matotschkin-Scharr von dem russ. Reisenden Kon-
stantin Nossilow gegründet, der 1887 - 91 dreimal
auf N. S. überwinterte. In neuerer Zeit sind viele
wissenschaftliche und merkantilische Expeditionen nach
N. S. gemacht worden. - Vgl. Spörer, Nowaja-
Semlä (Gotha 1867); Toppen, Die Doppelinsel
N. S. (Lpz. 1878); H. Balmer, Studien über den
Seeweg zwischen Europa und Sibirien (Hamb. 1885).
Nöwaja Uschiza. 1) Kreis im westl. Teil des
Gouvernements Podolien, nördlich am Dnjestr, hat
2840,3 ykm, 281200 E., Getreide-, Tabakbau, Schaf-
zucht, Tuch-, Zuckerfabriken und Branntweinbren-
nereien. - 2) N. U. oder N e u - U s ch i z a, Kreisstadt
im Kreis N. U., am Kalius, hat (1893) 5149 E.,
Post, Telegraph, russ. Kirche, Synagoge, israel. Bet-
haus; Ackerbau und Kleinhandel.
Nowawes, Dorf im Kreis Teltow des preuh.
Reg.-Vez. Potsdam, an der Linie Berlin-Potsdam
(Station N.-Neuendorf) der Preuß. Staatsbahnen,
mit Vorortverkehr nach Berlin, hat (1895) 10055.