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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Oberstaatsanwalt - Obertöne

Oberstaatsanwalt, in Preußen und in den meisten andern deutschen Staaten Amtstitel der ersten Beamten der Staatsanwaltschaft (s. d.) bei den Oberlandesgerichten und beim Landgericht I in Berlin; in Sachsen der ersten Staatsanwälte bei den Landgerichten, während hier der erste Staatsanwalt beim Oberlandesgericht Generalstaatsanwalt (s. d.) heißt. Sie werden vom Könige ernannt, sind nichtrichterliche Beamten und können mit Wartegeld in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden.

Das Deutsche Gerichtsverfassungsgesetz hat die Bezeichnung O. nicht; es bestimmt nur, daß das Amt der Staatsanwaltschaft bei den Oberlandesgerichten durch einen oder mehrere Staatsanwälte ausgeübt wird, daß die ersten Beamten der Staatsanwaltschaft bei den Oberlandesgerichten, als deren Vertreter die ihnen beigeordneten Personen handeln, befugt sind, bei allen Gerichten ihres Bezirks die Amtsverrichtungen der Staatsanwaltschaft selbst zu übernehmen oder einem andern Beamten zu übertragen, und daß ihnen das Recht der Aufsicht und Leitung hinsichtlich aller Beamten der Staatsanwaltschaft ihres Bezirks zusteht.

In Preußen haben die O. gleichen Rang und gleichen Gehalt mit den Senatspräsidenten der Oberlandesgerichte und den Landgerichtspräsidenten; ihr Gehalt steigt also von 7500 bis 9900 M., neben nach der Örtlichkeit verschiedenem Wohnungsgeldzuschuß; höhern Gehalt beziehen der Generalstaatsanwalt in Sachsen (10 500-12 300 M.) und die O. in Mecklenburg (10500 M.), in Hamburg (10000 M.) und in Elsaß-Lothringen (12000 M.); den niedrigsten Gehalt die O. in Baden (7500 M. und 760 M. Wohnungsgeld) und Oldenburg (6000-7000 M. und 400 M. Zuschuß).

In Österreich wird nach §§.29 fg. der Strafprozeßordnung das Amt der Staatsanwaltschaft bei jedem Gerichtshof zweiter Instanz durch einen O.versehen, dem die erforderliche Anzahl von Stellvertretern beigegeben ist. Seinerseits dem Justizminister unmittelbar untergeordnet, steht ihm die Aufsicht über alle im Sprengel des Oberlandesgerichts bei den Gerichtshöfen erster Instanz und den Bezirksgerichten (s. d.) bestellten Organen der Staatsanwaltschaft mit der Befugnis zu, sich bei jeder zu deren Geschäftskreis gehörigen Strafsache persönlich oder durch einen Stellvertreter zu beteiligen.

Oberstabsarzt, s. Sanitätswesen.

Oberständig, s. Fruchtknoten.

Oberstdorf, Marktflecken im Bezirksamt Sonthofen des bayr. Reg.-Bez. Schwaben, 4 km von der österr. Grenze, nahe dem Zusammenfluß der Breitach, Stillach und Trettach, welche die Iller bilden, in 843 in Höhe, in schöner Alpengegend, an der Nebenlinie Sonthofen-O. (13,5 km) der Lokalbahn-Aktiengesellschaft, hatte 1890: 1892, 1895: 1958 E., darunter 80 Evangelische, Postexpedition, Telegraph, eine Wallfahrtskirche St. Loretto, ein Schloß; Käse- und Butterfabrikation. O. wird als Luftkurort viel besucht (1895: 5438 Kurgäste). 3 km westlich Bad Tiefenbach mit kalter Schwefelquelle. - Vgl. Thürlings, O. im Allgäu (Augsb. 1893).

Obersteiger, s. Bergmann.

Oberstein, s. Mahlmaschinen.

Oberstein, Stadt im oldenb. Fürstentum Birkenfeld, am Hunsrück, in einem engen Thale am Einfluß des Idarbachs in die Nahe, an der Linie Saarbrücken-Bingerbrück der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Saarbrücken), hatte 1890: 6271 E., darunter 842 Katholiken, 1895: 6973 E., Postamt zweiter Klasse, Telegraph, evang. Kirche, in Felsen eingehauen und teilweise aufgemauert, angeblich aus dem 12.Jahrh., 1482 erneuert, neue kath. Kirche, ein got. Bau aus Melaphyr, Realschule und Gewerbehalle mit dem benachbarten Idar (s. d.) gemeinschaftlich; Fabrikation von Schmucksachen und Goldschmiedearbeiten sowie bedeutende Achatschleiferei und Steinschneiderei (Obersteiner Waren), wozu die Steine meist aus Brasilien und Indien bezogen werden (s. auch Birkenfeld). Auf den nahen Melaphyrfelsen (100 m) die Ruinen zweier Schlösser der 1670 ausgestorbenen Herren von O.

Oberstenfeld, Marktflecken im Oberamt Marbach des württemb. Neckarkreises, an der Bottwar und der Nebenlinie Marbach-Beilstein der Württemb. Staatsbahnen, hatte 1890: 1170, 1895: 1165 evang. E., Postagentur, adliges Damenstift mit großartiger roman. Stiftskirche, auf einer Anhöhe die alte roman. Peterskirche, Fortbildungs- und Industrieschule, Darlehnskassenverein und in der Nähe das Bergschloß Lichtenberg und den Luftkurort Zinzenburg.

Oberster Gerichts- und Kassationshof für die im Reichsrat vertretenen Länder des österr. Kaiserstaates, die über den Oberlandesgerichten stehende dritte und letzte Instanz in Civil-und Strafsachen. Derselbe hat seinen Sitz in Wien, ist mit 2 Präsidenten, 5 Senatspräsidenten und 48 Räten besetzt. Er entscheidet in der Regel in der Besetzung von 7, ausnahmsweise, z. B. über die Nichtigkeitsbeschwerde (s. d.) zur Wahrung des Gesetzes, 11 Richtern, während an Plenarsitzungen wenigstens 15 Mitglieder teilnehmen müssen (Patent vom 7. Aug. 1850 und Staatsgrundgesetz über die richterliche Gewalt vom 21. Dez. 1867).

Oberster Rechnungshof, s. Oberrechnungskammer.

Oberstes Landesgericht, s. Landesgericht, oberstes.

Obersteuermann, der erste Steuermann auf Segelschiffen der Handelsmarine; in der Kriegsmarine ist O. der Titel eines Deckoffiziers (s. d.).

Obersthofämter, s. Hofstaat.

Obersthofmeister, s. Hofmeister.

Oberstimme, s. Sopran.

Oberstkämmerer, s. Kämmerer.

Oberstlieutenant, ursprünglich der Stellvertreter des Obersten (s. d.), jetzt die Charge der Stabsoffiziere zwischen Major und Oberst.

Oberstmarschall, s. Erblandeshofämter.

Oberstwachtmeister, früher der Offizier, der, wie der Feldwebel bei der Compagnie, die ökonomischen und Garnisonsverhältnisse eines Regiments zu regeln hatte. Jetzt ist die Bezeichnung Major dafür eingeführt; es ist aber noch vielfach üblich, den Major mit "Herr O." anzureden.

Obertaunuskreis, Kreis im preuß. Reg.-Bez. Wiesbaden, hat 224,36 qkm und 1890: 37962, 1895: 40333 (19929 männl., 20404 weibl.) E., 5 Städte und 29 Landgemeinden. Sitz des Landratsamtes ist Homburg v. d. Höhe.

Oberteig, s. Bier und Bierbrauerei.

Ober-Toggenburg, Bezirk im schweiz. Kanton St. Gallen, hat 221,9 qkm und (1888) 11931 E., darunter 2865 Katholiken, in 7 Gemeinden. Hauptort ist Krummenau.

Obertöne, Beitöne, Teiltöne, Partialtöne, Aliquottöne, Nebentöne, Bezeichnung der Töne, die dadurch entstehen, daß Schwingungen nicht in der einfachsten Form geschehen. Eine