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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Occhiobello - Occupation
wirke, sondernbeideimmerzugleich thätig seicn,indem
die Anregung des einen nur Gelegenheit oder Veran-
lassung (lat. occ^äio) für die des andern sei. Eine
weitere Ausbildung erfuhr der O. durch Geulincr
(s. d.). - Vgl. E. Pfleiderer, Leibniz und Geulincx
lTüb. 1884); E. Zellcr, über die erste Ausgabe von
Geulincx' Ethik und Leibniz' Verhältnis zu Geulincr'
O. (in den "Sitzungsberichten der Königl. Preu-
ßischen Akademie der Wissenschaften)', Verl. 1884).
Occhiobello (spr. ockjo-), Hauptort des Kreises
O. (24256 E.) in der ital. Provinz Rovigo, links am
Po, 24 km im SW. von Rovigo, hat (1881) 1083,
als Gemeinde 4340 E. und Seidenraupenzucht.
Am 12. April 1815 siegten hier die Österreicher
unter Mohr über die Neapolitaner unter Murat.
Occident (lat. oceiäens), die Himmelsgegend,
wo die Sonne scheinbar untergeht, der Westen
oder Abend; zur Zeit der röm. Weltherrschaft,
wo man die Stadt Nom naturgemäß als den
Mittelpunkt der Erde, d. h. der damals bekannten,
jetzt sog. Alten Welt betrachtete, die von Italien
aus westlich gelegenen Länder, das Abendland,
im Gegensatz zu den als Morgenland oder
Orient bezeichneten, östlich gelegenen. Diese all-
gemeine geogr. Bezeichnung erhielt eine bestimmtere
polit. Bedeutung, als 395 n.Chr. mit dem Tode
des Kaisers Theödosius I. das Römische Neich unter
des Kaisers beiden Söhnen Honorius und Arcadius
in ein Oströmischcs oder Morgenländisches
Kaisertum (Byzantinisches Reich) und ein West-
römisches oder Abenoländisch es Kaisertum
zerfiel. Letzteres fand zwar 476 in der Völkerwan-
derung sein Ende, tauchte aber in christl.-german.
Form unter der Herrschaft der Karolinger und ihrer
Nachfolger wieder auf. Außerdem hatten dogma-
tische Streitigkeiten und der Widerstand der Bischöfe
von Konstantinopel gegen die Ansprüche Roms im
Z. Jahrh, zu einem Gegensatz des pä'pstl. Nom und
der abendländischen (röm.-kath.) Kirche zum
kaiserl. Vyzanz und der morgenländischen
(gricch.-kath.) Kirche geführt, der sich im 11. Jahrh,
zur völligen Spaltung ausbildete. Zur Zeit der
Kreuzzüge bezeichuete man mit Abendland das ganze
zum Kampf gegen den vom Orient aus eingedrun-
genen Islam vereinigte christl. Europa. Der Rassen-,
Religions- und Kulturgegensatz verschärfte sich und
klärte sich, als mit der Eroberung von Konstanti-
nopel durch die Osmanen (1453) das Byzantinische
Neick erlosch, während gleichzeitig durch die von
Italien ausgehende Renaissance das Abendland
seine Kultur vertiefte und die Trümmer der byzant.
Bildung dei^sich aufnahm. stressend.
Occipital, das Hinterhaupt (lat. occipnt) bc-
Occipitalneuralgie, ein Nervenschmerz am
Hinterhaupt sowie an der seitlichen Halsgegend.
Occitanieu (^uxiwnk I'i-ovincia, das beutige
Erzbistum Auch, von der alten gallischen Völker-
schaft der Auscii), der mittelalterlich-Poet. Name
von Languedoc. Malische Sprache (s. d.).
Occitanifche Sprache^ soviel wie Provcn-
Oeclusionsverband, s. Verband und Wunde.
Occlusionsvermögen, von Graham entdeckte
Eigenschaft mancher Metalle, unter gewissen Um-
ständen bedeutcude Mengen von Wasserstoff auf-
zunehmen. Das größte O. besitzt das Palladium.
Palladiumfolic nimmt bei Temperaturen von 90
bis 97" ihr 643faches Volumen Wasserstoff auf; ein
Palladiumdraht, als negativer Pol eines Wasser-
Zersetzungsapparats verwandt, occlndiert sein 936-
faches Volumen Wasserstoff. Graham betrachtet dis
mit Wasserstoff beladenen Metalle als Legierungen
des betreffenden Metalls mit einem metallischen Ele-
ment, dessen Dampf das Wasscrstoffgas ist.
Ooouita. (lat.), heimliche, verborgene Dinge,
Geheimnisse.
Occultation (lat.), s. Bedeckung (astronomisch).
Occultismus (vom lat. occultus, "verborgen"),
Gesamtbezeichnung für Vorgänge des Natur- und
Seelenlebens (Hypnose, Hellsehen, Telepathie, Ge-
dankenübertragung , Somnambulismus, Doppel-
gängerei) , die durch die bekannten Naturkräfte nicht
erklärbar erscheinen. Während die Anhänger des
Spiritismus (s. d.) in den sog. übersinnlichen Er-
scheinuugen, besonders in den medinmistischen Mit-
teilungen Offenbarungen aus den: Geisterreiche (von
Seelen Verstorbener) sehen, begnügen sich diejenigen,
welche sich offen zum O. bekennen, lediglich mit der
Beobachtung der hierher gehörigen Thatsachen und
suchen eine Erklärung derselben in dem Menschen
selbst, nicht außerhalb desselben. Sie nehmen darum
in jedem einzelnen Individuum eine geheime psy-
chische Kraft an, ein organisierendes Princip, das
den Zcllenlcib bildet und nicht nur für den Körper,
sondern auch für die intellektuellen Produkte das
Formalprincip ist. Bald wird letzteres mit dem
herkömmlichen Wort Seele, bald als transcenden-
tales Subjekt bezeichnet, nur muß nach ihrer Ansicht
dieses, als selbstgeformtes Wesen, keineswegs im-
materiell gedacht werden (daher auch Astralleib
oder Metaorganismus genannt). Mit dem Tode
verläßt der Metaorganismus den Zellenleib, doch
behält der in dem erstern enthaltene Individualwille
die Fähigkeit, sich von neuem zu verkörpern (Ne-
inkarnation); die irdische Existenz ist darum nur eine
dauernde Materialisation. In den Erscheinungen
des Hellsehens, der Gedankenübertragung, tritt der
transcendentale Individualwille aus dem sinnlichen
Körper heraus, besonders bei Personen, deren Seele
in abnormer Weise loser an den Zellenorganismus
gebunden ist (Medien). Auf letztere können auch
leibfreie Seelen unmittelbar einwirken. Den occulten
Erscheinungen widmen sich die 1874 von Wittig,
Aksatow und Mutze gegründete Zeitschrift "Psychi-
sche Etudicu", sowie die 1886 von Hübbe-Schlei-
dcn ins Leben gerufene Monatsschrift "Sphinx".
Eine andere Richtung des O. vertritt die seit 1888
in Berlin bestehende Gesellschaft für Experimental-
psychologie (M.Dessoir). Hier sucht man nach Fest-
stellung der wirklichen Thatsachen diese mit den von
der Naturwisscnschaft und experimentellen Psycho-
logie behandelten Vorgängen in Zusammenhang zu
bringen. - Vgl. von Hellenbach, Der Individua-
lismus im Lichte der Biologie und Philosophie der
Gegenwart (Wien 1878); Siegismunds Vademecum
der gesamten Litteratur über O. (Berl. 1888); K. du
Prel, Studien aus dem Gebiete der Geheimwissen-
schaften (2 Bde., Lpz. 1890-91); Kiesewetter, Ge-
schichte des O. (3 Bde., ebd. 1891-96; Bd. 1: "Ge-
schichte des neuern O."; Bd. 2: "Die Geheimwisjen-
schaftcn"; Bd. 3: "Der O. des Altertums").
Occupation (lat.), Aneignung, Zueig-
nung. 1) Privatrechtlich die einseitige Erwer-
bung des Besitzes im Gegensatz zur Übergabe, Tra-
dition, bei der der Erwerber mit Willen des räumen-
den frühern Besitzers eintritt. Die O. verschafft bei
herrenlosen Sachen (s. d.) in der Regel Eigen-
tum (Bürgert. Gesetzbuch für das Deutsche Reich
§§. 928 und 958). 2)Staats- und Völkerrecht-