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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Oceanisches Klima - Oche
Huhn, Tauben, Papageien, mancherlei Singvogel,
Schnepfen, Reiher, wilde Enten und zahlreiche See-
vögel fand man fast auf allen Infeln. Hierzu kommen
noch auf Neuguinea die Paradiesvögel und bis nach
Neubritannien verbreitet die Kafuare. Schlangen,
meist ungefährliche, trifft man nur auf den westl.
Inseln und wahrscheinlich nur bis zur Tonga-
gruppe an, obwohl eine nicht giftige Art auf den
Marquesas vorkommen foll; das Krokodil aber
zeigt sich nur im äußersten Westen. An Insekten ist,
abgesehen von den Papua-Inseln, auch Mangel; am
zahlreichsten sind überall die Schmetterlinge.
Bevölkerung. Wie auf allen größeren Inseln des
Indischen Archipels, ist auch inO. eine dunkelfarbige
Nasse, die Papua, und eine hellfarbigere, die ma-
laiiche Rasse, vertreten. Die dunkelfarbigen Papua
sind die Ureinwohner Melanesiens, während in
Polynesien das hellfarbigere malaiisch-japan. Ele-
ment vorherrscht und die Mikronesier, die freilich so
ziemlich ausgestorben sind, sich mehr dem Tagalischen
nähern. (S. auch Melanesier.) Im allgemeinen sind
die Bewohner der hohen Inseln kräftiger, heller und
besser entwickelt; auf den niedrigen, ärmlichern sind
sie kleiner, duntler und häßlicher. Die Hautfarbe
der Polynesier schwankt zwischen Hell- und Dunkel-
braun, mit einem Anflug von Gelb oder von Oliv,
ihr Haar ist meist dicht, schwarz und glatt, das Auge
schwarz, der Mund wohlgebildet, während die Stirn
gut entwickelt, die Nase kurz und gerade, oder lang
und adlerförmig gebogen, das Gesicht oval ist. Die
Hautfarbe der Mikronesier ist heller, ihre Gestalt
zierlicher und behender, ihr Ausdruck lebhafter, ihre
Nase vorstehender, gebogener und weniger platt.
(S. Tafel: Australische Völkertypen, Fig. 1
und 4-14.) Noch größer ist die sprachliche Ver-
schiedenheit. (S. Malaio-Polynesische Sprachen.)
Fast ganz O. ist jetzt im Besitz europ. Mächte, be-
sonders der Engländer, Franzosen (Französisch-
Oceanien), Niederländer und Deutschen (s. die Karte).
Im Handel spielt aber durch ihren Einfluß auf den
Sandwichinseln die nordamerik. Union die erste Rolle,
dann folgt England, dann Deutschland. Näheres
über Oberflächengestaltung, Klima, Produkte, Han-
del und über die Entdeckungsgeschichte s. in den Ar-
tikeln der einzelnen Inseln und Inselgruppen.
Litteratur. Murray, I^ort^ ^ars' misLion norlc
in ?oi7n"8iH (Lond. 1876); Meinicke, Die Inseln
des Stillen Oceans (2 Bde., Lpz. 1875-76); Jung,
Der Weltteil Australien, Bd. 2-4 (ebd. 1882-83);
Bastian, Inselgruppen in O. (Berl. 1883); Sievers,
Australien und O. (Lpz. 1895).
Oceanisches Klima, s. Seeklima.
Oceanographie oder Thalassographie
(grch.), der Teil der geogr. Wissenschaft, der sich mit
der Erforschung des Meers befaßt. Obgleich die auf-
fallendsten Phänomene der Oceane, die Gezeiten und
die Meeresströmungen schon im Altertum bekannt
waren, ging man doch bis in die neuere Zeit ihren
Ursachen nicht auf den Gruud. Mit der Zunahme
der Schiffahrt steigerte sich das Bedürfnis nach zu-
verlässigen Seekarten, die ihrerseits als erste oceano-
graphischeForschungendas Messen derMcerestiefen,
namentlich in der Nähe gefährlicher Küsten, Sand-
bänke, Klippen u. s. w. nötig machten. Das Lot,
eins der wichtigsten oceanographischen Instrumente,
ist wohl so alt wie die Schiffahrt selbst; doch selbst
im Mittelalter besaß man kaum Lotleinen über 400 m
Länge. Magalhäes'Begleiter und Cavendish waren
wohl die ersten, die mit zahlreichen Tiefenbestim-
mungen von ihren Erdumsegelungen zurückkehrten.
Die vereinzelten Ergebnisse der spätern Jahrhunderte
über Meeresticsen (f. Tiefseeforschung), Strö-
mungen, Temperatur, Salzgehalt u. s. w. verdankten
meist nur gelegentlichen Forschungen ihr Dasein und
gaben, weil lückenhaft, oft zu falschen Schlüssen An-
laß. Der Begründer einer auf wissenschaftlicher
Basis rnhenden O. ist Maury, der Direktor des
Washingtoner Nationalobservatoriums. Auf Grund
seiner Anregnng wurden zahlreiche Expeditionen der
Hauptseemächte ins Leben gerusen. Schnell nahm
die O. nnn einen ungeheuren Aufschwung. Auf die
Herstellung der Lotapparate, Tiefseethermometer,
Wasser-und Grnndprobenschöpfapparate, Schlepp-
netzen, s. w. wurde von Seeoffizieren (wie Sigsbee)
und Physikern (wie Sir W. Thomson) die größte
Sorgfalt, mit bestem Erfolg, verwendet. Auch auf
die Organismen des Oceans erstreckten sich die Unter-
suckungen. Den Anfang in dieser sammelnden Thä-
tigkeit machten die Engländer, wie Thomson anf der
Porcupine und dem Challenger. Fast gleichzeitig
mit den Engländern begannen auch die Schweden
unter Nordenskiöld und Sars um Spitzbergen und
an der norweg. Küste, die Franzosen unter Delesse
(1869) längs der franz. Küste und die Amerikaner
auf Anregung des Professor Agassiz in ihren Ge-
wässern gründliche Tiefenuntersuchungen anzustellen.
In Deutschland wurden seit 1871 alljährlich wäh-
rend des Sommers durch Vermessungsfahrzeuge
(namentlich Pommerania) die Küsten der Nord- und
Ostsee untersucht; auch bildete sich 1872 eine Kom-
mission zur wissenschaftlichen Untcrsnchung der
deutschen Meere unter Leitung der Professoren
Zensen und Karsten. Bei den Marinen der See-
staaten wurden hydrogr. Amter errichtet, die wesent-
lich znr Förderung der O. durch Sichtung und Be-
arbeitung des von den Expeditionen gelieferten
Materials beitrugen. Neben einer groben Zahl
kleinerer und mehr lokaler Expeditionen seien hier
noch besonders hervorgehoben die oceanographischen
Forschungsreisen des Challenger (s. Challenger-
Expedition) und der Gazelle (s. d.) durch alle Oceane,
der amerik. Korvette Tuscarora 1873 - 76 unter
dem Kommandanten Belknap im Großen Ocean und
die Fahrten des Blake im Nordatlantic, worauf die
heutigen occanographischen Karten über die Meeres-
strömungen, Tiefen, Temperaturen, Salzgehalte
u. s. w. größtenteils basieren. Um die Fertigstellung
und Verwertung des oceanographischen Materials
haben sich in Dentschland die aufeinander folgenden
Redacteure der "Annalen der Hydrographie und
maritimen Meteorologie", von Boguslawski und
Rottok, ganz besondere Verdienste erworben. Auch
das Gezeitenphänomen fand in Deutschland tüchtige
Bearbeiter in Lentz und Borgen. Der Chemie des
Meers widmete namentlich Iacobsen in Rostock ein-
gehende Studien.
Litteratur. Kayser, Physik des Meers (Paderb.
1873); Handbuch der O. und maritimen Meteoro-
logie (Wien 1883); P. Hoffmann, Zur Mechanik
der Meeresströmungen an der Oberfläche der Oceane
(Berl. 1884); Bericht der Kommission zur wissen-
schaftlichen Untersuchung der deutschen Meere (ebd.
1871 fg.; seit 1894 u.d.T. Wissenschaftliche Meeres-
untersuchungen). - <S. auch Meer und Tiefsee-
Oceanus, s. Okeanos. ^forschung.)
Oche, Dent d' (spr. dang dosch), ein 2225 m
hober Gipfel der Chablaisalpen in den Französischen
Kalkalpen, am Südufer des Genfer Sees.