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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Operationsobjekt - Opfer
im Laufe von 24 Stunden auf einen beliebigen
Punkt der Operationsfront zur Schlacht vereinigen
können, so gelten die auf diesen Linien mar-
schierenden Heerteile als strategisch vereinigt; ist
diese Möglichkeit ausgeschlossen oder zweifelhaft
(weil die verschiedenen Straßen entweder zu weit
voneinander entfernt oder durch schwer passierbare
Hindernisse, wie Flußthäler oder Gebirgszüge, von-
einander getrennt sind), so gelten die betreffenden
Heerteile als strategisch getrennt.
Operationsobjekt, das Ziel, auf welches eine
Operation gerichtet ist. Bei Beginn des Krieges
ist dieses Ziel die feindliche Armee, unter Umständen
eine Festung oder die Hauptstadt.
Operationssaal, ein größerer Raum in Kran-
kenhäusern (s. d.) und Kliniken, wo die chirurg.
Operationen ausgeführt und die Instrumente auf-
bewahrt werden. Fußboden und Wände müssen
aus undurchlässigem Material hergestellt sein. Zur
Ausstattung des O. gehören ein Operationstisch, ein
Operationsstuhl, Waschtische, Instrumenten- und
Verbandschränke, ein Sterilisierapparat sowie Vor-
richtungen zur Beleuchtung, zur Versorgung mit kal-
tem und warmem Wasser und zur Irrigation.
Operationssubjekt, der Punkt, von wo eine
Operation ihren Ausgang nimmt. Bei Beginn des
Krieges von 1870 war z. B. Straßburg das O. der
Armee Mac-Mahons, Metz dasjenige der Armee
Bazaines.
Operativ, chirurg. Operation betreffend.
Operette (ital.), s. Oper.
Operieren (lat.), eine chirurg. Operation vor-
nehmen, ^trisulfid.
Opermönt, Mineral, s. Auripigmentund Arsen-
Opernglas, Operngucker, ein für das Thea-
ter und andere Schaustellungen benutztes Vergrö-
ßerungsinstrument, das aus zwei gleichen Galilei-
schcn Fernrohren (s. Fernrohr, Bd. 6, S. li833.) in
der Weise zusammengesetzt ist, daß beim Gebrauch
jedes Auge durch ein Fernrohr blickt, so daß ein bin-
okulares Sehen zu stände kommt. Die Objektive
sind achromatisch. Man wählt Galileische Fern-
rohre, weil dieselben aufrechte Bilder geben und bei
der mäßigen Vergrößerung (2-4), deren man be-
darf, kurz und leicht gebaut werden können. Mäßige
Vergrößerungen müssen hier auch deshalb verwen-
det werden, weil bei stärkern Vergrößerungen das
Gesichtsfeld unbequem klein wird. Stärkere Ver-
größerungen als das O. besitzt der ebenso gebaute
Feldstecher (s. d.).
Operngucker, soviel wie Opernglas (s. d.).
Opernhäuser, s. Theater.
Opfer (vom lat. ossei-i^, "darbringen"), die Hin-
gabe des Menschen an die Gottheit durch Gaben
oder Gebete. Die O. bildeten schon in den heid-
nischen Religionen einen wesentlichen Bestand-
teil des Gottesdienstes. Die Voraussetzung des O.
ist die, daß der Mensch einerseits von der Gottheit
sich abhängig fühlt, andererseits aber auf ihren
Willen bestimmend einwirken zu können glaubt.
Der Opferdienst ist so alt wie die Religion
überhaupt. Auf der Stufe der Naturreligion er-
wartet der Opfernde von den Göttern vorzugsweise
leibliche Güter oder Verhütung leiblicher übel:
Schutz vor Krankheit und allerlei Not und Gefahr,
günstige Witterung, Beistand im Kriege u. s. w.
Dem entsprechen auch die Opfergaben: Hirten
bringen Tiere der Herde, Jäger Wild, Ackerbauer
Feld'früchte und Brot. Die Vorstellung, daß die
Götter an dem aufsteigenden Opfcrdufte Wohlge-
fallen haben und die dargebrachten Speisen und
Getränke zu eigenem Genuß in Empfang nehmen,
geht durch das ganze heidn. Altertum. Auch die
Menschenopfer beruhen ursprünglich auf derselben
Voraussetzung. Außer diesen Bittopfern kennt
das heidn. Altertum auch Dank- und Freuden-
opfer, bei denen die Opfertiere oft massenhaft
geschlachtet wurden (Hekatombe, s. d.). Verbrannt
wurden jedoch nur die Fettteile, während das übrige
bei den feierlichen Opfermahlzeiten verzehrt
wurde. Dagegen kennt das heidn. Altertum eigent-
liche Sühnopfer noch nicht.
Auch bei den Hebräern hatten die O. ursprüng-
lich eine ähnliche Bedeutung wie in der heidn.
Welt, daher die Opfergebräuche beinahe die näm-
lichen sind wie bei den stammverwandten heidn.
Völkern. Aber der sittliche Kern der mosaischen
Religion gab auch dem Opferwesen e'me tiefere
Beziehung. Die vermutlich älteste und nachmals
häusigste Form des hebräischen O. war das Vrand-
opfer (s. d.) beim täglichen Gottesdienst (Morgen-
und Abendopfer) und bei den drei Nationalfesteil,
aber auch bei Weihungen, Reinigungen und wichti-
gen Ereignissen des privaten Lebens. Die Opfertierc,
Stiere, Widder, Ziegenböcke, auch männliche Tau-
ben oder Turteltauben wurden dabei ganz verbrannt,
nachdem das Tier am Altar geschlachtet und das
Blut zum Zeichen der Zueignung an Gott an den
Altar gesprengt worden war. Diese O. hatten nur
den allgemeinen Zweck, Gott den Opfernden geneigt
zu machen. Verwandter Art waren die Dank-
und Lobopfer, bei Gelegenheit freudiger Ereig-
nisse im öffentlichen oder häuslichen Leben. Von
den Opfertieren wurden dabei nur die Fettteile ver-
brannt, während das übrige den Priestern gehörte.
Speis- und Trankopfer aus Ölkuchen und Wein
finden sich in regelmäßiger Verbindung mit den
Brandopfern und Dankopfern, doch gehört auch die
Darbringung der Erstlinqsgarben des Feldes (der
Psingstbrote) unter die Speisopfer. Eigentümlich
find dem israel. Kultus die Schuld- und Sünd-
opfer mit eigenem Ritual. Am wichtigsten war
das Sündopfer für das Volk am großen Versöh-
nungstage (f. d. und Asasel). Bei Sund- oder
Schuldopfern für Einzelne wurde mit einem Teile
des Blutes der Brandopferaltar, mit einem andern
der zu Entsündig ende besprengt. Die entsündig ende
Wirkuug der Blutbesprengung beruht nach hebr.
Anschauung darauf, daß das Blut (als Sitz des
Lebens) Gottes Eigentum ist, die sündigen Seelen
also durch die Seele in: Blute vor Gottes Augen
überdeckt und dadurch gereinigt, geheiligt und unter
Gottes Schutz gestellt werden. Erst später kam die
Vorstellung auf, daß das Leben des Opsertiers hin-
gegeben werde, um als Ersatz oder Lösegeld für das
Leben des Sünders zu dienen.
Das älteste Christentum verglich das Blut des
am Kreuze gestorbenen Messias bald mit dem Blute
des alttestamentlichen Passahlamms, bald mit dem
des Sündopfers am Versöhnungstage. So bildete
sich schon im Neuen Testament die Vorstellung von
der reinigenden, sühnenden Kraft des Todes Christi,
die durch Bilder des hebr. Rituals erläutert wurde.
Der Hebräerbrief fpinnt die Sühnopferidee am wei-
testen aus; er läßt Jesum als Hohenpriester und O.
zugleich ein für allemal ins Allerheiligste eingehen
und im Gegensatze zu den jährlich wiederholten Ver-
söhnungsopfern des Alten Testaments eine ewige