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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Oranje-Freistaat

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Oranje-Freistaat

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Oranjefluß'

Greenwich vereinigen, worauf der Gesamtstrom eine westl. Richtung annimmt. Der Nu Garib oder O. entspringt am Kathkin Pik in etwa 3160 m Höhe, bewässert das Basutoland und bildet zu einem großen Teile seines Laufs die Grenze zwischen dem Oranje-Freistaat und der Kapkolonie. Sein bedeutendster rechtsseitiger Zufluß, der Caledon oder Mogokara, bildet in der obern Hälfte seines Laufs die Grenze zwischen dem brit. Basutoland und dem Oranje-Freistaat. Der Vaal (auch Likwa genannt), der im Distrikt Ermelo entspringt, trennt den Oranje-Freistaat von der Südafrikanischen Republik und nimmt rechts den Mooi und den Haartsfluß auf. Der vereinigte O. durchzieht als Nordgrenze der Kapkolonie das Hottentottenland in bedeutenden Krümmungen und mündet unter 28°38' südl. Br. in den Atlantischen Ocean. Seine periodischen Zuflüsse sind von Norden der Hygap oder Molopo mit dem Kuruman und Nosob, und der Aub oder Große Fischfluß, von Süden aus der Kapkolonie der Ongars und der 270 km lange Hartebeest. Zwischen den Mündungen des Hartebeest und des Hygap bildet der O. 46 m hohe Wasserfälle, die Anghrabies. Westlich von der Vereinigung seiner Quellarme hat er schon die Breite des Rheins bei Düsseldorf, in seinem untersten Laufe während der Regenzeit die Breite von 5 km. Seine Wassermenge ist so gering, daß er den größten Teil des Jahres hindurch an den meisten Stellen zu Fuß durchwatet und ungeachtet der großen Länge seines Laufs nirgends für die Schiffahrt tauglich gemacht werden kann. Seine nur etwa 1220 m breite Mündung wird durch eine Sandbank derart geschlossen, daß in der trocknen Jahreszeit nicht einmal ein Kanu darin einlaufen kann. Kurz vor der Mündung bildet der durch die vorliegende Sandbank aufgestaute Strom einen seichten Süßwassersee. Die in allen diesen Teilen Afrikas plötzlich und mit ungemeiner Heftigkeit eintretenden Gewitterregen bewirken oft ein Steigen des Stroms von 6 bis 10 m über den gewöhnlichen Wasserstand. (S.Karte: Kapkolonien.)

Oranje-Freistaat, ein von holländ. Kolonisten (Boeren) im Binnenlande von Südafrika gegründete Republik, geschieden im N. durch den Vaal von der Südafrikanischen Republik, im O. durch das Drakengebirge von der brit. Kolonie Natal, im SO. durch den Oranjefluß von der Kapkolonie, grenzt im W. an Westgriqualand und hat 131070 qkm. (S. Karte: Kapkolonien.) Das Land liegt im Durchschnitt 1300–1400 m ü.d.M. und besteht aus wellenförmigen baum- und buschlosen Ebenen, welche sich von den Drakenbergen und deren Nebenzweig, den Malutibergen in Basutoland, gegen NW. abdachen. Wald findet sich fast nur an den Flüssen. Die letztern gehören alle zum Gebiete des Oranje-, des Caledon- und Vaalflusses. Das Klima ist sehr gesund für Europäer, der Winter (von April bis Ende August) ziemlich kalt, der Sommer reich an heftigen Gewittern; lange anhaltende Dürren kommen häufig vor. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 16,2°C. Wilde Tiere werden selten angetroffen; nur Antilopen werden noch gejagt. Die Straußenzucht (1461 Stück) lieferte in den letzten Jahren günstige Resultate. Während der östl. Teil ungemein günstig für den Getreidebau erscheint, eignet sich das übrige Land vorzüglich zur Schaf- und auch Rinder- und Pferdezucht. O. besaß (1890) 6,6 Mill. Schafe, 900000 Rinder und 249000 Pferde. Farmen bestehen 6000 ↔ mit 24,6 Mill. Acres, wovon 250600 unter Anbau stehen. Diamanten wurden (1893) 209653 Karat im Werte von 414179 Pfd. St. gewonnen; auch Gold und Steinkohlen sind vorhanden. Der Handel geht über Kapland und Natal, Schafwolle ist der wichtigste Artikel. Eingeführt werden meist engl. Waren. Mit der Kapkolonie und Basutoland bildet der O. die südafrik. Zollunion. Die Wege sind gut; das Eisenbahnnetz (Colesberg-Pretoria, Harrismith-Grenze von Natal) hatte 1. Jan. 1895 eine Länge von etwa 1000 km; neue Linien sind im Bau. Die Bevölkerung beträgt (1890) 77716 E., außerdem 129787 Eingeborene. Die Einwanderung aus England und Deutschland steigt. Die holländ.-reform. Kirche herrscht vor, doch sind auch alle engl. Sekten vertreten. Es giebt 149 Regierungs- und 53 Privatschulen. Grey College in Bloemfontein bereitet auf die Universität in Kapstadt vor. Jeder Waffenfähige von 16 bis 60 Jahren kann zum Dienst einberufen werden. Das Land zerfällt in 19 Distrikte. Der Volksraad mit 58 Mitgliedern ist gesetzgebende Körperschaft. Der Präsident wird vom Volke auf 5 Jahre gewählt. – Das Wappen ist ein silberner Schild, belegt mit drei blauen Hifthörnern; im Schild eine weiße Scheibe mit einem Baum, rechts davon eine Viehherde, links ein Löwe; unter dem Baum auf grünem Boden ein Lastwagen. Landesfarben sind: Orange, Weiß.


Textfigur:

Geschichte. Als gegen 1840 die Übermacht der Engländer in Natal, wohin die Boers aus der Kapkolonie wenige Jahre vorher eingewandert waren, drückender wurde (s. Natal), zog ein Teil der holländ. Kolonisten über die Drakenberge zurück und gründete 1842 unter Moke den Freistaat am Oranjefluß. Die Engländer ließen ihnen auch dort keine Ruhe; sie annektierten 1847 das Land und schlugen die gegen diesen Gewaltakt sich empörenden Boers 28. Aug. 1848 bei Boomplaats aufs Haupt. Die unausgesetzten, unvermeidlichen und kostspieligen Kämpfe der engl. Regierung mit den Eingeborenen und die Armseligkeit der Erträgnisse des wenig versprechenden Landes bewogen England schon 1854, die Herrschaft über den O. wieder aufzugeben und ihn als selbständige Republik anzuerkennen. Unter nichtigem Vorwand reklamierte England 1871 dasjenige Stück Land, in dem die ersten Diamantfunde gemacht worden, die Umgebung von dem jetzigen Kimberley, und schlug es zu Westgriqualand; infolge heftiger Proteste mußte es sich bequemen, dem O. dafür eine Entschädigung von 2 Mill. M. zu zahlen. Der Einfall Dr. Jamesons in die Südafrikanische Republik wurde der Anlaß zu einem Bündnis mit diesem Lande (April 1896), das von dem im Febr. 1896 neu gewählten Präsidenten Steijn abgeschlossen wurde. – Vgl. Klössel, Die südafrik. Republiken (Lpz. 1888); Silver, Handbook to South-Africa (4. Aufl., Lond. 1891).