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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Orchideenöl - Orchis
meln u. s. w. dhnlich sehen, oder selbst die Formen
kleiner bunt gcfärbter Vögel mit ausgebreiteten Flü-
geln annehmcn, und diese ausfallenden Eigentüm-
lichkeiten werden noch frappierender durch die wun-
derbar leuchtenden Farben, die wohl in keiner andern
Pflanzenfamilie in so großer Mannigfaltigkeit zu
finden sind. Der Fruchtknoten ist einfächerig und
häufig um seine Achse stark gedreht, er öffnet sich bei
der Reise meist durch 3 oder 6 Längsrisse, die reifen
Samen sind sehr zahlreich und so klein, daß sie fast
wie eine Staubmasse aussehen. Der Embryo ist in
dem reifen Samen nur rudimentär entwickelt und
bildet sich erst bei der Keimung weiter aus.
Zu den O. gehören außer der großen Anzahl
Zierpflanzen (s. unten) auch einige in anderer Be-
ziehung wichtige Gewächse, so die Stammpflanzen
der Vanille (s. Vkniiia und Tafel: Orchideen,
Fig. 10) und des sog. Saleps, d. h. der Knollen
einiger Arten von Oredig (s. d. und Fig. 4).
DieLebensbedingungcn der O. sind außerordent-
lich verschieden; sie ergeben sich aus den klima-
tischen Verhältnissen ihrer Heimat und der Art
und Weise ihres Vorkommens. Die Luftorchideen
pflanzt man in Töpfe, Holzkörbe oder Ampeln aus
Thon, in ein Gemisch von Sumpfmoos, Heideerde-
brocken und Farnkrautwurzeln, die Erdorchideen
wie alle andern Pflanzen in Heide-, Moor- oder
Nasenerde. Die in der nördlichen gemäßigten Zone
vorkommenden O., unter denen sich keine auf Bäu-
men lebenden Arten befinden, lassen sich in Deutsch-
land meistens im Freien kultivieren und unter leich-
ter Bedeckung überwintern. Die im Winter erforder-
liche Heizwärme der tropischen O. beträgt: für die
in Mexiko, Guatemala und andern Gegenden der
gemäßigt wärmern Zone vorkommenden Arten, be-
sonders die der Gattungen NaLdev^ilikl. und Oäouto-
^I033um, 6 bis 10° li.; für die in der subtropischen
sowie in den höhern Regionen der tropischen Zone,
besonders in Brasilien heimischen Arten, namentlich
die der Gattungen (ükttisvg. und Onciäium, 12 bis
15° N.; für die in Ostindien und andern Ländern
der Tropen wachsenden Arten, besonders die der
Gattungen ^ei-iä^ Oenäi-odium und Vanäa, 15
bis 20° N. Die tropischen O. verlangen außerdem
zu ihrem Gedeihen einen Stand dicht unter dem
Glase eines niedrigen Warmhauses, möglichst feuchte
Luft, Beschattung gegen direkte Sonnenstrahlen,
während ihrer Vegetation eine gleichmäßige, jedoch
nie zu hohe, in der Ruhezeit nur eine sehr geringe
Feuchtigkeit der Erdmischung und ein sorgfältiges
Reinhalten von Schmutz und Ungeziefer. Die Kul-
tur der O. wird in England im größten Umfange
und in der vollkommensten Art und Weise betrieben.
Nächstdem folgen in dieser Hinsicht Belgien, Frank-
reich, Deutschland und Nordamerika. Die O. lassen
sich zwar durch Samen und durch Teilung vermeh-
ren, jedoch ist die Anzucht junger Pflanzen aus
Samen sehr schwierig und wird nur angewendet,
um aus den durch die Kreuzung zweier Arten oder
Varietäten gewonnenen Samen neue Bastarde zu
erziehen, und die Vermehrung durch Teilung ist bei
dem langsamen Wachstum der Pflanzen wenig er-
giebig. Sie werden deshalb meist direkt aus ihrem
Vaterlande eingeführt. Der Import von tropischen
O. bildet eine besondere Specialität mehrerer Han-
delsgärtnereien in England.
In Deutschland hat die Kultur der O. in neuerer
Zeit durch die Verwendung der Blumen Zu Vouaucts
und andern Blumenarrangements eine große Aus-
dehnung gewonnen. Für diesen Zweck werden beson-
ders Oä0nt0^l088uin clispuiu ^n<^. oder ^.Ikxan-
ära6 Zatem. (Fig. 6), (üattie^a I^diata I>i?M. mit
ihren zahlreichen Formen, OokIo^uE ci-i8taw
^,"')M., I^ca8t6 8kinn6ri ^'nck?. und andere reich
und schön blühenden Arten von (^tUe^g. (s. d.),
O^ripeäiuni (s. d. und Fig. 5), Denärodiura (s. d.,
besonders Denärodium ä6N8iK0rum It^a//. va^
Iut60-a1duM, Fig. 9), 1^6119., 0ä0Nt0Zi088UIN, 0n-
ciäium, ?1ia.ju8) ?k9.iH6N0p8i8, 8tandop63., Iricko-
piljg., Vanäa und ^7ß0p6ta1uiu in Handelsgärtne-
reien in einer großen Zahl von Exemplaren zur Ge-
winnung von ^chnittblumen kultiviert. Merkwür-
dige Formen zeigen ZelenipeäiuN cauäatuin. Ac/öb.
M aus Peru (Fig. 3) mit 2 bis 50 cm lang werden-
den schmalen Petalen, ^n^recuin 868Huip6äal6
2Vionm-<5 (Fig. 7) mit zweizeilig gestellten Blättern
und 50 cm langem Sporn an den Blüten, sowie
(^ttiE^a. ^i'ianaki ZcM. .M. var. ßeliroLäeriima
(Fig. 8) aus Südamerika. Schöne Luftorchideen sind
^tan1i0p6H ti^rina. Fa5eM. var. superdg. (Fig. 1)
und l^ttic^a citrin", I>/nci?. (Fig. 2), beide aus
Mexiko, von deren ersterer nur die Vlütenstiele, von
der andern die ganze Pflanze nach unten zu wachsen.
Blühende O. lassen sich auch für die Pflanzen zur
Zimmerkultur verwenden.
Litteratur. Vurbidge, Die O. des temperierten
und kalten Hauses (aus dem Englischen übersetzt
von M. Lebl, 2. Aufl., Stuttg. 1882); Stein, Orchi-
deenbuch (Berl. 1892); M. Schulze, Die Orchidaceen
Deutschlands, Deutsch-Österreichs und der Schweiz
(Gera-Untermhaus 1892-94); Linden, I^es oi-cki-
ä668 NxotihU68 (Brüss. und Par. 1894); Reichen-
bach iU., Xenia orcliiäacea. Beiträge zur Kenntnis
der O. (Bd. 1 u. 2,10 Hefte; Bd. 3, Heft 1-8, Lpz.
1854-94); periodisch erscheint "NeiciikndackiH",
von F. Sander in St. Albans in England, Text in
engl., franz. und deutscher Sprache. Auch zwei in
franz. Sprache monatlich erscheinende Zeitschriften
"^'(irclMopIiilk" und "1^6 Noniteur ä'tiortieul-
wl6" behandeln denselben Gegenstand.
Orchideenöl, Ilang-U lang-Öl, ein in Ma-
nila aus den Blüten einer Anonacee (Oanim^
oäoi-ata I^ok.) destilliertes, ätherisches Öl, welches
wegen seines ungemein zarten Geruchs in der Par-
fümerie sehr geschätzt wird. Das Kilogramm kostet
450-500 M.
OrokiÄss, die Hoden (s. d.).
Orchil, s. Orseille.
Orokis ^., Knabenkraut, Pflanzengattung
aus der Familie der Orchideen (s. d.) mit gegen 80
Arten größtenteils in der nördlichen gemäßigten
Zone der Alten Welt, krautartige Gewächse mit zwei
kugeligen oder handförmig geteilten Knollen, aus
deren einem die blühende Pflanze hervorsprießt und
deren zweiter, für die nächstjährige Pflanze bestimm-
ter, während der Vegetationszeit gebildet wird. Der
letztere hat eine glatte weißliche Oberfläche, während
die der erstern wenigstens gegen das Ende der
Blütezeit runzelig und braun gefärbt ist. Die Arten
der Gattung 0. wachsen sämtlich auf der Erde und
meist auf humusreichen feuchten Wiesen, Waldboden
und moorigen Gegenden, sie haben lebhaft gefärbte
Blüten, bei einigen Arten mit angenehmem Geruch.
Von den in Deutschland vorhandenen Arten sind
besonders diejenigen hervorzuheben, deren Knollen
ibres Stärkemehlgebaltes wegen als stopfendes
Mittel und in der Schlichtenfabrikation als Salep
benutzt werden; es sind dies Ö. mk8culH ^)., 0. inili-