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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Organ - Organisationskosten
Wenn er zu einem Krieg genötigt wurde, wie 1725 im
Herrenhausener Bündnis (s. d.) gegen Spanien und
Osterreich, so drängte er sofort zu baldigem Ausgleich.
Schwieriger wurde dies unter einem so kriegslustigen
König wie Georg II., der 1727 den ihm verhaßten
Walpole zuerst durch Spencer Compton ersetzte, sich
aber wegen dessen völliger Unfähigkeit sofort wieder
an Walpole wenden muhte. Dieser wußte sich des
Königs geschickt zu versichern durch den Einfluß der
Königin Karoline. Sein Ehrgeiz schuf ihm indes
zahlreiche Gegner; schon 1733 mußte er einen Accise-
entwurf fallen lassen, dann benutzten die sog.
Patrioten einen Handelsstreit mit Spanien, um
den widerstrebenden Minister 1739 in einen Krieg
hineinznzwingen. Damit war seine Stellung er-
säMtert, und die Neuwahlen 1741 ließen seine An-
hänger so zusammenschmelzen, daß er seinen Posten
Febr. 1742 aufgeben mußte. Man setzte eine Unter-
suchung gegen ihn ins Werk, ließ sie aber bald fallen.
Walpole hatte mit Recht als Kernpunkt seiner Macht
die Beherrschung des Unterhauses angesehen und
daher 1723 die angebotene Peerswürde nur für sei-
nen Sohn angenommen. Nach seinem Rücktritt ließ
er sich jedoch Febr. 1742 als Viscount Walpole nnd
Graf von O. ins Oberhaus versetzen. Seinen
Einfluß auf den König behielt er bis zuletzt. Er
starb 29. März 1745. - Vgl. Lecky, Histm-^ ot'
Ni^Ianä in tde 18"' e6nwi'7, Bd. 1 (Lond. 1878;
deutsch Lpz. 1879); Stanhope (Mahon), Ilistor)' ot'
NnZlanä t'rom 1713-83, Bd. 1-3 (5. Aufl., Lond.
1857; deutsch Braunschw. 1855); Core, N6moii-8
ok t1i6 liks and Hämiui8ti'g.ti0ii ot'Zir lodert ^Val-
poik (3 Bde., Lond. 1798 u. ö.); Ewald, 8ir No-
dki't ^VkipoiL) 3. politica.! bio^rai)!^ (ebd. 1877).
Organ (grch.), Werkzeug oder Instrument, als
Mittel, wodurch bestimmte Zwecke erreicht werden.
Der Sprachgebrauch hat aber zwischen dem griech.
or^anon und dem lat. iu8trnin6ntuin den Unter-
schied festgestellt, daß unter Instrumenten leb-
lose, dnrch äußere Kräfte in Bewegung gesetzte
Werkzeuge, unter O. hingegen die Werkzeuge eines
durch innere Kräfte in Bewegung gesetzten leben-
digen Organismus verstanden werden. Das charak-
teristische Unterscheidungsmerkmal des Organis-
mus im Gegensatz zur Maschine ist seine durch
innere Zweckmäßigkeit hervorgebrachte Selbsterhal-
tung, wonach zwischen seinen Gliedern ein solcher
Zusammenhang gesetzt ist, daß die Erbaltung des
einen von der Erhaltung des andern abhängt. Die
Pflanze wächst z. B. durch den Saft, durch den sie
neue Zellen bildet, aber der Saft ist seiner Mischung
nach ein Produkt der Pflanze aus den assimilierten
Stoffen; die Blätter werden vom Stamme aus er-
zeugt, dienen aber auch wieder dem Stamme u. s. w.
Bei der Maschine arbeiten die verschiedenen Teile
zwar ebenfalls auf einen bestimmten Zweck hin, ohne
jedoch sich untereinander selbst hervorzubringen.
Zu der gegenseitigen Erzeugung der Teile durch
Assimilation äußerer Stoffe tritt beim Organismus
noch die Erzeugung ähnlicher Organismen in der
Fortpflanzung. Man hat daher den Organismus
definiert als Naturganzes, worin sämtliche Teile
sich gegenseitig als Mittel und Zweck verhalten. In
der Stnfenfolge der natürlichen Organismen, von
den niedrigsten Pflanzen und Tieren bis zum Men-
schen hinauf, ist ein wachsender Reichtum der O. und
ihrer Funktionen zu bemerken. Im Tierreiche erscheint
das organische Leben als der Träger der Funktionen
sinnlicher Empfindung und spontaner Bewegung; im
Pflanzenreiche ist es auf die Funktionen des Wachs-
tums, der Ernährung und Fortpflanzung beschränkt.
Die Frage nach dem Wesen des Organisations-
prozesses schließt besonders die Frage nach dem Ver-
hältnis des chcm. Prozesses, als seines Anfangs, zu
den psychischen Funktionen als seiner höchsten Blüte,
in sich. Dabei besteht die Schwierigkeit bei der Er-
klärung organischer Prozesse hauptsächlich darin,
daß wir gewohnt sind, bei einer Ausführung von
Zwecken an ein bewußtes Handeln und an Vorstel-
lnngsvorgänge zu denken, hier aber ein zweckmäßiges
Wirken antreffen, das sich ohne alles Vorstellungs-
leben vollzieht. Die naturphilos. Sckule fand zur
Auflösung dieses Widerspruchs den Answeg, daß
in den organischen Prozessen zwar schon ein vor-
stellendes oder psychisches Princip, aber erst auf
latente Art wirke, nämlich so, daß auf der Stufe
der Vegetation dasselbe Princip seine Wirksamkeit
nur erst nach außen als eine Erregung der chem.
Prozesse zu höhern und vollkommenem Produkten
äußere, welches hernach im Empfindungsleben der
Tiere seine Wirksamkeit zugleich nach innen als ein
Vorstellungsleben hervortreten lasse. Nachdem man
den Begriff des Organischen im Naturgebiete fest-
gestellt hatte, fand man ihn ebenfalls anwendbar
auf Gegenstände anderer Art, z. B. Wissenschaften,
Kunstwerke, insbesondere aber auf das Staats- und
Gesellschaftsleben der Menschen. Überhaupt versteht
man unter dem Organischen jedes Verhältnis
einer Wechselwirkung und Wechselbeziehung im Ge-
gensatz zum Mechanischen, als dem Verhältnis
einseitiger Wirkung und Beziehung. Und weil in
allen Einrichtungen menschlicher Gemeinschaft ein
gesundes Leben nur durch lebendige Wechselwirkung
der Individuen gedeiht, so hat man den Ausdruck
desOrganisierens und der Organisation auf
jedwede Art von socialer Einrichtung ausgedehnt,
z. B. Organisation des Schulwesens, der Landesver-
teidigung u. s. w., und indem man die Gliederung des
Staates, eines Gemeinwesens, einer Korporation,
einer Behörde mit einem natürlichen Organismus
vergleicht, bezeichnet man Gesetze, Statuten, Regle-
ments u. s. w. bisweilen als organisch, wenn sie sick
auf die für die Dauer bestimmte Einrichtung, Or-
ganisation eines solchen Gemeinwesens u. s. w. er-
strecken, ^gangdih), soviel wie Mull.
Organdm, Organdy (frz. or^näi, spr.
Organisation, s. Organ. O. der Arbeit,
s. Vlanc, Jean Joseph Louis.
Organisationskoften,bei neu gegründeten Ge-
sellschaften (Aktiengesellschaften, Attienkommandit-
gesellschasten, Genossenschaften u. s. w.) sowie bei
Einrichtung eines neuen Geschäftszweiges für be-
stehende Gesellschaften die Kosten der Ingangsetzung
des Betriebes und deren Vorbereitung, wie die
Gründungsentschädigungen, Maklerprovisionen,
Druckkosten für Prospekte, Notariatskosten, Gerichts-
kosten, ferner die Kosten für technische Vorarbeiten,
wie Tracierungen bei Eisenbahnen. Mittelbar hat
die Aufwendung dieser Kosten anf die Werterhöbung
der in Betrieb gesetzten Objekte dann einen Einfluß,
wenn die Organisation die Nirknng hat, daß die
Objekte einen höhern Ertrag ergeben, als sie ohne-
dies haben würden, und deshalb selbst einen höhern
Wert erlangen. Das ist aber nicht immer und nicht
in einem den Kosten entsprechenden Verhältnis der
Fall. Bei den Aktiengesellschaften und Kommandit-
gesellschaften auf Aktien hatte sich vielfach der Miß-
brauch eingeschlichen, diese O. in die Bilanz als