Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

632
Organisch - Organische Radikale
Aktiva einzustellen. Das ist durch das Reichsgesetz
vom 11. Juni 1870, Art. 239a (jetzt Art. 1859. und
239a des Handelsgesetzbuchs, neuer Entwurf §. 238),
der Gesellschaft mit beschränkter Haftung durch Ge-
setz vom 20. April 1892, z. 43, verboten.
Organisch, f. Organ. In der Chemie nannte
man so die dem Pflanzen- und Tierreich entstammen-
den Stoffe, indem man glaubte, dieselben könnten
nur unter Mitwirkung der sog. Lebenskraft ent-
stehen. Seitdem sich diese Ansicht als unhaltbar er-
wiesen hat, werden organische Verbindungen
alle Verbindungen des Kohlenstoffs mit andern
Elementen genannt. Die organische Chemie ist
demnach jetzt nur noch die Chemie der Kohlenstoff-
verbindungen. (S. Kohlenstoff.)
Organische Artikel, die gleichzeitig mit dem
franz. Konkordat vom Jahre IX unterm 18. Ger-
minal des Jahres X (8. April 1802) als Gesetz ver-
kündeten Bestimmungen über die Rechtsverhältnisse
der kath. Kirche und der prot. Bekenntnisse in Frank-
reich. (S. Konkordat.)
Organische Belastung, ein hauptsächlich in der
Psychiatrie viel verwerteter, von Griesinger einge-
führter Begriff. Bei Personen, die erblich zu Nerven-
oder Geistesstörung veranlagt sind oder die selbst an
irgend einer Nervenkrankheit leiden, steht die Seelen-
thätigkeit unter dem Druck schädlicher körperlicher
Einflüsse, deren wahre Natur sicb gegenwärtig viel-
fach nicht erkennen läsit und die man nur aus
ihren Wirkungen (ungewöhnliche Art zu denken, zu
fühlen, Entschlüsse zu fassen) erschließen kann. Be-
lastete Individuen handeln oft wie Geisteskranke,
ohne es eigentlich zu sein; vom ärztlichen Stand-
punkt aus sind demnach auch z. B. verbrecherische
Handlungen Belasteter anders zu beurteilen als die
völlig Gesunder. Die höhern Grade der O. V. gehen
ohne scharfe Grenze in die eigentlichen Geisteskrank-
heiten über. sstoff.
Organische Ehemie, f. Chemie und Kohlen-
Organische Farbstoffe. Die O. F. wurden bis
zur Mitte dieses Jahrhunderts ausschließlich aus
Pflanzen und aus wenigen Tieren (wie Cochenille)
gewonnen. Unter diesen zahlreichen natürlichen
Farbstoffen sind die Farbstoffe des Not-, Blau-
und Gelbholzes, des Safflors, der Orseille, des Lack-
mus, Krapps und Indigos hervorzuheben. (S. Farbe-
pflanzen.) Dieselben sind aber seit der Entdeckung
des Anilinvioletts 1856 mehr und mehr von den
künstlichen O. F. verdrängt worden, welche nahezu
ausschließlich aus Stoffen des Steinkohlenteers
gewonnen werden und deshalb auch unter dem
Namen Teerfarben zusammengefaßt werden.
Die erste bekannte Gruppe von Teerfarben waren
die Anilinfarben (s.d.), welche sich vom Rosanilin
ableiten und durch Oxydation eines Gemisches voll
Anilin mit Toluidinen entstehen. In neuerer Zeit
teilt man die Teerfarbstoffe nach ihrer chem. Kon-
stitution in folgende Gruppen ein: Nitroso- und
Nitrofarbstoffe (wie Naphtholgrim, Pikrin-
säure), Azo- und Azoxyfarbstoffe, Hydra-
zonfarbstoffe (z. B. Phenanthrenrot); Di-und
Triphenylmethanfarbstoffe (die sog. Anilin-
farben); Anthracenfarbftoffe (wie das Aliza-
rin); Indophenole, Orazine (z. B. Neublau);
Thioninfarbstoffe (Metbylenblau); Eurho-
dine, Safranine, Induline und Nigrofine;
Indigo, Chinolin- und Acridinfarbstoffe.
Andere Einteilungen der O. F. sind auf die Aus-
gangsmaterialien gegründet, und man unterscheidet
nach diesem Princip Benzol- (oder Anilin-)
farbstoffe, Phenol-, Naphthalin- und An-
thracenfarbstoffe. Je nach der Verwendung der
O. F. spricht man von Baumwollfarbstoffen,
Wollfarbstoffen, Lederfarbstoffen u. s. w.
Die Kenntnisse über die chem. Konstitution der O. F.
sind durch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten so
sehr gefördert worden, daß man im stände ist,
zahlreiche gesetzmäßige Beziehungen zwischen der
Konstitution und dem Farbenton oder dem Färbe-
vermögen der Farbstoffe zu erkennen. Die hohe
praktische Bedeutung dieser wissenschaftlichen Er-
folge liegt darin, daß man infolge davon besähigt
ist, neue Farbstoffe zu erzeugen, welche ganz be-
stimmte und von vornherein gewünschte Eigen-
schaften besitzen. So weiß man z. B., daß Azofarb-
stoffe, welche sich ihrer Konstitution nach vom Ben-
zidin ableiten lassen, Baumwolle direkt färben oder
daß der Eintritt von Methyl- oder Phenylgruppen
den Nosanilinfarbstoffen eine violette oder blaue
Schattierung erteilt.
Über die chem. Konstitution sind folgende allge-
meine Beziehungen bekannt. Gewisse Atomgruppen,
z. B. die Nitro- und die Azogruppe (X02 und
-X:X-), welche man auch chromophore Gruppen
nennt, machen eine chem. Verbindung zu einer
chromogenen Verbindung, d. h. zu einer Verbindung,
welche im stände ist, wirkliche Farbstoffe zu geben.
Damit das letztere der Fall ist, müssen in der Ver-
bindung noch salzbildende Gruppen (vorzugsweise
die Amido- oder Phenolhydroxylgruppe, ^H^
und Oll) vorhanden sein. So ist das Azobenzol,
(^.Hz - ^: ^' - (^ll.., zwar ein gefärbter Körper, aber
erst das Amidoazobenzol, (^5 -^: n - 0^4 - ^1^,
ein Farbstoff, welcher sich auf der Faser von Ge-
spinsten fixieren läßt.
Die O. F. werden in der Garn- und Zengfärberei,
im Zeugdruck, dann auch zum Färben von Holz,
Stroh, Papier, Leder, Federn, Steinnußknöpfen,
Spirituslacken, Säften, zur Darstellung von Erd-
farben, Tinten, farbigen Stiften, Kerzen u. s. w.
benutzt; wegen ihrer Unbeständigkeit in der Hitze da-
gegen können sie zur Vemalung von Glas- und
Thonwaren u. s. w. nicht gebraucht werden. - Vql.
G. Schultz, Die Chemie des Steinkohlenteers, Bd. 2
(Braunschw.1887-90); ders. und P. Julius, Tabel-
larische Übersicht der künstlichen O. F. (2. Aufl., Verl.
1891); Nietzki, Chemie der O. F. (2. Aufl., ebd. 1894);
Möhlau, O. F. (Dresd. 1890); Lehne, Tabellarische
Übersicht über die künstlichen O. F. und ihre Anwen-
dung in Färberei und Zeugdruck, mit Ausfärbungen
und Zeugdruckmustern (Berl. 1894); für die ana-
lytische Untersuchung der O. F. vgl. die betreffenden
Kapitel in Vöckmann, Chemisch-technische Unter-
suchungsmethoden (ebd. 1893), und in Post, Che-
misch-technische Analyse (2. Aufl., Braunschw. 1891).
Organische Radikale, gewisse, nur einen ein-
zigen Kohlenstoffkern enthaltende Atomkomplere,
die bei Umsetzungen organischer Verbindungen in
die Produkte unverändert übergehen. Erscheinen
sie bei zahlreichen Umsetzungen immer wieder, so
werden sie mit besondern Namen belegt. So wer-
den z. B. als Radikale des Äthylalkohols, (^"o,
das Äthyl, O2H5, und Hydroxyl, OH, angesehen, weil
derselbe besonders viele Umwandlungen erfährt, bei
denen gerade diese beiden Gruppen sich in den ent-
stehenden Derivaten wiederfinden. Die Namen der
O. R. enden oft mit der Silbe "yl", die aus dem
griech. KM ("Stoff") gebildet ist.