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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Original - Orion
Bibliothek in Mailand in einem Palimpsestcodex des
10. Jahrh, eine Anzahl bisher unbekannter Frag-
mente der "Herapla" (ans 11 Psalmen), in welcher
Kopie allerdings die erste hebräische Kolumne fehlt
(vgl. Mercati, Dn ?Hlimp863t0 ^.mdroLiano äei
^almiNsapli. ^ota, Turin 1896). Unter seinen apo-
logetischen Werken sind namentlich die acht Bücher
"(^ontra Oi8uin" (s. Celsus) zu nennen. In der
"kliilocaliw) hat man schon im Altertum eine Samni-
lung wichtiger Stellen aus den Werken des O. fest-
gestellt. Ausgaben seiner sämtlichen Werke von C.
und C. V. de'la Rue <4 Bde., Par. 1733-59) und
Lommatzsch (25 Bde., Verl. 1831-48). - Vgl. Tho-
masius, O. Ein Beitrag zur Dogmenqeschichte des
3. Jahrh. (Nürnb. 1837); Redepenning, O. Eine
Darstellung seines Lebens und seiner Lehre (2 Tle.,
Bonn 1841-46); Denis, 1.3. pliilosop^is ä'0. (Par.
1883)', Bigg, 1?N6 lünrigti^n ?1lit0ni3t8 ok^ikxan-
ärikl. (Orf. 1886); Robinson, Iks i'kilocMa. ol 0.
(Cambr. 1893).
Original (vom lat. oi-i^o, Ursprung), Urbild,
Urschrift; der Gegensatz ist die Kopie, die Abschrift.
Dann bedeutet O. auch soviel wie seltsamer Mensch,
Sonderling. Originalität, Ursprünglichkeit.
(S. auch Originell.) ^(s. d.).
Originalgrün, soviel wie Schweinfurter Grün
Originär (lat.), uranfänglich, ursprünglich;
originäre Zeugung, Urzeugung.
Originärer Erwerb liegt dann vor, wenn in
der Person des Erwerbers ein Recht neu und selb-
ständig entsteht, welches ihm nicht von einem andern
übertragen wird. Das kann eintreten, wenn an dem
Gegenstande bis dahin überhaupt niemand ein Recht
hatte, z. B. wenn ein herrenloser Vogel oder Fisch
gefangen wird; oder so, daß der bisherige Inhaber
sein entsprechendes Recht verliert, ohne daß er es
auf den neuen Erwerber überträgt; so verliert der
Eigentümer das alte Eigentum an der ihm abhanden
gekommenen Sache und erwirbt der bisherige Be-
sitzer durch Ersitzung ein neues Eigentum.
Originöll (frz.), auch original, von dem Ge-
wöhnlichen abweichend, eigentümlich.
Orihuela, Bezirksstadt im S. der span. Pro-
vinz Alicante im Königreich Valencia, 20 Km im
NO. von Mnrcia, an der Bahn Murcia-Alicante,
vom zweifach überbrückten Segura durchflossen und
in einer großen, mit Palmen, Orangen-, Citronen-,
Mandel-, Granat- und Maulbeerbäumen bestande-
nen und mit Hanf, Flachs,Spanischem Pfeffer und Ge-
müsen bepflanzten Huerta, ist alter Bischofssitz, besaß
früher eine 1555 gegründete Universität, hat (1887)
24364 E., 5 Platze, eine schöne Kathedrale und
4 andere Kirchen, 12 ehemalige Klöster, 2 Hospitäler,
Priesterseminar, Theater, 3 Bibliotheken; Seiden-
bau, Getreide- und Ölmühlen, Hut-, Seifen- und
Salpeterfabriken, Leinen- und Seidenwebereien so-
wie 6. August einen großen Jahrmarkt.
Orillon (frz., spr. onjöng), s. Flanke.
Orinöco, einheimisch Orinucu und auf seinem
Oberlaufe Paragua (d. i. großes Wasser) genannt,
der Größe nach der dritte Strom Südamerikas, hat
seine Quelle an der Sierra Parima, einer der Haupt-
ketten des Hochlandes von Guayana, in einer Höhe
von etwa 1600 m. Nach dem Austritt aus dem
Hochlande umströmt er dasselbe. Vom Anfangs-
punkte des Mittellaufs fließt er 230 km gegen NW.
bis zu der Missionsstation Esmeralda, und 40 Km
untcrl alb derselben findet in 280 m Seehöhe die
durch A. von Humboldts Forschungen berühmte
Bifurkation statt. (S. Casiquiare.) Hierauf fließt der
Hauptstrom gegen NW. bis zur Ausnahme des Ven-
tuari, dann westwärts, bis er bei der Einmündung
des Guaviare (s. d.) eine a,roße Biegung gegen N.
macht. Indem er die Gramtselsen durchbricht, welche
einige Zweige der Sierra Parima nach W. vor-
schieben, tritt er in die Region der großen Raudales
oder Wasserfälle und Stromschnellen, unter welchen
die von Maipure unterhalb der Einmündung des
von W. kommenden Rio Vichada und Atures die
bemerkenswertesten sind. Unterhalb der letztern
nimmt der O. links unter 6" 20^ nördl. Br. den
mächtigen, wasserreichen Rio Meta auf, welcher auf
der Cordillere von Columbia entsteht. Weiterhin
münden die ebenfalls von der Columbischen Cor-
dillere kommenden Ströme Arauca und Apure (s. d.).
Nahe unterhalb des Apure bei den Stromschnellen
von Camiseta beginnt er seinen Unterlauf, in wel-
chem er, ostwärts gewandt, rechts den Caura und
Caroni, seine bedeutendsten Nebenflüsse aus dem
Hochlande von Guayana, aufnimmt und langsam
zwischen den Savannen der Llanos und Guayanas
auf dem rechten und den Llanos (s. 0.) des O. auf
dem linken Ufer dahinflutet. Die Mündung ist von
der Quelle 820 km entfernt. Seine ganze Strom-
entwicklnng beträgt 2225 km, sein Stromgebiet, das
436 Flüsse umschließt, 850000 ykm. Während der
Regenzeit schwillt der O. bedeutend an und über-
schwemmt vorzüglich die Ebenen seines untern Laufs.
Bei Ciudad Bolivar (s. d.) wird der Strom in einen
Engpaß eingeschnürt, der die Grenze der oceanischen
Ebbe und Flut bildet. Etwa 245 km unterhalb dehnt
er sich anf 22 km ans, und hier beginnt sein gegen
22000 hkm großes, periodisch überschwemmtes
Delta, dnrch welches er sich anf einer Küstenaus-
dehnung von 280 km zwischen der Bahia Vagre
und der Punta Mocomoco in 17 Mündungsarmen
(Lra208) oder Kanälen (O3.1108) ergießt. Von diesen
ist der südlichste, der in die Voca de Navios füh-
rende Brazo-Imataca, der bedeutendste. Die Schiff-
barkeit betrügt vom Meere aufwärts bis zu den
Wasserfällen von Atures gegen 1500 km. Oberhalb
Maipure ist sie aber wieder auf 900 km frei sowie
bis zum Wasserfall von Guaharibos, 230 km ober-
halb Esmeralda. Humboldt befuhr 1800 den O.
aufwärts bis Esmeralda, Schomburgk gelangte
1839 noch 90 km über diesen Punkt hinaus, Chcch
fanjon 1887 bis in die Nähe der Quelle. - Vgl.
Chaffanjon, I^'0r6N0(iu6 6t 1e ^aura (Par. 1889).
OrioliÄNS, Orlölns, s. Pirole.
Orion, nach der Odyssee ein berühmter Jäger,
der gleich andern Heroen seine Beschäftigung auch
nach dem Tode in der Unterwelt fortsetzte. Der ge-
wöhnlichen Sage nach war er der Sohn des Hyrieus,
nach andern ein Sohn des Poseidon und der Euryale,
einer Tochter des Minos, oder ein Erdgeborener.
Von Poseidon war ihm die Gabe verliehen, über
und durch das Meer hinzuschreiten. Als er einst
nach Chios kam, das er von wilden Tieren rei-
nigte, verliebte er sich in die Tochter des Oino-
pion, Hairo (Mairo) oder Merope, und bemäch-
tigte sich ihrer mit Gewalt. Dafür blendete Oino-
pion den Trunkenen. O. aber schritt, mit Kedalion,
einem Gesellen des Hephaistos, auf den Schultern,
gegen Sonnenaufgang, wo er an den Strahlen der
Sonne sein Augenlicht wieder entzündete. Nun
kehrte er, um Rache an Oinopion zu nehmen, nach
Chios zurück, fand diesen aber nicht, da er in einem
unterirdischen Gebände versteckt war. Die Veran-