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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Orléans (Philipp II., Herzog von) - Orléans (Louis Philippe Joseph, Herzog von)
Grafen von Chalais, der Herzogin von Chevreuse
(s. d.) und den Vendömes eine weit verzweigte Ver-
schwörung zum Sturz Nichelieus. Dieser vereitelte
aber das Komplott; Chalais endete auf dem Schafott,
Ornano im Gefängnis, O. unterwarf sich und hei-
ratete die Prinzessin, die bald verstarb. Eine Zeit
lang lebte er mit dem Kardinal im Frieden, verband
sich aber 1631 mit seiner Mutter Maria von Medici
auss neue gegen ihn. Richelieu wußte Ludwig XIII.
auch diesmal gegen Mutter und Bruder an sich zu
fesseln; O. flüchtete nach Lothringen zum Herzog
Karl IV., dessen Schwester Margarete er heiratete,
überschritt, von Spanien unterstützt, 1632 die Grenze,
verband sich in Südfrankreich mit dem .herzog von
Montmorency, unterwarf sich, als dieser geschlagen
war, floh aber nach dessen Hinrichtung wieder zu den
Spaniern. 1634 kehrte er zurück, und von neuem
begannen die Zerwürfnisse mit seinem Bruder, die
bald beigelegt wurden; 1642 nahm er wieder an der
Verschworung des Cinq-Mars (s. d.) teil, um sich
dann wiederum zu unterwerfen. Ludwigs XIII. Tod
gab O. Anteil an der Regierung; er befehligte
1644 gegen die Spanier; in der Fronde (s. d.) hielt
er sich, seit Anfang 1651, zu Mazarins Feinden;
der Einzug Ludwigs XIV. in Paris (1652) verwies
ihn für immer vom Hofe; er starb 2. Febr. 1660 im
Schlosse von Vlois. Seine Tochter war Mlle. de
Montpensier (s. d.). Nach seinem Tode erschienen
seine "Neinoil68 äu äue ä'0." (Par. 1685; neue
Ausg., 4 Bde., ebd. 1756).
Orlöans (spr. -ang), Philipp II., Herzog von,
Regent von Frankreich, geb. 2. Aug. 1674
zu St. Cloud als Sohn Philipps I. von O. und der
Elisabeth Charlotte von der Pfalz, hieft bis zum
Tode seines Vaters Herzog von Chartres. 1692
mußte er Mlle. de Vlois, Ludwigs XIV. Tochter
von der Montespan, heiraten. Reich begabt, aber
von Jugend auf zügellosen Ausschweifungen erge-
ben, von Dubois (s. d.) zum Skeptiker und Cyniker
erzogen, kämpfte O. nicht ohne Umsicht 1691-93
bei Mons, Eteenkerken, Neerwinden, 1706 als Ober-
befehlshaber in der Schlacht von Turin, 1707-8 in
Spanien, von wo er infolge von Umtrieben gegen
die bourbonische Nachfolge daselbst 1708 abberufen
wurde. Die öffentliche Meinung gab dem sittenlosen
Manne sogar - sicher mit Unrecht - Schuld an
dem raschen Tode der Enkel Ludwigs XIV. Nach dem
Tode Ludwigs XIV. (Sept. 1715) usurpierte O. die
Macht, die ihm durch das Testament des Königs
nur in beschränktem Maße zuerkannt war. Vom
Parlament und der öffentlichen Meinung unter-
stützt, lieh er das Testament für nichtig erklären und
lenkte nun als Regent für den unmündigen Lud-
wig XV. die innere wie die äußere Politik Frank-
reichs in völlig neue Bahnen. Gegenüber Spanien,
von wo der Enkel Ludwigs XIV., Philipp V., die
altkönigliche, reaktionäre Partei in Frankreich unter-
stützte und durch seinen Gesandten Cellamare (s. d.)
eine Verschwörung anzettelte, suchte er Unterstützung
bei England und Holland; weder die Stuartschen
Prätensionen noch die röm. Ansprüche fanden bei
Hof Gehör. Im Innern wurden der Iansenismus
und die Ansprüche des Parlaments, mit dessen Hilfe
O. die alleinige Regentschaft erlangt hatte, wenig-
stens so lange begünstigt, bis O. sich sicher genug
fühlte; und als Spanien unter Alberoni gegen Öster-
reich und die Seemächte den Utrechter Frieden rück-
gängig machen wollte, schloß der Regent mit diesen
Kabinetten durch Vermittelung seines Vertreters
Dubois die Quadrupelallianz, welche die Pläne Al-
beronis zu raschem Scheitern brachte. Von dieser
bedeutenden Stellung ward der Staat durch die in-
nere Zerrüttung, die sich an die Finanzspekulationen
Laws (s. d.) knüpfte, bald herabgestürzt. Bereits
1719, im Siegesjahre gegen Spanien, war Laws
System erschüttert. Als der junge König gekrönt
wurde (15. Febr. 1723), war es völlig gestürzt. O.
behielt nach dem Tode Dubois' (10. Aug. 1723) die
erste Stelle im königl. Conseil, erlag aber schon
2. Dez. 1723seinen Ausschweifungen. - Vgl. Saint-
Simon, N6ni0ir68 (neue Ausg., hg. vonBoislisle,
Par. 1871 fg.); Lemontey, Ilistoii-e 66 1a I^6F6nc:6
(2 Bde., ebd. 1832); Iobez, I,a 1"i'anc6 3ou3
Louis XV, Bd. 1 u. 2 (ebd. 1864-65); Wiesener,
1^6 I^6F6nt, I'addö DudoiZ 6t 168 ^nFilÜ8 (2 Bde.,
ebd. 1891-93).
Orlöans (spr.-ang), Louis Philippe Joseph,
Herzog von, bekannt in der Französischen Revolu-
tion als Bürger Egal itö, Urenkel des Regenten
Philipp II. von O. und Vater des Königs Ludwig
Philipp, geb. 13. April 1747, erhielt zuerst den Titel
eines Herzogs von Montpensier und 1752 den eines
Herzogs von Chartres. Wegen seines Verhaltens in
der Seeschlacht bei Ouessant (Juli 1778) der Feig-
heit beschuldigt, schloß er sich, aus der Armee ent-
lassen, der populären Opposition an, wurde Groß-
meister sämtlicher Freimaurerlogen in Frankreich
und zeigte sich als eifrigen Anhänger nordamerik.
Freiheitsideen. In der Notabelnversammlung 1787
erklärte er sich gegen die ministeriellen Vorschläge,
und als der König im November den Widerstand
der Parlamente durch ein I^it ä6 M8tic6 brechen
wollte, protestierte er in der Versammlung gegen
das Verfahren. Ludwig XVI. verbannte ihn nach
Villers-Cotterets, amnestierte ihn aber bald.
Beim Zusammentritt der Generalstände betrieb
O. sogleich die Konstituierung zur Nationalversamm-
lung und stimmte mit der äußersten Linken. Indem
er sich in der revolutionären Faktion durch seine
Freigebigkeit Freunde machte, ging seine Absicht
bei der Nationalversammlung dahin, sich den Weg
znm Generallieutenant des Reichs, vielleicht zum
Throne zu bahnen. Die Iuliaufstände von 1789
hat er zweifellos durch seine bezahlten Agenten ge-
schürt. Deutlicher noch tritt O.' Mitwirkung bei
den Ereignissen vom 5. und 6. Okt. hervor. Der Kof
beschuldigte ihn und Mirabeau, der kurze Zeit sein
Verbündeter war, der Anstiftung und verwies ihn
in Form einer diplomat. Sendung nach England.
Er kehrte erst im Juni 1790 zurück, um seine Um-
triebe gleich wieder zu beginnen. Auch nach der
Flucht des Königs zeigte er sich als heftigen Gegner
des Royalismus, und bald schloß sich O. der Partei
Danton an und beteiligte sich auch bei den Auf-
ständen vom 20. Juni und 10. Aug. 1792. Als
Philippe Egalite' trat er für das Depart. Seme-
Marne in den Konvent, nahm seinen Sitz unter der
Bergpartei und stimmte für den Tod Ludwigs. Als
aber Dumouriez, zum Abfall gedrängt, mit O.'Sohn,
dem Herzog von Chartres (dem spätern König Lud-
wig Philipp), zu den Österreichern überging, warv
O. von Danton preisgegeben und in den Kerker
von Marseille gebracht. Das Tribunal des Depart.
der Rhönemündungen sprach ihn zwar von der An-
klage des Hochverrats frei; aber der Wohlfahrts-
ausschuß ließ ihn vor das Revolutionstribunal
stellen; 6. Nov. 1793 wurde das Todesurteil ge-
sprochen und sofort ausgeführt. - Vgl. Montjoie,