Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

657
Orterer - Orthia
gleichnamiger Sohn 1124-34 Herzog von Kärnten !
gewesen. Von dessen jüngerm Sohne Nadbod 1. ^
stammen die Grafen Zu O., die sich schon in dessen !
Söhnen ^. durch Heinrich (gest. 1241) in die Kärnt-
ner, 1420 erloschene und von den Grasen von Cilly
beerbte Hauptlinie und V. durch Radbod II. (gest.
1231) in die noch derzeit blühende und zum hohen
Adel zählende bayr. Linie verzweigten. - Graf Jo-
seph Karl zu O. (gest. 1831) vertauschte das dieser
zustehende (Neu-)Ortenburg in der Grafschaft Sulz-
bach 1805 gegen das noch jetzt dem Hause gehörende
Tambach in Oberfranken. Sein Enkel war Friedrich
Graf zu Q, geb. 13. Dez. 1841, gest. 25. Febr. 1894,
seit 1876 erbliches Mitglied der bayr. Reichsrats-
kammer, wo er zu den Führern der liberalen Partei
gehörte. Sein Sohn, Franz Karl Graf zu O., geb.
16. Aug. 1875, ist das Haupt der Familie.
Auch die spätern Besitzer von (Alt-)Ortenburg
(s. Linie ^), nämlich die Grafen von Eilly (1420-
56), die Salamanca (1524-1640), die Widmann
(1640-62) und die Portia (seit 1662) haben sich
nach dem Besitz gelegentlich "Grafen von O." ge-
nannt, gehören aber nicht hierher.
Orterer, Georg, klerikaler Parlamentarier, geb.
30. Okt. 1849 zu Wörth bei Erding (Oberbayern),
studierte 1868-73 in München und Leipzig Philo-
sophie und Philologie, wurde 1875 Studienlehrer
in Schweinfurt, 1876 nach München versetzt, 1886
Gymnasialprofessor in Freising, 1892 Rektor des
Gymnasiums zu Eichstütt. 1883 wurde er von
München in die bayr. Abgeordnetenkammer ge-
wählt, der er noch jetzt (für Freising) angehört;
1884-92 saß er auch im Reichstag. O. ist Mitglied
der Centrumspartei, einer der Führer derselben im
bayr. Landtage und seit 1892 deren zweiter Frak-
tionsvorsitzender, wie er es auch 1891-92 im Reichs-
tag war. Er hat in den kirchenpolit. Kämpfen als
gewandter Redner eine hervorragende Rolle ge-
spielt; in der bayr. Landtagssession 1889-90 trat
er besonders hervor bei den Streichungen, die der
Finanzausschuß an den Positionen für Wissenschaft
und Kunst vornahm, um die Regierung zur Nach-
giebigkeit in der Placet- und Altkatholikenfrage zu
Srterfäge, s. Sägen. ^veranlassen.
Orth, Schloß bei Gmunden, ehemals im Besitz
des Erzherzogs Johann Nepomuk Salvator (s. d.).
Orth, Albert, Agronom und Lehrer der Land-
wirtschaft, geb. 15. Juni 1835 zu Lengefeld bei Cor-
bach (Waldeck), studierte in Göttingen und Berlin
erst Philosophie und Philologie, später Natur-
wissenschaften, besonders Chemie und Geognosie,
widmete sich dann drei Jahre der landwirtschaft-
lichen Praxis und' der Technik und war 1860-65
Landwirtschaftslehrer an der Landwirtschaftlichen
Lehranstalt zu Veberbeck. 1870 habilitierte er sich
in Halle und erhielt 1871 die landwirtschaftliche
Professur an der Universität und am landwirtschaft-
lichen Lehrinstitut zu Berlin. Längere Zeit war er
auch Hilfsarbeiter in der preußischen geolog. Landes-
anstalt, wo er durch die von ihm bearbeiteten geolog.-
agronomischen Karten, die die Profile des obern
Bodens auf der geolog. Unterlage darstellen, bahn-
brechend wirkte. Seit 1875 ist O. Mitglied des
Deutschen Landwirtschaftsrats, seit 1886 Vor-
sitzender des Ausschusses der Ackerbauabteilung der
Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft. O. schrieb:
"Beiträge zur Vodenuntersuchung" (Berl. 1868),
"Geognost. Durchforschung des schles. Schwemm-
landes zwischen dem Iobtener und Trebnitzer
Vrockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Aufl.. XII.
Gebirge" (gekrönte Preisschrift, ebd. 1872), "Die
geognost.-agronomische Kartierung, mit besonderer
Berücksichtigung der geolog. Verhältnisse Nord-
deutschlands und der Mark Brandenburg, erläutert
an der Aufnahme von Rittergut Friedrichsfelde
bei Berlin. Nebst Atlas mit 4 Karten" (ebd. 1875),
"Bodenkunde" (Wandtafeln für den naturwissen-
schaftlichen Unterricht, Serie 5, ebd. 1876), "Rü-
dersdorf und Umgegend" (mit geognost.-agrono-
mischer Karte, ebd. 1877), "Wurzelherbarium der
Landwirtschaftlichen Hochschule" (ebd. 1894).
Orth, Aug., Architekt, geb. 25. Juli 1828 zu
Windhausen im Braunschweigischen, besuchte das
Carolinum in Vraunschweig, um sich im Baufach
auszubilden. 1850 ging er an die Bauakademie in
Berlin und arbeitete im Atelier von Strack. 1856
errang er den Schinkelpreis. Zunächst mit Bauten
für Verkehrszwecke, an norddeutschen Eisenbahnen
lEmpfangsgebäude des Görlitzer Bahnhofs), mit
dem ersten großen Berliner Viehhof u. s. w. beschäf-
tigt, fand er dann im Kirchenbau eine ansprechende
Thätigkeit, wobei er den roman. Stil, den modernen
Verhältnissen und Bedürfnissen entfprechend, weiter
zu bilden versuchte. Hierher gehören die Iionskirche
<1866-73), Dankeskirche (1884), Himmelfahrttirche,
Gethfemanekirche (1893), Emmauskirche, fämtlich in
Berlin; eine Kirche in Pyrmonr und die Garnison-
kirche in Neisse. Die Kirche zu Hundsfeld bei Breslau
und die Friedenskirche zu Berlin sind von O. in got.
Stil erbaut, jedoch ebenfalls mit Berücksichtigung
prot. Raumbedürfnifses. Von ihm wurde auch das
Schloß Ibirow in Böhmen gebaut. Die Stadtbahn
zu Berlin ist nicht bloß von O. zuerst entworfen,
sondern er hatte auch sonst vielfach Einfluß auf die
organifche Gestaltung des Stadtplans. Im Verein
mit E. Knoblauch erbaute er eine Anzahl hervor-
ragender Privatgebäude, für Straßburg entwarf er
einen Plan der Stadterweiterung. 1873 wurde O.
zum Baurat und 1893 zum Geh. Baurat ernannt;
auch ist er Mitglied der Akademie zu Berlin und
Ehrenmitglied der zu Wien.
Orth, Johann, s. Johann Nepomuk Salvator,
Erzherzog von Österreich.
Orthagöras, aus Sikyon, stürzte um 665 v. Chr.
in seiner Vaterstadt die Herrschaft des dor. Adels
und machte sich zum Alleinherrscher (Tyrannen).
Seine Dynastie behauptete sich gegen 100 Jahre.
0rtk2.3<>ri8ou8, s. Mondfisch.
Orthez (spr. -tch). 1) Arrondissement im franz.
Depart. Nieder-Pyrenäen, zählt auf 1178,74 ^m
(1891) 68237 E. in 7 Kantonen und 135 Ge-
meinden. - 2) Hauptstadt des Arronoissements
O., rechts am Gave de Pau und an der Linie Tou-
louse-Bayonne der Südbahn, hat zwei Brücken über
den Gave (nach der Vorstadt Depart), deren älteste
noch einen Verteidigungsturm trägt, den fünfeckigen
Turm Moncade (Rest des von Gaston de Foix 1240
erbauten Schlosses), und (1891) 4273, als Gemeinde
6210 E. (ein Viertel Protestanten), welche Gerberei,
Fabrikation von Mehl, Papier, Ol, chem. Produkten
und Handel mit (hier geräucherten) sog. Bayonner
Schinken sowie mit Gänsefedern, Häuten, Wolleu, a.
betreiben. Seit 1561 bestand hier eine calvinistische
Hochschule, an der auch Theodor Veza lehrte, bis die
Aufhebung des Edikts von Nantes der Stadt Unheil
brachte. Am 27. Febr. 1814 besiegte hier Wellington
die Franzosen unter Soult.
Orthia oder Orthosia (grch.), Beiname der
Artemis (s. d.).
42