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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Osimo - Oskar II.
Prediger an der Lorenztirche in Nürnberg, nahm
am Gespräch zu Marburg (1529) sowie am Reichs-
tag zu Augsburg (1530) teil. Das Augsburger In-
terim (1548) veranlaßte ihn, 1549 als Prediger und
Professor der Theologie nach Königsberg zu gehen,
wo er 1551 Vicepräsident des samländ. Bistums
wurde und 17. Okt. 1552 starb. O. ist bekannt we-
gen seines Streites über die Rechtfertigungslehre.
Luther faßte die Rechtfertigung als einen juridischen
Akt, durch den Gott jedem einzelnen Gläubigen das
Verdienst des Opfertodes Christi zurechnet, also ibn
für gerecht erklärt, nicht aber ihn gerecht macht. O.
dagegen bezeichnet die Rechtfertigung als substan-
tielle Mitteilung der Gerechtigkeit Christi an dcn
Gläubigen, als Gerechtmachung desselben durch die
physische Einpflanzung der Gerechtigkeit Christi,
Ansichten, die er sowohl in der Disputation vom
24. Okt. 1550 als besonders in der Schrift "v6
unico lueäilttoi'o ^68n Okristo 6t ^u8tiücati0N6
ftäei coicksäio" (1551; auch deutsch) vertrat. Nach-
dem der Streit lange mit Eifer geführt worden war,
wurde 1566 das Haupt der Osiandristen, O.s
Schwiegersohn, der Hofprediger Johann Funk,
enthauptet und damit die Partei gestürzt. Ihr ent-
schiedenster Gegner war Martin Chemnitz (s. d.).
- Vgl. W. Möller, Andreas O.s Leben und aus-
gewählte Schriften (Elberf. 1870).
Osimo, Stadt in der ital. Provinz und im Kreis
Ancona, links vom Küstenfluß Mufone, auf einem
Hüqel s260 m), an der Linie Vologna-Brindisi des
Adriatischen Netzes, ist Bischofssitz, hat (1881) 4743,
als Gemeinde 17 346 E., Stadtmauern aus dem
2. Jahrb. v. Chr., einen Dom, stattliche Privat-
paläste, Theater; Florettseidenfabrikation und Han-
del. - O. wurde als ^.uxiinuin 157 v. Chr. röm.
Kolonie, wurde 539 von Belisar erobert, blieb bis
Zum 8. Jahrh, byzantinisch und gehörte seit dem
12. Jahrh, zur Mark Ancona.
Oslris, in der ägypt. Mythologie der älteste Sohn
des Erdgottes Keb (Kronos) und der Himmelsgöttin
Nut (Rhea), der Gemahl seiner Schwester Isis (s. d.),
der Bruder des Seth (Typhon, s. d.) und der Neph-
thys, zeugte mit der Isis den (jüngern) Horus (s. d.).
Or war der Lokalgott von Abydos in Oberägypten
und Busiris im Delta und ursprünglich wohl, wie
viele ägypt. Götter, eine Form des jederzeit in
Ägypten am höchsten verehrten Sonnengottes. Der
Mythus von O. ist der bedeutendste, der sich in
Ägypten seit alter Zeit ausgebildet hat, und ist
vielfach auch zu den Griechen gebracht und hier
umgebildet worden. Plutarch erzählt den Mythus
also: Als O. zur Regierung kam, führte er in Ägyp-
ten den Feldbau, Gesetze und Götterverehrung ein.
Sein Bruder Typhon war Statthalter. Dieser ver-
schwor sich mit 72 Männern gegen O., und als O.
zurückkehrte, brachte Typhon eine kunstreiche Lade,
die er dem zum Geschenk versprach, der sie genau
ausfüllen würde. Dies geschah, als sich O. hinein-
legte. Die Verschworenen verschlossen dann die Lade
und warfen sie in den Fluß, der sie ins Meer trug.
Isis irrte nun umher, um die Lade zu suchen. Sie
erfuhr endlich, daß diese in Byblos ans Land ge-
trieben sei. Hier erhält sie den Sarg Zurück und
bringt ihn wieder nach Ägypten. Doch findet Ty-
Hhon den Sarg, zerstückelt den Körper des O. in
14 Teile und streut sie umher. Isis sucht sie wieder
zusammen und begräbt jeden Teil da, wo sie ihn
findet: daher die vielen Osirisgräber in Ägypten.
Mm kehrt O. aus der Unterwelt (deren Fürst er
seit dem Verrat des Typhon geworden) zurück und
rüstet seinen Sohn Horus zum Streite gegen Typhon
aus, worauf Horus den Typhon besiegt. Nach der
ägypt. Überlieferung wird O., der Gott der Abend-
sonne, von Seth, dem Herrn der Finsternis, erschlagen.
Aber in seinem Sohne Horus,
der Sonne des nächsten Tages,
ersteht ihm ein Rächer: er be-
siegt den Seth und setzt sich auf
den Thron seines Vaters. Dann
erweckt Horus den O. zu neuem
Leben, der nun im Westreiche
über die Toten herrscht. Wie O.
muß nun jeder Mensch den Tod
erleiden, aber wie der Gott kann
auch der Mensch ein ewiges Leben
im Jenseits erhalten, wenn die
Hinterbliebenen für ihn dieselben
Gebräuche verrichten, die einst
Horus für seinen Vater verrich-
tet hat; man glaubt sogar, daß
der Mensch selbst O. wird. So
ist O. aus einem Sonnengotte
zum Totengotte und zur popu-
lärsten Gottheit der Ägypter ge-
worden. Gewöhnlich wird O. als
menschliche Mumie dargestellt,
mit Krummstab und Geißel, auf
dem Haupte eine Mütze, mit
Straußfedern zu beiden Seiten (s. beistehende Figur).
Die Griechen verglichen ihn mit ihrem Dionysos.
Oskar I., Joseph Franz, König von Schweden
und Norwegen (1844-59), geb. 4. Juli 1799 in
Paris als der Sohn des Generals Bernadotte, nach-
maligen Königs Karls XIV. (s. d.) Johann, kam 1810
nach Schweden, erhielt den Titel eines Herzogs von
Södermanland und wurde bei der Thronbesteigung
seines Vaters (1818) Kronprinz. Am 19. Juni 1823
vermählte er sich mitIosephine Maximiliane Auguste
Eugenie (geb. 14. März 1807, gest. 7. Juni 1876),
einer Tochter des Herzogs Eugen von Leuchtenberg.
O., der auch als Komponist auftrat, schrieb eine Ab-
handlung über Volkserziehung, die 1839 in der
schwed. Staatszeitung abgedruckt wurde, und "über
Strafe und Strafanstalten" (Stockh. 1840; deutsch
Lpz. 1841). Als der Tod seines Vaters 8. März
1844 ihn auf den Thron berief, ergriff er (feit 1846)
die Initiative zu einer Verfassungsreform und be-
seitigte manche Fessel, die auf dem Zunft- und Ge-
werbewesen lastete; aber die Ergebnisse der durch
ihn veranlaßten Beratungen über die Revision der
Verfassung entsprachen den Erwartungen nicht. O.
starb8.Juli 1859. Aus seiner Ehe gingenhervor: der
Thronfolger König Karl XV. (s. d.); Prinz Gustav,
Herzog von Upland, geb. 18. Juni 1827, gest.
24. Sept. 1852; Prinz Oskar, Herzog von Ostgott-
land (seit 1872 König Oskar II., s. d.); Prinz August,
Herzog von Dalekarlien, geb. 24. Aug. 1831, gest.
4. März 1873; Prinzessin Eugenie, geb. 24. April
1830, gest. 23. April 1889.
Oskar H., Friedrich, König von Schweden und
Norwegen, geb. 21. Jan. 1829 in Stockholm als
dritter'Sohn des Königs Oskar I., folgte seinem
Bruder Karl XV. 18. Sept. 1872 auf dem Throne.
Von Jugend an widmete er sich der Marine mit
vielem Interesse und nahm an mehrern Seeexpe-
ditionen teil; seine Studien machte er in Npsala.
Vor seiner Thronbesteigung beschäftigte O. sich viel
mit geschichtlichen Forschungen und litterar. Studien;