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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Österö - Osterode
dort erhalten. In der röm.-kath. Kirche ist die Oster-
vigilie wegen der vielen dadurch veranlaßten Aus-
schreitungen auf den (vorhergehenden) Tag verlegt
worden. Lange Zeit wurde die ganze Woche nach
O. festlich begangen; seit dem 11. Jahrh, beschränkte
man die eigentliche Feier auf drei, später auf zwei
Tage, während die Nachfeier der Oktave (s. d.) in
der kath. Kirche noch jetzt besteht, über den Oster-
streit s. Passahstreit.
Die Bestimmung der Zeit des Osterfestes ist sehr
wichtig, da sich alle andern beweglichen Festtage
danach richten. Es gelten dabei folgende Regeln:
das Osterfest wird immer an dem Sonntage gefeiert,
der zunächst auf den Frühling svollmond folgt, also
wenn dieser Vollmond selbst auf einen Sonntag
fällt, an dem nächstfolgenden Sonntag. Frühlings-
vollmond heißt der erste Vollmond nach der Früh-
lingsnachtgleiche, der frühestens 21. März, späte-
stens 18. April eintritt. Diese alexandrinische Berech-
nungsweise ging durch Dionysius Exiguus (525)
auch in die röm. Kirche über und wurde dann all-
mählich allgemein. Man soll damit bezweckt haben,
daß das christl. Osterfest nie mit dem jüdifchen
auf denfelben Tag des Jahres fallen könne. Allein
dasselbe fiel 1805 (14. April) und 1825 (3. April)
mit dem jüd. Osterfest auf denselben Tag und wird
auch 1903 (12. April), 1923 (1. April), 1927
(17. April) und 1981 (19. April) mit jenem zusam-
menfallen. Das jüd. Osterfest fällt gewöhnlich in
die Karwoche und nie vor dem 26. März und nach
dem 25. April Gregorianischen Stils. Das christl.
Osterfest kann nie vor dem 22. März und nie nach
dem 25. April Gregorianischen Stils fallen. Auf
den 22. März fiel O. 1761 und 1818, aber weder
im 19. noch im 20. Jahrh, wird sich dies wieder-
holen-, auf den 23. März, wie 1845 und 1856, wird
O. erst wieder 1913 fallen. Auf den spätesten Tag,
25. April, fiel 0.1886, was sich erst 1943 wiederholen
wird. Von 1897-1900 fällt O. wie folgt:
1897
1898
18. April
10. "
1899
1900
2. April
15. "
Um die Lage des Osterfestes für ein gegebenes
Gregorianisches Jahr zu berechnen, bedient man sich
folgender Methode. Zunächst ermittelt man die
Goldene Zahl (s. d.) des betreffenden Jahres, wor-
aus sich die Epakte (s. d.) durch eine einfache Rech-
nung ableiten läßt. Man findet nunmehr das Da-
tum des letzten vor dem 1. Jan. liegenden Neu-
mondes , indem man von jenem Termin ebensoviel
Tage, als die Epakte angiebt, zurückzählt. Sodann
zähle man, um das Datum des dem Frühlings-
vollmond (der sog. Ostergrenze) vorhergehenden
Neumondes zu erhalten, von dem gefundenen Tage
abwechselnd 30 und 29 Stellen vorwärts, bis man
zum 8. März oder einem fpätern Tag kommt. Der
dreizehnte auf den Neumond folgende Tag ist als-
dann der Frühlingsvollmond und der nächste Sonn-
tag der des Osterfestes. Für 1897 ist O. demnach
folgendermaßen zu berechnen: die Goldene Zahl
dieses Jahres ist 17, also die Epakte XXVI. Auf
den 6. Dez. 1896 fällt mithin ein Neumond, ebenso
1897 auf den 5. Jan., 3. Febr. und 5. März. Als
nächster Neumond ergiebt sich demnach der 3. April,
welches Datum aus dem Immerwährenden Kalender
(s. d.) auch direkt entnommen werden kann. Der
Frühlingsvollmond fällt hiernach auf den 16. April.
Die Nummer des Sonnenzirkels ist 2, der Sonntags-
buchstabe ist mithin im Iulianischen Kalender N, im
Gregorianischen also 0. Demnach war der 3. Jan.
ein Sonntag. Rechnet man von hier aus weiter, so
ist der gesuchte Ostersonntag der 18. April.
In analoger Weise wird das Iulianische Oster-
datum gefunden mittels des Sonntagsbuchstabens
und der das Mondalter des 22. März angebenden
Dionysischen Epakte. Statt die letztere zu suchen,
kann man auch den der Goldenen Zahl des frag-
lichen Jahres entsprechenden Osterneumond im Im-
merwährenden Kalender (s. d.) nachschlagen.
Zu bemerken ist noch, daß die Protestanten, nach-
dem sie 1700 den Gregorianischen Kalender ange-
nommen hatten, das Osterfest nicht, wie die Katho-
liken, mittels der Epakte, sondern nach dem astron.
Datum des Frühlingsvollmondes berechneten, was
1724 und 1744 zu Differenzen führte. 1775 wurde
indessen auf Veranlassung Friedrichs d. Gr. das
für die Katholiken maßgebende Princip auch von
den Protestanten angenommen.
Vgl. Piper, Geschichte des Osterfestes seit der
Kalenderreformation (Berl. 1845); Brinckmeier,
Praktisches Handbuch der histor. Chronologie
(2. Aufl., ebd. 1882); Lersch, Einleitung in die
Chronologie (Aachen 1889); Freybe, O. in deutscher
Sage, Sitte und Dichtung (Gütersloh 1893).
Osterö, eine der Färöer (s. d.).
Osterode am Harz. 1) Kreis im preuß. Reg.-
Bez. Hildesheim, hat 386,?6 qkiu und 1890: 39214,
1895: 39945 (19445 männl., 20500 weibl.) E.,
3 Städte und 35 Landgemeinden. - 2) Kreisstadt
im Kreis O., im Fürstentum Gru-
benhagen, liegt im Thale der
Söse, am AbHange des südl. Har-
zes und an der Linie Seesen-Herz-
bcrA der Preuß. Staatsbahnen,
ist Sitz des Landratsamtes und
eines Amtsgerichts (Landgericht
ßM,/ M Gottingen) und hatte 1890:
6757 E., darunter 290 Katholiken
und 84 Israeliten, 1895: 6923
E., Postamt erster Klasse, Telegraph, St. Ägidien-
kirche mit Grabmälern von sieben Mitgliedern der
fürstl. Familie von Grubenhagen, Schloß, Real-
gymnasium, Gewerbeschule, Kornmagazin für die
Bergleute im Oberharz, neue Badeanstalt, Schlacht-
haus, Gasanstalt, Wasserleitung; Woll-, Leinen-
und Baumwollfabriken, Garnspinnereien, mehrere
Sägewerke, Gerbereien, Kupferhammer mit Kupfer-
walzwerk, Verfertigung hölzerner Eimer, Gips-
brüche, in denen Annaline (s.d.) gewonnen wird. Im
nahen Scherenberge eine bedeutende Bleiweißfabrik.
O. ist jetzt ein besuchter Luftkurort.
Ofterode in Ostpreußen. 1) Kreis im preuh.
Reg.-Vez. Königsberg, hat 1553,41 ykm und 1890:
69487, 1895: 72977 (36226 männl., 36751 weibl.)
E., 4 Städte, 153 Landgemeinden und 98 Gutsbezirke.
- 2) Kreisstadt im Kreis O., am Einfluß der Dre-
wenz in den Drewenzsee, am Oberländischen Kanal
und an der Linie Schneidemühl-Thorn-Insterburg
und der Nebenlinie Elbing-Hohenstein der Preuß.
Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes, eines Amts-
gerichts (Landgericht Allenstein), eines Hauptsteuer-,
eines Katasteramtes, eines Bezirkskommandos sowie
einer Reichsbanknebenstelle, hatte 1890: 9410 E.,
darunter 1502 Katholiken und 201 Israeliten,
1895: 11278 (6562 männl., 4716 weibl.) E., in
Garnison das Infanterieregiment von Grolmann
Nr. 18, Postamt erster Klasse, Telegraph, ein
Schloß (1290), Gymnasium, höhere Mädchenschule,