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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ostpreußisch - Ostritz

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Ostpreußen'

menanstalten und 1 Blindenanstalt, ferner 2 Hebammenlehranstalten, 1 Kunsthandwerks- und Bauhandwerksschule.

Verfassung und Verwaltung. Die Provinz zerfällt in zwei Regierungsbezirke:

Regie-
rungs-qkmStädteLandGuts-Wohn-Haus-Ein-Einw.
bezirkegemeindenbezirkestättenhaltungenwohnerauf 1 qkm
Königs-
berg21 108,464823541576110 401247 6411 204 05557
Gumbin-
nen15 879,5819281989289 360164 486801 02350

Die höchste Gerichtsbehörde ist das Oberlandesgericht zu Königsberg (s. d.). Die Kirchengewalt wird auf Grund des 6. März 1882 ergänzten Gesetzes vom 3.Iuni 1876 und der Verordnungen vom 9.Sept.1876 und 5. Sept.1877 von dem Evangelischen Oberkirchenrat zu Berlin als Centralbehörde und unter diesem von dem Konsistorium der Provinz zu Königsberg ausgeübt. Die Katholiken stehen unter dem Bischof von Ermland (s. d.). In das preuß. Abgeordnetenhaus sendet die Provinz 32 Abgeordnete; im Herrenhause ist sie durch 24 Mitglieder vertreten, darunter 6 mit erblicher Berechtigung und 14 auf Präsentation berufene. Die Bergbehörden stehen unter dem Oberbergamt zu Breslau. Handelskammern bestehen zu Braunsberg, Insterburg, Königsberg, Memel und Tilsit. Militärisch bildet die Provinz den Ersatz des 1. und zum Teil des 17., den Garnisonbezirk des 1. Armeekorps (Generalkommando, Kommando der 1. und 2. Division in Königsberg).


Textfigur:

Das Wappen der Provinz ist ein schwarzer Adler in silbernem Felde mit goldenen Kleestengeln und FR auf der Brust. Die Provinzialfarben sind Schwarz-Weiß.

Geschichte s. Preußen, Königreich (Geschichte).

Ostpreußisch, s. Deutsche Mundarten.

Ostpreußische Südbahn, s. Deutsche Eisenbahnen, Übersicht C, III.

Ostprignitz, Kreis im preuß. Reg.-Bez. Potsdam, hat 1 881,89 qkm und 1890: 66 834, 1895: 68 130 (34 032 männl., 34 098 weibl.) E., 4 Städte, 139 Landgemeinden und 75 Gutsbezirke. Sitz des Landratsamtes ist Kyritz. (S. Prignitz.)

Ostpunkt, s. Himmelsgegenden.

Ostpyrenäen, franz. Departement, s. Pyrénées-Orientales.

Ostra, Stadt in Mähren, s. Ungarisch-Ostra.

Ostracĭon, s. Kofferfisch.

Ostracismus (grch. ostrakismós, von óstrakon, die Scherbe), Scherbengericht, bei den alten Griechen eine in Athen gegen Ende des 6. Jahrh, v. Chr. durch Kleisthenes begründete (und auch in einigen andern griech. Staaten, wie in Argos und Syrakus zeitweise übliche) Art polit. Maßregelung, die zum Zweck hatte, Bürger, von deren Stellung man eine Störung der ruhigen Entwicklung des Staatslebens befürchtete, auf einige Zeit aus ↔ dem Staate zu entfernen. Ursprünglich war der O. nur gegen die Anhänger der vertriebenen Pisistratiden gerichtet, fand aber bald allgemeine Anwendung und wurde schließlich zu einem Kampfmittel der einzelnen Parteien. In jedem Jahr wurde der Volksversammlung die Frage vorgelegt, ob ein O. stattfinden sollte; im Bejahungsfalle folgte einige Zeit danach die Abstimmung, für die sich das Volk eigens auf dem Markt versammelte. Der Name des für den O. Bestimmten wurde auf eine Scherbe geschrieben oder gekratzt (zwei davon sind erhalten); mindestens 6000 Bürger mußten abstimmen, Majorität entschied. Der Ostracisierte mußte auf 10, später auf 5 Jahre Attika meiden, blieb aber im Vollbesitze seines Vermögens und seiner bürgerlichen Ehrenrechte. Rückberufung vor Ablauf der Verbannungsfrist durch einen besondern Volksbeschluß war stets möglich. Zu den Ostracisierten gehörten u. a. Aristides, Themistokles, Kimon, der letzte war 420 der Demagog Hyperbolus.

Ostracōda (Ostrakōden), s. Muschelkrebse.

Ostrau. 1) Mährisch-Ostrau, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Mistek in Mähren, an der rechts zur Oder gehenden Ostrawitza, der Linie Wien - Krakau der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn, der O.-Friedländer Eisenbahn (33 km) und der Lokalbahn Přívoz-O.-Witkowitz, Sitz eines Bezirksgerichts (99,6 qkm, 48 544 meist czech. E.), Revierberg- und Steueramtes, hat (1890) 19 243 meist czech. E., 2 kath. Kirchen, evang. Kirche, Synagoge, Landesrealschule, Bergschule, Wasserleitung, Schlachthof; bedeutende Steinkohlenbergwerke, Hochöfen, Puddelhütte, große Malzfabrik, Eisenblech- und Zinkwalzwerk, Dampfkesselschmiede, Dampfbrotbäckerei, Dampfziegeleien, Fabrikation von Paraffin, Petroleum, Seife, Rum und Rosoglio. In der Nähe die großen Rothschildschen Eisenwerke Witkowitz.

- 2) Polnisch-Ostrau, Stadt im Gerichtsbezirk Oderberg der österr. Bezirkshauptmannschaft Freistadt in Österreichisch-Schlesien, gegenüber von Mährisch-Ostrau, hat (1890) 6899, als Gemeinde 13 176 meist czech. E., ein altes gräfl. Wilczeksches Schloß und Steinkohlenbergwerke. Das Ostrauer Kohlenrevier ist eine der wichtigsten Steinkohlenablagerungen Österreichs und bildet den südwestl. Teil des großen oberschles. Kohlenbeckens mit 370 Flözen, wovon 117 abgebaut werden. Das mächtigste Flöz ist das Johannflöz (4 m mächtig). 1891 wurden in diesem Becken mit 20 197 Arbeitern 3,53 Mill. t Steinkohlen im Wert von 13,45 Mill. Fl. gewonnen.

Ostrau, Pädagogium bei Filehne (s. d.).

Ostrawitza, rechter Nebenfluß der Oder in Österreichisch-Schlesien, entspringt südlich von der Lissahora in einer Höhe von 789 in in den Beskiden, fließt nach N., nimmt bei Mistek die Morawka (rechts) auf und mündet bei Mährisch-Ostrau in die Oder.

Ostrĕa, s. Auster.

Östreich, s. Österreich.

Ostreĭdae, s. Auster.

Oestrĭdae, s. Biesfliegen.

Ostritz, Stadt in der Amtshauptmannschast Zittau der sächs. Kreishauptmannschaft Bautzen, links an der Lausitzer Neisse und an der Linie Görlitz-Zittau der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Bautzen), hatte 1890: 2009, 1895: 2133 E., darunter 928 Evangelische, Post, Telegraph, Waisenhaus; Fabrikation von Jutegarnen und -Geweben, Schirm- und Kleiderstoffen, Militärtuch, Lackleder und Orleans, Jutespinnerei