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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Othomi - Otorrhöe

anfangs einer der Genossen und Zechkumpane Neros. Später wurde er, weil der Kaiser in dem ungestörten Besitz von O.s Gemahlin, Poppäa Sabina (s. d.), sein wollte, 59 als Statthalter nach Lusitanien geschickt. Als Galba sich gegen Nero 68 empörte, schloß sich O. sogleich an jenen an, begleitete ihn nach Rom und wurde nach dessen Thronbesteigung Konsul. Da aber Galba schließlich nicht ihn, sondern den Piso zum Nachfolger ernannte, so veranlaßte O. einen Aufstand der Prätorianer. Galba und Piso wurden 15. Jan. 69 ermordet und O. zum Kaiser ausgerufen. Inzwischen hatten die Legionen in Germanien ihren Anführer Aulus Viteliius (s. d.) zum Kaiser erhoben. Gegen dessen Feldherrn unterlag O. bei Bedriacum (Cremona) in Norditalien und gab sich 16. April selbst den Tod.

Othomi (Otomi), ein Volk eigener Sprache, das in den Bergen im W. und N. des Hochthals von Mexiko und in den Ebenen und Hochflächen im NO. desselben und bis an die Grenzen der Huaxteca und des von den Totonaken bewohnten Gebietes ansässig war, übrigens vielfach durchsetzt von mexik. Kolonien, die auf dem geraden Wege nach der Huaxteca hin einen vollständigen Keil in das Gebiet der O. getrieben haben. Der Name otho-mi soll "die Unsteten", "nicht Seßhaften" bedeuten. Den Mexikanern (s. d.) gegenüber, die sich als Eingewanderte betrachteten, galten sie als die Aboriginer, aber gleichzeitig noch als rohe, barbarische, ungebildete Rasse, und diesen Ruf haben sie sich bis in die neueste Zeit erhalten. Die Männer trugen Lippen- und Ohrpflöcke. Die Frauen tättowierten sich Brüste und Arme mit blauer Farbe. Sie brachten ihre Opfer auf den Bergspitzen dar. Als ihre Götter werden der Stammgott Otontecuhtli genannt, ferner Yocippa und Atetein. Die heutigen O. stellen einen großen Teil der dienenden Klasse in der Hauptstadt Mexiko dar.

Othrys, jetzt Mavrika, waldreicher, von W. nach O. streichender Gebirgszug im nördl. Griechenland, bildet den südl. Abschluß des Thessalischen Tieflandes gegen das Thal des Spercheios und den Malischen Golf und erhebt sich bis 1728 m. Er besteht aus Thonschiefer und Kalkstein der Kreideformation, am Ostende aus krystallinischen Gesteinen.

Otiater (grch.), Ohrenarzt; Otiătrie oder Otiatrik, Ohrenheilkunde.

Oetinger, Friedr. Christoph, schwäb. Theosoph, geb. 6. Mai 1702 zu Göppingen, studierte in Tübingen, wurde 1738 Pfarrer in Hirsau bei Calw, 1752 Dekan in Weinsberg, 1759 in Herrenberg, 1765 Prälat in Murrhard, wo er 10. Febr. 1782 starb. In etwa 70 Schriften trug O. seine eigentümlichen, durch Jakob Böhme und Albrecht Bengel angeregten Anschauungen vor. Seine "Selbstbiographie" gab J. Hamberger heraus (Stuttg. 1845), seine "Sämtlichen Schriften" Ehmann (1. Abteil.: "Homiletische Schriften", 5 Bde., Stuttg. 1858-66; 2. Abteil.: "Theosophische Werke", 6 Bde., ebd. 1858-63). - Vgl. Auberlen, Die Theosophie Friedr. Chr. O.s nach ihren Grundzügen (Tüb. 1847; 2. Ausg., Bas. 1859); Ehmann, O.s Leben und Briefe (Stuttg. 1859).

Otis, Vogelgattung, s. Trappe.

Otitis (grch.), Ohrentzündung, s. Ohrenkrankheiten.

Otium cum dignitate (lat.), "Muße mit Würde", d. h. ehrenvolle Muße, ehrenvolle Zurückgezogenheit, ein von Cicero mehrfach angewandtes Wort (z. B. "Pro Sestio", Kap. 45).

Otjimbingue, Ort in Deutsch-Südwestafrika (s. d.).

Ötker, Friedr., Publizist und Parlamentarier, geb. 9. April 1809 zu Rehren in der Grafschaft Schaumburg, studierte zu Marburg die Rechte, trat dann in den kurhess. Staatsdienst, wurde 1848 Obergerichtsanwalt in Cassel und gründete daselbst die liberale "Neue Hess. Zeitung". Als Herausgeber derselben wurde er 1850 verhaftet und vier Wochen gefangen gehalten, mußte dann das Land verlassen, lebte längere Zeit in Helgoland und seit 1854 in Belgien. 1859 kehrte Ö. nach Cassel zurück, gründete hier die "Hess. Morgenzeitung", war Mitstifter des Deutschen Nationalvereins und im Hess. Landtag der Führer der Hess. Verfassungspartei. Seit 1867 war O. Mitglied des preuß. Abgeordnetenhauses und des Norddeutschen (später Deutschen) Reichstags, wo er sich der nationalliberalen Partei anschloß. Er starb 17. Febr. 1881 in Berlin. Von seinen Schriften sind zu nennen: "Helgoland. Schilderungen und Erörterungen" (Berl. 1855), "Helgoland. Sonette" (Lpz. 1857), "De vlaemsche Taelstryd" (Gent 1857; französisch u. d. T. "Le mouvement flamand", Tournay 1858), "Belg. Studien" (Stuttg. 1876), "Lebenserinnerungen" (2 Bde., ebd. 1877-78), "Verfassung und Recht auf Helgoland" (ebd. 1878), "Aus dem norddeutschen Bauernleben" (Berl 1880). - Vgl. Pfaff, Zur Erinnerung an Friedrich Ö. (Gotha 1883).

Otkrytoje pismo (russ., d. i. offener Brief), in Rußland die Postkarte.

Otley (spr. ottlě), Marktstadt in der engl. Grafschaft Yorkshire, im West-Riding, an der Wharfe, 40 km im WSW. von York, hat (1891) 7838 E., normann. Kirche; Worstedspinnerei und -Weberei, Maschinenbau, Ziegelei und Lederfabrikation.

Otobafett, s. Myristica.

Otočac (spr. ótotschatz), polit. Gemeinde und Hauptort eines Stuhlbezirks (31 348 E.) im Komitat Lika-Krbava in Kroatien, an der Gačka, hat (1890) 6929 meist kath. kroat. E., in Garnison je ein Bataillon des 53. kroat. Infanterieregiments "Erzherzog Leopold" und des 79. ungar. Otočaner Infanterieregiments "Graf Jellačić", Holzschnitzereischule, Ackerbau, Holzindustrie und Holzhandel und diente einst als wichtige Grenzhut gegen türk. Einfälle aus Bosnien. O. war bis zum 17. Jahrh. Bischofssitz und Sitz der Fürsten Frankopani, beim Bestande der Militärgrenze Stabsort des Otočaner Grenzregiments. Die Umgebung ist durch den 1854 erbauten Karlskanal entsumpft worden.

Otocyon, s. Ohrhund.

Otocyste (grch.), Gehörsäckchen, s. Gehör.

Otolicnus, Affengattung, s. Ohrenmaki.

Otolithen (grch.), Gehörsteinchen, Konkremente, die sich in den Gehörbläschen vieler Fische und wirbellosen Tiere finden. (S. Gehör.)

Otomaken, Otomaco, ein Indianerstamm in Südamerika, im heutigen Venezuela, im Quellgebiet des Apure, wird als wild und häßlich geschildert; sie sind Erdeesser. Nach A. von Humboldt hängen sie sprachlich mit den Omagua (s. d.) zusammen.

Otomi, s. Othomi.

Otomykosis (grch.), das Auftreten von Schimmelpilzen im äußern Gehörgang.

Otontecuhtli, mexik. Gott, s. Othomi.

Otoplastik (grch.), der künstliche Wiederersatz des äußern Ohrs.

Otorrhöe (grch.), Ohreneiterung, eitriger Ohrenfluß (s. Ohrenkrankheiten).