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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Öttingen (Stadt) - Öttinger
im Württembergischen. Aus diesem Zweige des
Hauses sind besonders zu nennen: die Grafen
Ernst II. (1594-1670) und sein Sohn Wolfgang IV.
(1629-1708), beide Reichshosrats-Präsidenten und
einflußreiche Vertrauensmänner ihrer Kaiser, ferner
Fürst Kraft Ernst (1748 - 1802), der bedeutendste
Vertreter seines Hauses. Der gegenwärtige Senior
des öttingischen Gesamthauses, Fürst Karl zu
Öttingen-Wallerstein, geb. 16. Sept. 1840, erblicher
bayr.Reichsrat und erbliches Mitglied derwürttemb.
Ersten Kammer, folgte 5. Nov. 1842 seinem Vater
Friedrich, auf den von seinem ältern Bruder, Ludwig
Kraft Ernst, Fürst zu Öttingen-Wallerstein (s. d.),
1823 die Standesherrschaft durch Hausgesetz über-
gegangen war. - Vgl. Grupp, Ottingische Ge-
schichte der Neformationszeit (Nördl. 1894); ders.,
Öttingische Regesten (Heft 1, ebd. 1896).
Bttingen, Stadt im Bezirksamt Nördlingen des
bavr. Reg.-Bez. Schwaben, an der Wörnitz und der
Linie Pleinfeld-Augsburg der Bayr. Staatsbabnen,
Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Neuburg), Rent-
amtes und einer fürstl. Domanialkanzlei, batte 1890:
3097, 1895: 3110E., darunter 1141 Katholiken und
168 Israeliten, Posterpedition, Telegraph, Fern-
sprecheinrichtungen, Neste der alten Befestigungen,
evang. und kath. Kirche, Synagoge, Schloß, Residenz
der Fürsten von Öttingen-Spielberg (s. Öttingen,
Grafschaft), Progymnasium, Johannispensionat
für evang. Lateinschüler, ein Lchrertöchterheim, Wai-
senhäuser, Krankenhaus, Wasserleitung, Kanalisa-
tion; Fabrikation von landwirtschaftlichen Maschi-
nen, Orgeln, Harmoniums und Klaviaturen.
Oettingen, Alexander von, prot. Theolog und
Moralstatistiker, geb. 12./24. Dez. 1827 in Wissust
bei Dorpat, studierte in Dorpat, Erlangen, Bonn
und Berlin, habilitierte sich 1854 in Dorpat, wo
er 1856 außerord. und noch im gleichen Jahre
ord. Professor der systematischen Theologie wurde.
1861 war O. ein Jahr lang evang. Pastor in
Meran, wo er die erste prot. Kirchengemeinde
Tirols begründete; 1891 trat er in den Ruhestand.
Sein Hauptwerk ist "Die Moralstatistik und die
christl. Sittenlehre" (2 Bde., Erlangen 1868-74),
dessen erster Teil in 3. Aufl. u. d. 5t. "Die Moral-
statistik in ihrer Bedeutung für eine Socialethik" (ebd.
1882) besonders erschien. Außerdem sind zu nennen:
"Antiultramontana" (Erlangen 1876), "Wahre und
falsche Autorität" (Lpz. 1878), "Hippels Lebens-
läufe" (mit litterarhistor. Einleitung bearbeitet,
3 Bde., ebd. 1878; 3. Aufl. 1892), "Goethes Faust.
Text und Erläuterung in Vorlesungen" (2 Bde., Er-
langen 1880), "Obligatorische und fakultative Civil-
ehe" (Lpz. 1881), "über akuten und chronischen Selbst-
mord" (Dorp. 1881), "Christl. Religionslehre auf
reichsgeschichtlicher Grundlage" (2 Bde., Erlangen
1885-86), "Was heißt Christlich-social?" (Lpz.
1886), "Zur Duellfrage" (Dorp. 1889), "Zur Ge-
schichte des Jenseits" (ebd. 1889), "Theorie und
Praxis des Heiratens" (Lpz. 1892), "Die Diakonissen-
frage" (Riga 1894), "Das göttliche,Noch-nicht', ein
Beitrag zur Lehre vom Heiligen Geist" (Lpz. 1895).
Von 1859 bis 1872 gab er die von ihm mit begrün-
dete "Dorpater Zeitschrift für Theologie und Kirche"
(Bd. 1-14) heraus.
Sttingen, Arthur von, Physiker und Musik-
theoretiker, geb. 28. (16.) März 1836 in Dorpat, stu-
dierte hier 1853-58 sowie 1859-62 in Paris und
Berlin Physik, Physiologie und Mathematik, habi-
litierte sich 1863 in Dorpat für Physik, wurde 1865
außerord., 1866 ord. Professor daselbst. 1893 eme-
ritiert, ließ er sich als Privatdocent in Leipzig nieder,
wo er 1894 zum ord. Honorarprofessor ernannt
wurde. Von seinen Arbeiten sind hervorzuheben:
"Die Korrektion der Thermometer, insbesondere über
Bessels Kalibriermethode" (Dorp. 1865), "Meteo-
rolog. Beobachtungen in Dorpat angestellt" (mit
kritischen Abhandlungen, ebd. 1871 -93), "Har-
moniesystem in dualer Entwicklung" (ebd. 1866),
Abhandlungen über elektrische Entladung und Gas-
explosionen, Thermodynamik u. a. in Zeitschriften.
" Öttingen-Wallerstein, Ludwig Kraft Ernst,
Fürst zu, bayr. Staatsmann, geb. 31. Jan. 1791
auf dem Stammschlosse seines Hauses, folgte seinem
Vater Kraft Ernst, Fürst zu Ö. (gest. 6. Okt.
1802), unter Vormundschaft seiner Mutter (Toch-
ter des Herzogs Ludwig von Württemberg) in der
Regierung des damals noch souveränen Fürsten-
tums. Nach der Mediatisierung seines Landes
(1806) war er 1808 bayr. Kronobersthofmeister und
1818 bayr. Reichsrat geworden. Er beteiligte sich
lebhaft an dem württemb. und dem bayr. Verfas-
sungswerk und rügte auf den Landtagen von 1819
und 1822 in der Kammer der Neichsräte mit großer
Freimütigkeit die Mängel der Bureaukratie, wes-
halb er sein Kronamt und seinen Sitz in der Kam-
mer verlor. Nach dem Regierungsantritt König
Ludwigs I. 1825 in sein Kronobersthofmeisteramt
wieder eingesetzt, wurde er Regierungspräsident in
Augsburg und 1831 Minister des Innern. Infolge
eines Zwiespalts mit dem Finanzminister wegen
Verwendung der Ersparnisse im Budget wurde er
entlassen, worauf er 1838 freiwillig auf seine Ämter
verzichtete und nur das Kronobersthofmeisteramt
nebst der Reichsratswürde behielt. Er trat nun zur
Opposition über, kam in einen heftigen, zu einem
Duell führenden Konflikt mit seinem Nachfolger,
dem Minister Abel, und griff auf dem Landtage
1845-46 das klerikale System der Regierung scho-
nungslos an. Dennoch übernahm er eine außer-
ordentliche Gesandtschaft nach Paris, kehrte aber
1847 nach dem Sturze des Ministeriums Abel nach
München zurück, wo er im November mit Herrn
von Berls als Minister des Äußern und des Innern
das sog. Lola-Ministerium bildete. Am 12. März
1848 erhielt er seine Entlassung, verzichtete 1849
auf seine Reichsratswürde und stellte sich in der
Abgeordnetenkammer an die Spitze der äußersten
Linken. 1862 legte er sein Mandat nieder, ging in
die Schweiz und starb 22. Juni 1870 in Luzern. -
Vgl. Abel und Wallerstein, Beiträge zur neuesten
Geschichte bayr. Zustände (Stuttg. 1840).
Attinger, Eduard Maria, Schriftsteller, geb.
19. Nov. 1808 zu Breslau, war zuerst in Wien jour-
nalistisch thätig und unternahm 1829 in Berlin
die Herausgabe des humoristisch - satir. Blattes
"Eulenspiegel", an dessen Stelle 1831 der "Figaro"
trat, der bis 1836 bestand. Zwischendurch hatte er
in München das Tageblatt "Das schwarze Ge-
spenst" herausgegeben, das nach drei Monaten unter-
drückt ward und ihm Landesverweisung eintrug.
Den 1836 zu Hamburg begründeten "Argus" ver-
kaufte Ö. 1838 und ging nach Wien. Auch hier
bald ausgewiesen, lebte er anfangs in der Schweiz,
dann vorübergehend in Stuttgart und Mainz, bis
er sich 1842 in Leipzig niederließ, wo er bis 1851
l den "Charivari" und 1843-49 den "Narren-
almanach" herausgab. 1861 siedelte er nach Dres-
den über. Er starb 26. Juni 1872 zu Blasewitz bei