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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Overbeck (Johs.) - Overskou
die Wiener Akademie und stellte sich schon damals in
Gegensatz gegen die dort herrschende antikisierende
Richtung der Fügerschen Schule. Sein renitentes
Verhalten auf der Akademie führte dahin, daß er mit
mehrern Freunden (Pforr, Sutter und Vogel) 1810
entlassen wurde. Mit diesen ging er nun nach Rom,
wo sich ihnen noch andere deutsche Maler (Hottinger,
Schesfer, W. Schadow, die beiden Veit u. a.) an-
schlössen. Ihr exklusives Wesen und der Schauplatz
ihrer verbrüderten Thätigkeit, das durch Napoleon
ausgehobene Kloster der irischen Barfüßer San Isi-
doro, brachte dieser Malergesellschast den Beinamen
Klosterbrüder oder Nazarener (s. d.) ein. O. ver-
tiefte sich immer mehr in die kirchlich-romantische
Anschauungsweise, als deren notwendige Folge er
wie zahlreiche gesinnungsgleiche deutsche Künstler
dieser Zeit den übertritt zur kath. Kirche betrachtete
l1813). Schon seine ersten selbständigen Kompo-
sitionen, wie: Anbetung der Könige, Christus bei
Maria und Martha (1812-15) und insbesondere
das 1810 - 20 für die Marienkirche in Lübeck aus-
geführte Ölbild Einzug Christi in Jerusalem (ge-
stochen von O. Speckter), bekundeten diese Richtung.
Mit Cornelius, PH. Veit und W. Schadow war er
1816 an den Freskomalereien in der Casa Zuccari
oder Bartholdy am Monte-Pincio in Rom beteiligt,
welche einen Cyklus zur Geschichte Josephs dar-
stellen. O. malte hierfür als Hauptbild: Verkauf
Josephs durch seine Brüder (Karton im Stüdelschen
Institut zu Frankfurt). Dies wurde Anlaß, daß der
Marckese Massimi, welcher sein Gartenhaus mit
Darstellungen zu ital. Dichterwerken schmücken ließ,
O. das Tassozimmer zur Dekoration übertrug. In-
folgedessen entstand seit 1820 der unter Beihilfe
Führichs vollendete Cyklus von Wand- und Decken-
bildcrn zum Befreiten Jerusalem. Dem Jahre 1820
gehört auch das Ölgemälde Italia und Germania
an (Neue Pinakothek in München), dem sich das
Bildnis der Vittoria Caldoni (1822; ebendaselbst)
anreiht. Seit Vollendung dieser Fresken widmete
sich O. fast ausschließlich der kirchlichen Kunst: Ar-
beiten wie die meisterhaften Zeichnungen nach Thor-
waldsens Aleranderzug (gestochen von Bettelini und
Marchetti) sind ganz vereinzelt. Von entscheidender
Bedeutung war hierbei der Auftrag, das Rosen-
wunder des heil. Frauziskus in der Kirche Sta.
Maria degli Angeli zu Assisi zu malen (1829). Zu
den hervorragendsten Einzelwerken der Zeit bis 1840
gehören: Moses am Brunnen (gestochen von Grü-
ner), Elias' Himmelfahrt (gestochen von Ruscheweyh
und I. C. Koch), die ganz in Raffaelischcm Geiste
gehaltene Madonna (in der Neuen Pinakothek in
München, gestochen von Felsing), Vermählung
Maria (Galerie Raczynsti in der Berliner National-
aalerie), Der Tod Josephs (Museum zu Basel), Die
Krönung Marias im Dom zu Köln und die Pietä
sür die Marienkirche zu Lübeck (1837). Ein aus-
drückliches Bekenntnis seiner künstlerischen Absichten
giebt das 1840 vollendete figurenreiche Gruppen-
bild Triumph der Religion in den Künsten (Stüdel-
sches Institut in Frankfurt, gestochen von Amsler).
Am vollendetsten erscheint O. in seinen Zeichnungen.
Neben dem Cyklus der Apostel und Evangelisten
(gestochen von Bartoccini und Keller), den Passions-
bildern und zahlreichen verstreuten biblischen Einzel-
tompositioncn stehen die 40 Blätter zu den Evan-
gelien (früher in der Sammlung des Freiherrn von
Lotzbcck, leider durch Brand zerstört; gestochen von
Bartoccini, Keller, Pflugfclder, Steifcnsand u. a.)
als klassische Werke ihrer Gattung, in welchen sich
der am Studium Naffaels gereifte Schönheitssinn
O.s aufs reinste offenbart. In die letzte Periode
des Meisters fallen verschiedene Entwürfe zu kirch-
lichen Freskodekorationen für Rom und Diakovar
ldas große Wandgemälde im Vatikan: Verfolgung
Christi, mit Bezug auf die Verfolgung Pius' IX.
1848 von diesem bestellt), vor allen aber der groß-
artige mystische Cyklus zu den Sieben Sakramen-
ten, bestehend aus Hauptfeldern, Friesen, Sockeln
und Scitenleisten voll der geist- und gcmütreichsten
Beziehungen zum Hauptthcma (die Kartons, voll-
endet 1861, Eigentum der Familie Hofsmann in
Wiesbaden). O. starb 12. Nov. 1869 in Rom, wo
er der Akademie von San Luca angehörte. - Vgl.
Howitt, Friedrich O. Sein Leben und Schassen (hg.
von Binder, 2 Bde., Freib. i. Br. 1886).
Overbeck, Johs., Archäolog und Kunsthistori-
ker, geb. 27. März 1826 zu Antwerpen, ein Neffe
des Malers Friedrich O., widmete sich zu Bonn
philol. und archäol. Studien, lebte dann einige
Jahre in Hamburg und habilitierte sich 1850 zu
Bonn. 1853 wurde er als außerord. Professor der
Archäologie und Direktor des Archäologischen Mu-
seums nach Leipzig berufen, wo er 1858 eine ord.
Professur erhielt. Er starb 8. Nov. 1895 in Leipzig.
Von O.s wissenschaftlichen Arbeiten sind hervor-
zuheben: "Galerie heroischer Bildwerke der alten
Kunst" (Bd. 1: "Die Bildwerke zum Thebischen
und Troischen Heldenkreise", Vraunschw. 1853),
"Kunstarchäol. Vorlesungen" (ebd. 1853), die "Ge-
schichte der griech. Plastik" (2 Bde., Lpz. 1857-58;
4. Aufl. 1894) und "Pompeji in seinen Gebäuden,
Altertümern und Kunstwerken" (ebd. 1855' 4. Ruft.
1884), "Die antiken Schriftquellen zur Geschichte
der bildenden Künste bei den Griechen" (ebd. 1868),
endlich "Griech. Kunstmythologic" (Bd. 1, 2 u. 3, i,
ebd. 1871 - 89), begleitet von dem "Atlas der
griech. Kunstmythologic" (ebd. 1872 fg., bisher
26 Tafeln im größten'Folio). Außerdem noch zahl-
reiche Aufsätze und Abhandlungen, darunter die
"Beiträge zur Erkenntnis und Kritik der Zeus-
religion" (Lpz. 1861) und "über die Lade des
! Kypsclos" (ebd. 1865). Das Archäologische Mu-
seum der Leipziger Universität ist zum größten Teil
erst von O. geschaffen worden.
Over-Darwen, Stadt in der cngl. Grafschaft
Lancashire, s. Darwen.
Overflakkee, s. Goerec-en-Ovcrflakkee.
Oeversee (Översee), Dorf im Kreis Flensburg
des preuß. Reg.-Bez. Schleswig, an der Trecne, hat
(1890) etwa 280 E. Am 24. April 1848 wurde hier
die Nachhut des bei Schleswig tags zuvor geschla-
genen dün. Heers von der Vorhut des 10. deutschen
Bundesarmeckorps unter General von Schnchen
geworfen. Das Gefecht wird auch nach dem nörd-
lich von O. gelegenen Dorf Bilsch au benannt. Am
6. Febr. 1864 wurde bei O. die Nachhut der aus dem
Danewerk abziehenden dän. Armee unter Steinmann
von den Österreichern unter Gablenz nach Klein-Selk
zurückgeworfen. Denkmäler erinnern an jene Tage.
Overskou (spr. -sku), Thom., dänischer dramat.
Dichter, geb. 11. Okt. 1798 in Christianshavn, einem
Stadtteil Kopenhagens, trat bei einem Tischler in die
Lehre, ging 1818 zum Theater über und war 1823
-42 Hofschauspieler in Kopenhagen. Seine erste
Originalarbeit, das Drama "Farens Dage", kam
1826 zur Aufführung. 1849 - 58 war O. Ober-
regisscur am Hoftheatcr; er starb 7. Nov. 1873 zu