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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Paco - Pädatrophie

Regeln. Zu solchem P. werden benutzt Faschinen (s. d.) und Würste, dünne, etwa 8‒10 cm starke, aber mehrere Meter lange mit Draht umwundene Reisigbündel, Flechtwerk (s. d.), Steinkörbe (s. d.) und Senkstücke, d. h. große Buschwerkplatten, welche durch Würste, Holznägel und Flechtzäune zusammengehalten sind und durch Steinbelastung zum Versinken gebracht werden.

Paco, Säugetier, s. Lama.

Pacos (span.), s. Erzlagerstätten.

Pacotille (spr.-tíj), Pacotillevertrag, Beilast, Vertrag, nach welchem sich die Seeleute verpflichten, fremde Waren in ihren Kojen oder Koffern, ohne daß für die Waren Fracht gezahlt wird, mitzunehmen, um sie überseeisch zu veräußern, auch wohl aus dem Erlös in dem Lande des Verkaufs andere Waren einzukaufen und dieselben zurückzuschaffen (Retouren machen). Je nachdem die Veräußerungen für gemeinschaftliche Rechnung oder nur für Rechnung des Gebers abgeschlossen werden, hat der Vertrag den Charakter eines Societäts- oder eines Kommissionsvertrags. Das war früher für eine gewisse Quantität von Gütern allgemein erlaubt. Die franz. Praxis gestattet auch heute den Schiffsleuten die Mitnahme in der Beschränkung auf ihre Kojen und Koffer. Das Deutsche Seerecht verbietet in Art. 514 des Handelsgesetzbuchs dem Schiffer, ohne Erlaubnis des Reeders, in §. 75 der Seemannsordnung den Schiffsleuten, ohne Erlaubnis des Schiffers irgend welche Güter an Bord zu bringen.

Pacta conventa (lat.), Wahlkapitulation der poln. Könige, zuerst bei der Wahl Heinrichs von Valois 1573 vom Wahlreichstage aufgestellt. (S. Polen, Geschichte.)

Pacuvĭus, Marcus, röm. Trauerspieldichter, der Schwestersohn des Ennius, geb. um 220 v. Chr. zu Brundisium, lebte in Rom, wo er zuerst als Maler, dann auch als Tragödiendichter thätig war, und starb fast 90 J. alt zu Tarent. Er dichtete seine Dramen mit wenigen Ausnahmen nach griech. Mustern, besonders nach Sophokles und Euripides. Unter den Titeln befindet sich nur ein einziger aus dem Bereiche der röm. Geschichte. Sie zeichneten sich durch Fülle des Ausdrucks aus und fanden bei den Zeitgenossen wie bei Spätern großen Beifall, wiewohl die Sprache zuweilen gekünstelt erscheint. Die noch vorhandenen Bruchstücke sind gesammelt in Ribbecks «Scenicae romanorum poesis fragmenta» (2. Aufl., Bd. 1, Lpz. 1871). – Vgl. L. Müller, De Pacuvii fabulis disputatio (Berl. 1890).

Pacy-sur-Eure (spr. paßih ßür öhr), Stadt im franz. Depart. Eure, Arrondissement Evreux, 16 km östlich von Evreux, an den Linien P.-Vernon-Gisors (63 km) und Dreux-P.-Elbeuf der Westbahn, hat (1891) 1782, als Gemeinde 1926 E.; Weißgerberei, Zeugschmieden und Handel. Am 5. Okt. 1870 Gefecht von Bredows mit franz. Mobilgarden.

Pädagōg (grch., d. i. Kinderführer), bei den alten Griechen und Römern der Sklave oder Diener, dem die Aufsicht über die Knaben übertragen war; er mußte sie in das Gymnasium (s. d.) oder die Schule bringen und von dorther wieder abholen, auch bis zum Ephebenalter (s. Epheben) überall hin begleiten; jetzt ist P. soviel wie Erzieher.

Pädagōgik (grch.), Erziehungslehre, Erziehungswissenschaft, die wissenschaftliche Darstellung der Gesetze und Mittel der Erziehung und zugleich die Kunst, deren Gegenstand die Erziehung ist. Sie zerfällt in Erziehungslehre im engern Sinne und in Unterrichtslehre (Didaktik, s. d.). Erstere hat von der Persönlichkeit des Erziehers und von den Anforderungen, die an ihn zu stellen sind, von der Aufgabe und dem Ziele der Erziehung, worüber die Ethik Auskunft giebt, von der Natur des Zöglings und seiner Entwicklung (Psychologie und Anthropologie) und endlich von den Erziehungsmitteln und ihrer Anwendung (Methode) zu handeln. Gegenstand der Unterrichtslehre sind die Unterrichtsfächer, die Unterrichtsmethode und die Lehrform, die Schulen und ihre Organisation. (S. auch Erziehung, Schulen und Unterrichtswesen.)

Pädagogische Seminare, s. Seminar.

Pädagogĭum (grch.), Erziehungsanstalt, namentlich gelehrte Schule für Knaben, welche mit Alumnat verbunden ist; die Bezeichnung ist besonders in Aufnahme gekommen durch das von A. H. Francke (s. d.) in Halle begründete P.

Padang, Hauptstadt zweier Residentschaften im niederländ. Gouvernement von Sumatras Westküste, ein wohlgebauter und verhältnismäßig gesunder Hafenplatz mit etwa 12000 E., hat beträchtliche Schiffahrt und Ausfuhr von Muskatnüssen (1895: 3504 Pikuls), Cassia (14733 Pikuls), Häuten (46439 Pikuls), Kaffee (62046 Pikuls, meist nach Neuyork), Stuhlrohr (14234 Pikuls), Kopra (77472 Pikuls) und Gummi. P. ist Sitz eines deutschen Vicekonsuls.

Pädarthrocăce (grch.), die bei skrofulösen Kindern vorkommende fungöse Gelenkentzündung. Sie führt oft zu Knochenfraß und Gelenksteifigkeit. (S. Gliedschwamm.)

Pädatrŏphie (grch.), Darrsucht oder Auszehrung der Kinder, Unterleibsskrofeln oder Unterleibsdrüsenschwindsucht (Tabes mesaraica), eine im frühen Kindesalter häufige Form der Abzehrung, die sich bei unzweckmäßig ernährten und aufgepäppelten Kindern oft an chronischen Magen- und Darmkatarrh anschließt und meist auf tuberkulöser Entartung der Gekrösdrüsen beruht. Solche Kinder leiden gewöhnlich schon seit längerer Zeit an Erbrechen und Durchfall; täglich mehrmals werden nach vorausgegangenem Stöhnen und Wimmern und schmerzlichem Verziehen des Gesichts Stühle entleert, die bald wässerig, hellgelb, gehackt, bald derb, selbst hart sind; dabei ist der Unterleib stark aufgetrieben und zeigt die Wülste des Darms an seinen Decken, häufig lassen sich auch die verhärteten Gekrösdrüsen durch die Bauchdecken hindurchfühlen. Dabei magert der Körper immer mehr ab, die Muskeln werden schwach, das Fettgewebe schwindet und das Knochenwachstum bleibt zurück; das Gesicht schrumpft zusammen und nimmt ein greisenhaftes Aussehen an mit faltiger, welker Haut, hohlen Wangen und eingefallenen Augen. Der Appetit kann übermäßig gesteigert sein oder ganz fehlen. Später gesellen sich Schwämmchen, übelriechender Atem, Husten und Röcheln hinzu und unter hektischem Fieber erfolgt in den meisten Fällen der Tod. Die Krankheit läßt sich nur durch eine angemessene Ernährung verhüten (s. Auffütterung der Kinder); ist sie einmal vorhanden, so läßt sich oft nicht viel dagegen thun. Am meisten ist noch von einer leichten, aber nahrhaften Diät (Haferschleim, schleimige Suppen von starker Bouillon, Milch, Eigelb, Wein), von der Darreichung des Leberthrans und leicht verdaulichen Eisenpräparaten zu erwarten. Wo Mutter- oder Ammenmilch zu beschaffen ist, verdient diese vor allem den Vorzug; selbst bei weit ent-^[folgende Seite]