Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Palestro; Paletot; Palette; Pálffy; Palgrave

823

Palestro - Palgrave

auch P., der deshalb 1555 ebenfalls aus der Kapelle entlassen wurde. Im Oktober desselben Jahres erhielt er aber dafür die Kapellmeisterstelle an San Giovanni in Laterano, die er sechs Jahre bekleidete und dann mit der an Santa Maria-Maggiore vertauschte, die er bis 1571 versah. Mittlerweile war 1562 das Tridentinische Konzil wieder zusammengetreten, auf dem eine für nötig erachtete Reinigung der Kirchenmusik zur Sprache kam. Man fand Anstoß an der Vermischung der profanen mit der geistlichen Musik, indem bis dahin der Mißbrauch sehr in Schwung gekommen war, Messen über weltliche und nicht selten sehr frivole Lieder zu komponieren. Außerdem gefielen sich die damaligen Komponisten in Künsteleien, während man für die Kirche einfachere Musik verlangte, die durch kontrapunktische Verschlingungen das Wort nicht ganz unterdrückte. Pius IV. ernannte 1565 eine Kommission von acht Kardinälen und acht Mitgliedern der päpstl. Kapelle, die endlich dahin übereinkam, eine Probe einfachen und edeln Stils zu veranstalten, und hierzu ward P. erlesen, an dessen "Improperien" (aus dem J. 1560) man eigentlich schon das schönste Beispiel jenes Stils hatte. P. schrieb nun, im Geiste der ihm gewordenen Aufgabe, drei neue sechsstimmige Messen, die die Aufgabe als gelöst erscheinen ließen. Unter diesen Messen erregte besonders diejenige die allgemeinste Bewunderung, die noch heute u. d. T. "Missa Papae Marcelli" weltberühmt ist. Der Papst ernannte hierauf P. zum Komponisten der Kapelle; 1571 trat dieser aus seiner Kapellmeisterstelle an Santa Maria-Maggiore in die an der Basilika San Pietro in Vaticano über, nebenbei auch als Musikdirektor an der Kongregation des Oratoriums und als Leiter der von Giovanni Maria Nanini errichteten Musikschule thätig. P. starb 2. Febr. 1594. Er hinterließ eine außerordentliche Anzahl von Werken, die zu seiner Zeit größtenteils (nur in einzelnen Stimmbüchern) gedruckt wurden.

P. entfaltete in seinen Schöpfungen eine Größe und Würde, die für alle Zeiten Gegenstand der Bewunderung bleiben werden. Man findet bei ihm alle Abstufungen kontrapunktischer Kunst, vom Einfachsten bis zu den kompliziertesten Kombinationen kanonischer und fugierter Setzart. Alles aber ist vom Feuer des Genius durchglüht und bewegt sich zwanglos, frei, mit dem höchsten Grad ital. Anmut und Milde. Seine Werke bestehen vorwiegend aus kirchlichen Kompositionen im strengen Stil, doch hat er auch einfachere Stücke und liebliche weltliche Madrigale geschrieben. Seine Kirchenwerke bilden den Höhepunkt der Kirchenmusik. Der Musikweise seiner Zeit gab er eine so prägnante Gestalt, daß man diese Kompositionsart später einfach als den Palestrinastil bezeichnete. Von P.s Kompositionen werden noch gegenwärtig verschiedene jährlich zu bestimmten Zeiten in der Sixtinischen Kapelle gesungen. Die erste vollständige Gesamtausgabe seiner Werte (hg. von Haberl) erschien in 33 Bänden 1885 - 93 in Leipzig bei Breitkopf & Härtel. Sein Leben beschrieb Baini, Memorie storico-critiche della vita e delle opere di P. (2 Bde., Rom 1828; deutsch in verkürzter Gestalt von Kandler und Kiesewetter, Lpz. 1834; Auszug von Winterfeld, Bresl. 1832); vgl. auch Cametti, Cenni biografici di Giovanni Pierluigi da P. (Mail. 1895).

Palestro, Dorf in der ital. Provinz Pavia, Kreis Mortara, am linken Ufer der Sesia, über welche eine Brücke führt, an der Linie Vercelli-Mortara des Mittelmeernetzes, hat (1881) 2965, als Gemeinde 3105 E., ist denkwürdig durch das Gefecht 30. und 31. Mai 1859, in dem die Sardinier und Franzosen über die Österreicher siegten, woran ein Denkmal erinnert.

Paletot (frz., spr. pallĕtoh), Überrock, Überzieher.

Palette (frz.), das ovale Farbenbrett des Malers mit einer Öffnung für den Daumen der linken Hand, je nach der Beschaffenheit der Farben von Holz, Porzellan, Aluminium, Eisenblech u. s. w.

Pálffy, Albert, ungar. Schriftsteller, geb. 20. April 1820 in Gyula im Békéser Komitat, studierte die Rechte in Pest und erwarb das Advokatendiplom, lebte aber stets nur der Litteratur. Seine ersten Romane: "Magyar millionair" ("Ein ungar. Millionär", 1845) und "Fekete könyv" ("Das schwarze Buch", 1846), fanden sofort Beifall. 1848 gab er das Tagblatt "Márczius tizenötödike" ("Der 15. März") heraus, das ihm eine längere Kerkerhaft zuzog. Nach dem Freiheitskriege wurde er in Budweis interniert, kehrte nach zwei Jahren zurück und setzte seine novellistische und publizistische Thätigkeit mit wachsendem Erfolge fort. Mehrere seiner Novellen und Romane ("Frl. Esthers Professor", 1884; "Der Roman eines Ingenieurs", 1885; "Mutter und Gräfin", 1886; "Die Briefe der Baronin", 1888; "In den letzten Jahren des alten Ungarn", 1890) gehören zu den besten Produkten der neuesten ungar. Dichtung. P., einer der vertrautesten Freunde Petösis, ist seit 1864 Mitglied der Kisfaludy-Gesellschaft, seit 1884 auch der Akademie der Wissenschaften.

Palgrave (spr. páhlgrehw), Sir Francis, engl. Geschichtschreiber und Altertumsforscher, geb. im Juli 1788 zu London, von jüd. Abkunft, hieß eigentlich Cohen, welchen Namen er bei seinem Übertritt zum Christentum mit P. vertauschte. Er widmete sich der Rechtsgelehrsamkeit, erhielt eine Anstellung am Staatsarchiv und machte sich besonders durch die Herausgabe der "Parliamentary writs" (4 Bde., Lond. 1827 - 34) bekannt. 1832 wurde er Ritter und 1838 Vicedirektor des Staatsarchivs. Sein Hauptwerk ist die "History of Normandy and of England" (4 Bde., Lond. 1851 - 64). Er starb 6. Juli 1861 zu Hampstead.

Palgrave (spr. páhlgrehw), William Gifford, engl. Reisender, Sohn des vorigen, geb. 24. Jan. 1826 in Westminster, wurde, nachdem er in Oxford studiert hatte, 1847 Lieutenant in einem ostind. Infanterieregiment, gab indes bald die militär. Laufbahn auf, um in den Jesuitenorden einzutreten, und wirkte dann als Mitglied desselben bis 1853 in Indien, bis 1855 in Rom und bis 1860 in Syrien und Palästina und rettete bei den blutigen Ereignissen in Damaskus kaum das Leben. Im Auftrage Napoleons III. durchzog er zum erstenmal Arabien von Nordwesten nach Südosten und gab die ersten ausführlichen Berichte über den Wahabitenstaat. 1865 - 66 war er im Auftrage der engl. Regierung bemüht, die Freilassung der engl. Gefangenen in Abessinien zu erwirken; 1866 - 67 fungierte er als engl. Konsul in Suchum-kale, 1867 - 73 als solcher in Trapezunt, 1873 - 76 in St. Thomas, 1876 - 78 in Manila und 1878 - 80 als Generalkonsul in Bulgarien. Dann übernahm er das Generalkonsulat in Siam und 1884 das in Montevideo. Hier starb P. im Okt. 1888. P. veröffentlichte: "Narrative of a year's journey through Central and Eastern Arabia" (2 Bde., 1865; 2. Aufl. 1869; deutsch, 2 Bde., Lpz. 1867