Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

827
Palladium (mythologisch) - Pallasch
kann leicht geschmiedet und zu Drähten ausgezogen
werden, hat ein spec. Gewicht von 11,4 und laust
beim schwachen Erhitzen an der Luft blau an. Das
dabei gebildete Oxyd wird aber bei stärkerm Glühen
wieder reduziert. Im Knallgasgebläse verflüchtigt
es sich als grünes Gas. Die Dämpfe verdichten sich
zu braunem Pulver. Als Pulver sowohl wie auch
in d'ichtem Zustande zeigt es dieselben Wirkungen
wie pulverförmiges Platin. Geschmolzen, spratzt
es wie Silber beim Erkalten. In heißer Salpeter-
säure und Königswasser löst es sich leicht zu einer
dunkelrotbraunen Flüssigkeit auf. Am leichtesten
kann man es von: Platin durch sein Verhalten zum
Jod unterscheiden. Das P. wird durch Iodlo'suugenin
schwarzes Pallad iumjodür, ?ä^, verwandelt,
während Platin von ihnen nicht angegriffen wird.
Die technische Verwendung des P. ist schon wegen
seiner Seltenheit und Kostspieligkeit nur unbedeu-
tend. Man hat es als Draht zur Befestigung künst-
licher Zähne, ferner zu Impfnadeln, zu Lanzetten
u. s. w. verwendet. Auch benutzt man es auf der
Sternwarte zu Grcenwich, wo alle andern Metalle
durch die Seeluft anlaufen, zur Herstellung von sol-
chen Teilen astron. Instrumente, bei denen das An-
laufen vermieden werden mnß. Mit Wasserstoff
verbindet sich das P. zu einer festen Legierung.
(S. Occlusionsvermögen.) Aus einer solchen Legie-
rung ließ Th. Graham in London 1869 kleine Denk-
münzen prägen. In England werden vielfach ver-
silberte Metallwaren mit einem dünnen Überzug
von P. versehen, um das Anlaufen zu verhindern.
Durch Niederschlagen von P. auf Glas hat man
Palladiumspiegel hergestellt. Das Kilogramm
P. kostet 3000 M.
Palladium (grch. Palladion), im Altertum
Bezeichnung eines Bildes der Pallas Athene, das als
Unterpfand der öffentlichen Wohlfahrt gehütet wurde.
Besonders berühmt war das troische P. Es sollte
vom Himmel gefallen sein, war nach Apollodor
angeblich drei Ellen hoch und hielt in der Rechten
eine Lanze, in der Linken Spindel und Rocken.
Von ihn: war der Sage nach Ilions Fall abhängig.
Deshalb entwendeten es Odysseus und Diomedes.
Mehrere Städte behaupteten später es zu besitzen,
so Athen und Argos. In Rom glaubte man, daß
es sich im Tempel der Vesta befinde. Heliogabalus
soll es in seinen Sonnentempel versetzt haben. Die
P. waren aus Holz geschnitzt und von altertüm-
lichem Ansehen. Die zahlreichen Nachbildungen von
P., die namentlich in Darstellungen des Raubes
des troischen P. erhalten find, zeigen die Göttin
regelmäßig mit geschwungener Lanze und erhobe-
nem Schilde, im übrigen in streng altertümlichem
Typus. In übertragenem Sinne wird das Wort
P. für jede heilig gehaltene Sache, welche eine
schützende Wirkung hat, gebraucht. - Vgl. F. Cha-
vannes, v6 rllllläii i-aMi (Berl. 1891).
Palladius, Rutilius Taurus Ämilianus, röm.
Schriftsteller, verfaßte im 4. Jahrh. n. Chr. ein
Werk "1)6 i'L ru3tici0) ("Über den Landbau") in 14
Büchern, wovon das letzte Buch in Distichen ge-
schrieben ist. Das Werk war, da es einen recht voll-
ständigen Wirtschaftskalender enthält, sehr gebraucht
und wurde noch im Mittelalter vielfach benutzt. Eine
Bearbeitung lieferte I. G. Schneider in den "8ci'ipto-
1'68 1'61 i'U8ticH<3 V6t6i'68 lütini", Bd. 3 (Lpz. 1795)
und in neuerer Zeit (nebst engl. Übersetzung) B.
Lodge (Lond. 1873 u. 1879), die engl. Übersetzung
allein M. Viddel (Berl. 1896).
Pallantia, alter Name der Stadt Palencia (s. d.).
Pallanza, Hauptstadt des Kreises P. (70074 A)
in der ital. Provinz Novara, auf dem Westufer des
Lago Maggiore (s. d.), den Vorromeischen Inseln
(s. d.) gegenüber, hat (1881) 3589, als Gemeinde
4241 E., in Garnison ein Bataillon des 74. In-
fanterieregiments, mehrere alte Kirchen, ein Amts-
haus (Palazzo degli Ufsizii), Theater und große
Strafanstalt; Seidenindnstrie, Gärtnereien" und
Dampferverbindungen mit den Uferorten des Sees.
Die herrliche Lage und das milde Klima (Jahres-
mittel 16° (^., Winter 10°) machen P. zu einem der
beliebtesten Punkte au: See.
Pallas, der 2. Planetoid.
Pallas, Peter Simon, Reifender und Natur-
forscher, geb. 1741 zu Berlin, studierte Naturwissen-
schaften und ging dann nach Leiden, wo er die Natu-
raliensammlung des Erbstatthalters ordnete. Nach-
dem er auch England besucht hatte, wurde er zur An-
ordnung ähnlicher Sammlungen vielfach gebraucht
und dadnrch in den Stand gefetzt, feinen noch jetzt
geschätzten "Nlsnclins xonpli^tormn" (Haag 1766;
deutsch von Wilkens, 2 Tle., Nürnb. 1787) und die
"Ni8C6i1aQ6H xoolon'icw) (Haag 1766; neue Ausg.,
Leid. 1778) herauszugeben. Darauf kehrte er nach
Berlin zurück und fing hier an feine "spioil^ia 200-
lozica" (2 Bde., Verl. 1767-80) zu veröffentlichen.
Bald darauf berief ihn jedoch die Kaiserin Katha-
rina II. als Adjuukt der Akademie nach Petersburg
und stellte eine wissenschaftliche Erpedition nach dem
russ. Asien nnter seine Leitung. P. trat diese Reise
21. Juni 1768 in Begleitung von Sokolow, Sujew
und Rytschkow an und kehrte 30. Juli 1774 nach
Petersburg zurück. Er veröffentlichte dann: "Reisen
durch verschiedene Provinzen des Russiscken Reichs
in den 1.1768-74" (3 Bde., Petersb. 1771-76),
"Sammlung histor. Nachrichten über die mongck.
Völkerschaften" (2Bde., ebd. 1776-1802) und "Neue
nordifche Beiträge zur Physik, und geogr. Erd- nno
Völkerbefchreibung, Naturgeschichte und Ökonomie"
(anonym, 7 Bde., ebd. 1781-96). Die großartigen
Sammlungen, die P. mitbrachte, bilden den Kern
des akademischen Museums zu Petersburg. P. wurde
1777 Mitglied eines topogr. Ausschusses zur Aus-
messung und vollständigen Topographie des Russi-
schen Reichs und 1787 Hiftoriograph des Admirali-
tätskollegiums. Er zog sich 1796 nach Simferopol
znrttck und lebte dann in Berlin, wo er 8. Sept.
1811 starb.
Von feinen Schriften sind noch zu nennen: "^lora
i'ozsica" (Petersb. 1784-1815), "Icon63 w86cto-
ruin pi'H686i'tim I5o88iN6 8idiria6HN6 pecuIilN'ium"
(^3c.1-3 l^^III, Erlangen 1781-98), die er feit
1806 fortsetzte, die Beiträge zu dem Glossarium aller
Sprachen der Erde, das er (anonym) als "Vocadn-
lariuiQ liuAuni'um totin8 0idi8 ^uFU3ti88ima6 (Ok>
tkarinHe II) cui-a. colwcwm" (2 Bde., Petersb. 1787
-89; 2. Aufl., 4 Bde., 1790-91) herausgab, ferner
i-iäe" (ebd. 1795), "Bemerkungen auf einer Reise in
die südl. Statthalterschaften des Russischen Reichs
in den 1.1793 - 94" (2 Bde., Lpz. 1779-1801;
nene Ausg. 1803, mit Atlas) und "8i>6ci68 ^8tra-
ZHloi-nni" (13 Hefte, ebd. 1300-2). Einen Teil
seiner kostbaren Sammlungen vermachte er der Ber-
liner Universität.
Pallas Athene, griech. Göttin, s. Athena.
Pallasch (slaw.), langer, gerader, schwerer Stich-
degen mit meist zweischneidiger Klinge, Korb und