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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pallasite - Pall Mall Gazette
Stichblatt; er war von jeher Hieb- und Stichwaffe
der Kürassiere. Im deutschen Heere haben die Küras-
siere seit ihrer Bewaffnung mit Lanzen den P. mit
einem ganz leichten Stichdegen vertauscht.
Pallasite, Art der Meteorsteine (s. d.).
Pallavicini(spr.-witschihni), Adelsfamilie, aus
Deutschland stammend, kam im 10. Jahrh, nach der
Lombardei und erwarb bedeutende Gebietsteile. 1427
erlangten sie das Patrieiat in Venedig. Es existieren
in Italien noch drei Linien: in Cremona, Ceva und
Genua. Der zweiten Linie gehört an Emilio P.
di Priola, geb. 1824 in Genua; er focht 1848 in
der Krim, 1859 bei Casale und San Martino, nahm
1861 als Oberst des 1. Versaglieriregiments Gari-
baldi bei Aspromonte gefangen. Dann wurde er
Generalmajor und Generallieutenant, Commandeur
des röm. Armeekorps, 1880 Senator und 1890 Gene-
raladjutant des Königs .Humbert. - In Ungarn er-
hielten Nachkommen der P. 1803 das Indigenat und
1868 die österr. Genehmigung, den deutschen Titel
Markgraf zu führeu. Haupt dieser Linie ist Alex-
ander, Markgraf von P., geb. 6. Mai 1853.
Pallavicino (spr. -witschihno), Carlo, ital. Kom-
ponist, geb. 1630 zu Vrescia, gest. 29. Jan. 1688
als Oberkapellmeister in Dresden, gehört unter die
hervorragendsten Opernkomponisten des 17. Jahrh.
Insbesondere hatten seine Werke, unter denen "(^6-
1'U8H16ININ6 lidßi-aiHn das verbreitetste war, auch
einen großen Anteil an der Einbürgerung des Musik-
dramas in Deutschland. Mit Domenico Gabrieli,
Freschi und Pollarolo gehört er unter die Vertreter
derjenigen Venetianischen Schule, die den Übergang
zu Al. Scarlatti und den Neapolitanern bildet.
Pallavicino (spr. -witschihno), Oberto, ital.
Feldhauptmann, uuterstützte seit 1234 Kaiser Fried-
rich II. gegen den Papst Gregor IX., unterwarf
1250 Parma, danach Cremona, Piacenza, Pavia
und Brescia, trat aber aus Eifersucht gegen Ezze-
lino III. (s. d.) da Nomano zur Guelfenpartei über
und trug viel zum Siege des lombard.-guelfischen
Städtebuudes über Ezzelino bei Cassano (16. Sept.
1259) bei. Als Beuteanteil erhielt P. die Städte
Mailand, Como, Lodi, Novara, Tortona und Ales-
sandria. Als Karl von Anjou mit eiuem Heere in
die Lombardei einrückte, verfocht er wieder die
Sache der Ghibellinen, wurde jedoch mehrmals ge-
schlagen. Er starb im Mai 1269.
Palle, im Seewesen, s. Spill.
Palleske, Emil, Dichter, Schriftsteller und Vor-
leser, geb. 5. Jan. 1823 zu Tempelburg in Pom-
mern, studierte in Berlin und Bonn Philologie, be-
trat dann unter Dörings Vermittelung in Posen
die Bühne und wirkte von 1845 bis 1851 am Olden-
burger Hoftheater als Charakterdarsteller. Dann
siedelte P. nach Arnstadt, darauf nach Weimar über
und lebte dann in Thal bei Eisenach, von wo aus
er als Vorleser Shakespearescher Dramen, später
auch Neuterscher Dichtungen die gröftern deutschen
Städte besuchte. Er starb 28. Okt. 1880 in Thal.
Sein Nuf als Schriftsteller beruht auf dem biogr.
Werke "Schillers Leben und Werke" (2 Bde., Verl.
1858-59; 13. Aufl., bearb. von H.Fischer, Stuttg.
1891). Auch veröffentlichte er "Die Kuust des Vor-
trags" (Stuttg. 1880; 3.Aufl. 1892) und drei Dra-
men: "Achilles" (1855), "König Monmonth" (Berl.
1853) und "Oliver Cromwell"'(ebd. 1857).
Palliativ (vom lat. Mllium, Mantel, Hülle,
s. Pallien), das, womit man irgend ein Nbel in
seinen zunächst in die Augen fallenden Äußerungen
zu mildern sucht, ohne die Grundursache desselben
zu heben; daher Palliativmittel soviel wie Lin-
derungsmittel zur Beseitigung der Schmerzen, der
Schlaflosigkeit u. s. w. Der Gegensatz einer der-
artigen Palliativkur ist die Radikalkur, welche
die Grundursache der Krankheit zu beseitigen sucht.
Palllen (lat.), weite Umhänge, namentlich das
der Palla (s. d.) ähnliche Oberkleid griech. Männer
und Frauen, während der Nömer die Toga trug.
Als liturgisches Kleidungsstück bedeutet Paliium den
wollenen Mantel, den seit dem 4. Jahrh, im Orient alle
Bischöfe bei der Weihe empfingen, angeblich als Sym-
bol des die Schafe auf den Schultern tragenden Hir-
tenamtes. Im Abendlande wurde es nur vom röm.
Bifchof getragen und von diesem andern Bischöfen
als Auszeichnung verliehen. Seit dem 8. Jahrh,
wurde das Pallium Zeichen der Metropolitanwürde,
obgleich der Papst es auch andern Bischöfen als
Ehrenauszeichnung gewähren konnte. Für die Erz-
bischöse ist der Besitz des von ihnen gegen Zahlung
einer Taxe (Palliengelder) zu erwerbenden Pal-
liums die Bedingung zur Ausübung der .jura or-
lliuig und des ^i8 ^lli'i3äiotioni8 der Synoden-
berusung. Das Pallium haftet am Metropolitan-
sitze, ist aber dabei höchst persönlich, darf nur inner-
halb der Provinz, in der Kirche, bei feierlichen
Pontifikathandlungen getragen werden (nur der
Papst trügt es bei allen gottcsdienstlichen Funktionen
und überall) und wird seinem Inhaber ins Grab
mitgegeben. Seit dem 12. Jahrh, besteht das
Pallium in einem über dem priesterlichen Ornat um
die Schultern getragenen, drei bis vier Finger breiten
weißwollenen Kragen, in den sechs schwarze Kreuze
eingewebt sind, mit zwei über Brust und Nucken
herabhängenden Streifen. Dieser Schmuck wird aus
der Wolle geweihter Lämmer gefertigt, vom Papst
28. Juni geweiht, die folgende Nacht hindurch beim
Grabe des heil. Petrus niedergelegt und in einer
Kapfel über der catiiecii-H des heil. Petrus aufbe-
wahrt. - Über die I^dula oder comoeclia pallilita.
s. iüomokäilr.
Palliengelder, s. Pallien.
Pallier, s. Polier.
Pallikaren (grch.), die Mitglieder einer Bande
von Armatolen (s. d.) oder Klephten (s. d.), gewöhn-
lich starke junge Leute. Daher bedeutet Pallikare
auch jetzt noch schlechtweg einen tapfern jungen
Mann, einen jungen Krieger. Das Wort kommt
bei den Byzantinern in dieser Bedeutung zuerst im
Anfange des 7. Jahrh. vor.
Palliocirrus, Palliocmnülus, s. Wolken.
Pallisade, s. Palissade.
Palliser (spr. päll-), William, engl. Kavallerie-
major und Industrieller, geb. 18. Juni 1830 zn
Dublin, stellte nach 1860Panzergeschossc aus weißem
Roheisen durch Schalenguß her, die nach dem Erfin-
der Palliser g ran aten genannt werden.
Pallium (lat.), Mantel, Umhang, s. Pallien.
?Hi1iuin gu3.ara.FS3ilna.1o, s. Hungertuch.
Pallkranz, im Seewesen, s. Spill.
Pall-Mall (spr. päll mall; vom ital. Mlilr, Ball,
und ma^io, Schlägel), in London und andern
Städten Name von Straften und Plätzen, wo früher
das Mailspiel (s. NM stattfand.
?a.11 Nla.11 Va.2etts (spr. päll mall gäsett), in
London erscheinende gcmäftigt-konservative Zei-
tung. Auflage: 80000; Verleger: William Waldorf
Astor; Hauptredacteur: Sir Douglas Straigt (seit
März 1896 interimistisch, bis dahin Henry Cust).