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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pamphilus - Pan
Pamphilus, gricch. Maler aus Amphipolis,
Schüler des ersten Stifters der Sikyonischen Schule,
Eupompus, und zugleich der bedeutendste Meister und
eigentliche Begründer dieser Schule. Sein berühm-
testes Bild war die Ankunft der Hcrakliden in Athen
als Schutzflehende. Er war der Lehrer des Apelles.
Pamphilus, Presbyter zu Cäsarea in Palä-
stina, gebildet in Alerandria, Anhänger des Ori-
genes (s. d.) und Freund des Eusebius (s. d.) von
Cäsarea, mit dem er eine Verteidigung (Apologie)
des Orißenes schrieb, von der sich das 1. Buch in
der lat. Übersetzung von Rufinus erhalten hat (abge-
druckt unter den Werten des Origenes bei de la Rue
u. a.). Er war berühmt durch seine Gelehrsamkeit
und die große, aufs freigebigste von ihm zu Cäsarea
gestiftete Bibliothek. 309 starb er den Märtyrertod.
Pamphlet, Flugschrift, namentlich Schmäh-
schrift; Pamphletist, Verfasser eines P.
Pamphylien, eine schmale, flache Küstenland-
schast von etwa 120 kin Länge im südl. Kleinasien,
am südl. Fuß des Taurusgebirges, im W. an Lycien,
im N. an Pisidien, im O. an Cilicien grenzend, im S.
von einer weiten Meeresbucht, dem Pamphyli-
schen Golf (Golf von Adalia), bespült. Der kal-
kige, an der Meeresküste teils versandete, teils ver-
sumpfte Boden des Landes wird durch mehrere
vom Taurus herabkommende Flüsse (von denen der
Kestros, der Curymedon und der Melas zu nennen
sind) nur ungenügend bewässert. Die Bevölkerung
scheint ein Gemisch von indogerman. und semit.
Elementen gewesen zu sein; mehrere Städte, wie
Perge, Aspendos, Side, Kibyra und das von König
Attalus II. von Pergamon gegründete Attalia (noch
jetzt Adalia), waren ganz griechisch. P. gehörte
früher zum Persischen Reich, kam dann an das Sy-
rische, später an das Pergamenische Reich und mit
diesem an Rom und wurde zuerst mit Cilicien, dann
mit Lycien zu einer Provinz vereinigt. - Vgl. Ra-
det, 1^68 vi1i68 ä6 1a?a.nip1i^1i6 (in der "Nkvuo
Hrck60ioFiHu6", 1890); Lanckoronski, Städte P.s
und Pistdiens, Bd. 1 (Wien 1890). !
Pamplona, befestigte Hauptstadt der span. Pro- j
Dinz (früher des Königreichs) Navarra (s. d.), in
einer gut bebauten Hochebene am Südfuße der westl.
Pyrenäen, in 420 in Seehöhe, auf dem hohen linken
Nfer des Arga (rechter Zufluß des Aragon) und an
der Linie San Sebastian-Saragossa der Nordbahn
gelegen, ist Sitz des Generalkapitäns (früher des
Vicekönigs), eines Bischofs, Obergerichtshofs und
anderer Provinzialbehörden, hat (1887) 26663 C'.,
regelmäßige Straßen, drei fchöne Plätze (Plaza de
Castillo der schönste-), viele stattliche Häuser; die
große, 1397 von Karl III. begonnene Kathedrale,
mit schöner Facade, dem Saal, worin sich die Cortes
von Navarra versammelten, und Gräbern Karls III.
und anderer Könige; die Kirchen San Nicolas und
San Saturnino; den Palast des Vicekönigs, den
Gouvernementspalast, ein Theater, Findelhaus,
vier Promenaden, davon La Taconera innerhalb
"der Wälle, viele Springbrunnen, einen 15km langen
Aquädukt aus dem 18. Jahrh., ein Priesterseminar,
"ein Instituto (Gymnasium) mit naturhistor. Samm-
lung, Bibliothek und botan. Garten, ein Lehrersemi-
nar, ein mediz.-pharmaceutisches Kollegium u. a.
Die von Philipp II. erbaute Citadelle ist strategisch
bedeutend und galt als Schlüssel von Navarra. P.
hat Fabrikation in Tuch, Leder, Wachs, Guitarren-
saiten, Töpferwaren, Handel mit Wein u. a. sowie
eine Messe vom 29. Juni bis 18. Juli. - Im Alter-
tum Pompelon im Lande der Vasconen, seitdem
5. Jahrh. Pampilo, Pampiluna genannt, wurde P.
778 von Karl d. Gr. den Arabern entrissen, die es
907 vergeblich belagerten. 1284 eroberte es Phi-
lipp III. von Frankreich. 1521 erlitten die Bewoh-
ner unter dem Grafen von Foir von den Spaniern
eine Niederlage. P. war 1808 bis 31. Okt. 1813
französisch und wurde 18. Sept. 1823 von den Fran-
zosen unter Lauriston wieder zur Kapitulation ge-
bracht. Im Karlistenkriege 1833-40 und auch 1843
blieb P. in den Händen der Christinos.
Pan, göttliches Wesen der griech. Mythologie,
ist ursprünglich als der Hirtengott schlechthin auf-
zufassen. So lassen sich alle wesentlichen Cha-
rakterzüge des Gottes mit Leichtigkeit aus dem
Leben und Treiben der antiken Ziegen- und Schaf-
hirten erklären. Wie diese, so hauste auch P. in
Felsenhöhlen, an denen die ariech. Kalkgebirge so
reich sind; wie die Hirten führt er ein Nomaden-
leben und tritt auch als Jäger, Fischer, Vogelsteller,
ja sogar als Krieger auf. Auch der sog. panische
Schrecken beruht auf einer häusigen Erfahrung des
Hirtenlebens, nämlich auf der Thatsache, daß selbst
vollkommen zahme Herdentiere oft ganz plötzlich
aus irgend einem unbedeutenden Anlatz, z. B. einem
ungewohnten Gerüufch, in der Regel aber ohne
irgend einen merkbaren Grund, in die heftigste Un-
ruhe geraten und alsdann wie wahnsinnig auf einen
Punkt, selbst wenn derselbe höchst gefährlich ist, z. B.
auf einen Abgrund, zustürzen. P.s Vorliebe für die
Musik, insbesondere sür die Flöte oder Syrinx, er-
klärt sich einfach aus der musikalischen Begabung der
Hirtenstämme, deren Lieblingsinstrumente von jeher
Flöte und Syrinx gewesen sind. Die altarkadische
Sage von der Liebe des Hirtengottes zur Mond-
göttin Selene (s. d.) erklärt sich aus der schon von
Homer (Ilias, 8,555 fg.) bezeugten Vorliebe der Hir-
ten für mondhelle, taureiche Nächte, weil nach
antiker Anschauung das mit Tau benetzte Gras
das beste Futter für Schafe und Ziegen bildet. (Vgl.
Röscher, über Selene und Verwandtes, Lpz. 1890.)
Der Hauptsitz von P.s Verehrung war das wald-
und weidereiche Arkadien. Hier, wo es über ein
Dutzend verschiedener Geburtssagen von P. gab,
sollte er unter andern von Hermes mit der Tochter
des Dryops (d. i. Eichmanns, zugleich des Repräsen-
tanten des Stammes der Dryoper) erzeugt worden
sein, zum Schrecken der Mutter, welche über die
aus menschlicher und tierischer Vildnng gemischte
Gestalt des Kindes (mit Ziegenfüßen, Bocksbart
und Hörnern am Haupt) sich entsetzte, aber zur
Freude des Vaters und der andern Götter, beson-
ders des Dionysos, der ihn mit den Satyrn (s. d.)
in seinen ausgelassenen Kreis (den bacchischen Thia-
sos) aufnahm. Der Kult des P. war aber später auch
in den meisten andern Gegenden Griechenlands ver-
breitet. Häufig wurde der Gott in Verbindung mit
andern Gottheiten verehrt, insbesondere zusammen
mit den Nymphen. In Athen wurde ihm nach der
Schlacht bei Marathon (in welcher er durch Sen-
dung des panischen Schreckens zum Sieg über die
Feinde beigetragen baden sollte) eine Grotte am
nordwestl. Fuße der Akropolis (Pansgrotte) ge-
weiht und jährlich sein Fest mit Fackelläufen gefeiert.
Die bildende Kunst des Altertums hat ihn häufig
dargestellt, oft in Verbindung mit andern Gott-
heiten, namentlich den Nymphen, oder als Glied
des bacchischen Thiasos, nicht selten auch in rein
menschlicher Bildung, jedoch mit zwei Hörnchen über